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Banater Post

Die Kinder der Deportierten erheben ihre Stimme

An der von Hiltrud Leber (Mitte) moderierten Podiumsdiskussion beteiligten sich Kinder ehemaliger Russlanddeportierter, von links: Gertrud Laub, Alfred Waldenmayer, Katharina Scheuer und Josef Koch. Foto: Jürgen Schneider

Gertrud Laub las aus ihrem Roman „Namenlos in der Fremde“.

Die letzten Zeugen der Russlanddeportation: Anna Wersching (links) und Katharina Tillich, beide aus Schöndorf stammend, mit den Landesvorsitzenden Richard S. Jäger (links) und Harald Schlapansky Fotos: Jürgen Schneider

Am Auswandererdenkmal legte die Landsmannschaft einen Kranz zum Gedenken an die Opfer der Russlanddeportation nieder.

Gedenkfeier der Landsmannschaft im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm - Ein einschneidendes Ereignis (auch) für die Banater Schwaben: Vor 75 Jahren wurden praktisch alle arbeitsfähigen Männer und Frauen – etwa 35000 – in die Sowjetunion deportiert, wo sie bis zu fünf Jahre Zwangsarbeit unter unmenschlichen, für uns heute kaum vorstellbaren Bedingungen verrichten sollten. Viele kehrten nicht wieder heim, andere waren für ihr Leben traumatisiert. Das Thema war im kommunistischen Rumänien tabu, darum wurde auch im Familienkreis oft kaum darüber gesprochen. Doch das Erlebte wirkte in die Familien hinein, auch die zurückgelassenen Kinder der Verschleppten, deren Eltern und Angehörige waren von den Ereignissen geprägt. Die Deportation der Eltern beschäftigt bis heute die Generation der Kinder, ganz gleich ob diese vor oder nach der Deportationszeit oder gar in der Deportation geboren wurden. Und sie war auch für die Gemeinschaft der Banater Schwaben ein in vielen Hinsichten einschneidendes und folgenreiches Ereignis
Die Reihen der ehemaligen Russlandverschleppten lichten sich mehr und mehr, und so liegt es jetzt an deren Kindern und Enkeln, aber auch an unserer Gemeinschaft an die Deportation zu erinnern, der Opfer zu gedenken und zu mahnen, damit so etwas nie wieder geschieht.

Aus Anlass der 75-jährigen Wiederkehr der Deportation fand am 25. Januar im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm eine Gedenkfeier statt, veranstaltet von der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Zusammenarbeit mit dem Kultur- und Dokumentationszentrum der Banater Schwaben in Ulm, dem Donauschwäbischen Zentralmuseum und der Kulturreferentin für den Donauraum. Die gut besuchte Veranstaltung bot – anders als die früheren großen Gedenkveranstaltungen – erstmals den Kindern ehemaliger Deportierter ein Podium, um ihre Sicht auf die Deportation und deren Folgen für die Familie, für sie selbst darzulegen.

Mit dem Lied „Auf der Wanderschaft“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy nach Versen von Nikolaus Lenau, vorgetragen von der Sopranistin Iris Marie Kotzian mit Klavierbegleitung durch Rita Marx wurde die Feierstunde eröffnet. Die Begrüßung der Gäste nahmen der Direktor des Donauschwäbischen Zentralmuseums Christian Glass und die Kulturreferentin für den Donauraum Dr. Swantje Volkmann vor. Angesichts des Schwindens der Erlebnisgeneration hob Glass die Notwendigkeit hervor, neue Formen des Erinnerns zu finden, um vor allem auch die nachfolgenden Generationen über das geschehene Unrecht und das unermessliche Leid der Betroffenen aufzuklären. Die Veranstaltung nehme nicht das Deportationsgeschehen selbst in den Fokus, sondern widme sich dessen Auswirkungen auf die Kindergeneration, betonte der Museumsdirektor in seiner kurzen Begrüßungsansprache.

