zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

Ein Fest der lebendigen und gelebten Tradition (Teil 2)

Innenminister Thomas Strobl hielt eine vielbeachtete Festrede, die beim Publikum große Zustimmung und Begeisterung fand.

Volles Tanzparkett: Sehr beeindruckend waren die von allen am Landestrachtenfest mitwirkenden Trachtengruppen vorgeführten Gemeinschaftstänze. Fotos: Cornel Simionescu-Gruber

Die am Landestrachtenfest mitwirkenden Trachtengruppen und die Ehrengäste haben sich vor dem feierlichen Einzug in den Festsaal zu einem Gruppenfoto versammelt.

Man müsse um die Zukunft des Banater Brauchtums nicht bangen, betonte Prunkl in seiner Begrüßung. Wenn man in den Saal schaue und die große Anzahl von Kindern und Jugendlichen in Tracht sehe, so könne man zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Innenminister Strobl hält Festrede

Nach dem Grußwort des Oberbürgermeisters Guido Till betrat der Ehrengast des Abends, der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl, die Bühne. Mit den Worten: „War das ein schöner Tanz gewesen, diese Zepplpolka“ begrüßte er sichtlich begeistert die anwesenden Trachtenpaare und Gäste im Saal. Die Landestrachtenfeste und Schwabenbälle der Banater Schwaben seien seit vielen Jahren eine besondere Bereicherung im öffentlichen Kultur-leben Göppingens, ja des ganzen Landes, betonte der Minister. Der abstrakte Begriff der Kulturpflege werde an Abenden wie diesem mit Leben gefüllt. Die kulturellen Formen der Vorfahren werden ins eigene Leben übernommen und damit zum eigenen, zum gemeinsamen Erbe, erläuterte Strobl. Besonders die Musik und der Tanz seien Künste, um die man sich bemühen, die man richtiggehend erlernen müsse. „Sie haben sich das wahrhaft erworben, nämlich durch die von Ihnen in vielen Stunden eingeübte Praxis. Das Ererbte ist damit Ihr eigener Besitz geworden, auf den Sie stolz sein können. Ich gratuliere Ihnen dazu“, betonte Strobl. Die Festrede des Innenministers wurde vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen und mit tosendem Beifall bedacht.

Zwischen den Ansprachen präsentierten alle Gruppen gemeinsam drei DBJT-Gemeinschaftstänze – den Kathiländer, die Polka „Lustige Leut“ sowie die Polka „Veilchenblaue Augen“. Im Anschluss baten die Trachtenpaare die Ehrengäste zu einem gemeinsamen Ehrentanz auf die Tanzfläche.

Über 170 Trachtenträger verleihen dem Fest Glanz

Bevor die Trachtenpaare ausmarschierten, um dann gruppenweise für den Auftritt wieder einzumarschieren, eröffnete die Brauchtumsbeauftragte des Landesverbandes Baden-Württemberg Ines Szuck das 24. Volkstanzfestival. Ihr Dank galt besonders den über 170 Trachtenträgern in ihren wunderschönen Festtagstrachten, die sich trotz des schlechten Wetters nicht die gute Laune verderben ließen. Da solle noch einer sagen, Brauchtum und Traditionen seien langweilig und interessierten doch eh niemanden, betonte Szuck und ergänzte: „Diese Menschen hier vor Ihnen, liebes Publikum, ob jung oder jung geblieben, leben das Banater Brauchtum und die Tradition und das mit voller Leidenschaft. In ihren wunderschönen Trachten haben sie alle eins gemeinsam: Sie bekennen sich zur Gemeinschaft der Banater Schwaben und sie alle tanzen von Herzen gerne Polka.“ Dieses Gemeinschaftsgefühl, den Zusammenhalt und den Wunsch, das Banater Brauchtum und die Traditionen weiterzugeben und zu erhalten, gelte es voranzutreiben. Dabei liege in der Jugend die Zukunft. Sie gelte es vor allem zu unterstützen. „Sie tragen voller Stolz die Trachten ihrer Eltern und Großeltern. Das tun sie, weil sie sich hier in dieser Gemeinschaft wohl fühlen, weil ihre Meinung akzeptiert wird und ganz wichtig, weil sie in die Arbeit eingebunden werden und ihnen Verantwortung übergeben wird.“ Diese Leidenschaft gelte es am Leben zu erhalten, ja zu schüren und genau darin sehe sie als Brauchtumsbeauftragte ihre Aufgabe.

