zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

In der Welt ein Haus, im Haus eine Welt (Teil 2)

Barbara Stamm, die ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landtages

Mit dem Lied „Servus, Grüezi und Hallo” bedankten sich die Mitglieder der Tanzgruppen München und Spaichingen für ihre Einladung zum Jubiläumsfest. Fotos: Walter Tonța

Herta Eder leitet mit ihrem Mann Arnold die Arbeitsgemeinschaft „Berchtesgaden hilft Rumänien“

Der anschließenden Festveranstaltung, die mit der Banater Hymne („Mein Heimatland, Banaterland“), der rumänischen Nationalhymne und der Europahymne eröffnet wurde, konnte der Direktor der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung Helmut Weinschrott zahlreiche Ehrengäste, Freunde, Mitarbeiter und Bewohner des Hauses begrüßen. Von Hermannstadt, wo am Vortag die Sitzung der Deutsch-Rumänischen Regierungskommission für Angelegenheiten der deutschen Minderheit in Rumänien stattgefunden hatte, war der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Dr. Bernd Fabritius mit einer Delegation des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat nach Temeswar gekommen. Aus Bayern wurden die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm sowie die Beauftragte der Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene Sylvia Stierstorfer MdL willkommen geheißen. Zugegen waren auch der Abgeordnete des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien Ovidiu Ganţ, der Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar Ralf Krautkrämer, Altbischof Martin Roos, der Vizebürgermeister der Stadt Temeswar Dan Diaconu sowie Vertreter des Temescher Kreisrates, der Direktion für Sozialassistenz der Stadt Temeswar, der Rumänisch-Deutschen Stiftung Temeswar, des Caritas-Verbandes der römisch-katholischen Diözese Temeswar und des Malteser Hilfsdienstes Temeswar. Ein herzlicher Willkommensgruß galt dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat (DFDB) Dr. Johann Fernbach, dem Geschäftsführer des Banater Vereins für internationale Kooperation „Banatia“ Norbert Hansmann sowie dem Vorsitzenden des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten Ignaz Bernhard Fischer. Das Hilfswerk der Banater Schwaben war durch seinen Vorsitzenden Nikolaus Rennon und den Ehrenvorsitzenden Peter Krier vertreten. Seitens der Landsmannschaft der Banater Schwaben nahmen der Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber, der stellvertretende Bundesvorsitzende Harald Schlapansky, der Vorsitzende der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen (DBJT) Patrick Polling, der Ehrenbundesvorsitzende Bernhard Krastl, die Trachtengruppen aus München und Spaichingen sowie mehrere Kreis- und HOG-Vorsitzende an den Jubiläumsfeierlichkeiten teil. Helmut Weinschrott freute sich, mit Arnold und Herta Eder von der Arbeitsgemeinschaft „Berchtesgaden hilft Rumänien“ sowie Walter Bischoff aus Kempten treue Unterstützer der AMG-Stiftung begrüßen zu dürfen.

25 Jahre Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus seien Grund zum Feiern, unterstrich Weinschrott, zumal in dieser Zeit erfolgreiche Arbeit geleistet wurde. Das AMG-Heim sei eine Vorzeigeeinrichtung in Temeswar und in der Region, die hohes Ansehen genieße. „Das Heim ist ein Beweis der Eigeninitiative und Solidarität der Deutschen im Banat, ein Beweis der Fürsorge Deutschlands für die im Banat verbliebenen Deutschen und auch ein Beleg unserer Akzeptanz durch die Stadt, den Landkreis und den rumänischen Staat“, sagte Weinschrott. Der Direktor der Stiftung dankte allen, die zur Schaffung der Sozialeinrichtungen für die Deutschen im Banat beigetragen haben und würdigte den besonderen Einsatz des seinerzeitigen Vorsitzenden des Hilfswerks der Banater Schwaben Helmut Schneider und des langjährigen Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat Dr. Karl Singer. Desgleichen dankte er der Bundesrepublik Deutschland für die Errichtung des Hauses und die laufende institutionelle Förderung seines Betriebs, wie auch dem rumänischen Staat, der durch die Direktion für Sozialassistenz der Stadt Temeswar zum Unterhalt der Einrichtung beiträgt. Weinschrott dankte allen Mitarbeitern des AMG-Hauses und der anderen vier Häuser der Stiftung sowie seiner Frau Anni, die ihm in all den Jahren treu zur Seite stand.