Dr. Swantje Volkmann hieß sodann die Ehrengäste willkommen: Gunter Czisch, Oberbürgermeister der Stadt Ulm, der Patenstadt der Banater Schwaben, Dr. Christiane Meis, Leitende Ministerialrätin im Innenministerium des Landes Baden-Württemberg, Hans Supritz, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben, Joschi Ament, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, seitens der Landsmannschaft der Banater Schwaben Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber, die stellvertretende Bundesvorsitzende Christine Neu, den stellvertretenden Bundes- und bayerischen Landesvorsitzenden Harald Schlapansky, die stellvertretende HOG-Sprecherin Anita Maurer und den Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg Richard S. Jäger. Ein besonderer Gruß galt den Teilnehmern der Podiumsdiskussion und der Moderatorin Hiltrud Leber sowie den anwesenden ehemaligen Deportierten: der 95-jährigen Katharina Tillich (Schöndorf/München) und der 94-jhrigen Anna Wersching (Schöndorf/Ulm).

In die Gedenkveranstaltung führte Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber ein. Er schilderte die Situation im Banat in den letzten Kriegsmonaten, als sich ein Teil unserer Landsleute auf der Flucht Richtung Westen befand, viele Männer Kriegsdienst leisteten und auf die in der Heimat Verbliebenen das Los wartete, „als Zwangsarbeiter das aufzubauen, was in deutschem Namen in der Sowjetunion zerstört worden war“. Gefragt habe man weder die einen, die in den Krieg ziehen mussten, noch die anderen, die die Trümmer dieser Politik beseitigen mussten. „Familien wurden auseinandergerissen, Gemeinschaften zerstört, Lager im fernen Osten, von Stacheldraht und Wachposten umgeben, wurden nun auch Stätten der Geschichte der Deutschen im Südosten“, zumal nicht nur die Banater Schwaben von der Deportation betroffen waren, sondern genauso die Banater Berglanddeutschen, die Siebenbürger Sachsen, die Sathmarer Schwaben, die Deutschen aus Ungarn und aus Jugoslawien, ja sogar die kleinen deutschen Gemeinschaften in Bulgarien und der Ostslowakei. Leber weiter. „Leben wurde zum Kampf ums Überleben, aber nicht alle schafften es, ihre Heimat wiederzusehen.“ Für die Heimkehrer sei die Deportation eine traumatische Erfahrung geblieben bis heute, ein tiefer Einschnitt in ihrer Biografie.

In der Öffentlichkeit sei die Deportation jahrzehntelang kein Thema gewesen: „In Rumänien legte sich der staatlich verordnete Mantel des Schweigens über das Unrecht und hier in Deutschland bestimmten andere Themen den politischen und gesellschaftlichen Diskurs.“ Leber wies darauf hin, dass erst 1995, zum 50. Jahrestag der Deportation, eine erste große Gedenkveranstaltung aller südostdeutschen Landsmannschaften in München stattgefunden habe, die eine intensivere Beschäftigung mit diesem Kapitel der Nachkriegsgeschichte nach sich zog. Spätestens seit dem Erscheinen von Herta Müllers Roman „Atemschaukel“, der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, sei der „Hungerengel“ den meisten ein Begriff geworden. In Rumänien seien die ehemaligen Deportierten unmittelbar nach der Wende 1989 als politisch Verfolgte anerkannt worden und in den Genuss einer monatlichen Entschädigung gekommen, die 2013 auf Personen ausgeweitet wurde, die nicht mehr im Besitz der rumänischen Staatsbürgerschaft sind. Zudem habe sich der rumänische Staat offiziell für das an seinen damaligen Staatsbürgern begangene Unrecht entschuldigt, erinnerte Leber.

