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Banater Post

70 Jahre Landsmannschaft: die Anfänge (Teil 3)

Erste Folge des „Heimatbriefes der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben“, April 1949

Peter Ludwig (1908-2001) initiierte den Banater Ausschuss und war viele Jahre Sprecher der Landsmannschaft. Foto: Archiv BP

Bundesvorsitzender Dr. Matthias Hoffman vergaß in seinem Aufruf auch nicht jenen Einrichtungen zu danken, die bis zur Gründung des Banater Ausschusses und der Beschäftigung von Hans Diplich in der Kirchlichen Hilfsstelle unsere Banater Landsleute betreut hatten: das „Referat Südost des Bayerischen Roten Kreuzes“ und das „Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen“. Dieses Hilfskomitee hieß 1946 „Hilfs- und Beratungsstelle für Rumäniendeutsche im Evangelischen Hilfswerk“, ab 1947 für ganz kurze Zeit „Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben und Umsiedler aus der Bukowina im Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland“, sodann „Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland“. Die Hauptstelle in München wurde von dem aus Bistritz stammenden Dr. Otto Appel als Geschäftsführer effizient geführt.

Rund- und Heimatbriefe des Hilfskomitees

Das Hilfskomitee gab Rundbriefe mit wichtigen Informationen für die gestrandeten Flüchtlinge aus Rumänien sowie die Heimkehrer aus Gefangenschaft und Deportation heraus. So umfasst zum Beispiel der Rundbrief Nr. 6 vom 15. März 1947 insgesamt 31 hektographierte Seiten. Berichtet wird über „die Lage in der Heimat“ aufgrund zahlreicher Briefe, amtlicher Mitteilungen und Pressestimmen. Themen sind die Hungersnot in Rumänien, die Einrichtung von Repatriierungsstellen in Berlin und Wien, die Stellungnahme des siebenbürgischen Landesbischofs D. Friedrich Müller zu aktuellen „Lebensfragen der siebenbürgisch-sächsischen Volks- und Glaubensgemeinschaft“ (es geht dabei vornehmlich um die Frage der nach Deutschland entlassenen Zwangsarbeiter und der Flüchtlinge und ob die Hilfsstelle diesen zum Verbleib in Deutschland raten würde), um das Flüchtlingsgesetz, die Rückführung von Russlandheimkehrern aus der amerikanischen in die sowjetische Besatzungszone, die Einschaltung der Rumäniendeutschen in den deutschen Arbeitsprozess. In einem eigenen Kapitel werden speziell die Deutschen aus der Bukowina angesprochen, in einem anderen die Landsleute in Österreich. Hier geht es um die Beschäftigung der bäuerlichen Gruppen, um die Verteilung von brachliegenden Gütern. Hinsichtlich der in Österreich eingetroffenen Repatriierungskommission wird eine geschlossene Rückkehr der 18000 in Österreich lebenden Siebenbürger Sachsen skeptisch beurteilt. „Leider ist die Lage so, dass sich noch vieles grundlegend ändern müsste, bevor an die beherzte Durchführung unseres auch heute gehegten heißen Wunsches herangetreten kann“, schrieb Dr. Ernst Friedrich Beer, um dann nochmals auf das ursprüngliche Programm hinzuweisen: „In erster Linie Rückkehr in die Heimat, sobald die Voraussetzungen dafür gegeben sind, wenn dies zu unser aller Bedauern nicht möglich sein sollte, dann in zweiter Linie eine Ansiedlung in Österreich oder im übrigen deutschen Raum und letzten Endes in Übersee“.

Das „Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben“ gab ab 1949 auch einen gedruckten Heimatbrief heraus. Folge 1 erschien im April 1949 mit einem Umfang von 16 Seiten und wandte sich an „Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben“. Um den Anspruch, sich an beide Gruppen zu wenden, zu unterstreichen, sind im Heimatbrief die Sage vom Prinz Eugen-Brunnen in Jahrmarkt und ein Gedicht von Adam Müller-Guttenbrunn veröffentlicht. In der Rubrik „Suchecke“ wird nach Familie Ballmann aus Billed gefragt, über den Hilfsdienst für Kriegsgefangene und Vermisste in Stuttgart werden „Lebenszeichen oder Todesmeldungen“ von Heimkehrern aus Kriegsgefangenen- und Interniertenlagern von Landsleuten gebracht, darunter von „Seßler, Josef, katholisch, verheiratet, 1 Sohn, geb. ca. 1904 in Deutsch Banat, Beruf Landwirt, Soldat“, bei den Geburtsanzeigen wird vermerkt, dass am 2. Februar 1949 „Viktor Schnur (Temeschburg) und seiner Frau Susanna, geb. Schneider (Hermannstadt), jetzt Stuttgart“ ein Sohn geboren wurde.