„Als am 5. Mai 1994 dieses Haus nach rund dreijähriger Planung und Bauzeit seiner Bestimmung übergeben wurde, stand dieses Ereignis für die Banater Schwaben im Zeichen eines Neubeginns“, betonte der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Dr. Bernd Fabritius in seinem Grußwort. Die Errichtung des Hauses mit Mitteln der Bundesrepublik Deutschland sei eines der finanziell aufwändigsten Hilfsprojekte für die deutsche Minderheit in Rumänien gewesen. „Allen damaligen Zweiflern zum Trotz können wir heute rückblickend mit Stolz feststellen, dass sich dieses Haus zu Recht weit über die regionalen Grenzen des Banats hinaus einen hervorragenden Ruf erworben hat. Mit dem AMG-Haus konnte im Sinne der Förderpolitik der deutschen Bundesregierung symbolisch eine geradezu beispielhafte Brücke zwischen Jung und Alt aufgebaut werden“, sagte Fabritius weiter.

Die Förderung der deutschen Minderheit in Rumänien und auch des AMG-Hauses sei nach wie vor ein besonderes Anliegen der Bundesregierung, die ihre Einstandspflicht für das besondere Kriegsfolgeschicksal der Deutschen in Rumänien wahrnehme. In diesem Sinne fördere das Bundesinnenministerium die AMG-Stiftung zurzeit jährlich mit einem Zuschuss von 931000 Euro. Dies offenbare das Interesse und den Willen der Bundesregierung am Erhalt des AMG-Hauses, „denn sie legt großen Wert darauf, dass die Nutzer des Kulturzentrums sowie die Bewohner des Alten- und Pflegeheims eine wirkliche Heimat hier vorfinden“. Dr. Fabritius richtete seinen Dank an alle, „die sich um diese Einrichtung bemühen und dafür sorgen, dass dieses Haus mit Leben erfüllt wird und seinen Bewohnern ein umsorgtes Zuhause ist“.

Auf die Grußworte des Temeswarer Vizebürgermeisters Dan Diaconu und des deutschen Konsuls Ralf Krautkrämer folgte die Ansprache des DFDB-Vorsitzenden Dr. Johann Fernbach. Das AMG-Haus sei „Dreh- und Angelpunkt der Banater Deutschen“, es sei Begegnungsstätte und gleichzeitig auch beliebter Veranstaltungsort, der allen Temeswarern offenstehe. Damit leiste es einen wichtigen Beitrag zum Miteinander der Bürger dieser Stadt. Das Haus sei eine Einrichtung, „die für uns als Gemeinschaft eine zentrale Rolle spielt, um das unser Selbstverständnis kreist; es ist unser Zuhause in unserer Hauptstadt Temeswar, es ist unser Treffpunkt zu allen wichtigen Festen und Feiern und ist der Ort, an dem sich deutsche Identität entfalten kann und erlebbar wird“.

„Das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus ist das Ergebnis einer großen Kraftanstrengung vieler Personen und Einrichtungen, denen Dank und Hochachtung gebührt“, sagte Fernbach. „Ohne den Beitrag des Hilfswerks der Banater Schwaben hätte es dieses Haus weder gegeben noch hätte dessen Existenz gesichert werden können“. Der DFDB-Vorsitzende dankte stellvertretend Helmut Schneider und Peter Krier und lobte den unermüdlichen Einsatz von Helmut Weinschrott, der stets alle Aufgaben und Herausforderungen mit Bravour gemeistert habe.

Bundesvorsitzender Peter-Dietmar wies in seinem Grußwort auf die ganz besondere Beziehung der Banater Schwaben zu ihrem Haus hin: „Wenn sie eins bauen, dann soll es groß sein, es soll solide sein und es soll mehrere Generationen beherbergen.“ Es werde stets gehegt und gepflegt und an die Nachkommen vererbt. So sei es immer schon im Banat gewesen und auch die heute in Deutschland lebenden Banater Schwaben führten diese Tradition fort. Diese besondere Beziehung zum eigenen Haus widerspiegele sich auch im AMG-Haus. „Ja, es ist groß gebaut worden, ja, man hat die besten Materialien verwendet, und ja, es ist ein Mehrgenerationenhaus geworden“, sagte Leber. In dem einen Trakt des Hauses könnten unsere alten Landsleute einen beschaulichen und würdevollen Lebensabend verbringen, in dem anderen Trakt gestalteten die Forumsmitglieder ihr aktives Verbandsleben.

„Man kann heute mit Fug und Recht behaupten, dass hier im Haus (…) eine Form des Gemeinschaftslebens entwickelt wurde, die den veränderten Lebensbedingungen unserer im Banat verbliebenen Landsleute in vollem Umfang gerecht geworden ist“, so Leber weiter. Auch sei man sich einig darüber, „dass die Mittel der Bundesregierung für die Errichtung und den Fortbestand dieses Hauses hier stets gut angelegt sind“. Bundesvorsitzender Leber dankte allen, die dazu beigetragen haben, dass diese kleine Banater Welt erhalten bleibt.

