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Banater Post

Resolution der Hauptversammlung der Landsmannschaft der Banater Schwaben

An der Hauptversammlung nahmen 87 Delegierte der Landesverbände und der Heimatortsgemeinschaften sowie interessierte Mitglieder unserer Landsmannschaft als Gäste teil. Fotos: Nikolaus Dornstauder

Der am 8. Februar neu gewählte Bundesvorstand trägt die Verantwortung in den nächsten drei Jahren (von links): Patrick Polling, Werner Gilde, Harald Schlapansky, Christine Neu, Peter-Dietmar Leber, Georg Ledig, Jürgen Griebel, Anita Maurer, Walter Keller, Bundesehrenvorsitzender Bernhard Krastl Foto: Nikolaus Dornstauder

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben blickt auf ihr 70-jähriges Bestehen zurück. Es handelt sich um den beständigsten Verband, den die Banater Schwaben je hatten. Durch ihr Wirken haben die Banater Schwaben auch in Deutschland ihre Geschichte fortgeschrieben. Es gilt, diese für nachkommende Generationen festzuhalten und zu dokumentieren.

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben unterstreicht in einer gemeinsamen Entschließung mit dem Verband der Siebenbürger Sachsen und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland die Notwendigkeit, das Risiko der Altersarmut bei Aussiedlern und Spätaussiedlern mit geeigneten Maßnahmen abzumildern und somit die bestehende Generationenungerechtigkeit im Rentenrecht für diesen Personenkreis zu beseitigen. Dieses Ziel soll durch die Anhebung der anrechenbaren FRG-Entgeltpunkte sowohl bei Alleinstehenden als auch bei Verheirateten, die Aufhebung der pauschalen Kürzung der FRG-Rente um 40 Prozent, den Abbau bürokratischer Hürden und finanzieller Belastungen beim Rentenbezug aus dem Ausland und die Beseitigung der Benachteiligung der Aussiedler und Spätaussiedler bei der Anerkennung von Kindererziehungszeiten erreicht werden.

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben stellt mit Genugtuung fest, dass die Bundesrepublik Deutschland die Deutschen und deren Institutionen im Banat materiell und ideell unterstützt. Sie setzt damit ein klares Zeichen der Solidarität nach innen und nach außen. Die deutsche Minderheit im Banat und die aus dem Banat stammenden Deutschen in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich und in der ganzen Welt bilden eine natürliche Brücke zwischen den jeweiligen Staaten, in denen sie leben, und dem Banat in Rumänien. Mit dem Demokratischen Forum der Deutschen im Banat sowie mit allen anderen Institutionen mit ähnlicher Zielsetzung soll die Zusammenarbeit vertieft und erweitert werden. Im Mittelpunkt soll dabei das Bemühen um die Pflege und die Vermittlung des kulturellen Erbes der Banater Schwaben stehen. In der guten Zusammenarbeit mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, den diplomatischen Vertretungen in Temeswar und Rumänien sowie mit den kommunalen Vertretern unserer Heimatgemeinden sehen wir eine Möglichkeit, die Brücke zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien zu stärken.

Die Ernennung Temeswars zur Europäischen Kulturhauptstadt 2021 ist ein Ereignis mit großer Tragweite. Sowohl die Stadt Temeswar als auch das Banat werden im Mittelpunkt der europäischen Öffentlichkeit stehen. Die Entwicklung Temeswars ist in großem Maße auch durch das Wirken unserer Vorfahren geprägt. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben will sich aktiv in die Programmgestaltung einbinden und somit die Chance nutzen, die Geschichte, Kultur und das Brauchtum der Banater Schwaben in Deutschland und im Banat einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und eine Brückenfunktion zu übernehmen.

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben begrüßt, dass in vielen Gemeinden im Banat eine Rückbesinnung auf die Geschichte der Deutschen im Ort stattfindet. Diese äußert sich in der Errichtung von Heimatstuben, dem Anbringen von Gedenktafeln zur Erinnerung an Persönlichkeiten aus den Reihen der Banater Schwaben im öffentlichen Raum, der Veröffentlichung von lokalhistorischen Arbeiten, der Rückbesinnung auf das deutsche Brauchtum.