Banater und Siebenbürger gemeinsam

Dem Bericht der ersten Vertreterversammlung des Hilfskomitees der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben am 22./23. Januar 1949 in Stuttgart ist zu entnehmen, dass der Jurist Walter Neumann aus Temeswar, „einer von den wenigen evangelischen Banatern“, nicht die Stimmen der katholischen Banater mit ihren Problemstellungen vertreten konnte. Man sei zu dem Schluss gekommen, „die Banater, soweit sie es persönlich wünschen, gleichgültig welcher Konfession sie sind, im Hilfskomitee mitzuerfassen und zu betreuen“. Deshalb wurde Walter Neumann, 1949 in Marburg lebend, zum Ausschussmitglied gewählt. Zum Vorsitzenden des Hilfskomitees wurde der Schriftsteller und Journalist Fritz-Heinz Reimesch (1892-1958) gewählt, der bereits seit der Zwischenkriegszeit in Deutschland lebte. Nach seiner Wahl sprach er sich dafür aus, „auch für die katholischen Landsleute und Schicksalsgenossen aus dem Banat ein treuer Freund und Berater in praktischen Fragen des täglichen Lebens“ zu sein. Reimesch wurde im gleichen Jahr, am 26. Juni 1949, zum ersten Bundesvorsitzenden des „Verbandes der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben“ gewählt.

Unter den 23 Gründungsmitgliedern befanden sich fünf Banater Schwaben: Dipl. Ing. Adalbert Blaschka (1900-?), München; Franziska Hall (Lebensdaten nicht bekannt); Dipl. Ing. Stefan Keller (1905-1978), München, aus Temeswar; Peter Schäfer (1918-?), München, aus Hatzfeld und Dr. Ernst Wischet (1915-2009), München, aus Gottlob. Obwohl selbst nicht anwesend, wurden drei Banater Schwaben in den Vorstand gewählt: Josef Dix (1897-1977), aus Kleinbetschkerek stammend, Dr. Katharina Köstner (1922-?), Dachau, aus Hatzfeld und Nikolaus Stoss (1910-1970) aus Segenthau.

Der Banater Beitrag, die Tatsache dass es einen gemeinsamen Verband der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben bereits 1949 gegeben hat, der von den Siebenbürger Sachsen als Gründungsdatum ihres heutigen Verbandes betrachtet wird, war innerhalb unserer Gemeinschaft in Vergessenheit geraten. Der langjährige Kulturreferent des Verbandes der Siebenbürger Sachsen Hans-Werner Schuster hat in mehreren Publikationen und Ausstellungen darauf verwiesen. Auch darauf, dass die Banater Schwaben knapp ein Jahr später dann einen eigenen Verband gründeten.

An dieser Stelle ist auch ein Blick auf die landsmannschaftliche Entwicklung der Donauschwaben nötig. Der Landesverband Bayern der Landsmannschaft der Donauschwaben aus Jugoslawien wurde am
30. Oktober 1949 in München in der Gaststätte „Tannengarten“ von 39 Persönlichkeiten dieser Gruppe gegründet, unter ihnen der ehemalige und baldige Parlamentarier Dr. Josef Trischler, Pfarrer, ehemalige Beamte und Lehrer. Auch sie fanden in der Südost-Abteilung des Bayerischen Roten Kreuzes erste Unterstützung, danach in den Hilfsstellen der Evangelischen und Katholischen Kirche.