Unter tosendem Applaus des Publikums begrüßte Ines Szuck die anwesenden Trachtenträger aus Göppingen, die Tanzgruppen aus Spaichingen, Esslingen, Singen, Leimen, Karlsruhe und Crailsheim, die „Banater Schwabenkinder“, die donauschwäbischen Tanzgruppen aus Freising und Albstadt, die „Hatzfelder Pipatsche“ sowie die „Billeder Heiderose“ aus dem Banat, zudem die Tanzgruppe Heilbronn, die die Tänzer tatkräftig aus dem Publikum unterstützte.

Die Moderation übernahm sodann Ines Szuck gemeinsam mit dem DBJT-Vorsitzenden Patrick Polling sowie dessen Stellvertreter Lukas Krispin. Die musikalische Begleitung übernahm die Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen unter der Leitung von Johann Frühwald. Diese wurde 1980, also vor fast 40 Jahren, in Deutschland neu gegründet, vor gut 30 Jahren übernahm dann Frühwald den Dirigentenstab. Die Kapelle selbst gab es bereits im Banat, genauer gesagt in Sackelhausen. Dann sind alle ausgewandert, haben sich in Deutschland wieder zusammengetan, um Musik zu machen. Damals wie heute haben sich alle einem gemeinsamen Ziel verschrieben – der Pflege der traditionellen Banater Blasmusik.

Bunte Folge von Tanzvorführungen

Den Auftakt der Tanzvorführungen machten Tänzerinnen der Trachtengruppe Esslingen. Eine genaue Zuordnung zur Kinder- oder Jugendgruppe ist dabei nicht so einfach. Denn was, wenn man für die Kindergruppe zu groß, für die Jugendgruppe aber noch zu jung ist? Lukas Krispin, selbst Mitglied der Esslinger Jugendtanzgruppe, erklärte es so: „Ganz einfach, die Mädels im Alter zwischen 11 und 16 bilden unter der Leitung von Anna Lehmann eine eigene Gruppe und werden bei Bedarf von der Jugendgruppe verstärkt. So auch hier in Göppingen.“ Gemeinsam zeigten sie die Uschi-Polka, choreografiert von Dagmar Österreicher. Kurzfristig unterstützt wurden sie dabei übrigens von Mitgliedern der „Banater Schwabenkinder“, denn krankheitsbedingt waren einige Esslinger Mädchen ausgefallen.

Als nächstes zeigte die Jugendtanzgruppe Spaichingen ihr Können und führte den „Märchenwalzer“ vor, choreografiert von Julia Polling. Als die Tanzgruppe unter der Leitung von Brigitte Polling und Christine Wollanka vor rund zwölf Jahren als Kindertanzgruppe gegründet wurde, bestand sie aus 20 Kindern im Alter zwischen vier und zwölf Jahren. Zwischenzeitlich hat sich die Mitgliederzahl verdreifacht, die Gruppe besteht aus über 30 Jugendlichen im Alter von 14 bis 23 Jahren und 25 Kindern zwischen sechs und 13. Die beiden Leiterinnen haben es sich zum Ziel gesetzt, den Kindern und Jugend-lichen das Tanzen, das Brauchtum und die Tradition der Banater Schwaben zu vermitteln und so lange wie möglich zu erhalten. 

Wichtig sei, dass auch die Jugend dieses Brauchtum pflege und vermittle und die Gemeinschaft durch sie fortbestehe, betonte die stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben Christine Neu in ihrem Grußwort und fügte hinzu: „In solchen Augenblicken wie diesen ist uns die banatschwäbische Heimat sehr nah und durch die Sichtbarmachung wird sie heute kulturelle Gegenwart. Die Essenz und Sichtbarmachung des Brauchtums geben uns Kraft und Zuversicht.“

Es folgte sodann der Auftritt der „Banater Schwabenkinder“. Sie zeigten „Die feurige Elisabeth“. Choreografiert wurde der Tanz bereits 1994 von Barbara Fetzer und 2018 von der Leiterin der Gruppe Dagmar Österreicher für die „Banater Schwabenkinder“ angepasst. Gegründet wurde die Gruppe 2012 und sie ist im Kreisverband Rastatt zuhause. Das Tanzbein schwingen die Tänzerinnen und Tänzer aber schon wesentlich länger – bereits seit ihrem zweiten Lebensjahr, und das Tanzen macht ihnen noch immer große Freude. „Die feurige Elisabeth“ ist übrigens ein uraltes Lied aus dem serbischen Banat. Ursprünglich hieß es „Elisabeth-Polka“, entwickelte sich dann aber zur „Feurigen Elisabeth“, weil die Polka so schnell ist. 

