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Banater Post

»Unser Kulturerbe – Reichtum und Auftrag«

Am Mahnmal »Wider das Vergessen« wurde der Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation gedacht.

Bei der Vernissage der Ausstellung »Das Banat – eine Reise nach Europa« im Rathausfoyer.

Die »Donauschwäbische Singgruppe Landshut« bot ein beeindruckendes Konzert in der Heilig-Kreuz-Kirche. Fotos:Walter Tonţa

Nach 1983 und 2001 fanden die 17. Kultur- und Heimattage der Banater Schwaben aus Bayern nun schon zum dritten Mal in Landshut statt. Die Schirmherrschaft über die vom Landesverband Bayern der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Landshut organisierte Großveranstaltung hatte der Oberbürgermeister der Stadt Landshut, Hans Rampf, übernommen. In dieser Stadt und im Landkreis Landshut haben etwa 3000 Banater Schwaben eine neue Heimat gefunden. Ziel der Kultur- und Heimattage ist es, gemäß auch dem diesjährigen Motto „Unser Kulturerbe – Reichtum und Auftrag“ das kulturelle Erbe und das Brauchtum der Banater Schwaben, das in Deutschland weiter gepflegt wird, einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Kultur- und Heimattage hatten bereits am 26. April mit einer Autorenlesung begonnen, die von Johann Lippet bestritten wurde (darüber berichten wir in der nächsten Ausgabe). Ihre Fortsetzung fanden sie am Freitag, dem 10. Mai, mit einer Ausstellungseröffnung, einer Gedenkfeier am Mahnmal „Wider das Vergessen“ und einem Konzert in der Heilig-Kreuz-Kirche.

Banat-Ausstellung im Rathausfoyer

Zur Eröffnung der Ausstellung „Das Banat – eine Reise nach Europa“ im Rathausfoyer begrüßte der Vorsitzende des Kreisverbandes Landshut der Banater Schwaben, Hans Szeghedi, die Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, Dr. Swantje Volkmann, den Bürgermeister der Stadt Landshut, Gerd Steinberger, die anwesenden Mitglieder des Stadtrates, den BdV-Bezirksvorsitzenden Horst-Falko Billek, den Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber, seinen Stellvertreter Georg Ledig sowie die Mitglieder des Landesvorstandes Bayern, Helmine Buchsbaum, Bernhard Fackelmann, Johann Noll und Gerhard Kappler und nicht zuletzt alle Gäste aus nah und fern. Bürgermeister Steinberger überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters Hans Rampf und des Stadtrates. Er verlieh seiner Freude Ausdruck, dass die Stadt Landshut Gastgeber der 17. Kultur- und Heimattage der Banater Schwaben sei und im Foyer des Rathauses eine bemerkenswerte Ausstellung über das Banat präsentiert werde. Die Präsenz der Banater Schwaben in Landshut und die rege Tätigkeit ihres Kreisverbandes seien eine Bereicherung für die Stadt, so Steinberger.  

In ihrer Eröffnungsansprache wies Dr. Swantje Volkmann darauf hin, dass die Ausstellung einer Region gewidmet sei, die sich als ein Europa im Kleinen darstelle und deren Bewohner in vielfältiger Weise bewiesen hätten, dass ein echtes europäisches Zusammenleben möglich sei. Sie streifte die wechselvolle Geschichte der Region, die ein Mosaik aus verschiedenen Ethnien, Konfessionen und Kulturen sei. Bis heute werde das Banat von mehr als zwanzig verschiedenen Ethnien bewohnt. In diesem Zusammenhang erwähnte Dr. Volkmann die große Besiedlung durch Kolonisten aus dem deutschen Südwesten im Laufe des 18. Jahrhunderts und die Entwicklung der Region zur Kornkammer der Habsburger Monarchie. Die Kriege des 20. Jahrhunderts hätten tiefe Zäsuren hinterlassen und das Leben der Menschen vielfach auf den Kopf gestellt. Ehemals führende Ethnien, wie die deutsche, seien heute zu unbedeutenden Minderheiten geschrumpft, und jene Gruppen, die bis zum 19. Jahrhundert weder politische noch religiöse Rechte besaßen, stellten heute die politische Macht des Landes.

Das Banat befinde sich heute wieder auf dem Weg nach Europa, deren Völker sich an Werten wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Toleranz orientierten. Dieser Wertekanon sei im Banat vor- und ausgeprägt worden, so Dr. Volkmann. Noch immer lebten dort zahlreiche Ethnien neben- und miteinander. Das Banat sei reich an Identitäten, „die eine gewachsene Selbstverständlichkeit sind und auch im Raum nicht in Frage gestellt werden“. Diesen Reichtum und diese Selbstverständlichkeit wünsche sie sich für Europa,  sagte die Rednerin zum Schluss.

 Gedenkfeier am Mahnmal »Wider das Vergessen« 

Nach der Ausstellungseröffnung wurde am Mahnmal „Wider das Vergessen“ der Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation gedacht. Das Mahnmal in der Podewilsstraße, ein Werk des Banater Künstlers Walter Andreas Kirchner, wurde anlässlich des 50. Jahrestags der Baragan-Deportation im Rahmen der 11. Kultur- und Heimattage der Banater Schwaben in Bayern 2001 errichtet. Den geistlichen Teil der Feier gestaltete Kaplan Johannes Elberskirch von der Pfarrei St. Nikola (Landshut). Es sei wichtig, einerseits den Blick auf die irdische Heimat zu richten und andererseits den Blick für die wahre Heimat im Himmel offen zu halten, betonte der Geistliche. Wenn Paulus sagt, unsere Heimat ist im Himmel, dann wolle er die irdische Heimat nicht abtun, sondern die Menschen geradezu ermutigen, ihre Heimat zu bewahren und ihrer verlorenen Heimat zu gedenken. Und es sei wichtig, fügte Kaplan Elberskirch hinzu, der Menschen zu gedenken, die von uns gegangen sind, denn Heimat zeige uns auch, was uns dereinst erwartet: die ewige Heimat im Himmel.

In seiner Ansprache schilderte der Kreisvorsitzende Hans Szeghedi den Leidensweg der Banater Schwaben im 20. Jahrhundert, dem das Mahnmal künstlerischen Ausdruck verleihe. Es sei ein Zeichen wider das Vergessen und zugleich ein Zeichen des Dankes für die Aufnahme und Heimatfindung von etwa 3000 Banater Schwaben in der Stadt und im Landkreis Landshut. Nach einem gemeinsamen Vaterunser legten zwei Vertreter des Kreisverbandes Landshut am Mahnmal einen Kranz nieder mit der Aufschrift: „Die Banater Schwaben gedenken der Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation“. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier von dem Bläserduo Melitta und Josef Papst.      

 

Über das Konzert der »Donauschwäbischen Singgruppe Landshut« und die Veranstaltungen am Samstag, dem 11. Mai, berichten wir in der nächsten Ausgabe der Banater Post.