Da ihre Zahl wesentlich höher war als die der Banater Schwaben, wurden bereits sehr früh Orts- und Kreisverbände gegründet, zum Teil bereits vor der Gründung des Landesverbandes. In Dachau, auch das eine Besonderheit, wurde unter dem Vorsitz des aus Lovrin stammenden Anton Peter Petri (1923-1995) eine Ortsstelle Dachau-Ost des „Verbandes der donauschwäbischen und karpathendeutschen Landsmannschaften in Bayern“ gegründet. Der Verband bestand bis Ende der 1990er Jahre als „Südostdeutsche Landsmannschaft“, nach seiner Auflösung hat der letzte Vorsitzende Josef Orth den Ordner mit den Sitzungsprotokollen des Vorstandes in die Bundesgeschäftsstelle unserer Landsmannschaft gebracht. Ähnliche Vereinsgründungen gab es auch in anderen Städten, in denen Banater Schwaben, da in der Minderzahl, sich donauschwäbischen Vereinen anschlossen. In Forchheim wurde der Verein nach dem Schriftsteller Adam Müller-Guttenbrunn benannt, damit sich alle Mitglieder damit identifizieren konnten.

Die Beispiele zeigen, dass bei den landsmannschaftlichen Gründungen der frühen Jahre der Begriff „Landsmann“ weiter gefasst wurde, dass er sich teils nach den ehemaligen oder bestehenden Staatsgrenzen, teils nach den stammesmäßigen Kriterien orientierte. Mit den Bezeichnungen „Südostdeutsche“ in Dachau, Geretsried oder Passau, hier gegründet von dem Banater Schwaben Jakob Wilhelm, oder „Donaudeutsche“ in Rheinland Pfalz wollte man dafür sorgen, dass sich alle landsmannschaftliche Gruppen darin wiederfinden. Im Mittelpunkt stand jedoch das Ziel, Menschen gleichen Schicksals zusammenzuführen, aus und in dieser Gemeinschaft Hilfe zu geben und zu erhalten.

Zwei Donauschwaben im Bundestag

In diesem Zusammenhang muss eine weitere Initiative eines Banater Schwaben mit weitreichenden Folgen für alle Südostdeutschen angesprochen werden: die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der Südostdeutschen mit dem Ziel, einen Abgeordneten aus den eigenen Reihen im ersten Deutschen Bundestag zu haben. Die Arbeitsgemeinschaft wurde am 29. Mai 1949 „auf Betreiben von Peter Ludwig“ gegründet. Es ist der gleiche Peter Ludwig, der den Banater Ausschuss initiierte, dem Bundesvorstand der Landsmannschaft jahrzehntelang angehörte und im Bereich der Familienzusammenführung und der Ausreise der Banater Schwaben eine wichtige Rolle spielte. Zwei Jahre später, 1951, entstand aus dieser Arbeitsgemeinschaft der „Rat der Südostdeutschen“, der bis in die 1990er Jahre bestand. Er sollte gemeinsame politische Anliegen der im Rat vertretenen südostdeutschen Landsmannschaften artikulieren. Sein letzter Vorsitzender war der Bundesvorsitzende der Karpatendeutschen Landsmannschaft Isidor Lasslob (1923-2006).

Dem ersten Deutschen Bundestag gehörte der aus der Batschka stammende Donauschwabe Dr. Josef Trischler (1903-1975) an, der zuvor bereits Abgeordneter in den Parlamenten in Belgrad und Budapest war, dort aber nicht als frei gewählter Abgeordneter: in Belgrad 1940 nach dem Mandatsverzicht des serbischen Unterrichtsministers auf Druck des deutschen Gesandten, in Budapest, nachdem die Batschka 1941 an Ungarn abgetreten wurde, aufgrund einer Ernennung durch den Reichsverweser Nikolaus Horthy. 1949 gelangte er als Listenkandidat der FDP in den ersten Deutschen Bundestag, wo er vor allem dafür Sorge trug, dass Vertriebenen- und Eingliederungsgesetzgebung ihre Anwendung auf die Deutschen aus Südosteuropa fand, oft gegen erhebliche Widerstände. Noch als Bundestagsabgeordneter hatte er den Rat der Südostdeutschen als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen und diesen nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag weiterhin in Bonn bis 1974 geleitet, als ihm der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben Michael Stocker folgte. Dr. Josef Trischler war auch Präsidiumsmitglied des Bundes der Vertriebenen und Mitglied des Verwaltungsrates der Lastenausgleichsbank in Bad Godesberg.

