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Banater Post

Einzigartiges Begegnungs- und Brauchtumsfest (Teil1)

Der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Arad Michael Szellner hielt eine nachdenklich stimmende und zugleich humorvolle Festrede. Foto: Karin Bohnenschuh

Mit einem Festakt im vollbesetzten Saal der Nationaloper wurden im Beisein zahlreicher hoher Gäste aus dem In und Ausland die Heimattage der Banater Deutschen 2019 eröffnet. Foto: Karin Bohnenschuh

Zu den 14. Heimattagen der Banater Deutschen in Temeswar

„Hurra, wir leben noch“ heißt ein Erfolgsroman des österreichischen Autors Johannes Mario Simmel aus dem Jahr 1978. Dessen Weltbild ist von der unbändigen Lebenslust der Nachkriegsgeneration geprägt, die jetzt alles auslebt, was ihr vorher aufgrund von Krieg und Entbehrung versagt war. Mit diesem Romantitel überschrieb Michael Szellner, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Arad und Vizevorsitzender des Banater Regionalforums, seine Festrede zur Eröffnung der diesjährigen Heimattage der Banater Deutschen, die in 14. Auflage am 15. und 16. Juni in Temeswar stattfanden. Diese Großveranstaltung, die alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Heimattag der Banater Schwaben in Ulm ausgerichtet wird, zeugt in der Tat vom unbändigen Willen der kleinen deutschen Minderheit im Banat, das Gemeinschaftsleben aktiv zu gestalten, Brauchtum und Tradition zu bewahren und erlebbar zu machen, sich in das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Region einzubringen. Dieser Aufgabe verpflichtet fühlen sich das Demokratische Forum der Deutschen im Banat mit seinen Ortsforen, das Deutsche Forum der Banater Jugend, die verschiedenen Stiftungen und Einrichtungen sowie die Trachten- und Kulturgruppen, die in den letzten Jahren einen zahlenmäßigen Zuwachs verzeichnet haben. Eine erfreuliche Entwicklung, ebenso wie die Tatsache, dass immer mehr andersnationale Kinder, Jugendliche und Erwachsene bereit sind, in den Trachtengruppen mitzuwirken, banatschwäbische Volkstänze zu erlernen, Trachten und Tänze in der Öffentlichkeit vorzuführen.

Die Heimattage 2019 standen unter dem Motto „Tradition und Moderne – die Banater Deutschen und ein Jahrhundert Rumänien“. Sie wurden mit einem Festakt in der Temeswarer Nationaloper eröffnet und fanden ihre Fortsetzung mit einem Festprogramm der Kulturgruppen im Konzertsaal des Ion-Vidu-Musiklyzeums und einem Ball im Festsaal des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses. Am Sonntag klangen die Festlichkeiten mit einem Gottesdienst in der Katharinenkirche und einem Trachtenumzug durch das Zentrum der Stadt aus. Zu diesem Ereignis waren zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland sowie Trachten- und Kulturgruppen aus dem ganzen Banat nach Temeswar gekommen. Traditionell zeigt auch die Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Deutschland starke Präsenz bei den Heimattagen in der Banater Hauptstadt. Zugegen waren diesmal Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber, seine Stellvertreter Christine Neu und Harald Schlapansky, der DBJT-Vorsitzende Patrick Polling sowie mehrere Kreis- und HOG-Vorsitzende. Die DBJT war mit zwei Trachtengruppen – die Banater Trachtengruppe München und die Banater Trachtengruppe Spaichingen – vertreten, die von den Original Banater Dorfmusikanten aus München unter der Leitung von Helmut Baumgärtner begleitet wurden.

Zur 14. Begegnungs- und Brauchtumsveranstaltung dieser Art in Temeswar konnte der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat (DFDB) Dr. Johann Fernbach im wunderschönen Saal der Nationaloper hohe Gäste aus Temeswar und aus Deutschland willkommen heißen: Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und Präsident des Bundes der Vertriebenen, Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags a.D., Sylvia Stierstorfer MdL, Aussiedler- und Vertriebenenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Ovidiu Ganţ, Abgeordneter des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien im Bukarester Parlament,  Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Dan Diaconu, Vizebürgermeister der Stadt Temeswar, Andrei Lucaci als Vertreter des Temescher Kreisrates, Ralf Krautkrämer, Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Peter Krier, Vorsitzender der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, Nikolaus Rennon, Vorsitzender des Hilfswerks der Banater Schwaben, Stefan Ihas, Präsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben, Monsignore Johann Dirschl, Generalvikar der Diözese Temeswar. Als Hausherr begrüßte auch der kommissarische Intendant der Nationaloper Christian Rudik, ein Banater Deutscher, die Gäste von nah und fern. Der Festakt wurde von der Rundfunkjournalistin Astrid Weisz, eine der bekannten Stimmen der deutschen Sendung von Radio Temeswar, moderiert.

