Mit einer fulminanten Feier beging das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm am 28. Juni seinen 25. Geburtstag. Ein Festakt mit Grußworten und Diskussionsrunden gehörte dazu, aber es gab auch ein „Museumsfest“ mit vielfältigen Angeboten für Groß und Klein, Sonderführungen, Speis und Trank, mit Musik, Tanzvorführungen und Geschichten rund um die Donau. Damit zeigte das Museum, wie präsent es in Ulm ist. Schon bei seiner Gründung war klar: Das Donauschwäbische Zentralmuseum sollte kein Ort des „stillen Gedenkens“ werden, wie so manche andere Vertriebenenmuseen, sondern einer der Begegnung und des lebendigen Austauschs. Den europäischen Gedanken sollte es verkörpern, Wissen und Erinnerung miteinander verbinden, „in die Vergangenheit und in die Zukunft blicken“.
Die Grundlage der Museumsgründung ist dennoch der „Vertriebenenparagraf“ 96 des BVFG zur ostdeutschen Kulturarbeit. In der Euphorie des Aufbruchs in den Ländern Südosteuropas unterzeichneten im Jahr 1994 die Vertreter von Bund, Land Baden-Württemberg (Patenland der Volksgruppe der Donauschwaben seit 1954 und der Landsmannschaft der Banater Schwaben seit 1998) und Stadt Ulm (Patenstadt der Landsmannschaft der Banater Schwaben seit 1998) mit den vier donauschwäbischen Landsmannschaften einen Vertrag zur Errichtung eines Donauschwäbischen Zentralmuseums, der die Finanzierung regelte und den Standort in der Oberen Donaubastion in Ulm festlegte. Im Stiftungsrat ist als wissenschaftlicher Beirat auch ein Vertreter des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde an der Universität Tübingen festgeschrieben. Gründungsdirektor Christian Glass erinnerte anlässlich der Jubiläumsfeier in einer Videobotschaft daran, dass es nun galt „ein Museum aus dem Nichts aufzubauen.“ Die Räume mussten renoviert werden und es gab weder ein Konzept noch Exponate. „Eine große Aufgabe, aber auch eine seltene Chance“, befand Glass im Rückblick.
Stadt der Donauschwaben
Die Geschichte der Donauschwaben ist eng mit Ulm verknüpft, denn ab hier brachten die „Ulmer Schachteln“ im 18. und bis ins 19. Jahrhundert hinein zehntausende Siedler aus Gebieten des deutschen Sprachraums ins „Ungarland“, weil die sich dort ein besseres und freieres Leben erhofften. Doch so vielfältig die Herkunft und die Umstände der Besiedlung waren, so unterschiedlich verlief auch die Entwicklung der Siedler, die man später (nicht zuletzt wegen des Einschiffungsortes Ulm) pauschal „Donauschwaben“ nannte, in ihrer neuen Heimat. waren die „Schwaben“ von Anfang an keine kompakte Gruppe und zu allem Überfluss wurde ihr Siedlungsgebiet nach dem Ersten Weltkrieg an drei Nachfolgestaaten der Habsburger Monarchie aufgeteilt: Ungarn, Rumänien und Jugoslawien. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlitten die Schwaben in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Schicksale. Deshalb sind heute vier Landsmannschaften als legitime Erben der einst Ausgesiedelten im Stiftungsrat des DZM vertreten: die Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien, die Banater Schwaben aus Rumänien, die Ungarndeutschen und die Sathmarschwaben.
In den folgenden Jahren wurden mit Hilfe der Landsmannschaften Exponate akquiriert und auf wissenschaftlicher Basis ein Konzept für die Dauerausstellung zur Geschichte der Donauschwaben erstellt. Eine Geschichte von Migration und Aufbruch, von Mut und Tatkraft, von Neugier und kultureller Vielfalt, aber auch von Leid und Unmenschlichkeit. Im Sommer 2000 öffnete das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm seine Türen und war von Anfang an bemüht, diese Geschichte für die Museumsbesucher erlebbar zu machen – unabhängig davon, ob diese einen familiären Bezug dazu haben oder nicht. Das hat sich als gutes Konzept erwiesen, denn die Themen Migration, Flucht und kulturelle Vielfalt sind, wie Museumsdirektor Tamás Szallay bei der Geburtstagsfeier betonte, „heute sogar noch relevanter als bei der Gründung des Museums vor 25 Jahren.“ Es gehe darum, über die Geschichten der Donauschwaben „wichtige Werte zu vermitteln“, die für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben von Bedeutung sind. In diesem Zusammenhang sei es auch wichtig, „im Donauraum präsent zu sein.“ Die Zusammenarbeit mit Institutionen in den ehemaligen Heimatgebieten der Donauschwaben ist eine zentrale Aufgabe des Museums, das mittlerweile im gesamten Donauraum gut vernetzt ist.
