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Banater Post

Trompetenklänge: „Mach dir das Leben schön“

Musiker in dritter und vierter Generation: Helmut Kassner und Sohn Lucas Foto: Lucas Kassner

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unseren Alltag sind tiefgreifend. Wir sind alle dazu aufgefordert, unsere sozialen Kontakte einzuschränken. Damit befinden wir uns nun in einer ungewohnten Situation. Soziale Distanz zu Freunden und Bekannten sowie die Verlagerung des gesamten Alltags in die eigenen vier Wände gehen an den meisten Menschen nicht spurlos vorbei. So freuen sich die einen über ein bisschen mehr Zeit zu Hause und auf Dinge, für die sie sonst kaum Gelegenheit finden, während andere eher negative Auswirkungen spüren. Zu diesen kann beispielsweise das Gefühl der Einsamkeit zählen. Der Wegfall von sozialen Kontakten macht das Leben und Ausharren besonders schwer.

Von der Corona-Pandemie besonders belastet ist die Kulturszene. Der Stillstand des gesellschaftlichen Lebens sorgt bei den kulturellen Einrichtungen und insbesondere bei Freischaffenden in Kultur und Medien für massive Einschränkungen. Fast das gesamte kulturelle Leben ist zum Erliegen gekommen. Aber die Kultur zeigt sich in diesen Zeiten auch besonders kreativ: Zahlreiche Kultureinrichtungen, Künstlerinnen und Künstler haben bereits originelle digitale Alternativen entwickelt. So können wir zumindest virtuell, zum Teil per Livestream und größtenteils kostenfrei, an Konzerten, Lesungen, Opernaufführungen, Ausstellungen  teilnehmen. Hier entstehen aus der Not heraus neue Formate, bereits bestehende digitale Vermittlungswege bekommen die verdiente Aufmerksamkeit.

Einer, der sich den neuen Gegebenheiten angepasst und viele Instrumental-Beiträge auf YouTube- Kanälen gepostet hat, ist Lucas Kassner aus Reutlingen. Da derzeit Bühnenauftritte nicht möglich sind, nimmt der junge Trompeter gemeinsam mit seinem Vater Helmut zuhause Stücke auf, die sie der Allgemeinheit zugänglich machen. Die Frage, wie man als Musiker mit dieser Quarantäne umgeht, beantwortet Lucas wie folgt:

„Dadurch, dass man jetzt ungewollt mehr Zeit hat, kommt man auf neue Ideen, die man vorher gerne verwirklicht hätte, doch dazu keine Zeit hatte. Somit bietet die Quarantäne auch was Positives, denn man kann beispielsweise weitere persönliche Ressourcen für sich entdecken.

Bei uns läuft das so ab: Vormittags übt jeder einzeln, hält sich fit und erledigt seine Aufgaben, und am Abend proben wir – mein Vater und ich – zusammen und machen die Aufnahmen für die Menschen da draußen. Dadurch, dass man keine Konzerte geben darf, wollen wir Darbietungen von zu Hause aus in die Wohnzimmer transportieren und den Menschen ein wenig Freude und Genuss schenken.“

Der 19-jährige Musiker spielt seit dem fünften Lebensjahr Trompete und führt die Musikerlaufbahn der Familie in vierter Generation fort. Der Name Kassner, der immer in Zusammenhang mit Musik steht, ist nicht nur den Jahrmarktern. sondern auch vielen Banater Schwaben ein Begriff. Seit vier Generationen spielt im Hause Kassner die Musik eine bedeutende Rolle. Ein Leben mit und für die Musik war und ist bei den Kassners Ausdruck von Leidenschaft und Hingabe, zeugt aber auch von besonderer Begabung.

Den ersten Trompetenunterricht erhielt Lucas von seinem Großvater Johann Kaszner sen., der 1956 eine im Banat erfolgreiche Musikkapelle gründete. Seine Söhne Helmut und Johann Kassner wurden beide Berufsmusiker mit ähnlichem Werdegang. Später unterrichtete ihn sein Vater Helmut, der als Musiklehrer, Trompeter, Orchesterleiter und Komponist wirkt und seit 1990 Flügelhornist bei den Original Egerländer Musikanten unter dem legendärem Ernst Mosch bzw. danach bei Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten – Das Original ist. Seit 2013 nimmt Lucas Trompetenunterricht bei Markus Klein, Lehrkraft für Trompete an der Hochschule für Musik Karlsruhe und Dozent beim Landesjugendorchester Baden-Württemberg.

Der junge talentierte Musiker ist mehrfach preisgekrönt. So erhielt er beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ 2014 und 2017 jeweils den ersten Preis im Ensemble (Trompetenquartett), 2018 durfte er sich über einen 1. Bundespreis als Solist bei diesem renommierten Wettbewerb freuen. Lucas stellt immer wieder unter Beweis, dass er nicht nur die schulischen Herausforderungen meistern kann, sondern auch dem Musizieren hohe Priorität einräumt.

Seit 2018 ist er das jüngste Mitglied bei den Egerländer Musikanten, die unter Ernst Hutter die Egerländer Blasmusik in der Tradition von Ernst Mosch weiterführen. In diesem weltbekannten Blasorchester eröffnen sich dem jungen Musiker neue Chancen, die Lucas zu nutzen weiß, denn neben seinem Vater und seinem Onkel Hans legt er bereits einen routinierten Auftritt hin.

Im April 2019 nahm Lucas Kassner an dem von der Gesellschaft der Musikfreunde Reutlingen organisierten Wettbewerb für Nachwuchsmusiker in Stadt und Kreis Reutlingen teil, der für Holz- und Blechbläser solo und Duo ausgeschrieben war. Er gewann zusammen mit Chiara Holtmann (Klarinette) und Jan Luka Diebold (Klavierbegleitung) den ersten Preis und erhielt zusätzlich den Veit-Erdmann-Sonderpreis für die beste Interpretation moderner Musik.

Bei den Jahrmarkter Heimattreffen ist Lucas immer dabei. Es ist schon zur Tradition geworden, dass er für das Abschiedslied zuständig ist. Hinreißend spielt er das Trompetensolo „Il Silenzio“ und jedes Mal sind ihm der Applaus und die Bewunderung des Publikums sicher. Lucas Kassner ragt in seiner Bescheidenheit groß heraus. Er veredelt mit dem Klang seiner Trompete jeden Auftritt und macht diesen unvergesslich.

Zu seinem bevorstehenden 20. Geburtstag wünschen ihm der Kreisverband Reutlingen, die Musikliebhaber und seine Fans alles Gute und eine weiterhin erfolgreiche Musikerlaufbahn. Ebenso gebührt Lucas unser aller Dank für seine Initiative, den Menschen in dieser schwierigen Zeit mit seinen Musikposts Freude zu bereiten und gute Laune zu verbreiten. „Mach dir das Leben schön“, eines seiner Lieblingsstücke, soll in die Wohnzimmer Mut und Zuversicht bringen und zum Durchhalten in dieser noch nie dagewesenen Situation animieren.