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Banater Post

70 Jahre Landsmannschaft: die Anfänge (Teil 1)

Hans Diplich hat die Gründung der Landsmannschaft vorangetrieben und war in den ersten Jahren eine prägende Führungskraft des Verbandes.

In dem von Hans Diplich zusammengestellten „Volkskalender für die Heimatvertriebenen aus dem Südosten 1949“ erschien ein Aufruf „An die Banater Schwaben aus Rumänien“ von Dr. Matz Hoffmann.

Die Unterschriften von 18 Gründungsmitgliedern auf der ersten Satzung der Landsmannschaft, die dem Amtsgericht München zwecks Eintragung des Verbandes in das Vereinsregister vorgelegt wurde.

Die Kirchliche Hilfsstelle in München bot den organisatorischen Rahmen zur Schaffung landsmannschaftlicher Strukturen.

 

In der Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft der Banater gibt es eine Akte, die entlang von 70 Jahren von Geschäftsführer zu Geschäftsführer mit dem Hinweis auf besondere Sorgfalt weitergereicht wurde. Als im Dezember 2005 der damalige Geschäftsführer Horst Geyer in den Ruhestand verabschiedet wurde, hat er sie mir übergeben. Ich muss zugeben, dass sie damals, nach einem ersten flüchtigen Betrachten, bei mir keine besondere Aufmerksamkeit geweckt hatte, zu viele aktuelle und drängende Aufgaben standen an. Sie kam in einen Aktenschrank, ja, manchmal stieß ich noch darauf, blätterte darin, legte sie zurück. Als die Geschäftsstelle unserer Landsmannschaft 2013 von der Sendlinger Straße in die Karwendelstraße verlegt und das meiste vorhandene Archivmaterial bis zum Jahr 1989 dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen übergeben wurde, kam diese Akte wieder in besagten Schrank. Heute sei das „Geheimnis“ dieser Akte gelüftet.

Eine wertvolle Akte gibt Auskunft über die Anfänge des Verbandes

Auf dem gelben Aktendeckel steht mit roter Handschrift „Gründungs-Protokolle und Sitzungen. 1) München 1950, 2) Stuttgart 1950“, im linken oberen Bereich des Aktendeckels befindet sich ein Stempeldruck „Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V. München Hauptgeschäftsstelle“. Die Akte besteht aus verschiedenen handschriftlichen Notizen, Briefen, Protokollen, Anwesenheitslisten, Satzungen, Auszügen aus dem Registergericht und den ersten beiden Folgen der Banater Heimatblätter. Das älteste Dokument ist vom 4. März 1950 datiert, es ist die „Anwesenheitsliste Banater Schwaben am 4.3.50 in Stuttgart“, das jüngste trägt den Eingangsstempel vom 23. August 1966. Es ist ein Auszug aus dem Vereinsregister, welches den Wechsel an der Spitze der Landsmannschaft von Anton Valentin auf Michael Stocker bestätigt. Für unseren Verband als historisch besonders wertvoll zu betrachten sind die erste Satzung der Landsmannschaft mit der Unterschrift von 18 Gründungsmitgliedern und dem Siegel des Bayerischen Amtsgerichts München, die handschriftliche Anwesenheitsliste von 21 Banater Schwaben, ihr ausgeübter Beruf, ihre Wohnanschrift sowie das Protokoll der Gründungsversammlung der „Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien in Deutschland“, aufgenommen am 21. Mai 1950. Als Vorlage des Protokolls diente das Gründungsprotokoll der „Landsmannschaft der Ungarndeutschen in Bayern“ vom 5. November 1949, welches ebenfalls beigelegt ist. Diese Gründungsversammlung hat in der Kirchlichen Hilfsstelle in München stattgefunden. Mit Bleistift durchgestrichen und ersetzt wurden lediglich die entsprechenden Örtlichkeiten, Bezeichnungen und Namen. Ein Blatt mit handschriftlichen Aufzeichnungen, unschwer als die Handschrift von Hans Diplich auszumachen, gibt Auskunft über den Verlauf der Gründungsversammlung. Der Pädagoge und Dichter Hans Diplich (1909-1990) aus Großkomlosch war der erste Geschäftsführer der Landsmannschaft und in den ersten Jahren die bestimmende und prägende Führungskraft des Verbandes. Als Angestellter der Kirchlichen Hilfsstelle München war es ihm möglich, neben seiner Betreuungsarbeit der Vertriebenen und Flüchtlinge die Gründung der Landsmannschaft voranzutreiben.