Mit der Gründung der Trachtentanzgruppe Leimen im Jahr 1992 erfüllte sich ein langjähriger Wunsch des Vorstands des Kreisverbandes Rhein-Neckar-Heidelberg, dem die Pflege des Brauchtums und der Banater Volkskultur ein besonderes Anliegen war. Die Gruppe nahm unter der Leitung von Caroline Ferch eine erfolgreiche Entwicklung, sie besteht heute aus neun aktiven Paaren, wobei vier Paare Gründungsmitglieder sind. Wenn auch ein bisschen älter geworden, so sind alle immer noch mit der gleichen Begeisterung dabei, heute unter der Leitung von Josef Klein. Und diese Begeisterung und Freude am Tanzen bewiesen sie mit ihrer Darbietung der Polka „Bei den Donauschwaben“ (Choreografie: Caroline Ferch).

Anschließend zeigte die Tanzgruppe Karlsruhe den von Heidi Müller und Werner Gilde choreografierten Walzer „Wenn die Kastanien blühen“. Dem Kreisverband Karlsruhe gehören zwei Tanzgruppen an: die Jugendtanzgruppe, 1993 gegründet, sowie die Erwachsenengruppe, deren Gründung fünf Jahre später folgte. Heute wirken rund zehn Paare in der Jugendgruppe und acht Paare in der Erwachsenengruppe mit. Getanzt wird in der Billeder Kirchweihtracht. Leiter der Erwachsenengruppe sind Heidi Müller und Werner Gilde, die Tanzleitung für die Jugendgruppe hat Melanie Müller inne. Gemeinsam treten die Gruppen bei verschiedenen Veranstaltungen in und rund um Karlsruhe auf.

Die Zukunft gehört den Mutigen, den Aktiven

Es folgte das Grußwort des DBJT-Vorsitzenden Patrick Polling. Solch eine Veranstaltung biete die Möglichkeit, sich nochmals vor Augen zu halten, was man geschafft, welche Projekte man verwirklicht habe. Er betonte, dass sich gleichzeitig auch der Blick in die Zukunft lohne, auch wenn manch einer diese mit Sorge betrachte. Auch die DBJT stelle sich natürlich die Frage, wie es weitergehe und wie die Zukunft der Banater Schwaben aussehen werde. Doch blicke er positiv auf das was kommen möge, trotz der Hürden, die es zu überwinden gelte. Denn die Zukunft gehöre den Mutigen, den Aktiven.

Als nächstes trat die Tanzgruppe Crailsheim auf. Sie zeigte den „Banater Traum“, auf die Melodie „Böhmischer Traum“, choreografiert von Melanie Furak. Die Trachtentanzgruppe des Kreisverbandes Crailsheim gibt es seit 30 Jahren. 1999 übernahm Klara Weber die Leitung, zwischenzeitlich wird sie von Melanie Furak unterstützt. Heute besteht die Gruppe aus zehn Paaren. Obwohl die Tanzgruppe nach dem Motto gegründet wurde: „Dabei sein ist alles, der Spaß steht im Vordergrund“, konnte sie nennenswerte Erfolge bei ihren landes- und bundesweiten Auftritten verzeichnen. Viele erinnern sich sicher noch an den „Weltrekord im Polkatanzen“ 2013 – eine Initiative der Tanzgruppe Crailsheim. Dank dieser Aktion stehen die Banater Schwaben heute übrigens im Guinnessbuch der Rekorde und halten mit über 400 Paaren den Weltrekord im Polkatanzen.

„Wo tanzen verbindet“ – dieses Motto ziert nicht nur die neuesten -Shirts der Tanzgruppe des Kreisverbands Esslingen. Die Gruppe hat sich nicht nur die Pflege der Banater Tracht und Traditionen zur Aufgabe gemacht, sie pflegt auch den Kontakt zu anderen Vereinen in Deutschland, im Banat und weltweit. In Wendlingen am Neckar verwurzelt, sind sie für alle offen, die gerne tanzen wollen. Und das findet Zuspruch, denn heute zählt die Gruppe fast 50 Mitglieder. In einer „Gemischten Gruppe“ zeigten sie sodann den Walzer „Gruß aus der Heimat“. Gemischt, weil die Jugendgruppe gemeinsam mit der Erwachsenengruppe tanzte. Die Jugend wird geleitet von Ann-Kathrin Kobsa und Elisa Schöffler, die Erwachsenen von Helga Schutz und Arnold Krispin. „Gruß aus der Heimat“ ist übrigens ein ganz besonderer Tanz, denn er ist sozusagen eine Gemeinschaftsproduktion. Er ist während zweier Tanzleiterseminare entstanden. Beim ersten mussten alle Tanzleiter Fachausdrücke pauken und Figuren lernen. Beim zweiten Seminar musste jeder Leiter eine Figur mitbringen. So entstand in kurzer Zeit ein Tanz in Gemeinschaftsarbeit aller Tanzleiter. Die passende Musik war auch schnell gefunden: „Gruß aus der Heimat“, ein Stück der Blaskapelle Billed-Alexanderhausen.  