Heute seien wir es, „die Generation der Kinder, Enkel und Urenkel jener Gezeichneten, die Fragen nach der Einordnung dieser Ereignisse in unsere Biografien, aber auch in der Geschichte unserer Gemeinschaft stellen“. Darunter auch jene: „Welchen Stellenwert haben diese Ereignisse für uns heute überhaupt noch?“ An diesem Tag und darüber hinaus sollten wir immer mahnen, „dass Menschenrechte universale Rechte sind, die nie zur Disposition stehen dürfen“, und „unsere Stimme erheben, wenn wir sie in Gefahr sehen“. Und wir sollten uns vergegenwärtigen, dass jeder einzelne etwas dafür tun muss, „damit uns allen eine Entfaltung in Freiheit und Würde gewährt bleibt“. Darüber hinaus müsse man an einem solchen Tag wie heute „auch an die Großfamilien jener Zeit erinnern, die wie ein Netz die zurückgebliebenen Kinder und Alten auffingen und in ihrer Obhut behielten. Sie waren es, die das schafften, worüber fast 75 Jahre später noch immer kontrovers diskutiert wird: ein Zeichen der Solidarität zu setzen.“ Wir sollten bekunden, so Peter-Dietmar Leber zum Schluss, dass wir mit den Betroffenen in einer Reihe stehen, dass wir ihre Geschichte annehmen – „den Toten zum Gedenken, den Überlebenden und den Nachkommen zum Trost“.

Nach einer musikalischen Einlage – „'s ist Krieg!“ (Text: Matthias Claudius, Musik: Peter Fischer) – folgte die Lesung von Gertrud Laub. Die 1955 in Orzydorf geborene Autorin ist die Tochter eines Deportierten. Die Erzählungen ihres Vaters über die fünfjährige Deportationszeit haben sie seit Kindheitstagen geprägt, doch erst im Erwachsenenalter begann sie darüber zu reflektieren und sie literarisch zu verarbeiten. Der Protagonist ihres 2015 erschienenen Romans „Namenlos in der Fremde“ sei nur bedingt mit der Person ihres Vaters identisch, merkte Gertrud Laub an. Der Roman erzähle durch das Prisma ihrer eigenen Erinnerung die vom Vater durchlebten Ereignisse, die auf fiktionale Weise miteinander verbunden werden, um die grausame Wahrheit bildhafter zu veranschaulichen.

Gertrud Laub las drei Ausschnitte aus dem Roman vor, in denen sie die Aushebung und den Abschied von den Lieben und vom Heimatdorf, den von harter Arbeit in der Kohlengrube geprägten Lageralltag beschreibt und darlegt, wie der Protagonist zu seinem Namen Fjodor kam und sozusagen namenlos wurde. Sie erzählte auch davon, wie die Hoffnung des dystrophischen und an einer Schleimbeutelentzündung im Knie leidenden Protagonisten, mit einem Krankentransport nach Hause geschickt zu werden, vom Arbeitsoffizier des Lagers zunichte gemacht wird. „Fjodor geht noch in die Grube“, lautete seine Anweisung.

Iris Marie Kotzian sang sodann, am Klavier von Rita Marx begleitet, das Lied „Alte Tränen“ von Georg Kreisler. Im Anschluss daran moderierte Hiltrud Leber die Podiumsdiskussion „Meistens haben sie geschwiegen, weil sie vergessen wollten, um weiterleben zu können…“. Teilnehmer der Diskussion waren vier Nachkommen von Russlanddeportierten, zwei Frauen und zwei Männer, einer vor der Deportation geboren (Josef Koch, Hatzfeld/Spaichingen), der andere während der Deportation (Alfred Waldenmayer, Guttenbrunn/Regensburg) und die beiden Frauen Gertrud Laub (Orzydorf/Berlin) und Katharina Scheuer (Jahrmarkt/München) nach der Deportation zur Welt gekommen. Die Moderatorin, die sich im Vorfeld mit den Geschichten der Gesprächsteilnehmer vertraut gemacht hatte, führte die Diskussion kenntnisreich und mit viel Empathie, sie stellte immer wieder gezielt fragen, ließ ihre Gäste aber auch frei erzählen. Ihre jeweiligen Geschichten sollen hier in einer kurzen Zusammenfassung wiedergegeben werden.

