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Banater Post

Banater Kirchweih in Reutlingen: eine echte Erfolgsgeschichte

Die Banater Kirchweih in Betzingen führt Jahr für Jahr eine beeindruckende Zahl von Trachtenträgerinnen und -trägern zusammen und ist ein wahrer Publikumsmagnet.

Einzug des Trachtenfestzuges auf das Gelände der Julius-Kemmler-Halle; von rechts: Bundestagsabgeordneter Michael Donth, Kreisvorsitzende Christine Neu, Landesvorsitzender Josef Prunkl, Ehrenvorsitzender des Kreisverbandes Michael Koppi Fotos: Banater Knipser Reutlingen

Umzug durch die Straßen von Betzingen; das Vortänzerpaar Melinda Petla und Karsten Loch mit Kirchweihstrauß, flankiert vom Zweittänzerpaar Eveline und Oswald Wolf (rechts) und dem Dritttänzerpaar Elisa Schöffler und Patrick Polling

Aus der Überlegung heraus, Banater Brauchtum und Tradition lebendig zu erhalten und erlebbar zu machen, wurde in der vor zehn Jahren gegründeten Banater Trachtengruppe Reutlingen die Idee geboren, eine Banater Kirchweih zu veranstalten. Es galt auch, die Vermittlung des kulturellen Erbes der Gemeinschaft neu zu denken und neue Wege in der Brauchtums- und Traditionspflege zu gehen. Die anfänglichen Meinungen zu dem Vorhaben Banater Kirchweih waren durchaus gespalten. Es gab Zweifel und es gab auch Kritik. Aber die Kraft der Zuversicht war stärker, und so wurde 2010 die erste Banater Kirchweih nach Bakowaer Brauch abgehalten. Die Idee war, jedes Jahr das Kirchweihbrauchtum eines anderen Banater Dorfes in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei sollte es keine spiegelbildliche Reproduktion einer Dorfkirchweih im Banat sein, sondern den Heimatortsgemeinschaften lediglich eine Plattform geboten werden, spezifische Glanzpunkte ihres Kirchweihfestes darzustellen.

Die Banater Kirchweih ist in den folgenden Jahren ständig gewachsen und entwickelte sich zu einem internationalen Fest mit Beteiligung vieler Jugend-, Tanz- und Trachtengruppen aus Deutschland, aus dem Banat, aus Ungarn wie auch aus Nord- und Südamerika. Als Open-Air-Fest fand sie auf dem Kemmler-Areal in Reutlingen-Betzingen eine räumliche Heimat. Innerhalb der Landsmannschaft der Banater Schwaben ist die Banater Kirchweih des Kreisverbandes Reutlingen eine Veranstaltung mit Alleinstellungsmerkmal. Am 13. Juli dieses Jahres beging sie ihr zehnjähriges Jubiläum und wie schon 2010 wurde wieder nach Bakowaer Art gefeiert.

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Alle fieberten gespannt dem großen Fest entgegen. Das eingespielte Organisationsteam hatte im Vorfeld alle Hände voll zu tun. Familie Loch, Rosi Petla und Raimund Klotzbier schmückten den Rosmarinstrauß mit bunten Bändern und einer Vielzahl von kleinen Sträußchen, die in wiederholten Bastelstunden angefertigt worden waren. Nachdem der Vorstrauß bereitstand, wurden noch letzte Tanzproben durchgeführt, um Tanzschritte und -figuren zu festigen. Die Fotogruppe war mit dem Aufbau einer Ausstellung beschäftigt, die einen Rückblick auf die bisherigen Kirchweihfeste bot. Die Frauen von der Banater Backakademie verzierten die fertig gebackenen Kuchen, die sich mal wieder sehen lassen konnten, nicht nur vom Optischen, sondern auch von der Menge her, zumal es galt, an die tausend Kuchenstücke bereitzustellen. Fleißige ehrenamtliche Helfer waren am Werke, um die von Landsmann Ewald Them mit seiner Firma angelieferten Zelte aufzustellen.

Doch das Wetter schien den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung zu machen. Am Tag vor dem Fest zog eine Schlechtwetterfront heran, und mit jedem Regentropfen schwand die Hoffnung und sank die Laune. Man überlegte, ob man die Veranstaltung nicht in den Saal verlegen könne, doch über Nacht verflogen alle Sorgen. Der 13. Juli zeigte sich mit einem freundlichen Gesicht und brachte mit jedem Sonnenstrahl Freude und Hoffnung.

