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Banater Post

Fürth und Guttenbrunn – eine enge Verbindung

Am Guttenbrunner Gedenkstein auf dem Friedhof in Fürth: Rainer Gemmel, Vorsitzender der Gemeindevertretung Fürth, Eugen Miculiţ, Berater des Bürgermeisters von Guttenbrunn, Dănuţ Codrean, stellvertretender Bürgermeister von Guttenbrunn, und Volker Oehlenschläger, Bürgermeister der Gemeinde Fürth (von links) auf der von der Heimatortsgemeinschaft Guttenbrunn gestifteten Bank. Foto: Peter-Dietmar Leber

Der neue HOG-Vorstand (von rechts nach links im Uhrzeigersinn): Bernhard Krastl, Hiltrud Leber, Hiltrud Reinholz, Erwin Berg, Liebhard Hubertus, Erich Mayer, Peter-Dietmar Leber (Wahlleiter), Emil Nimigean; es fehlen Manfred Maurer und Agnes Peter. Foto: HOG Guttenbrunn

Wie jedes zweite Jahr an Pfingsten, lud die Heimatortsgemeinschaft Guttenbrunn zu ihrem Treffen ein, heuer zum 30. Mal. Die mittlerweile über ganz Deutschland verstreuten Guttenbrunner trafen sich bereits zum 29. Mal in Fürth/Odenwald, wie schon seit 1953, seit der Unterzeichnung der Patenschaftsurkunde durch die Gemeinde Fürth.

Am Samstag trafen die Gäste ab 10 Uhr in der TV-Halle ein und gemeinsam wurde das Mittagessen eingenommen. Im Anschluss fand auf Einladung des Vorstandes der HOG Guttenbrunn die anstehende Hauptversammlung mit Rechenschaftsbericht und Neuwahlen statt. Bernhard Krastl, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Guttenbrunn, berichtete über die Aktivitäten der letzten drei Jahre, über den Renovierungsstand unserer Heimatkirche sowie über die Friedhofspflege in Guttenbrunn. Die Wahlleitung übernahm Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Bis auf Adam Lulay, der nach zwei Wahlperioden, in denen er aktiv das Geschehen in der Vorstandschaft mitgestaltete, ausschied, traten alle bisherigen Vorstandsmitglieder zur Wahl an. Bernhard Krastl wurde zum Vorsitzenden gewählt. Mit im Vorstand sind Hiltrud Leber (stellvertretende Vorsitzende), Erich Mayer (stellvertretender Vorsitzender), Erwin Berg (Kassenwart), Manfred Maurer (Schriftführer), Liebhard Hubertus (Beisitzer) und Emil Nimigean (Beisitzer). Hiltrud Reinholz und Agnes Peter übernahmen das Amt der Kassenprüfung.

Bis zum Beginn des Festaktes am Abend konnte im Foyer der TV-Halle die Ausstellung „Blasmusik und Feurwehr“ besichtigt werden. Johann Schiller, Guttenbrunner und in Schweden daheim, hatte auf mehreren Schautafeln historische Fotos und Zeitungsberichte zusammengetragen. Aber auch alte Ausrüstungsgegenstände der Guttenbrunner Feuerwehr waren zu sehen. Als Musiker mit Leib und Seele – sein Vater war Kapellmeister in Guttenbrunn – hatte Schiller eine private und geliehene Sammlung alter Blasmusikinstrumente ausgestellt, die einen Bezug zur Feuerwehr hatten. Es ist zu vermerken, dass Guttenbrunn/Zăbrani im Mai 2019 das 140. Jubiläum seiner Freiwilligen Feuerwehr gefeiert hat.

Nach den Klängen des „Te deum“ von Marc-Antoine Charpentier, besser bekannt als Fanfare der Eurovision, gespielt von Johann Schiller (Trompete) und Michael Hammes (Akkordeon), begann der Festakt. Die Vielzahl der Ehrengäste an diesem Abend zeige, so HOG-Vorsitzender Bernhard Krastl, wie stark die Verbindung zwischen Fürth und der HOG Guttenbrunn sei. Von Seiten der Gemeinde Fürth waren neben Bürgermeister Volker Oehlenschläger und dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung Rainer Gemmel auch der Vorsitzende des Kreistages Bergstraße und ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Fürth Gottfried Schneider vertreten. Aus Guttenbrunn waren Dănuţ Codrean und Eugen Miculiţ als Stellvertreter des Bürgermeisters Marian Toader angereist. Die Fürther Vereine hatten das Treffen unterstützt.

