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Media-Center

Banater Post

70 Jahre Landsmannschaft: die Anfänge (Teil 5)

Geleitwort des Herausgebers Peter Maurus in der ersten Folge der „Banater Post“, erschienen im Dezember 1956.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Bis zur Herausgabe einer eigenen Zeitung sollten noch einige Jahr vergehen. Schrittmacherdienste leistete hierbei der Landesvorsitzende Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Banater Schwaben Peter Maurus, der auf eigenes unternehmerisches Risiko im Dezember 1956 die „Banater Post“ als zweispaltigen Rundbrief der Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien in Deutschland e.V., Landesverbände Hessen und Baden-Württemberg herausbrachte. Die Zeitung erschien als Nummer 6, weil Peter Maurus in loser Folge bereits fünf Rundbriefe verschickt hatte und die „Banater Post“ in der Tradition dieser Rundbriefe sah. Die durchaus positive Aufnahme bei den Landsleuten hatte als erste Reaktion, dass der damalige Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Anton Valentin dem Herausgeber untersagte, im Untertitel die Bezeichnung „Rundbrief der Landsmannschaft der Banater Schwaben“ zu führen, da diese bereits für die vom Bundesverband herausgegebenen „Banater Heimatblätter“ galt. Die nächste Ausgabe des Blattes erschien deshalb mit dem Untertitel „Mitteilungsblatt der Banater Schwaben aus Rumänien“.

Erster Schriftleiter der „Banater Post“ war bis 1958, seinem Todesjahr, Lothar Orendi-Hommenau, der Sohn des bekannten Journalisten und Schriftstellers Viktor Orendi-Hommenau. Nach ihm übernahm Wilhelm Reiter die Redaktion. Von ihm stammte auch der Vorschlag, die Zeitung „Banater Post“ zu nennen. Ab April 1958 wurde die Zeitung „im Auftrag des Bundesvorstandes der Landsmannschaft“ herausgegeben. Am 1. Januar 1961 ging die Zeitung aufgrund einer vertraglichen Abmachung des Herausgebers Peter Maurus mit dem Bundesvorstand der Landsmannschaft der Banater Schwaben in deren Eigentum und  Verwaltung über. Im Jahre 1962 hatte die „Banater Post“ 200 Bezieher, acht Jahre später waren es bereits 2000.

Zusammenarbeit und Abgrenzung

Ein weiteres Thema der Hauptversammlung stellte die Zusammenarbeit mit den Landsmannschaften der Jugoslawiendeutschen und der Ungarndeutschen dar. So wird berichtet, dass eine von Franz Hamm, dem Bundesvorsitzenden der Jugoslawiendeutschen, am 3. und 4. Januar 1953 in Stuttgart angesetzte Zusammenkunft zur „Absprache eines Arbeitsplanes auf donauschwäbischer Grundlage“ zu keinem Ergebnis geführt habe. Es hätten „grundsätzlich verschiedene Auffassungen“ einer
Einigung entgegengestanden und der dritte Partner, Dr. Ludwig Leber MdL, Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, sei selbst für den Gedanken einer Arbeitsgemeinschaft unzugänglich geblieben.

Dazu ist festzustellen, dass das Ringen um Zugehörigkeit und Vertretung, Mitgliedschaft und Erfassung auch noch ein bestimmendes Thema auf Landes- und Kreisebene geblieben war. So halten die „Banater Heimatblätter“ in Folge 2/1953 auf Seite 4 fest, dass „die Landesverbände in Baden-Württemberg und Niedersachsen sich im Herbst 1951 in die dort begründeten Landsmannschaften der Donauschwaben eingegliedert“ hätten, aber gleichzeitig würden sie „als selbständige Gruppen mit
einem herausgestellten Sprecher“ den Bundesverband der Landsmannschaft der Banater Schwaben anerkennen, dem sie auch „zugehören“. Ein Konstrukt, welches so keinen Bestand haben konnte und eher auf persönliche Ambitionen einzelner Verbandsvertreter zurückzuführen war.

In Bayern nahm der Bundesverband der Landsmannschaft auch Interessen auf Landeseben wahr, ehe sich ein eigener Landesvorstand konstituierte. Erleichtert wurde diese Aufgabe durch den Sitz der Geschäftsstelle in München. In Hessen verfestigten sich eigene landsmannschaft-liche Strukturen, so dass zu Ostern 1953 ein eigener Landesverband der Banater Schwaben „fest gegründet“ werden konnte. In Entwicklung begriffen war die organisatorische Zusammenfassung in Nordrhein-Westfalen und Hamburg mit Schleswig-Holstein. In Rheinland-Pfalz war unsere Landsmannschaft in der Landsmannschaft der Deutschen aus dem Donauraum mit ihrem Arbeitsmittelpunkt in Neustadt an der Weinstraße und in der Donaudeutschen Landsmannschaft gleichberechtigt vertreten. In Berlin wurde eine „gute Position der Banater Schwaben“ in der Vereinigung der Deutschen aus Rumänien in Berlin vermerkt.