Das Kemmler-Areal wurde im Laufe des Vormittags von den angereisten Trachtengruppen mit Leben gefüllt. Freudiges Wiedersehen und auch etwas Spannung lagen in der Luft. Um 11.45 machte sich dann ein stattlicher Kirchweihzug auf den Weg zur Mauritius-Kirche. Angeführt wurde der Trachtenzug vom Vortänzerpaar Melinda Petla und Karsten Loch, gefolgt vom Zweittänzerpaar Eveline und Oswald Wolf und dem Dritttänzerpaar Elisa Schöffler und Patrick Polling.

Kirchweihmesse mit großartiger Musikbegleitung

Vor der Kirche wurden die Kirchweihpaare von Diakon Roland Hummler empfangen, der den festlichen Kirchweihgottesdienst zelebrierte. Kreisvorsitzende Christine Neu sprach die Begrüßungsworte und rief zu einer Gedenkminute für alle Verstorbenen auf, wobei sie namentlich die in den letzten zehn Jahren verstorbenen Funktionsträger des Kreisverbandes erwähnte: Mathias Bauer, Hans Gylion, Johann Mayer, Peter Welker und Kaspar Blasy. Gedacht wurde auch Heimatpfarrer Peter Zillich, der jahrelang die Banater Kirchweih in Betzingen zelebriert hatte. Die Lesung übernahm Gisela Filipp, die Fürbitten wurden von Erika Millich vorgetragen, Lara Wagner versah den Ministrantendienst.

Der Gottesdienst erfreute sich einer besonderen musikalischen Umrahmung durch die Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen unter der Leitung von Johann Frühwald sowie die Solisten Melitta Giel, Irmgard Holzinger Fröhr, Isolde Reitz und Dietmar Giel, die am Klavier von Holger Giel begleitet wurden. Gesungen wurden neben Teilen der Deutschen Messe von Franz Schubert einprägsame, wunderschöne Lieder: „Wie groß bist Du“, „Ich bete an die Macht der Liebe“, „Vater unser“ von Hanne Haller oder die Schubert-Vertonung „Ave Maria“. Vor der Segnung des Kirchweihstraußes ertönte das Lied „Glocken der Heimat“, zum Auszug „Großer Gott, wir loben dich“. Die Bläserklänge wie auch der bezaubernde Gesang der Solisten verliehen der Messfeier eine feierliche Note. Zum festlichen Rahmen gehörte auch der reiche, zum Teil vom Blumencenter Benz gespendete Blumenschmuck, für dessen Arrangement Familie Varady verantwortlich zeichnete.

Nach einem Ehrentanz im Kirchhof und dem traditionellen Gruppenfoto folgte der Kirchweihfestzug durch Betzingen. Darüber schrieb Hermann Pfeiffer im „Betzinger Blättle“: „Nach wie vor ist der Umzug durch die Steinachstraße bis zur Ecke an der Kreissparkasse ein Höhepunkt innerhalb der Festivitäten der Banater Schwaben: Eine Pracht an Trachten! Da haben die Betzinger schon etwas Mühe in ihrem ‚Häs‘ aufzufallen. Jedenfalls ordneten sich einige Mitglieder von der Ortsgruppe des Albvereins in ihrer traditionsreichen Tracht in die Umzugsformation der Banater gerne ein, was letztlich auch ein Bekenntnis zu den Heimatvertriebenen bedeutet.“

Rückblick auf zehn Jahre Banater Kirchweih

Mit dem Deutschlandlied und der Banater Hymne wurden die Feierlichkeiten auf dem Areal der Kemmler-Halle eröffnet. Christine Neu begrüßte die Gäste von nah und fern und hieß als Ehrengäste herzlich willkommen: den Bundestagsabgeordneten Michael Donth, den Oberbürgermeister der Stadt Reutlingen und Schirmherrn der zehnten Banater Kirchweih Thomas Keck, den frisch gebackenen Betzinger Bezirksbürgermeister Friedemann Rupp, den Landesvorsitzenden der Banater Schwaben in Baden-Württemberg Josef Prunkl, den stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben Harald Schlapansky, den DBJT-Vorsitzenden  Patrick Polling, den Vorsitzenden der HOG Bakowa Ernst Bayerle. Mit der Überreichung eines Apfels mit geschmücktem Rosmarinsträußchen wurden die Ehrengäste offiziell zur Kirchweih eingeladen.

