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Banater Post

Wo wir verstanden werden, fühlen wir uns daheim (Teil 2)

Am Mahnmal für die Opfer von Flucht und Vertreibung wurde im Gedenken an die eigenen Opfer und an alle Toten der Gemeinschaft von Jugendlichen ein Kranz niedergelegt.

Vor zahlreichem Publikum boten die mitwirkenden Trachtengruppen auf dem Platz vor dem Rathaus Volkstänze dar. Musikalisch begleitet wurden sie von der Blaskapelle der Banater Schwaben aus Waldkraiburg.

Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber und Stephanie Pollmann überreichten Georg Ledig das Ehrenband des Bayerischen Ministerpräsidenten für die Fahne des Kreisverbandes Waldkraiburg.

20. Kultur- und Heimattage der Banater Schwaben in Bayern in Waldkraiburg - Seit 45 Jahren aktive Präsenz in Waldkraiburg - Es sei eine besondere Geste und mache nicht nur ihn als Bürgermeister stolz, dass die Banater Schwaben in Bayern ihre 20. Kultur- und Heimattage in Waldkraiburg feiern, sagte Schirmherr Robert Pötzsch. Er würdigte das Engagement der Banater Schwaben in Waldkraiburg, die die eigene Kultur und die Erinnerung an die Vergangenheit am Leben halten, sich aber gleichzeitig für eine gemeinsame Zukunft einsetzen. Als Teil der Stadt, in der heute 25000 Menschen aus knapp 100 Nationen friedlich zusammenleben, hätten die Banater Schwaben neben Sudetendeutschen, Böhmerwäldlern, Egerländern und Siebenbürger Sachsen an der Entwicklung Waldkraiburgs maßgeblich mitgewirkt.
„Die Banater Schwaben leben nicht nur die eigene Kultur, sondern beteiligen sich genauso intensiv an den städtischen Veranstaltungen und zeigen damit die Verbundenheit mit unserer Stadt“, so Pötzsch. Dafür dankte er ihnen im Namen der Bürgerschaft.

Die Festrede zu den Kultur- und Heimattagen hielt der Landrat des Landkreises Mühldorf am Inn Georg Huber, der gleich zu Beginn auf das dreifache Jubiläum hinwies, das gemeinsam begangen werde: die 20. Auflage der Kultur- und Heimattage der Banater Schwaben in Bayern, das 50-jährige Bestehen des Temeswarer Schubert-Chors und schließlich das 45-jährige Gründungsjubiläum des Kreisverbandes Waldkraiburg. Viele Banater hätten sich hier in Waldkraiburg eine neue Heimat aufgebaut – „fern der alten, doch die Wurzeln und die Traditionen tief in ihren Herzen verankert“. Huber gratulierte zum 45-jährigen Bestehen ihres Kreisverbandes und dankte allen, die sich dafür ehrenamtlich engagieren und engagiert haben. Sein besonderer Dank galt Georg Ledig, der sich seit zwei Jahrzehnten „mit unerschöpflichem Engagement, Tatkraft und Elan“ für die Belange seiner Landsleute einsetze.

Man trägt die Heimat in sich selbst

Der Festredner zitierte den russischen Schriftsteller Andrej Sinjawski (1925-1997), der 1973 nach Frankreich emigrierte: „Heimat ist kein geographischer Begriff. Man trägt sie in sich selbst.“ Den Banater Schwaben sei nach dem Zweiten Weltkrieg keine andere Wahl geblieben, als ihre Heimat nur noch im Herzen zu tragen. Ohne Hab und Gut seien sie in ein Land gekommen, „in dem so vieles fremd und unbekannt war“ und in dem sie als Neuankömmlinge nicht immer auf Verständnis und Hilfsbereitschaft stießen. „Doch ihre Heimat, ihre Geschichte, die jahrhundertelange Tradition, ihr Brauchtum, ihre Kultur – all das konnte den Banater Schwaben niemand nehmen, denn sie brachten es in ihren Herzen, in ihrer Erinnerung mit in die neue fremde Heimat“, sagte Landrat Huber und fuhr fort: „Dass dieses Heimatverständnis bis heute an die nach-folgenden Generationen weitergegeben wird, ist maßgebliches Verdienst der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Waldkraiburg genauso wie in Bayern oder auf Bundesebene.“