Das gehört auch zu den Prioritäten der vom Bund finanzierten Kulturreferentin für den Donauraum, die am DZM angesiedelt ist und deren Projekte ihren Fokus gezielt auf Begegnungen von jungen Menschen aus den unterschiedlichen Donauländern richten. Der völkerverbindende europäische Fluss rückte mit der Zeit immer mehr in den Mittelpunkt der Betrachtungen zur Identität der Donauschwaben, die sich im Laufe der 25 Jahre generationsbedingt auch verschoben hat. Dem trug die Neugestaltung des Museumskonzepts im Jahr 2022 Rechnung. Seither gibt es zwei Dauerausstellungen: Eine zur Geschichte der Donauschwaben – deutlich modernisiert und den interaktiven Bedürfnissen heutiger Museumsbesucher angepasst – und eine, die die kulturelle Vielfalt entlang der Donau im Fokus hat: Die „Donau.Flussgeschichten“ thematisieren Natur, Kultur und Wirtschaft in den 10 Ländern, die der Fluss auf seinem Lauf über 3000 Kilometer passiert. Für dieses Konzept wurde das DZM mit einem Museumspreis ausgezeichnet.
Interkulturelle Kontakte
Nicht ohne Stolz wurde im Festakt zum 25. Jubiläum auf die Erfolgsgeschichte des Donauschwäbischen Zentralmuseums hingewiesen. Die Ulmer Kulturbürgermeisterin Iris Mann, Vorstandsvorsitzende des DZM, hob die Rolle des Museums als „Ort interkultureller Kontakte“ hervor, der angesichts der Bedrohung des europäischen Gedankens durch Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit einen fundierten Beitrag zu Werten wie Toleranz und Wertschätzung von Vielfalt leistet. Ministerialdirektor Reiner Moser vom Innenministerium Baden-Württemberg erinnerte an die Patenschaft des Landes Baden-Württemberg über die Donauschwaben. Sie finde nicht nur beim DZM, sondern auch bei anderen Einrichtungen ihren Niederschlag, die auch weiterhin eine solide Finanzierung durch das Patenland erwarten dürfen. Der Ulmer Oberbürgermeister ging auf die Bedeutung der Stadt Ulm für die Auswanderer im 18. Jahrhundert ein, die sich auf die Nachkriegsgeschichte auswirkte und Ulm zur „Stadt der Donauschwaben“ machte. Heute sei Ulm eine international gut vernetzte Stadt, die ihren Standort an der völkerverbindenden Donau bewusst in den Fokus rückt: Das Donaubüro arbeitet unter anderem auch intensiv mit dem DZM zusammen und das Internationale Donaufest sei eine Attraktion weit über Ulm hinaus.
Ein europäischer Ort
Zwei Podiumsgespräche, moderiert von der Journalistin Anita Schlesak, bestimmten den zweiten Teil des Festakts. In der ersten Gesprächsrunde richteten die Vertreter der Landsmannschaften einen „Blick zurück“ zu den Anfängen des Museums. Joschi Ament von der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn erinnerte an die Flucht und Vertreibung vor 80 Jahren als gravierenden Einschnitt in der Biografie der Betroffenen, die jedoch in der nun neuen Heimat einen beispiellosen Integrations- und Aufbauwillen gezeigt hätten. Die Charta der Vertriebenen mit dem Verzicht auf Rache und Vergeltung sei ein sehr frühes Zeichen für die Bereitschaft, Brückenbauer und Vermittler zwischen Ländern und Kulturen zu sein. Der Vorsitzende der Landsmannschaft der Donauschwaben Jürgen Harich thematisierte den nach 80 Jahren fast vollzogenen Wechsel von der Erlebnis- zur Bekenntnisgeneration und die neuen Fragestellungen, die sich dadurch für die Arbeit in den Landsmannschaften und auch im Hinblick auf die Präsentation ihrer Geschichte im Donauschwäbischen Museum ergeben hätten.