Nach ihrem Dank an die Organisatoren, die teilnehmenden Trachtengruppen und das Vortänzerpaar blickte die Reutlinger Kreisvorsitzende auf das vergangene Jahrzehnt zurück. Nur durch beständiges Engagement könne man das Bekenntnis „zu unserer Herkunft und Kultur zum Ausdruck bringen“. Der Erkenntnis, dass Brauchtum aktiv gestaltet werden müsse, sei die ehrgeizige Ausrichtung der ersten Banater Kirchweih gefolgt. Ihr Fazit nach zehn Jahren: „Es ist uns erfolgreich gelungen, das Kemmler-Areal einmal im Jahr in einen Magneten zu verwandeln und das nicht nur für Banater Landsleute. […] Nicht zuletzt wurde die Banater Kirchweih zu einem internationalen Jugendtreff“. „Solche Feste, wie heute“, hob Christine Neu hervor, „geben uns Energie und halten unsere Tradition jung. Die wahren Stars des Tages aber sind die vielen Trachtenträger, die mit Leidenschaft und Traditionsbewusstsein unser Brauchtum in der Öffentlichkeit präsentieren. Es tut gut, sich an die Kirchweihfeste unserer Kindheit, unserer Jugendzeit zu erinnern und das Schöne, das Wertvolle davon an unsere Kinder und Enkel weiterzugeben.“ Neu appellierte an die junge Generation, sich weiterhin für den Erhalt des Banater Brauchtums zu engagieren und die Trachten ihrer Ahnen mit Stolz zu tragen.

Festrede von Michael Donth MdB

In seiner Festrede wies der Bundestagsabgeordnete Michael Donth, der in seiner Zaininger Tracht von der Schwäbischen Alb erschienen war, zunächst auf die Brückenfunktion hin, die sowohl der deutschen Minderheit in Rumänien als auch den in Deutschland lebenden Banater Schwaben in den deutsch-rumänischen Beziehungen zukommt und würdigte ihren Beitrag zur Verständigung zwischen den beiden Ländern. Den Banater Schwaben in Reutlingen zollte er „allergrößten Respekt für ihren Einsatz“: „Sie haben sich an Projekten der Stadt Reutlingen beteiligt, nehmen an Stadtfesten teil, verköstigen die Bürgerinnen und Bürger mit Banater Spezialitäten und bereichern das kulturelle Geschehen im Landkreis Reutlingen durch Trachtenaufführungen und Umzüge“, sagte Donth. Mit der Banater Kirchweih hätten sie „einen lokalen Publikumsmagneten auf die Beine gestellt und über Jahre zu einer echten Erfolgsgeschichte gemacht“. Dies sei ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander hier vor Ort und bereichere die Aufnahmegesellschaft.

Das Projekt Europa, das ein Friedensprojekt ist, sei aktueller denn je, führte MdB Donth weiter aus. „Das friedliche Miteinander der Völker Europas ist kein Selbstläufer, sondern erfordert aktive politische Gestaltung.“ Garant für ein friedliches Zusammenleben sei das gemeinsame Wertefundament, auf das sich die Europäische Union gründet: Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenrechte. Es lohne sich, für dieses Friedensprojekt Flagge zu zeigen, betonte der Festredner, der seine Ansprache mit folgendem Appell beschloss: „Feinde zu versöhnen, alte Gräben zuzuschütten, neue Brücken zu bauen: gerade diesen heiklen und schwierigen Aufgaben haben Sie sich als Banater Schwaben im Landkreis Reutlingen seit über 60 Jahren verpflichtet. Lassen Sie uns die Geschichte fortschreiben und weiterführen, was Ihre Vorfahren begonnen haben.“

Weitere Grußworte sprachen Landesvorsitzender Josef Prunkl und Oberbürgermeister Thomas Keck, der es sich trotz Terminüberschneidung nicht hatte nehmen lassen, beim Fest der Banater Schwaben vorbeizuschauen. Als Dank für die zehnjährige Schirmherrschaft über die Banater Kirchweih in Betzingen überreichte ihm das Zweittänzerpaar Eveline und Oswald Wolf seitens des Kreisverbandes Reutlingen ein banatschwäbisches „Leibche“.