Hauptgeschäftsstelle in München

Als hauptamtlicher Geschäftsführer der Landsmannschaft wirkte bereits seit dem 16. Januar 1952 Friedrich Hack. Nach der Auflösung der Kirchlichen Hilfsstelle im März 1950 und der beruflichen Neuorientierung von Hans Diplich musste die Landsmannschaft einen neuen Geschäftsführer bestellen. Hans Diplich griff dabei auf Friedrich Hack, einen ehemaligen Mitarbeiter der von ihm im Banat herausgegebenen „Banater Blätter“ zurück, der nach Kriegsdienst und russischer Kriegsgefangenschaft über Wien nach Regensburg kam und hier einen Neustart im Verlagswesen plante. So kam er auch mit Hans Diplich wieder in Verbindung. Friedrich Hack, 1913 in Temeswar geboren, war ausgebildeter Verlagskaufmann und Mitarbeiter der Deutschen Buchhandlung Temeswar. Seine Stelle in der Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft wurde vom Bund über den damaligen Dachverband der Landsmannschaften (Vereinigte Ostdeutsche Landsmannschaften, VOL) mitfinanziert. Aus Eigenmitteln des Verbandes, dessen Einnahmen für den Zeitraum vom 1. April 1951 bis zum 31. Mai 1953 genau 12658 DM betrugen, wäre dies nicht möglich gewesen.

Friedrich Hack sorgte schnell für eine Beschleunigung der bürokratischen Abläufe innerhalb des Verbandes, für eine Verbesserung der Organisationsstruktur, er leistete wertvolle Unterstützung bei der Gründung von Landes- und Kreisverbänden. Ebenso waren seine Sachkunde und sein Durchsetzungsvermögen bei der Beratung unserer Landsleute in Fragen der Eingliederungsgesetzgebung gefragt, um diesen zu ihrem Recht zu verhelfen. Nach nur sieben Jahren musste er jedoch als hauptamtlicher Geschäftsführer des Verbandes ausscheiden, weil die Förderung der Stelle durch den Bund nicht mehr fortgesetzt wurde. Dort herrschte die Meinung vor, dass die Bestimmungen der neuen Eingliederungsgesetzgebung im Bereich des Staatsangehörigkeitsrechts, der Lastenausgleichsgesetze und der Fremdrente bei den in Deutschland lebenden Banater Schwaben ihre Anwendung gefunden hätten. Die Zahl der Aussiedler aus dem Banat bewegte sich Ende der 1950er Jahre in der Regel im zwei- oder dreistelligen Bereich. Friedrich Hack fand eine neue Stelle bei einer „Behörde des Bundes“, wie es verbrämt in der „Banater Post“ hieß, tatsächlich war es der Bundesnachrichtendienst in Pullach, wo er bis zum Renteneintritt am 31. Dezember 1976 beschäftigt war. Gestorben ist Friedrich Hack am 27. September 1981, am 1. Oktober wurde er auf dem Nordfriedhof in München beigesetzt. Den Nachruf auf ihn hielt der damalige ehrenamtliche Geschäftsführer der Landsmannschaft Hans Huniar, Bundesvorsitzender Michael Stocker würdigte das landsmannschaftliche Wirken von Friedrich Hack in der „Banater Post“. Einen hauptamtlichen Geschäftsführer hatte die Landsmannschaft erst wieder ab 1983 mit Horst Geyer.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Bildung und Festigung landsmannschaftlicher Strukturen bei den Banater Schwaben in Deutschland im Vergleich zu den anderen Landsmannschaften schwieriger und manchmal widersprüchlich waren. Das ist darauf zurückzuführen, dass diese Gruppe am Ende des Krieges in Deutschland zahlenmäßig klein war und dass sie mit zahlenmäßig größeren Gruppen (Ungarndeutsche, Jugoslawiendeutsche) aus der Region agierte, die im Rückgriff auf ein gesamtdonauschwäbisches Geschichts- und Kulturbild bestimmend wirkten. Erst als die Landsmannschaft der Banater Schwaben, neben den für alle Landsmannschaften vorherrschenden Themen der rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Eingliederung ihre Themen klar definierte, zum Beispiel auch den Landsleuten eine Stimme zu geben, die sich im kommunistischen Rumänien nicht frei äußern konnten  – festzumachen an den Initiativen zur Linderung der Not der Bărăgandeportierten –, entwickelte sie ein eigenes und unverwechselbares Profil. Die Mehrheit der Banater Schwaben lebte nach wie vor im Banat und so war es nicht verwunderlich, dass dieser Aspekt nach der rechtlichen und wirtschaftlichen Integration der Banater Schwaben das Wirken der landsmannschaftlichen Akteure zunehmend bestimmte. In Deutschland bedeutete es für die Verantwortlichen, die Aufnahmebereitschaft zu erhalten und ein dichtes Netz der Betreuung für die Aussiedler und Spätaussiedler zu entwickeln. Es war der richtige Weg und die Grundlage dafür, dass die Landsmannschaft der Banater Schwaben in diesem Jahr als stabiler und vielfältiger Verband auf 70 Jahre erfolgreichen Wirkens zurückschauen kann.