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Banater Post

Kirchweih, (fast) wie einst im Heimatdorf Großjetscha

Mehr als 30 Kirchweihpaare in Großjetschaer Tracht wie auch die Blasmusikkapelle „Notenvagabunden“ leisteten einen besonderen Beitrag zum Gelingen des Heimattreffens, das ganz im Zeichen einer traditionellen Kirchweih stand. Foto: HOG Großjetscha

Das diesjährige Treffen der HOG Großjetscha fand am 21. September wie gewohnt in der Oberwaldhalle in Rastatt-Rauental statt und stand ganz im Zeichen einer traditionellen Kirchweih, wie diese einst in Großjetscha gefeiert wurde.

Bereits kurz nach Saalöffnung trafen die ersten Gäste ein, die Halle füllte sich allmählich und das Fest war zur offiziellen Eröffnung bereits gut besucht. Mit den ersten Gästen trafen auch die ersten Kuchenspenden ein. Es war ein Augenschmaus, diese richtigen Meisterwerke Großjetschaer Backkunst zu bewundern. Das Kuchenbuffet vom letzten Treffen konnte diesmal noch übertroffen werden. Es war das reichhaltigste und weitaus beste Kuchenbuffet, das ich je bei einem Treffen gesehen
habe. Der Erlös aus dem Kuchenverkauf hilft unserer HOG und auch allen Landsleuten, denn damit wird die Instandhaltung des Großjetschaer Neuen Friedhofes unterstützt.

Aber nun zurück zum Ablauf des Treffens. Nach der feierlichen Eröffnung durch den HOG-Vorsitzenden Norbert Neidenbach wurde Werner Griebel, Vorsitzender der HOG Lenauheim, mit Gattin als Ehrengast begrüßt. Anschließend legte der Vorsitzende den Rechenschaftsbericht des Vorstandes vor, wonach Josef Köllmel erneut auf die Auswirkungen der Datenschutz Grundverordnung hinwies und die Handhabung der Veröffentlichung der Familiennachrichten in der „Banater Post“ erläuterte.

Verjüngter Vorstand ins Amt gewählt

Nach einer kurzen Vorstellung des Programms des Treffens und einigen organisatorischen Hinweisen wurde auf die Notwendigkeit verwiesen, durch das Hinzuziehen von jüngeren, engagierten Mitgliedern, die bereit sind, einen Teil ihrer Freizeit ehrenamtlich für unsere Gemeinschaft aufzuwenden, eine Verjüngung des Vorstandes herbeizuführen. Wir freuen uns sehr, dass Ulrike Rössner (Jahrgang 1977, Tochter von Elisabeth und Helmut Reiter), Heidelinde Redl (Jahrgang 1982, Tochter von Hilde und Horst Redl) und Gudrun Neidenbach (Jahrgang 1984, Tochter von Karin und Norbert Neidenbach) zur Mitarbeit im Vorstand gewonnen werden konnten. Wir sind überzeugt, dass sie mit ihren Ideen, Anregungen und natürlich auch durch die übernommenen Aufgaben eine Bereicherung für unsere HOG sein werden.

Der Vorstand setzt sich somit aktuell wie folgt zusammen: Vorsitzender: Norbert Neidenbach, Stellvertretender Vorsitzender: Josef Köllmel, Kassenwart: Angela Jahnke, Schriftführer: Werner Giehl, Kulturreferentinnen: Hilde Redl und Elwine Muth, Beisitzer: Ewald Muth, Horst Giehl, Hans Götter, Helmut Reiter, Ulrike Rössner, Heidelinde Redl, Gudrun Neidenbach. Die Kassenprüfung obliegt Helga Ebner und Horst Redl.

Kirchweihfest als kultureller Höhepunkt

Kultureller Höhepunkt des Treffens war das Kirchweihfest nach Großjetschaer Art. Hilde und Horst Redl konnten mit Unterstützung von Helmut Reiter über 30 Trachtenpaare in Großjetschaer Kirchweihtracht mobilisieren. Die Trachtengruppe aus Singen hatte Unterstützung aus Karlsruhe, Freiburg, Frankenthal und Rastatt. Und fast alle Kirchweihpaare waren Großjetschaer oder hatten Großjetschaer Wurzeln. Der Einzug dieser langen Reihe von Trachtenpaaren, unter ihnen auch einige Kinderpaare, die voller Begeisterung mitmarschiert sind, war wieder einmal eine Augenweide. Es wurden Erinnerungen an die Kirchweihfeste in Großjetscha wach, viele der Gäste waren wohl in Gedanken in der alten Heimat.

