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Banater Post

Tradition pflegen, Neues wagen, Zukunft gestalten

Heimatpfarrer Robert Dürbach feierte mit der Festgemeinde in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit einen erhebenden Gottesdienst

Das jüngste Kirchweihpaar: Amelie Schulz und ihr Bruder Marvin, der bei diesem Treffen seinen zweiten Geburtstag feierte. Fotos: Brunhilde Forro

Straußgewinnerin Erika Dorner war eigens zu dem Treffen aus den USA angereist; im Hintergrund ein paar Gemälde der Ferch-Ausstellung.

„Tradition pflegen – Neues wagen – Zukunft gestalten“: Unter diesem Leitspruch kamen am 29. Juni zum zwanzigsten Mal Schöndorferinnen und Schöndorfer aus aller Welt zum Treffen der Heimatortsgemeinschaft zusammen. Dieses fand, wie schon vor zwei Jahren, im KUBINO, dem Kultur- und Bildungszentrum in Ostfildern-Nellingen, statt. Betrat man am Morgen dieses Tages die Eingangshalle, traf man sogleich auf ein Banater Ambiente und Schöndorfer Atmosphäre. Den optischen Hintergrund bildeten Gemälde der Ausstellung „Die Bilderwelt des Banater Malers Franz Ferch“. Seine Werke über die Heimat und das Leben der Banater Schwaben konnten den ganzen Tag über im Foyer betrachtet werden. Den akustischen Rahmen lieferten die lebhaften Gespräche in der vertrauten Schöndorfer Mundart der Besucher, die sich am Vormittag zu der beliebten Veranstaltung eingefunden hatten. Empfangen wurden sie am Eingang zum Festsaal von Carmen Dauttner und wechselnden Mitgliedern des Vorstands unserer HOG. Die Gäste bekamen den Eintrittsbutton ausgehändigt, der sich aufgrund der Fotomotive aus dem Banater Leben mittlerweile zu einem beliebten Sammelstück entwickelt hat. Dieses Mal zeigte der Anstecker ein junges Getreidefeld mit Ähren in sattem Grün auf dem Hintergrund eines weißblauen Banater Frühlingshimmels.

Im Festsaal wurden am Vormittag unter der Leitung von Christine Neu, der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Neuwahlen des Vorstands der HOG Schöndorf durchgeführt, nachdem die Vorsitzende und die Kassenprüfer ihre Berichte über die letzte Amtsperiode vorgelegt hatten. Dabei wurden Anita Maurer, bekannt für ihre Hingabe und ihren hohen Einsatz, zur Vorsitzenden und ihr Stellvertreter Erhard Prohaska wiedergewählt. Von großem Engagement zeugt auch, dass sich der gesamte bisherige Vorstand zur Wiederwahl stellte und von den Anwesenden bestätigt wurde. Neu im Team ist Sven Seitz, ein Student mit Schöndorfer Wurzeln, der als Vertreter der jungen Generation die Mannschaft verstärken soll.

Einer der Höhepunkte des Tages war der Trachtenzug der Kirchweihpaare. Der Blasmusikkapelle folgten trotz großer Hitze vierzehn in bunte Trachten gekleidete Paare, manche davon in wertvollen Originalen aus der Heimat, die in den letzten Jahren der HOG geschenkt worden waren. So trug die Vortänzerin Saskia Seitz die Kirchweihtracht der Ehrenvorsitzenden der HOG Schöndorf Barbara Hirth. Ein weiteres besonderes Original, Teil einer festlichen Frauentracht, die bereits vor 75 Jahren auf der Flucht nach Österreich mitgenommen worden war, wurde von Juliane Seidl getragen, die den Trachtenzug abschloss. Bunt gemischt wie die Farben der Trachten waren aber auch die Träger selbst, sodass neben den erfahrenen Älteren mehrere Jugendliche im typischen Kirchweih-alter und auch einige Kinder den Zug vervollständigten. Der jüngste „Kerweihbu“, Marvin Schulz, war zum letzten Treffen noch gar nicht geboren, und stellte bei diesem Treffen an seinem zweiten Geburtstag mit seiner Schwester Amelie das jüngste Trachtenpaar.