Gertrud Laubs Vater wurde als 17-Jähriger aus Orzydorf deportiert und musste Zwangsarbeit in einer Kohlengrube im Donbass leisten. Nach fünf Jahren in die Heimat zurückgekehrt, stand er vor den Trümmern seiner Zukunft. Der Weg zum Studium blieb ihm verwehrt, und auch sein Traum von einer Sportkarriere ließ sich nicht verwirklichen. Um seine Existenz zu sichern, musste er eine Stelle als Buchhalter bei der Maschinen- und Traktorenstation in Orzydorf annehmen. Fidel Rabong war ein extrovertierter Mensch, seine Deportationserlebnisse brachte er in der Familie immer wieder zur Sprache. Es war seine Art, das Deportationstrauma zu bewältigen, und es war ihm wichtig, seine Leidensgeschichte weiterzugeben. Auch wenn er scheinbar einen Weg gefunden hat, damit fertig zu werden, hat ihn das Erlittene zeitlebens geprägt. Eine gewisse Traurigkeit war bei ihm oft zu verspüren, die Unbeschwertheit war ihm abhandengekommen. Trotz des erlittenen Unrechts hat Fidel Rabong der russischen Bevölkerung gegenüber nie Hass empfunden, die „Obrigkeit“ hingegen, die ihm fünf Jahre seiner Jugend raubte, hat er tief verabscheut. Die Lagererfahrung wie auch sein mangelndes Vertrauen in das kommunistische Regime hätten die Entscheidung, nach Deutschland auszusiedeln, mitbeeinflusst, so Gertrud Laub.

Die Darlegungen von Josef Koch zeigten, wie tief sich das vor 75 Jahren Erlebte in die Seele eingebrannt hat, wie die Deportation der Mutter und ihr Tod in der Fremde bis heute nachwirken. Als Siebenjähriger erlebte er am 14. Januar 1945 zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder und seinen Großeltern väterlicherseits (der Vater diente als deutscher Soldat an der Ostfront), wie seine damals 29-jährige Mutter ausgehoben wurde. Er erinnert sich noch genau an ihre ermahnenden Worte, brav zu sein und den Großeltern zu folgen, und an die tröstende Zusicherung, die käme bald zurück. Ebenso hat er noch immer das Bild vor Augen, als er das Gesicht der Mutter zum letzten Mal durch das Fenstergitter des Viehwaggons auf dem Hatzfelder Bahnhof sah. Elisabeth Koch war es nicht vergönnt,
ihre Kinder und ihre Heimat wiederzusehen. Sie starb im März 1947 im Lager Dnjepropetrowsk. Wie Josef Koch berichtete, habe sich die Mutter in der Verbannung ganz große Sorgen um ihre Söhne gemacht. Sie habe aus Baumwolle, die sie gegen ihre Brotration eingetauscht  hatte, Pullover für ihre Kinder gestrickt und diese zusammen mit dem Ehering mit den ersten krankheitshalber  entlassennen Landsleuten nach Hause geschickt. Todkrank bat sie eine Freundin, ihrem Mann mitzuteilen, dass er nicht allein bleiben und den Kindern wieder eine Mutter geben solle. Ihren Söhnen gab sie mit auf den Weg, ihre richtige (leibliche) Mutter nie zu vergessen. „Wie viele Sorgen und welche Verzweiflung klingen aus diesen Worten einer Mutter“, fragte Josef Koch in die Runde. Dass seine Mutter immer einen Platz in seiner Seele hatte, bringt der Titel zum Ausdruck, mit dem Koch seine Ausführungen überschrieb: „Verschleppt, verstorben, verscharrt – doch niemals vergessen“.

