Festakt zum Doppeljubiläum – 50 Jahre Heimattag und 25+1 Jahre Patenschaft der Stadt Ulm und des Landes Baden-Württemberg
Mit „Grüß euch Gott, alle miteinander“ aus Carl Zellers Vogelhändler wurden die Gäste des Festaktes im Kornhaus musikalisch begrüßt. Peter-Dietmar Leber richtete seine Begrüßung an die anwesenden Ehrengäste und alle, die zum Festakt ins Kornhaus gekommen waren. Er verwies auf die drei Jubiläen, die den Blick auf die Landsmannschaft richteten – auf ihr Wirken und Mitwirken in der Gesellschaft, in der die Banater Schwaben seit Jahrzehnten leben und sich auf allen Ebenen, auch als Gruppe, selbstbewusst einbringen. Für die Zukunft richte sich seine Hoffnung auf die DBJT-Jugend, die am Nachmittag so eindrucksvoll ihre Zugehörigkeit und ihren Zusammenhalt in der Innenstadt zur Schau gestellt hatte: „Eine junge Generation, die Europa als Chance begreift und auf der Basis gemeinsamer Werte und Normen zusammenkommt. Dass dies heute der Fall ist, sein kann, ist auch das Verdienst unserer Vorgänger, die die Brücken ins Banat nie abreißen haben lassen. Und das gilt erst recht heute, wo Herkunft keine Verpflichtung zu etwas ist, sondern eine Chance, die uns gegeben ist.“
Die Grüße der Stadt Ulm überbrachte auch hier der Erste Bürgermeister Martin Bendel, da der Oberbürgermeister an diesem ereignisreichen Samstag dem Fußballspiel und der anschließenden Feier der „Ulmer Spatzen“ beiwohnen musste, die zum Saisonende in die Zweite Bundesliga aufgestiegen sind. Aus diesem Grund hatte die Stadt Ulm auch den Festakt des Heimattags vorsorglich aus dem vom Feierlärm umtosten Stadthaus ins etwas weiter abseits gelegene Kornhaus verlegt.
Die Festansprache hielt Thomas Blenke, Staatssekretär im Innenministerium von Baden-Württemberg, in Vertretung des kurzfristig verhinderten Innenministers Thomas Strobl, der als Aussiedlerbeauftragter seines Landes eine enge Bindung zu den donauschwäbischen „Patenkindern“ hat und erst im letzten Sommer als Mitglied einer Delegation an den Heimattagen der Banater Schwaben in Temeswar teilgenommen hat, seine Grüße richtete der Staatssekretär gerne aus.
In seinem Grußwort würdigte er die Gemeinschaft und das Miteinander, das durch die langjährige Patenschaft eine verbindliche Dimension erreicht habe und weiterhin wirke. Er dankte den Banater Schwaben für ihre unermüdliche Friedens- und Versöhnungsarbeit der letzten Jahrzehnte. Ihre Kultur sei gleichzeitig ein Teil des deutschen Südwestens wie des östlichen Europa und damit ein wichtiger integraler Bestandteil unserer gemeinsamen europäischen Geschichte. Die Grüße der Bundesregierung überbrachte die Aussiedlerbeauftragte Natalie Pawlik. Unter Bezug auf ihre eigene Entwurzelung erinnerte sie daran, dass im modernen Europa Heimat, ein vielfältiger Begriff nicht auf einen Ort beschränkt sei, die Wahrung der Traditionen sei aber ein Teil davon.
Heimat nicht auf einen Ort beschränkt
Dr. Petra Loibl sprach als Aussiedlerbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung. Auch ohne offizielle Patenschaft bestehe eine enge Bindung der Banater Schwaben zu Bayern, die Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm sei als Ort des Heimattages an der Grenze der beiden Bundesländer symbolhaft geeignet, die in beiden Ländern gut vertretenen und sehr aktiven Banater Schwaben zusammenzubringen, die im übrigen auch vom Freistaat großzügig unterstützt werden, seit 2018 mit dem eigenen Kulturwerk zur Förderung von Veranstaltungen und Publikationen.
Als Vertreter des Rumänischen Parlaments sprach dessen Abgeordneter für die Belange der Deutschen Minderheit Ovidiu Ganț, der aus Temeswar angereist war. Er würdigte die Zusammenarbeit zwischen Rumänien und der Bundesrepublik Deutschland, vor allem in Bezug auf die Aktivitäten der Banater Schwaben hier wie dort und dankte für die vielfältige Unterstützung durch den Bund und die Länder. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass seit diesem Jahr in Rumänien der 21. April zum „Tag der Freundschaft zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien“ erklärt wurde. Den Antrag habe er gemeinsam mit seinem Kollegen Silviu Vexler, dem Vertreter der jüdischen Minderheit, eingebracht. Die rumänische Botschafterin in Berlin Adriana-Loreta Stănescu würdigte die historische Rolle der Banater Schwaben als Bindeglied zwischen den beiden Ländern, die sich auch heute im gemeinsamen Europa bemerkbar mache durch die Vermittlung von Kontakten und Expertisen. Sie erinnerte auch daran, dass im nächsten Jahr der 145. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern bevorstehe. Das Grußwort von Dr. Johann Fernbach, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, verlas der BZ-Redakteur Siegfried Thiel, der mit einigen Kollegen aus Temeswar angereist war. Auch Fernbach ging auf das Motto des Heimattags ein und würdigte das gemeinsame Wirken der Banater Schwaben hüben wie drüben zur Aufrechterhaltung der immer noch aktiven Gemeinschaft. (Alle Grußworte der Ehrengäste werden im folgenden im vollen Wortlaut abgedruckt.)
Musikalischer Gruß ans Banat
Der Reigen der Grußworte und Ansprachen wurde immer wieder durch musikalische Einlagen von wechselnden Mitgliedern des Lehár-Ensembles aufgelockert. Die Musiker im Umfeld von Franz Metz sind immer wieder gern gesehene Gäste bei den Veranstaltungen der Landsmannschaft. Nina Laubenthal (Sopran), Wilfried Michl jun. (Tenor), Wilfried Michl sen. (Bariton) und die temperamentvolle Hermina Szabó (Violine) boten zum Abschluss des Festaktes noch ein buntes Konzert mit bekannten k.u.k.-Ohrwürmern von Robert Stolz, Oscar Straus, Carl Michael Ziehrer und natürlich Franz Lehár, das wie immer aber auch mit Banater Bezügen gewürzt war. Diesmal besonders ergreifend die Duette aus der Operette „Grüßt mein Banat“ von Emmerich Bartzer, die erst im vergangenen Jahr vollständig rekonstruiert und uraufgeführt werden konnte.
Luschdiche Lieder auf CD
Zwischen den Grußworten und dem Konzert gab es aber noch ein anderes musikalisches Schmankerl des Baritons Wilfried Michl aus Orzydorf: Er sang zwei Lieder in Orzydorfer Mundart („E Baure Pussl“ und „Mei Wunschkonzert“) und stellte eine CD mit Liedern vor, die er auf Texte seines Orzydorfer Sandkastenfreundes Rainer Kierer geschrieben und aufgenommen hat. Die beiden standen jetzt gemeinsam auf der Bühne, um das Produkt „Luschdiche und ernschte Lieder iwers Banat“ zu bewerben.
Unbehelligt vom Feierlärm der Fußballer klang der Festakt mit einem Empfang im Foyer des Kornhauses aus, bei dem sowohl durch Gedankenaustausch als auch durch Schwelgen in Erinnerungen die Gemeinschaft des Heimattreffens gelebt wurde.