Zwischen den Ansprachen führten die am zehnten Banater Kirchweihfest mitwirkenden Gruppen Tänze vor. Dies waren neben der Trachtengruppe des Kreisverbandes Reutlingen die Volkstanzgruppe des Schwäbischen Albvereins Betzingen, die Trachtengruppe des Kreisverbandes Esslingen, die „Banater Schwabenkinder“, die Trachtengruppe des Kreisverbandes Augsburg, Mitglieder der Tanzgruppen Singen und Spaichingen sowie die Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen, Kreisgruppe Reutlingen-Metzingen-Tübingen.

Es gehört zur Tradition, dass im Rahmen des Kirchweihfestes jedes Jahr eine innerhalb des Kreisverbandes tätige Arbeitsgruppe geehrt wird. Diesmal waren es die Banater Knipser, die dafür Sorge tragen, dass sämtliche Aktivitäten des Kreisverbandes mittels Bildern und Videos dokumentiert werden. Für Ralf Klotzbier und Hans Forro gab es einen Geschenkkorb, für Brunhilde Forro einen Blumenstrauß und einen Gutschein. Die anderen Mitglieder der Gruppe erhielten einen edlen Tropfen beziehungsweise einen Blumenstrauß.

Da die diesjährige Banater Kirchweih nach Bakowaer Art gefeiert wurde, schilderte der Vorsitzende der HOG Bakowa Ernst Bayerle den Ablauf des Kirchweihfestes in seiner Heimatgemeinde, das am Donnerstagabend mit dem „Hutrumspiele“ begann, sich am Samstag mit dem Aufstellen des „Mojebooms“ und der Einladungstour der „Kerweihbuwe“ fortsetzte, am Sonntag seinen Höhepunkt erreichte, tags darauf mit einer Tanzunterhaltung fortgeführt wurde und schließlich mit der „Nohkerweih“ am Folgesonntag endete. Bayerle wies auch auf die drei verschiedenen Mädchentrachten hin, die am Kirchweihsonntag, am Kirchweihmontag und zur Nachkirchweih getragen wurden. All dies ist in einer Broschüre nachzulesen, die der Kreisverband Reutlingen in Zusammenarbeit mit der HOG Bakowa zum zehnten Banater Kirchweihfest in Reutlingen-Betzingen herausgegeben hat.

Das Fest setzte sich fort mit dem Kirchweihspruch des Vortänzers, dem Kirchweihtanz und dem Austanzen des Kirchweihstraußes, wobei jeder, der ein Tänzchen mit der Vortänzerin wagte, gegen einen Obolus ein Rosmarinsträußchen vom Kirchweihstrauß erhielt. Dann wurden „Hut un Tichl“ verlost und „de Storze“, also das, was noch vom Strauß übriggeblieben war, „verlizitiert“. Den Hut gewann Gerlinde Dassinger, das Tuch ging an Dennis Schmidt. Glücklicher Gewinner des „Storze“ war Patrick Varady, der ihn seiner Tanzpartnerin Sabine Kirsch schenkte. Gerührt nahm sie den Rest-Strauß entgegen, da sie schon immer Vortänzerin sein wollte – auch ihren Eltern zuliebe, die vor Jahren auf dem Weg in die alte Heimat, nach Perjamosch, tödlich verunglückt sind. Somit steht fest, dass die nächste Banater Kirchweih am 11. Juli 2020 nach Perjamoscher Art gefeiert werden wird. Inzwischen war auch der Gewinner des Bockwerfens ermittelt worden: Es war Hans Molitor.

Nachdem die Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen bis 20 Uhr zum Tanz aufgespielt hatte, ging es anschließend mit dem Kirchweihball der Halle weiter. Zu den Klängen der „Feeling-Band“ wurde fleißig getanzt und zünftig gefeiert.

Danke an alle Trachtenträger, an alle Mitgestalter und Helfer, an alle Arbeitsgruppen für die schöne Jubiläumskirchweih des Kreisverbandes Reutlingen.