1953 verpasste er den Wiedereinzug bei der Wahl zum zweiten Deutschen Bundestag, ihm folgte jedoch mit Annemarie Ackermann (1913-1994) auf der Liste der CDU eine Donauschwäbin in das Parlament, die im Lastenausgleichs- und Vertriebenenausschuss des Deutschen Bundestages die Interessen der Südostdeutschen wahrte. Ackermann, wie Trischler aus der Batschka stammend, gehörte dem Deutschen Bundestag bis 1961 an.

Erste Jahresversammlung nach der Gründung

Die erste Jahresversammlung der Landsmannschaft der Banater Schwaben nach ihrer Gründung in München fand am 29. September 1951 in Stuttgart-Feuerbach statt und dauerte vier Stunden lang. Anwesend waren Delegierte aus Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Den Bericht des Vorstandes trug der Geschäftsführende Bundesvorsitzende Hans Diplich vor, den Kassenbericht ebenso, da der gewählte Kassenwart in der Zwischenzeit in die USA ausgewandert war.

Selbstkritisch erwähnt Diplich zwei Umstände, die die landsmannschaftliche Arbeit erschwert hätten. Zum einen die Auflösung der Kirchlichen Hilfsstelle im März 1950 und zum anderen „das sporadische Interesse unserer Intelligenz für gemeinsame Aufgaben“. Nach der Auflösung der Kirchlichen Hilfsstelle hatte unsere Landsmannschaft „mit der Landsmannschaft der Jugoslawiendeutschen eine gemeinsame Geschäftsstelle bezogen und viele Anliegen in Abstimmung miteinander bearbeitet“. Zum Rat der Südostdeutschen stellte Diplich fest, dass er dazu beitragen solle, gemeinsame Anliegen wie das Lastenausgleichsgesetz „beratend mitzugestalten“. Angesprochen wird die kulturelle Betreuung unserer Landsleute, die ihren Ausdruck vor allem in der Herausgabe des kulturhistorischen Werkes „Wir Donauschwaben“ (1950) fand. Herausgeber waren Hans Diplich und Hans Wolfram Hockl. Diplich veröffentlichte ferner die Broschüre „Aus donauschwäbischem Erbe. Betrachtungen und Bemerkungen“ (1951), hielt Vorträge bei Orts- und Kreisverbänden.

In Stuttgart und Salzgitter-Lebenstedt konnten für Baden-Württemberg beziehungsweise für Niedersachsen jeweils Landesgeschäftsstellen als Ansprechpunkte für Landsleute errichtet werden. Berichtet wird von Großveranstaltungen in Lebenstedt, Stuttgart, Augsburg-Göggingen, Pfarrkirchen und vor allem in Freising. Bei letzterer Veranstaltung nahmen mehr 10000 Personen teil, auch eine größere Zahl „unserer engeren Landsleute“, womit Hans Diplich die Banater Schwaben innerhalb der großen Gruppe der Donauschwaben meinte. Die große Mehrheit bei dieser Veranstaltung stellte die Landsmannschaft der Donauschwaben aus Jugoslawien. Den Begriff der „engeren Landsleute“ finden wir auch anderer Stelle, er offenbart das Ringen um Abgrenzung und Gemeinsamkeit, den Zwiespalt zwischen einer Zuordnung nach dem jeweiligen Territorialstaat vor der Flucht und der stammesmäßigen Gemeinschaft, die eben nach dem Ersten Weltkrieg geteilt worden war, ohne sich vorher als gestaltende Einheit richtig entwickeln zu können.

Zum Kassenbericht wird nur vermerkt, dass er „bescheidene Summen“ aufweist. Genauer festgehalten wird jedoch eine andere, selbstgestellte Aufgabe, die dem jungen und zahlenmäßig noch sehr kleinen Verband die Feuertaufe bescherte: die Deportation von 10000 Banater Schwaben im Sommer 1951 in den Bărăgan.

Nachdem die ersten Nachrichten über die Deportation in München eingetroffen waren, sprach unsere Landsmannschaft die großen deutschen und ausländischen karitativen Organisationen an, um Hilfeleistungen für die deportierten Landsleute in die Wege zu leiten. Im Auftrag der Landsmannschaft unternahm Lehrer Jakob Wilhelm (1898-1977) am 13. August 1951 eine Reise in die Schweiz, „um Möglichkeiten zu einer wirksamen und schnellen Hilfe durch internationale Organisationen zu erkunden“. Während seines fünftätigen Aufenthalts in Genf und Bern sprach er bei acht Organisationen vor, und zwar beim Caritasverband Genf, der Internationalen Hilfszentrale für Zivilbevölkerung, dem Komitee des Internationalen Roten Kreuzes, dem Hohen Kommissariat für Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen, der Liga der Rotkreuz-Gesellschaften, dem Ökumenischer Rat der Kirchen, dem Centre de Quaker International und der Schweizer Europa-Hilfe. Hilfsbereitschaft sagten zwar alle zu, aber da „kein gangbarer Weg zu ermitteln war“, was auf eine Abwehrhaltung des kommunistischen Rumänien schließen lässt, konnte dieses Ziel nicht erreicht werden.