Die Banater Schwaben aus Rumänien haben in ihrer Mehrheit noch in der kommunistischen Nachkriegszeit in ihren Heimatgebieten gelebt, hier sei weitgehend noch eine Erlebnisgeneration aktiv, betonte der Bundesvorsitzende der Banater Landsmannschaft Peter-Dietmar Leber. Nach dem Wegfall der Grenzen wurden sehr schnell Kontakte in die Heimatgebiete geknüpft, Kooperationen und gemeinsame Projekte der Begegnung und des Jugendaustauschs entstanden. Der EU-Beitritt Rumäniens erleichterte die Zusammenarbeit noch weiter. Im Hinblick auf die nächste Generation, die nicht mehr im Banat geboren ist, müsste aber auch hier über die Formen der Weitergabe von Geschichte und Kultur nachgedacht werden, deshalb sei eine Institution wie das DZM immer ein „europäischer Ort“, der nicht primär „Wissen für Insider“ vermitteln, sondern Muster des Zusammenlebens in der kulturellen Vielfalt und der europäischen Integration aufzeigen solle. „So wirkt das Museum weit über Ulm hinaus in den gesamten Donauraum“, resümierte er.
Das zweite Podiumsgespräch richtete den „Blick nach vorne“. Prof. Dr. Reinhard Johler von der Universität Tübingen, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des DZM, die DZM-Vorstandsvorsitzende und Ulmer Kulturbürgermeisterin Iris Mann und Museumsdirektor Tamás Szalay sprachen über neue Wege und Konzepte, die Kultur und Geschichte der Donauschwaben mit aktuellen politischen Themen zu vernetzen. „Ein Museum darf nicht statisch sein, sondern Antworten auf aktuelle Fragen finden,“ erklärte der Museumsdirektor. Als Zeichen für die Offenheit des DZM saß auf dem Podium auch die Algerierin Sarah Belgomri vom Internationalen Forum „Migration verbindet“. Unter diesem Schlagwort läuft am DZM schon seit mehreren Jahren ein Projekt mit Workshops zu verschiedenen Migrations-Themen, bei dem Aussiedler ihre Erfahrungen mit einbringen.
Erfolg durch solide Basis
Die Wortbeiträge und Grußworte wurden von Bernhard Sinz am Klavier stimmungsvoll mit Kompositionen von Béla Bartók aufgelockert. Im Foyer waren die Landsmannschaften jeweils mit einem Infostand präsent. Der Stand der Banater Schwaben wurde vom Kreisverband Stuttgart und vom Bundesvorstand betreut, die frischen Kipfel hatte Katharina Schlapansky gebacken. Renate und Arnold Krispin waren mit Trachtenpaaren der Tanzgruppe Esslingen angereist, die wie immer mit ihren Volkstänzen begeisterten.
Die Strahlkraft des nun 25jährigen Donauschwäbischen Museums konnte man unter anderem daran erkennen, dass hochrangige Gäste aus der Landes- und Lokalpolitik sowie aus den Verbänden der Geburtstagsfeier die Ehre erwiesen. Neben dem amtierenden Ministerialdirektor Reiner Moser vom Innenministerium Baden-Württemberg und dem Stiftungsratsvorsitzenden Julian Würtenberger, Staatssekretär a.D., war auch Herbert Hellstern, Ministerialdirigent a.D., gekommen. Die beiden ehemaligen Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner und Gunther Czisch erwiesen der Veranstaltung ihre Reverenz und vom Ulmer Stadtrat waren alle Fraktionen vertreten. Von der Landsmannschaft der Banater Schwaben nahm neben dem Bundesvorsitzenden auch sein Stellvertreter Jürgen Griebel am Festakt teil. Anwesend waren auch die Landesvorsitzenden von Bayern (Harald Schlapansky) und Baden-Württemberg (Richard Jäger) sowie der Betreuer des Kultur- und Dokumentationszentrums Walter Tonța. Das Projekt DZM sei eine Erfolgsgeschichte, weil es von Anfang an durch die Zusammenarbeit von Bund, Land und Stadt Ulm auf eine „solide Basis“ gestellt worden sei, kommentierte Peter-Dietmar Leber als Fazit des Festaktes. Man könne stolz auf dieses gut gemachte Aushängeschild unserer Geschichte sein und es entsprechend würdigen, denn: „Ein Museumsbesuch lohnt sich immer.“