Besonders imponierte Landrat Georg Huber, dass die Banater Schwaben neben der Treue zur Heimat auch ihre Zukunft aktiv mitgestalten. Sie bauten Brücken über Ländergrenzen hinweg, sie überwindeten Grenzen, „ohne sich abzugrenzen oder andere auszugrenzen“, und das „trotz des erlittenen Unrechts in der alten Heimat und der teilweisen Ablehnung in der neuen“. Huber lobte ihren Beitrag zur Versöhnung und zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander in Europa. Die Banater Schwaben könnten allen Neuankömmlingen in Deutschland als leuchtendes Beispiel dienen, denn sie zeigten, dass man seine eigene Identität bewahren und zugleich ein aktiver, integraler Bestandteil der
Gesellschaft werden könne. In einer immer schneller und unübersichtlicher werdenden Welt zeigten die Banater Schwaben, dass man im Leben einen festen Bezugspunkt brauche und dabei Tradition und Brauchtum als „ruhender Pol“ dienten. „Lassen wir uns von der Brauchtumspflege und der Heimatliebe der Banater Schwaben anstecken“, rief Huber auf. Seine Festrede beendete er mit einem Zitat des deutschen Philosophen Karl Jaspers: „Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde.“

Banater Schwaben zeigen, dass sie dazugehören

Dieses Zitat aufgreifend, dankte Bundes- und Landesvorsitzender Peter-Dietmar Leber seinem Vorredner mit den Worten: „Sie haben uns verstanden. Und dort, wo wir verstanden werden, dort fühlen wir uns daheim.“ Es sei zum ersten Mal in ihrer mittlerweile vierzigjährigen Geschichte, dass die Kultur- und Heimattage der Banater Schwaben in Bayern in Waldkraiburg gefeiert werden. Viele Banater Landsleute hätten sich hier eine neue Heimat erschaffen, in die Gesellschaft eingereiht und einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung dieser Stadt erbracht. „An Tagen wie diesen wollen wir zeigen, dass Waldkraiburg auch uns Banater Schwaben Heimat geworden ist. Wir zeigen, dass wir dazugehören, dass wir unseren Platz gefunden haben, überall dort, wo wir heute in Bayern daheim sind“, sagte Leber. Das Banat sei „Teil unserer Biografie, aber nicht mehr unseres Alltags“. Das Sein als Banater Schwaben in seinen kulturellen Ausprägungen sei zum Festakt geworden und käme an Tagen wie diesen zum Ausdruck. Man erbringe den dafür erforderlichen Einsatz sehr gerne, „weil dieser Baustein unserer Identität uns nach wie vor sehr wichtig ist“, unterstrich Peter-Dietmar Leber.

Der Bundes- und Landesvorsitzende verwies darauf, dass „Banater Schwaben auch eine Geschichte in Deutschland, in Bayern, in Waldkraiburg haben und wir durch unser Wirken als Landsmannschaft diese Geschichte weiterschreiben“. Ein Kapitel dieser Geschichte nehme Waldkraiburg ein. Leber gratulierte zum 45-jährigen Jubiläum und rief dazu auf, dafür Sorge zu tragen, „dass der Stoff für dieses Kapitel immer lebendig und interessant bleibt“. Leber beschloss seine Ansprache mit einem Appell: „Bleiben wir alle eine offene Gemeinschaft, die um ihr Woher und Wohin weiß, bleiben wir fest verankert in den Werten und Überzeugungen, die uns geprägt haben, stehen wir zusammen und bleiben wir gute Banater Schwaben und achtbare Bürger überall dort, wo wir leben!“

Ehrenband für Fahne des Kreisverbandes

Im Anschluss daran wurde eine Videobotschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder eingespielt. Söder, seit vielen Jahren Mitglied der Landsmannschaft der Banater Schwaben, ist mit deren Wirken in Bayern und besonders in Nürnberg bestens vertraut. Er komme gerne zu ihren Veranstaltungen und fühle sich bei den Banater Schwaben daheim, verriet der Ministerpräsident. Zudem sei Edda Probst, seine Büroleiterin in Nürnberg, eine Banater Schwäbin. Auch Söder betonte die Verbundenheit der Banater Schwaben sowohl mit ihrer neuen als auch mit ihrer alten Heimat und würdigte ihre Rolle als Brückenbauer. Dafür zollte er ihnen Dank und Respekt. Der Ministerpräsident versicherte, dass er den Banater Schwaben auch weiterhin freundschaftlich verbunden bleibe.