Gründungsversammlung der Landsmannschaft am 21. Mai 1950 in München

Die Gründungsversammlung der Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien in Deutschland fand am Sonntag, dem 21. Mai 1950, um 10 Uhr in den Räumen des Christlichen Casinos in der Dachauer Straße, in der Nähe des Hauptbahnhofes, in München statt. Bereits im November 1949 wurde die Satzung in ihren Grundzügen in der Kirchlichen Hilfsstelle festgelegt. Das Protokoll der Gründungsversammlung erfüllt alle formalen Voraussetzungen für eine Vereinsgründung, es ist eindeutig, dass hier nur noch ein formaler Akt vollzogen wird, um die Landsmannschaft offiziell als Verein zu gründen. Über die Satzungsproblematik, über inhaltliche Fragen der landsmannschaftlichen Arbeit gibt das Protokoll keine Auskunft. Erwähnt wird lediglich, dass „Notwendigkeit und Gründe der landsmannschaftlichen Zusammenfassung der Banater Schwaben aus Rumänien in Deutschland hervorgehoben“ wurden. Angeführt sind alle Teilnehmer der Gründungsversammlung. Die Mindestzahl von sieben Mitgliedern sei erreicht.

Die Satzung wurde einstimmig angenommen, Vorstand, Rechnungsprüfer und Schiedsgericht wurden von der Versammlung gewählt. In das Schiedsgericht wurden gleich sieben Landsleute gewählt, eine unverhältnismäßig hohe Zahl, und das obwohl die Satzung nur sechs Mitglieder dieses Gremiums vorsah. Dem Vorschlag von Hans Diplich, einen Mitgliedsbeitrag in Höhe von jährlich vier DM für ordentliche Mitglieder einzuführen, wurde zugestimmt. Familienmitglieder der ordentlichen Mitglieder, das waren die „unterstützenden Mitglieder“, hatten 50 Pfennig im Jahr zu zahlen.

Dem ersten Vorstand der Landsmannschaft gehörten durch Wahl an: Vorsitzender Dr. Matthias (Matz) Hoffmann (1891-1957), Geschäftsführender Vorsitzender Hans Diplich, Schriftführerin Charlotte Deutsch, Kassenwart Josef Stein, der aber schon ein Jahr später in die USA auswanderte, Beisitzer: Peter Ludwig (1908-2001), Adam Billo (1922-1967), Hans Ewald Frauenhoffer (1907-1998), Franz Winkler. Rechnungsprüfer waren Hans Ackermann und Emil Levitzky. Als „Schiedsrichter“ gewählt wurden: Dr. Anton Weckerle (1909-2008), Dr. Matz Noll, wohl Dr. Franz Noll (1914-2012), Jakob Wilhelm (1898-1977), Jakob Wirth, Franz Dürrbeck (1912-1992), Josef Trittler (1899-1970) und Peter Lindacher (1912-1986).

Die wichtigsten Bestimmungen der ersten Vereinssatzung

Die erste Satzung unserer Landsmannschaft beschrieb als Ziel und Zweck des Vereins: „a) die Zusammenfassung aller Heimatvertriebenen Banater Schwaben aus Rumänien in Deutschland, b) die Förderung der kulturellen, sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Interessen der Heimatvertriebenen, c) die Pflege der geschichtlichen Überlieferungen, Sitten und Gebräuche der Heimatvertriebenen, d) Vertiefung der Beziehungen zur neuen Heimat und deren Bevölkerung“. Diese Ziele sollen erreicht werden durch „Veranstaltung von Versammlungen, Vorträgen und Herausgabe sowie Verbreitung von Veröffentlichungen“, aber auch durch „Gründung und Förderung von kulturellen und wirtschaftlichen Einrichtungen sowie Fachausschüssen“, durch „gemeinsame Interessenvertretung bei den Körperschaften des öffentlichen Rechts“, durch „Unterrichtung der staatlichen und kommunalen Behörden“, aber auch der Öffentlichkeit. Die Vereinsmitglieder sollen beraten und betreut werden bei ihren Bemühungen, sich eine „gesicherte Berufs- und Lebensexistenz“ zu schaffen, bedürftige Mitglieder sollen unterstützt werden. In der Satzung wird dazu aufgerufen, Bezirks-, Kreis- und Ortslandsmannschaften zu gründen, Landesverbände werden nicht erwähnt.