Katharina Scheuer wurde 1952 in Jahrmarkt geboren. Von der Russlandverschleppung betroffen waren gleich mehrere Mitglieder ihrer Familie: ihre damals 19-jährige Mutter Katharina  Seibert, ihr kaum 16-jähriger Onkel und ihr Großvater. Sie kamen alle drei ins Lager Iljanowka, wo ihr Großvater nach nicht einmal drei Monaten den Hungertod gestorben ist. Auch ihr Vater wurde mit 16 Jahren deportiert und kam ins Lager Kriwoi Rog. Zu den betroffenen zählten zudem ihre beiden Schwiegereltern, die drei Kinder bei den Großeltern zurücklassen mussten. Letztere kehrten im Herbst 1947 mit einem sechs Monate alten Sohn zurück, der das Ergebnis einer Liebe hinter Stacheldraht war und später der Ehemann der Gesprächsteilnehmerin werden sollte. „Während aus der Familie meiner Mutter drei Personen mitgenommen wurden und nur zwei zurückkamen, wurden aus der Familie meines Mannes zwei mitgenommen und drei sind zurückgekehrt. Das gab es allerdings nur selten“, berichtete Katharina Scheuer. Die schlimmen Erlebnisse in der Deportation haben ihre Mutter ein Leben lang begleitet, bedrückt und belastet. Darüber sprechen konnte sie nicht, und auch das Buch „Allein die Hoffnung hielt uns am Leben“ von Hedwig Stieber-Ackermann, das ihr die Tochter geschenkt hatte, konnte sie nicht lesen, obwohl sie immer sehr gerne las und auch die Autorin persönlich aus der Deportationszeit kannte. Erst in ihrer letzten Lebensphase, schon von einer schweren Krankheit gezeichnet, hatte Katharina Seibert das Bedürfnis, über das Erlebte zu sprechen. Die von ihr hinterlassene Botschaft lautete: „So etwas soll nie wieder passieren!“

In Alfred Waldenmayers Ausweispapieren steht als Geburtsort Kriwoi Rog. Dort, in einem Zwangsarbeitslager, erblickte er im Sommer 1948 das Licht der Welt. Sein Vater Heinrich Waldenmayer, ein Bessarabiendeutscher, wurde als 17-Jähriger verschleppt, seine Mutter Katharina, geborene Pawelka, war 19 Jahre alt, als sie aus Guttenbrunn deportiert wurde. Beide lernten sich im Lager Kriwoi Rog kennen und lieben. Mit ihrem 16 Monate alten Sohn ließen sie  sich nach ihrer Entlassung im November 1949 in Guttenbrunn nieder.  In der Familie sei die Deportation oft Gesprächsthema gewesen, berichtete Alfred Waldenmayer, der schon sehr früh vom Schicksal seiner Eltern erfuhr. Im Laufe der Zeit habe er diesbezüglich sehr viele Informationen  erhalten und sich als Schüler darüber gewundert, dass die Deportation der Deutschen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion nicht Gegenstand im Geschichtsunterricht war. Er sei zu der Erkenntnis gekommen, dass es keine schlechten Völker, nur schlechte Ideologien gebe; Menschen würden zu Handlangern und Vollstreckern einer Ideologie, die ihnen aufgezwungen wird, so Waldenmayer. Von der Securitate bespitzelt und mehrfach verhört, zwang ihn sein Freiheitswille, der Diktatur den Rücken zu kehren. Am 23. August 1978, am „Tag der Befreiung Rumäniens vom faschistischen Joch“, hat er das Land illegal, über die Donau schwimmend, verlassen. 1981 durften seine Eltern ausreisen  und in Regensburg ihren Lebensabend in Würde und Freiheit genießen.

Mit Nikolaus Lenaus „Schilflied“, vertont von Felix Mendelssohn-Bartholdy, endete die Gedenkfeier. Bei Kaffee, Kuchen und Häppchen bestand danach Gelegenheit zum allgemeinen Gedankenaustausch. Für die Bewirtung der Gäste sorgte der Kreisverband Augsburg unserer Landsmannschaft. Eine ad hoc gebildete Singgruppe brachte mit Akkordeonbegleitung von Anton Bleiziffer Lagerlieder zu Gehör, darunter „Im Jahre 1945“, „Tief in Russland bei Stalino“, „Heimweh“, „Kriwoi Rog, du schönes Städtchen“, „Wo des Dnjepr Wellen schlagen“.

Nach der Veranstaltung begaben sich die Mitglieder des Bundesvorstands und einige Teilnehmer zum Auswandererdenkmal am Donauufer, wo seitens der Landsmannschaft der Banater Schwaben ein Kranz zum Gedenken an die Opfer der Russlanddeportation niedergelegt wurde. Anton Bleiziffer umrahmte die kleine Gedenkfeier musikalisch. Die Feier endete mit einem gemeinsam gesprochenen Vaterunser.