Das erste Geldherrenpaar Maximilian Rössner und Julia Haasz (die Gewinner des Kirchweihstraußes 2017) und das zweite Geldherrenpaar Helmut und Elisabeth Reiter führten den langen Festzug an. Die Gäste im Saal empfingen die Trachtenpaare mit viel Applaus. Traditionsgemäß lud der erste Geldherr alle Gäste zur Kirchweih ein, wonach der zweite Geldherr die Versteigerung des Kirchweihstraußes übernahm. Helmut Reiter wies nochmals auf die Notwendigkeit der Verjüngung des Vorstandes hin, wobei Familie Reiter mit gutem Beispiel voranging: Aus dieser Familie waren drei Generationen aktiv an der Vorbereitung und Durchführung des Treffens beteiligt.

Die Versteigerung wurde immer wieder durch einen „zum trink mer mol“ oder einen „zum spiel mer mol“ unterbrochen. Wie in der alten Heimat üblich, standen die Geldherren auf einem richtigen Banater Weinfass – noch in letzter Minute „nutzbereit“ gemacht. Dabei hatte Nikolaus Marinescu mitgeholfen und seine Aufgabe als „Kirchweihvater“ sehr gut erfüllt. Zu guter Letzt ersteigert Franz Liess den Strauß für seine Gattin Hedi, die ihre Überraschung und Freude kaum verbergen konnte.

Einen ganz besonderen Beitrag zum Gelingen des Festes leistete natürlich die Blasmusikkapelle „Notenvagabunden“. Die zwar in verkürzter Form, aber mit allen traditionellen Elementen dargebotene Kirchweih wurde mit dem Ausmarsch der Trachtenpaare abgeschlossen. Die Tanzleiterin, die Geldherren wie auch alle aktiven Teilnehmer haben den Landsleuten ein Stück Banat vermittelt, ein Stück Heimat gegeben und unter Beweis gestellt, dass das kulturelle Erbe der Gemeinschaft bewahrt und weiter gepflegt wird.

Das ist die eigentliche Aufgabe der Heimatortsgemeinschaften, darin liegt der Sinn solcher Heimattreffen. Diese bieten den Landsleuten die Möglichkeit, Verwandte, Freunde, Bekannte zu treffen, infolge der Aussiedlung verloren gegangene Kontakte wiederherzustellen, die Mundart zu pflegen. Aber mindestens genauso wichtig ist es, Traditionen, Trachten, Volkstänze wieder aufleben zu lassen und an die Jugend weiterzugeben, die diese Äußerungsformen unserer kulturellen Identität nicht mehr im Banat erlebt haben. Nur so können wir die Jugend zur Erhaltung unserer Sitten und Bräuche animieren – was zwar nicht immer selbstverständlich ist, jedoch in vielen Fällen durchaus erfolgreich praktiziert wird. So waren zum Beispiel die Familien Reiter, Redl und Muth mit jeweils drei Generationen aktiv am Kulturprogramm beteiligt.

Es gehört bereits zur Tradition, dass der zweite Teil des Treffens musikalisch von den „Palomas“ (Richard Zacharias, Siegfried Potche und Astrid Marsel) begleitet wird. Die „Palomas“ sind dafür bekannt, dass sie bei ihren Auftritten überragende Stimmung verbreiten und das Publikum mitreißen.

Teamleistung trägt zum Gelingen bei

Nicht unerwähnt bleiben soll die „Kinder-Schminkwerkstatt“, vorgeschlagen und organisiert von Ulrike Rössner. Die anwesenden Kinder wurden von ihr geschminkt, sie konnten aber auch selbst kreativ sein und waren mit größtem Eifer bei der Sache. Es war eine sehr gute Idee, die Kleinen waren begeistert.
Die Bewirtung durch den Partyservice des Restaurants „La Vio“ in gewohnter Qualität und Herzlichkeit ist ebenfalls eine Erwähnung wert. Die gebotenen Speisen und Getränke, alles „wie derhem“, fanden Anklang bei den Besuchern und trugen in bestimmtem Maße zum Gelingen des Treffens bei.

Am Ende des Treffens wurde sogar noch der Strauß „nachhause gespielt“, dies auf Initiative des „harten Kerns“ der Besucher, bestehend aus der Freundesgruppe der Anfang der 1950-er Jahre Geborenen.

Es war ein besonders gelungenes Treffen, was viele Teilnehmer zum Ausdruck brachten. Sogar Gäste, die zwar nicht aus Großjetscha stammen, aber große „Erfahrung“ in solchen Veranstaltungen haben, versicherten am Ende: „Scheen war’s“. Davon zeugen auch die etwa 200 Fotos vom Treffen, die auf unserer Homepage www.jetscha.de eingesehen werden können.

Natürlich freuen sich die Organisatoren über solche Rückmeldungen. Es war wieder eine Teamleistung und dafür möchte ich mich bei allen aktiven Teilnehmern, bei allen Helfern und Vorstandsmitgliedern nochmals ganz herzlich bedanken.