Dem Kreisverband Waldkraiburg dankte Söder mit einem besonderen Geschenk, dem zum 100-jährigen Bestehen des Freistaates Bayern gestifteten Ehrenfahnenband mit der Aufschrift „Heimat Bayern“. „Ihr seid fester Bestandteil dieser Heimat Bayern. Wir sind dankbar und stolz auf Euch“, sagte der Ministerpräsident.

Banater Schwaben haben zwei Heimaten

Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber erinnerte in seiner kurzen Ansprache an die Leidensfähigkeit und den Pragmatismus der Banater Schwaben, denen es gelungen sei, sich sowohl im Banat als auch ein Vierteljahrtausend später hier in Deutschland eine neue Heimat zu schaffen. Sie besäßen die Eigenschaft, das Beste aus jeder Situation zu machen und sich aktiv einzubringen. Von ihrem Einsatz in der Arbeitswelt und der Gesellschaft habe Bayern profitiert. Gleichzeitig fühlten sie sich ihrer Herkunft verpflichtet und hielten ihre Traditionen und ihr Brauchtum hoch. Die Banater Schwaben hätten eindrücklich gezeigt, dass ein Mensch zwei Heimaten haben kann, sagte Dr. Marcel Huber. Im Auftrag des Bayerischen Ministerpräsidenten überreichte er zusammen mit Stephanie Pollmann das Ehrenband für die Fahne des Kreisverbandes Waldkraiburg als Würdigung für dessen 45-jähriges erfolgreiches Wirken.

Von dieser besonderen Ehrung überwältigt, dankte Georg Ledig Ministerpräsident Markus Söder wie auch Marcel Huber für die Unterstützung der Anliegen des Kreisverbandes Waldkraiburg. Ebenso dankte Ledig zum Abschluss des Festaktes allen, die einen Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung geleistet haben. Der Festakt endete mit der Bayern- und der Deutschlandhymne.

Am Abend wurde im Foyer des Hauses der Kultur die Ausstellung „50 Jahre Temeswarer Schubert-Chor“ eröffnet, gefolgt von einem Festkonzert des Schubert-Chors unter der Leitung von Adrian Nuca-Bartzer. Darüber berichten wir in der nächsten Ausgabe. Der Abend klang mit einer Tanzveranstaltung aus, zu der die Blaskapelle der Banater Schwaben aus Waldkraiburg aufspielte.

„Wir haben uns an diesem 25. Mai von unserer besten Seite gezeigt“, lautete das Resümee des Bundes- und bayerischen Landesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben Peter-Dietmar Leber am Ende des Tages. Er führte weiter aus: „Viele Trachten gab es zu bestaunen, getragen von verschiedenen Generationen, Fahnenbänder der jeweiligen Fahnenabordnungen stellten einen Bezug zu den Gruppen her, gemeinsam getanzte Volkstänze stellten den verbindenden Charakter der Gruppenarbeit und der Seminare der DBJT unter Beweis, Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften präsentierten sich als starke Pfeiler unserer landsmannschaftlichen Arbeit. Wir durften eine erbauende heilige Messe feiern, wurden im Rathaus empfangen, wurden von allen Rednern aus Politik, Kirche und Gesellschaft in unserem Wirken bestärkt und hatten selbst viel Freude an und in dieser Gemeinschaft. Gefreut haben wir uns über die  Videobotschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten, der über unser Wirken bestens informiert ist.

Das Jubiläum des Temeswarer Schubert-Chors, das mit einem Festkonzert, einer Ausstellung und einer Festschrift gefeiert worden ist, hat unsere Kultur- und Heimattage bereichert.“