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Banater Post

In der Welt ein Haus, im Haus eine Welt (Teil 1)

Altbischof Dr. h.c. Martin Roos zelebrierte gemeinsam mit Generalvikar Monsignore Johann Dirschl und Kanzleidirektor Nikola Lauš den Gottesdienst. Den Messdienst übernahm Diözesanarchivar Dr. Claudiu Călin.

Die Ehrengäste (von links): Bundesbeaufragter Dr. Bernd Fabritius, Bayerische Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm, Landesbeauftragte Sylvia Stierstorfer MdL, Abgeordneter Ovidiu Ganţ, Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber mit Gattin, Anni und Helmut Weinschrott, Direktor der AMG-Stiftung. Fotos: Walter Tonţa

„In der Welt ein Haus, im Haus eine Welt.“ Diesen Leitspruch gab sich das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar. Die Botschaft ist einleuchtend: In der Banater Hauptstadt steht ein multifunktionales Haus, das der kleinen deutschen Gemeinschaft in der Region als soziales, kulturelles und politisches Zentrum dient und aufgrund seiner konzeptionellen Ausgestaltung sowie seines Selbstverständnisses eine banatschwäbische Welt im Kleinen darstellt.

Das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus beherbergt ein nach bundesdeutschem Standard ausgestattetes Altenheim mit 80 Plätzen, das betagten Landsleuten die Möglichkeit bietet, ihren Lebensabend in einem deutschen Umfeld in Sicherheit und Geborgenheit zu verbringen und, falls nötig, in den Genuss von Fürsorge und Pflege zu kommen. Mit seinem großen Festsaal, seinem geräumigen Foyer und seiner gut ausgestatteten Bibliothek ist es zugleich Kultur- und Begegnungszentrum der deutschen Gemeinschaft in Temeswar und im Banat, in dem eine Vielzahl von Veranstaltungen stattfinden. Zudem befindet sich hier der Sitz des Banater Regional- und des Temeswarer Ortsforums, der Jugendorganisation des Forums sowie des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten. Nicht zu vergessen sind das im Dachgeschoss des Hauses liebevoll eingerichtete Heimatmuseum sowie die hier untergebrachten Fotoausstellungen über die Russland- und die Bărăgandeportation. Das AMG-Haus, den Temeswarern als „Deutsches Haus“ geläufig, genießt einen guten Ruf in der Stadt und in der Region, da es sich als ein „offenes Haus“ versteht und zu einer wichtigen Kulturstätte geworden ist, wo regelmäßig Ausstellungen, Tagungen, Konzerte, Buchpräsentationen usw. veranstaltet werden.

Am 14. Juni feierte das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus sein 25-jähriges Bestehen und mit ihm die Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, in deren Trägerschaft sich die Sozialeinrichtungen im Banat – die Altenheime in Bakowa (Eröffnung 1991), Sanktanna (1992) und Temeswar (1994) sowie die Sozialstationen in Großsanktnikolaus und Billed (beide 1994) – befinden. Die Schaffung dieser Einrichtungen für die im Banat verbliebenen hilfs- und pflegebedürftigen Landsleute wie auch der Bau des AMG-Hauses ist der Initiative und dem beharrlichen Einsatz des Hilfswerks der Banater Schwaben in Deutschland unter seinem damaligen Leiter Helmut Schneider zu verdanken. Es hatte die Zeichen der Zeit erkannt und die Gunst der Stunde genutzt.

Das fünfgeschossige Haus wurde mit Mitteln der Bundesregierung und mit Unterstützung der Stadt Temeswar, die ein Grundstück zur Verfügung stellte, errichtet und schon nach zwei Jahren am 5. Mai 1994 seiner Bestimmung übergeben. Im selben Jahr wurde die Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung durch das Demokratische Forum der Deutschen im Banat, das Hilfswerk der Banater Schwaben und die Landsmannschaft der Banater Schwaben als Sozial- und Kultureinrichtung der Deutschen im Banat ins Leben gerufen. Direktor der Stiftung ist seit ihrer Gründung vor 25 Jahren Helmut Weinschrott, der sich zusammen mit seiner Frau Anni und seinem Mitarbeiterteam große Verdienste in der Sozialfürsorge für die alten, kranken und hilfsbedürftigen Menschen im Banat erworben hat. 