Nichtdestotrotz wurde über den 1949 gegründeten Dachverband Vereinigung der Ostdeutschen Landsmannschaften (VOL) und als eigenständige Landsmannschaft selbst eine Kampagne gestartet, um auf dieses Unrecht öffentlich aufmerksam zu machen. In dem Aufruf „Ruf an die Welt“, der an Persönlichkeiten in Politik, Kirche und Kultur verschickt wurde, machte die Landsmannschaft auf das Unrecht der Bărăgan-Verschleppung aufmerksam.

Politisch verurteilten die Landtage von Bayern und Württemberg-Baden am 25. September bzw. 11. November 1951 die Deportation und auch der Deutsche Bundestag debattierte am 17. Oktober 1951 in der 169. Sitzung über einen Antrag des sudetendeutschen Abgeordneten Dr. Franz Ott (1910-1998), gegen die Deportation zu protestieren und „Anklage bei den Vereinten Nationen zu erheben“. Während sich die Regierung Ade-nauer und die Abgeordneten von CDU, FDP und SPD mit den Deportierten solidarisch zeigten – zu viel mehr reichte es zwei Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik noch nicht –, verstieg sich der Abgeordnete der Kommunistischen Partei Deutschlands Heinz Renner (1892-1964) darin, die Deportation schlichtweg zu leugnen und den „provokatorischen, arroganten und faschistischen“ Antrag als „Hetze gegen die Sowjetunion und die Völker der Volksdemokratien“ zu erklären. Heute trägt die Geschäftsstelle des Kreisverbandes Essen der Partei Die Linke seinen Namen.

Die Hauptversammlung schloss mit der Bitte der Delegierten, dass Dr. Matthias Hoffmann den Vorsitz „auch über die satzungsmäßig festgelegte Zeit hinaus“ beibehalten solle und mit seinen engsten Mitarbeitern die Anliegen der Landsleute wie „Auswanderung, Siedlung, Kreditbeschaffung nach dem Soforthilfegesetz, Hilfe für die Notleidenden in den Verschleppungsgebieten Rumäniens“, die ein Gebot der Stunde darstellten, zu vertreten, die landsmannschaftliche Organisation weiter auszubauen und zu festigen.

Die Hauptversammlung in Stuttgart bildete den Auftakt zu einem „Ländertreffen der Banater Schwaben aus dem südwestdeutschen Raum, verbunden mit der 25-Jahrfeier der Banatia“, ausgerichtet von der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Das Festprogramm umfasste gemäß Einladung einen Lichtbildvortrag „Das Banat und die Banatia“ von Emil Maenner, Festgottesdienste, Totenehrung, eine Festansprache von Anton Valentin, eine Kundgebung mit Rechtsanwalt Peter Maurus zum Thema „Die Verschleppungen im Banat“, Konzerte mit Musiklehrer Sepp Blum und seinen Schülern und der Feier eines Kirchweihfestes, gestaltet durch eine donauschwäbische Sing- und Spielgruppe.

Aufschlussreich und wegweisend für die kommenden Jahrzehnte sind die von den Veranstaltern angeführten Gründe für das Treffen. Es stehe „angesichts der Verschleppungen in der alten Heimat im Zeichen des engeren Zusammenschlusses unserer Landsleute in Deutschland und in Österreich. Wir, die in Freiheit Lebenden, müssen für unsere Verschleppten sprechen und sorgen. Die 25-Jahrfeier der Banatia soll allen Freunden als auch uns selbst die deutsche und europäische Leistung der Banater Schwaben ins Bewusstsein rufen. Wir wollen, aus dem geistigen Erbe unserer Heimat heraus gestaltend, am deutschen Leben teilnehmen.“