„Das Banat war und ist ein Ort des friedlichen Miteinanders, ein Modell für den interkulturellen Dialog. Tradition und Moderne gehen hier seit jeher Hand in Hand. Das macht unser Banat einzigartig und liebenswert“, sagte Fernbach. Wie der DFDB-Vorsitzende ging auch Präsidialberater Dr. Sergiu Nistor in seiner von Fernbach verlesenen Grußbotschaft auf das Motto der diesjährigen Heimattage ein und würdigte den Beitrag der Banater Schwaben, die sich vor 100 Jahren für die Angliederung des Banats an Rumänien ausgesprochen haben, zum wirtschaftlichen und kulturellen Gedeihen der Region, zum friedlichen Zusammenleben und zur Schaffung eines vereinten Europas.

Grußworte der Ehrengäste beim Festakt

Die Heimattage der Banater Deutschen seien „Glanzlichter des gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenwirkens“, sagte Bundesbeauftragter Dr. Bernd Fabritius in seinem Grußwort. Er zeigte sich tief beeindruckt von ihrem Engagement, wodurch es gelinge, alte Traditionen mit Leben zu erfüllen, die deutsche Kultur und Sprache zu pflegen und zu erhalten. Die Banater Schwaben seien konstitutiv für das moderne Rumänien und sie hätten sich auch in den Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg „nicht davon abbringen lassen, die Loyalität zum rumänischen Staat mit der Treue zu ihren deutschen Wurzeln zu verbinden und beide Bekenntnisse gleichermaßen zu pflegen“. Fabritius unterstrich die Brückenfunktion der Banater Schwaben in den Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien und bekräftigte die Verantwortung der Bundesregierung für die deutsche Minderheit in Rumänien, die 2019 in den Genuss einer Förderung von 5,8 Millionen Euro komme. Ein besonderes Anliegen sei ihm die Förderung der Jugendarbeit, zumal die Einbindung der Jugend in die Arbeit der Minderheitenverbände ein wichtiger Schritt zur Sicherung des ethnokulturellen Erbes der Banater Deutschen, aber auch ein Beitrag für das friedvolle Zusammenleben in Europa sei. An die jungen Menschen appellierte Fabritius: „Bleiben Sie so aktiv und so überzeugend mit dem Herzen dabei!“

Nach den Grußworten seitens der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene sowie der Vertreter der Stadt Temeswar und des Temescher Kreisrates überbrachte Peter-Dietmar Leber die Grüße der Deutschen aus dem Banat, „die heute nicht mehr im Banat leben, aber an diesen Tagen, Ihnen, uns allen, die wir heute hier sind, ganz nahe stehen“. Die Banater Schwaben, egal wo sie heute leben, verstünden sich als eine Gemeinschaft, betonte der Bundesvorsitzende. „Schauen wir weit zurück, so sehen wir uns als eine Schicksalsgemeinschaft hier in der Region. Schauen wir nach vorn, in die Zukunft, so sehe ich uns als eine grenzüberschreitende Gemeinschaft, die bestrebt ist, unsere Geschichte zu vermitteln, Kultur und Brauchtum zu pflegen und für unsere Umwelt interessant zu halten.“ Dabei werde immer weniger die Herkunft eine Rolle spielen, im Internetzeitalter immer weniger auch der Wohnort, dafür aber umso mehr das Interesse für die kulturellen Bausteine unserer Identität. Die Landsmannschaft freue sich, so Leber, dass sich junge Menschen, die größtenteils der rumänischen Mehrheitsbevölkerung oder Mischehen entstammen, von denen viele Schulen mit deutscher Unterrichtssprache besuchen, für die Kultur, die Tracht und das Brauchtum der Banater Schwaben interessieren. Als gemeinsame Schnittmenge all jener, die sich als Banater Schwaben bezeichnen und verstehen, definierte Bundesvorsitzender Leber die gemeinsame Geschichte, erlebt oder angeeignet, und den Willen, diese fortzuführen. Er dankte allen, die sich daran beteiligen, diese Geschichte fortzuschreiben.

Lesen Sie weiter in Teil 2.