Auf 25 erfolgreiche Jahre wurde anlässlich der Jubiläumsfeier zurückgeblickt, die mit einem Gottesdienst, einem Festakt und einem Festessen begangen wurde. Zum Jubiläum ist auch eine informations- und bilderreiche Festschrift erschienen, zudem dokumentierte eine Fotoausstellung im Karl-Singer-Festsaal die Geschichte des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses entlang seines 25-jährigen Bestehens.

Der Gottesdienst im vollbesetzten, geschmackvoll geschmückten Festsaal wurde von Altbischof Dr. h.c. Martin Roos zusammen mit Generalvikar Monsignore Johann Dirschl und Kanzleidirektor Nikola Lauš zelebriert. Den Messdienst versah Diözesanarchivar Dr. Claudiu Călin. Für eine hochkarätige musikalische Umrahmung sorgte der Chor „Exultate“ der Temeswarer Kathedrale unter der Leitung von Róbert Bajkai-Fábián.

In seiner von geschichtlichem und geistlichem Tiefgang gekennzeichneten Predigt ging Altbischof Roos zunächst auf die für die Deutschen in Rumänien alles andere als beneidenswerte Situation nach 1944 ein, die von Verschleppung, Enteignung, Verfolgung und Diskriminierung geprägt war. In dieser hoffnungslosen Lage habe Domherr Josef Nischbach in den ausgebluteten deutschen Gemeinden für die Kinder zu sammeln begonnen, die infolge der Kriegsereignisse und der Russlandverschleppung allein zurückgeblieben waren. Er habe diese Kinder ins Kloster der Lioba-Schwestern gebracht und den Grundstein für das Kinderhilfswerk gelegt. Nischbachs Initiative sei auch die Schaffung des Heimkehrerhilfswerks und des Kriegsgefangenenhilfswerks zu verdanken. Um diesen Hilfswerken einen äußeren Rahmen zu geben, habe er 1948 die Statuten für die Diözesan-Caritas geschaffen. Es sei eine enorme Leistung gewesen, die sich der Unterstützung vieler Helfer, allen voran der Lioba-Schwestern unter Priorin Hildegardis Wulff, erfreut habe.

Anschließend schilderte Bischof Roos die Situation nach 1989, als die Deutschen scharenweise das Land verließen und Lösungen für die im Banat verbliebenen Alten und Hilfsbedürftigen gefunden werden mussten. Auch jetzt habe es Menschen gegeben, die Initiative ergriffen und sich in den Dienst der guten Sache stellten. So seien im Banat Altenheime und Sozialstation geschaffen worden, die den Schwächsten Zuflucht und die Möglichkeit bieten, unter ihresgleichen ihre letzten Lebensjahre zu verbringen. All jenen, die sich um andere sorgten und sorgen, gelte es gerade anlässlich eines Jubiläums wie diesem zu danken.

Es sei ein christliches Gebot, Mitmenschen, die in Not geraten sind und der Hilfe bedürfen, beizustehen, sich für sie einzusetzen, betonte Bischof Roos. Er zitierte die Worte Jesu aus dem Matthäus-Evangelium: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ und erwähnte das Brotbrechen als frühchristliche Bezeichnung für die Feier des Abendmahls. Wer das Brot breche, teile es mit anderen. Es sei ein Symbol dafür, was wir einander tun und antun sollen, so Roos. Die Eucharistie – das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Danksagung – sei der größte Dank, den wir als Christen Gott darbringen. „Das tun wir durch Jesus Christus, der sich für uns alle hingegeben hat am Kreuz“, sagte Bischof Roos. Deshalb sei jeder gefordert, „sein Leben hinzugeben für den anderen, der in Not ist und Hilfe braucht“. Dass es solche Menschen gebe, sei für uns alle „ein Zeichen der Aufmunterung und der Hoffnung mitten in allem Elend, mitten in aller Not“. Und dass auch die Bundesrepublik Deutschland helfend zur Seite stand, sei für uns als Deutsche ein Grund, diesem Sozialstaat dankbar und auf ihn stolz zu sein.