Die Häuser der AMG-Stiftung böten seit nunmehr über 25 Jahren alten und bedürftigen Menschen nicht nur eine würdige Unterkunft und eine gute Verpflegung, sondern auch ein Zuhause, betonte der Vorsitzende des Hilfswerks der Banater Schwaben Nikolaus Rennon. Das sei nicht selbstverständlich und es geschehe auch nicht von selbst, es müsse gesteuert werden, es bedarf einer Regie. Helmut und Anni Weinschrott seien „die besten Regisseure, die man sich vorstellen kann“. Dafür, dass sie in den 25 Jahren ihres Wirkens den Bewohnern Wärme und Heimat geschenkt haben, gebühre ihnen ein großes Dankeschön, sagte Rennon. Symbolisch überreichte er dem Ehepaar einen Blumenstrauß. 

Dank und ein Geschenk gab es auch seitens der Arbeitsgemeinschaft „Berchtesgaden hilft Rumänien“, die sich seit 29 Jahren in Bakowa und in Temeswar engagiert. „Die Hilfe unserer Arbeitsgemeinschaft funktioniert nur deshalb so gut, weil Ihr uns von Anfang an so hervorragend mit Rat und Tat unterstützt habt“, sagte Herta Eder, eine gebürtige Bakowaerin. Sie sei froh, dass die Berchtesgadener noch immer so viel für die alten Landsleute und die armen Kinder spenden.

„Ich bin eine Freundin. Eine Freundin kommt zu Freunden“, bekannte die ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landtags Barbara Stamm, die sich seit drei Jahrzehnten aktiv im Banat, in Siebenbürgen und anderen Landesteilen engagiert. Sie sei unzählige Male im AMG-Haus gewesen und für sie habe es keine Rolle gespielt, in welcher Funktion sie gekommen sei. „Für mich war es einfach wichtig, hier Menschen zu treffen, denen ich heute noch verbunden bin“, so Barbara Stamm.

Es komme nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben. Nach dieser Maxime habe man in diesem Hause in all den Jahren gehandelt. Die alten Menschen hätten hier Verwurzelung und Heimat gefunden, auch und vor allem durch die vorbildliche Arbeit des Ehepaares Weinschrott. Zum Jubiläum des Hauses gelte es, Wertschätzung all jenen entgegenzubringen, „die so Wunderbares geleistet haben“.

Als letzter ergriff der Vorsitzende der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung Peter Krier das Wort. Nach 1990 sei die Notwendigkeit, im Banat dauerhafte Einrichtungen für die bedürftigen Landsleute zu schaffen, offensichtlich gewesen. Nachdem das Bundesinnenministerium Unterstützung zugesagt hatte, „lag es an uns“, so Krier, „diese einmalige Chance zu nutzen“. „Wir hatten frischen Wind in den Segeln und es fand sich in Helmut Schneider ein Steuermann, der segeln konnte und mit uns das angepeilte Ziel erreichte.“ Seither seien 25 Jahre segensreichen Wirkens vergangen, in denen über 600 Menschen ihre letzten Lebensjahre in diesem Haus verbracht haben und über die Einrichtung „Essen auf Rädern“ täglich 400 Personen versorgt wurden.

Den Erfolg der Stiftung erklärte Peter Krier zum einen damit, dass in der Person von Helmut Weinschrott ein zweiter Steuermann gefunden wurde, der das Haus und die Stiftung auch bei manchem Wellengang klug und umsichtig geführt habe, zum anderen mit der Arbeit vieler pflichtbewusster und engagierter Mitarbeiter, „die Tag für Tag mehr leisten, als in ihrem Arbeitsvertrag steht“. Auch die Unterstützung durch das Bundesinnenministerium sowie die Hilfe von Vereinen und Einzelpersonen hätten den Erfolg der Stiftung ermöglicht. Die Frage, ob die Stiftung mit ihren Einrichtungen die bei der Gründung gesetzten Ziele erreicht habe, sei eindeutig mit Ja zu beantworten, so Krier. Er rief dazu auf, den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiterzugehen und die Verantwortung für die auf Hilfe angewiesenen Landsleute so lange wie möglich wahrzunehmen.

Zum Abschluss des Festaktes bedankten sich die Trachtengruppen München und Spaichingen für die Einladung zu dieser Jubiläumsfeier mit dem Lied „Servus, Grüezi und Hallo“. Mit einem Festessen für 300 geladene Gäste in einem großen Zelt auf dem Parkplatz des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses endeten die Festlichkeiten. Den musikalischen Rahmen dazu boten die Kapelle des Deutschen Forums sowie die Original Banater Dorfmusikanten aus München. Walter Tonţa