2019 ist für die Tanzgruppe, die nun folgte, ein ganz besonderes Jahr. Denn in diesem Jahr darf die Gruppe ihr 70-jähriges Bestehen feiern. Der Gründerin Annemarie Baer war die Bewahrung und Weitergabe der Sitten und Gebräuche der Vorfahren ein besonderes Anliegen. Nach dem Tod Annemarie Baers übernahm 1997 ihre Tochter und ab 2012 ihre Enkelin Stephanie Rosenberg die Leitung. Auch sie möchte das reichhaltige kulturelle Erbe der donauschwäbischen Volksgruppe weitergeben und so für die nächste Generation erhalten. Verstärkt wurde die Trachtengruppe Freising von der befreundeten Trachtengruppe aus Albstadt. Auch diese blickt, in den 50er Jahren gegründet, auf eine lange Geschichte zurück. Unter der Leitung von Matthias Schwarz und Patrizia Wellisch werden Tänze aus den ehemaligen Herkunftsländern Jugoslawien, Ungarn und Rumänien, aber auch Tänze aus Süddeutschland und Österreich gelernt und getanzt. Gemeinsam zeigten die beiden Gruppen den „Sacktuchtanz“. 

Die nächste Tanzgruppe waren Gäste aus dem Banat. Die „Hatzfelder Pipatsche“ wurden 2016, anlässlich der 250-Jahr Feier der deutschen Ansiedlung, in Hatzfeld gegründet. Gruppenleiter und Choreograf ist Hansi Müller. Die Gruppe zählt derzeit 80 Mitglieder, verteilt auf drei Altersstufen – die Kleinen zwischen fünf und sechs Jahren, die Mittleren sind zwischen acht und 13 und die „große Tanzgruppe“ mit Jugendlichen ab 14 Jahren. Sie präsentierte zunächst die „Hau zu-Polka“ und im Anschluss den „Banater Ländler“. Den Abschluss der Aufführungen machte die Tanzgruppe „Billeder Heiderose“, ebenfalls Gäste aus dem Banat. Sie tanzten den Walzer „Gruß aus der Heimat“ und „Schwäbische Polka“, beide von Hansi Müller choreografiert. Sollte der ein oder andere über den Namen des Walzers stolpern, so sei ihm gesagt, es handelt sich hierbei lediglich um eine zufällige Namensgleichheit, denn Musik und Choreografie sind völlig verschieden. Die Gruppe „Billeder Heiderose“ wurde 1998 von Edith Barta gegründet. 2015 übernahm dann Hansi Müller die Leitung. Edith Barta kümmert sich seitdem um die Pflege der Trachten. In der Gruppe sind Jugendliche und Junggebliebene zwischen zwölf und 45 Jahren. Das Wichtigste für Hansi Müller, der zwischenzeitlich acht Tanzgruppen im Banat leitet, ist der Zusammenhalt aller Gruppen. Mit viel Spaß und Einsatz bringt er den Tänzerinnen und Tänzern schwäbische, aber auch moderne Tänze bei. Das alles ist natürlich anstrengend, doch möchte er damit zeigen, dass in Rumänien, obwohl überwiegend Rumänen in den deutschen Tanzgruppen tätig sind, immer noch „schwowisch“ getanzt und die Kultur gepflegt wird.

Bevor es das Wort an Manfred Jäger, den Vorsitzen des Kreisverbandes Göppingen weitergab, verabschiedete sich das Moderatoren-Trio und dankte dem Publikum für dessen Aufmerksamkeit und den Applaus. Die Brauchtumsbeauftragte Ines Szuck dankte in ihrem Schlusswort ihren beiden Co-Moderatoren Patrick Polling und Lukas Krispin für deren Unterstützung, der Blaskapelle für die wunderbare Musik, den Tanzgruppen und Trachtenträgern für die gelungenen Auftritte und Tänze sowie den vielen Gästen im Saal, die die Tänzerinnen und Tänzer mit ihrem Beifall für die viele Arbeit, die solche Auftritte mit sich bringen, belohnt haben. Gleichzeitig nutzte sie die Gelegenheit, um vor allem den Menschen zu danken, die im Hintergrund mithalfen und ohne deren Unterstützung eine solche Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre.

Jetzt konnte der „Große Schwabenball“ beginnen, der vom Göppinger Kreisvorsitzenden Manfred Jäger eröffnet wurde.  Für Tanzmusik und gute Stimmung sorgte bis in die Morgenstunden die Tanzband „Top Klang“ unter der Leitung von Hans Kappes.