Die Mitgliedschaft konnte mehrere Formen haben. Möglich war die Ehrenmitgliedschaft, die fördernde Mitgliedschaft, die ordentliche Mitgliedschaft für Banater Schwaben aus Rumänien und deren Nachkommen, die ordentliche Mitgliedschaft für juristische Personen mit Sitz in Deutschland und die unterstützende Mitgliedschaft. Der Vorstand wurde für zwei Jahre gewählt, der Vorsitzende und der geschäftsführende Vorsitzende hatten Vertretungsbefugnis nach innen und nach außen. Die Mitgliederversammlung hatte einmal im Jahr stattzufinden. Dazu eingeladen werde in der katholischen Wochenzeitung für Vertriebene „Volksbote“, die auch eine Ausgabe für Südostdeutsche hatte und vor allem im süddeutschen Raum verbreitet war. In der Satzung wurde als weiteres Organ der Landsmannschaft ein Beirat definiert, dem der Vorstand und die Vorsitzenden der Bezirkslandsmannschaften angehören. Das Schiedsgericht hatte aus sechs Mitgliedern zu bestehen und seine Verhandlungen öffentlich zu führen. Im Falle einer Auflösung des Vereins würde die letzte Mitgliederversammlung über die gemeinnützige Verwendung des Vermögens beschließen.

Soweit die wichtigsten Bestimmungen der ersten Satzung unserer Landsmannschaft, beschlossen am 21. Mai 1950. Überraschend ist, dass der Verein erst am 24. Januar 1951 beim Gericht eingetragen worden ist. Es könnte damit zusammenhängen, dass die Kirchliche Hilfsstelle, unter deren Dach sich die Sammlung und Organisation der Banater Schwaben vollzogen hatte, im Frühjahr 1950 ihre Arbeit eingestellt hatte und damit die materielle und personelle Grundlage für die Geschäftsführung des noch kleinen Vereins weggebrochen war. Aus den vorhandenen Akten ist dies nicht ersichtlich, aber in den Berichten damaliger Verbandsvertreter in Kalendern und der Presse dieser Zeit klingt das an.

Angeführt seien hier die Gründungsmitglieder der Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien in Deutschland, die den Verein am 21. Mai 1950 in München gegründet haben. Neben dem Namen und der Anschrift wird auch der ausgeübte Beruf angegeben. Es waren dies: Dr. Matthias „Matz“ Hoffmann, Arzt, Vohburg; Hans Diplich, Verlagslektor, München; Emil Jevitzky, Angestellter, Miesbach; Franz Filip, Landarbeiter, Geisenfeld; Josef Deutsch, Schuhmacher, München; Jakob Wilhelm, Lehrer, Fürstenstein bei Passau; Josef Dix, Geschäftsführer Kinderheim, Brannenburg am Inn; Adam Billo, Oberlehrer, Mitterskirchen; Jakob Wirth, Bauer, Parsdorf; Adam Seifert, Karlsfeld; Sebastian Rotsching, Lehrer, Passau; Josef Lenhardt, München; Viktor Aman, cand. med. vet., München; Christof Deffert, Kaufmännischer Lehrer, München; Josef Stein, Bauarbeiter, München; Franz Dürrbeck, Werkzeugmacher, Gaisach-Puchen; Alois Scherer, Kaufmann, München; Wilhelm Scherer, Medizinstudent, München; Hans Ewald Frauenhoffer, Wachmann, Eschelbach/Ilm; Peter Ludwig, Kaufmann, Aletshausen; Hans Ackermann, Diplomingenieur, München; Dr. Anton Weckerle, Freising. Den handschriftlichen Notizen des Versammlungsleiters ist zu entnehmen, dass sich Peter Ludwig zu Wort gemeldet hatte und unter anderem Staatsbürgerrechtsfragen aufgeworfen wurden.