Nach der Auswanderung einer großen Zahl von Banater Schwaben ist die jetzige, dort ansässige Bevölkerung wenig bis gar nicht mit der Geschichte der Banater Schwaben vertraut. Bei Repräsentanten aus Politik und Gesellschaft besteht ein Interesse am Erbe der Banater Schwaben. Diesem kann mit historischen Lehrpfaden und mehrsprachigen Hinweisen im öffentlichen Raum begegnet werden. Damit schaffen wir des Weiteren Anknüpfungspunkte für bereits in Deutschland geborene Kinder und Enkelkinder der Banater Schwaben, die auf Spurensuche im Banat sind. Immer wiederkehrende Anfragen der Enkelgeneration, auch aus Amerika und Kanada, zeigen das Interesse und den Bedarf an solchen Vorhaben. Jede Heimatortsgemeinschaft sollte prüfen, ob und wie dies vor Ort umsetzbar wäre.

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben befürwortet die Arbeit des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen, des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm, des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas in München, des Hauses der Heimat in Stuttgart, des Hauses des Deutschen Ostens in München und des Hauses der Donauschwaben in Sindelfingen. Sie fordert alle Verbandsgliederungen auf, dieses Wirken zu unterstützen, damit Geschichte und Kultur der Banater Schwaben Thema wissenschaftlicher Forschung und Lehre sowie musealer Vermittlung bleiben.

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben dankt der Bundesrepublik Deutschland, dem Patenland Baden-Württemberg und der Patenstadt Ulm sowie dem Freistaat Bayern für die materielle Förderung dieser Arbeit, die auch als Ausdruck besonderer Empathie und Wertschätzung betrachtet wird. Der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien über die Kulturreferentin für den Donauraum am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, der djo-Deutsche Jugend in Europa, dem Haus der Heimat in Stuttgart und dem Haus des Deutschen Ostens in München wird für die Förderung unserer Kultur- und Jugendarbeit ebenfalls herzlich gedankt.

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben stellt mit Genugtuung fest, dass die Bayerische Staatsregierung das kulturelle Wirken der Banater Schwaben als Bereicherung bewertet und deshalb im Koalitionsvertrag die Prüfung eines Kulturzentrums Banater Schwaben beschlossen hat. Dass das von unserer Landsmannschaft eingereichte Konzept positiv bewertet worden ist und in eine substantielle Förderung für die Institution Kulturzentrum Banater Schwaben sowie in eine Projektförderung mündet, bestärkt uns in unserer Arbeit. Alle Banater Schwaben sind zur Mitwirkung aufgerufen.

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben dankt allen Mitgliedern weltweit, allen Mitarbeitern der landsmannschaftlichen Verbände, den Orts- und Kreisvorständen, den Landesvorständen, den Vorständen der Heimatortsgemeinschaften, den Vorständen der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen, des Hilfswerks der Banater Schwaben für ihren Beitrag zur Wahrung der Gemeinschaft, zur Pflege und Vermittlung unseres Brauchtums, zur Vermittlung unserer Kultur, für ihren sozialen und karitativen Einsatz entlang von mittlerweile siebzig Jahren.

Sie ruft alle Gliederungen zur Stärkung ihrer organisatorischen Basis auf, zur Beachtung aller Regularien wie die Abhaltung von Wahlen, das Protokollieren von Sitzungen, und verweist auf die Notwendigkeit, die Jugend und junge Erwachsene gezielt an die landsmannschaftliche Arbeit heranzuführen und verantwortungsvoll in die Vorstandsarbeit einzubinden. Wir sind eine Gemeinschaft, deren Wurzeln im Banat liegen, die jedoch weit darüber hinaus gewachsen ist und sich weiterentwickelt. Für die Wahrung der materiellen und immateriellen Werte, die unser Verband und unsere Gemeinschaft geschaffen haben, steht jede Gliederung und jeder Einzelne in der Verantwortung. Gemeinsam können wir ihr gerecht werden!

Ulm, 8. Februar 2020