In seiner Ansprache blickte Krastl auf die gemeinsame Geschichte zurück. Im Jahre 1927 bereiste der Germanist und Dialektforscher Professor Emil Maenner aus Weinheim/Odenwald während eines Forschungsaufenthalts das Banat und hörte auf dieser Reise unverfälschten Odenwälder Dialekt. Er stellte fest, dass ein Großteil der Guttenbrunner ca. 200 Jahre zuvor aus dem Odenwald ausgewandert waren, darunter auch die Vorfahren des Heimatschriftstellers Adam Müller-Guttenbrunn. Die Verbindung zwischen Guttenbrunn im Banat und Fürth im Odenwald war hergestellt und bereits 1934 wurde in Fürth ein Gedenkstein zur Erinnerung an den Schriftsteller, Politiker und Journalisten Adam Müller-Guttenbrunn aufgestellt. Schon damals war auch eine Abordnung aus Guttenbrunn im
Banat anwesend. Nach dem Krieg gelangten bereits 1945 viele Guttenbrunner nach Deutschland. Sie trafen sich erstmals 1953 in Führt, anlässlich der Unterzeichnung der Patenschaftsurkunde durch die
Gemeinde Fürth. Krastl dankte den Fürthern für die offene Aufnahme der Heimatvertriebenen. Mit Unterstützung der HOG wurde 2003 ein Freundschaftsvertrag zwischen Fürth und Zăbrani unterzeichnet. Auch heute noch unterstützt die HOG den regelmäßigen Austausch zwischen den beiden Gemeinden und sieht ihn als „ein kleines Europa für sich“, das es „zu hegen und zu pflegen“ gelte.

Bürgermeister Oehlenschläger teilte mit, dass Fürth auch in Zukunft ein Ort des Willkommens für die Guttenbrunner sein möchte. Er bedankte sich für die Unterstützung bei der Gestaltung der Beziehungen zwischen den Gemeinden. Zugleich dankte er für die Spende einer Bank vor dem Gedenkstein der HOG auf dem Friedhof. Der Vertreter der Gemeinde Zăbrani Dănuţ Codrean dankte den Guttenbrunnern für das Erbe, sowohl für das materielle als auch das kulturelle, das sie hinterlassen haben. Die Gemeinde sei bestrebt, dieses auch in Zukunft so gut wie möglich weiterzuführen. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Chor der HOG mit Liedern wie „Prinz Eugen, der edle Ritter“, „Die schöne Odenwälderin“ oder dem „Guttenbrunn-Lied“, getextet von Katharina Knebel.

Zu den Klängen der Band „Euro-Sound“ unter der Leitung von Michael Reinholz wurde bis weit in die Nacht das Tanzbein geschwungen.

Die Pfingstmesse am Sonntag wurde von Heimatpfarrer Markus Krastl zelebriert. In eindringlichen Worten verwies er in seiner Predigt auf die Botschaft des Pfingstfestes in unserer heutigen Zeit, rief zur Einkehr und Besinnung auf das Wesentliche auf. Johann Schiller (Trompete) und Stefanie Englet (Orgel) umrahmten mit Stücken von Mozart die heilige Messe. Die Fürbitten trug Erwin Berg vor.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde am Gedenkstein der HOG Guttenbrunn auf dem Friedhof in Fürth ein Kranz zum Gedenken an die seit dem letzten Treffen Verstorbenen niedergelegt. HOG-Vorsitzender Bernhard Krastl verlas die Namen all jener Landsleute, die uns seit dem letzten Treffen für immer verlassen haben. Sodann griff Johann Schiller zu Ehren der Verstorbenen wieder zur Trompete.

Eine schon seit Jahren geplante Wanderung durch Fürth wurde dieses Jahr wahr. Ludwig Knapp, Ortshistoriker, führte nahezu 50 Interessierte durch den Ort, stellte wichtige Bauten und deren Wandel vor. Darunter waren auch Fachwerkhäuser aus der Zeit der Auswanderung. Von ihm konnten wir erfahren, dass es Verzeichnisse über die Hunderten von Odenwäldern gibt, die im 18. Jahrhundert ins Banat ausgewandert sind. Die Führung wurde mit einem kurzen Aufenthalt im Garten des Vorsitzenden der Gemeindeverwaltung Rainer Gemmel unterbrochen, wo wir zu einem Guttenbrunner Vivat bei Sektempfang und Odenwälder Schnaps eingeladen waren. Mit dem Lied „Wahre Freundschaft“ verabschiedeten wir uns vom Ehepaar Gemmel und kehrten zum gemeinsamen Mittagessen in der Gaststätte „Grüner Baum“ ein.

Anlässlich dieses Treffens hatte der Jahrgang 1962 zu einem Klassentreffen eingeladen. Da der Austausch sehr rege war und alle sich über das Wiedersehen freuten, gibt es eine WhatsApp-Gruppe der 1962er zum weiteren Austausch. Jeder Angehörige des Jahrgangs 1962 kann sich unter der mobilen Nummer 0160 / 7417643 melden, wenn er in die Gruppe aufgenommen werden möchte.