In der Kirche Heilige Dreifaltigkeit angekommen, feierte der aus Hatzfeld stammende Heimatpfarrer Robert Dürbach mit der Festgemeinde einen emotionalen Gottesdienst, der musikalisch vom Schöndorfer Kirchenchor und mit Solostücken der Geschwister Mayer umrahmt wurde. Am Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus begrüßte Pfarrer Dürbach die Teilnehmer und lud dazu ein, Erinnerungen lebendig werden zu lassen. Zum Abschluss der heiligen Messe segnete er den großen Kirchweihstrauß und auch die Heimaterde, die auf den Gräbern der verstorbenen Schöndorfer verteilt wird.

Nach der Rückkehr zur Festhalle wurden zwei weitere Traditionen gepflegt, die bei keinem Heimattreffen fehlen dürfen: der Aufmarsch der Trachtenpaare und die Versteigerung des Kirchweihstraußes. Die Gewinnerin des Straußes Erika Dorner, die bisher zu jedem Treffen eigens aus den USA angereist war, durfte sich selbstverständlich über einen Walzer als Ehrentanz freuen. Dem Auszug der Trachtenpaare folgte der Festakt zum Jubiläumstreffen. In ihrer Ansprache betonte die Vorsitzende Anita Maurer die Bedeutung des Brauchtums als Teil eines kulturellen Erbes, welches sorgsamer Pflege bedürfe. Dies sei zu verwirklichen durch das Tragen der Trachten zu feierlichen Anlässen, Kirchweihumzüge mit Blasmusik oder das Feiern der heiligen Messe in heimatlicher Art. Gleichzeitig müsse man aber auch Bereitschaft zeigen, Neues zu wagen und Zukunft zu gestalten, damit auch künftig für die Banater Schwaben und ihre Traditionen gelte: „Hurra, wir leben noch!“ Sie endete mit dem Aufruf: „Zukunft gestalten können wir nur, wenn viele unserer Landsleute bereit sind mitzuwirken, sowohl bei unseren Treffen als auch mit Beiträgen für unsere Jahreshefte sowie mit neuen Impulsen für unser ehrenamtliches Wirken.“

Einige Worte des Dankes an alle, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben, beendeten das offizielle Tagesprogramm und ermöglichten den Übergang zu einem geselligen Abend. Bei angenehmen Gesprächen, guter Bewirtung und freudigem Wiedersehen spielten zuerst die Banater Teckmusikanten mit vertrauten Melodien zum Tanz auf. Um aber auch Neues zu wagen, präsentierte zu späterer Stunde die aus Funk und Fernsehen bekannte Band „Fernando Express“ ihre schwungvollen Lieder. Das Wagnis erwies sich als eindeutiger Erfolg, denn bei ausgelassener Stimmung war die Tanzfläche bei beiden Musikgruppen bis zum Ende der Veranstaltung gut gefüllt.

Als Erfolg betrachten die Veranstalter auch die Teilnahme von rund 250 Besuchern, fast unverändert im Vergleich zum letzten Treffen. Die Besucherzahl bei einer rapide schrumpfenden ursprünglichen Gemeinschaft konstant halten zu können, ist erfreulich.

So bleiben am Ende des Jubiläumstreffens der HOG Schöndorf viele schöne Eindrücke von Begegnungen mit Freunden, Erinnerungen an die Heimat und lebendiger Tradition. Der neu gewählte Vorstand möchte daran arbeiten, dass Brauchtum und Heimatgedenken weiterhin gepflegt und gelebt werden können. Gewiss ist dies nur möglich, wenn sich weiterhin viele Schöndorferinnen und Schöndorfer, insbesondere auch die jungen Generationen, in die Gemeinschaft einbringen. Denn nur dann haben unsere Heimattreffen Bestand als ein Ort des Wiedersehens und des Feierns, damit wir auch lange nach dem 20. Heimattreffen behaupten können: „Hurra, wir leben noch!“