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Banater Post

Antonitreffen: Den Mond und die Sterne besungen

Das Nachmittagsprogramm begann traditionell mit dem Namenstagslied, wonach die Kinder ihr Können zeigten. Fotos: Josef Budean

Der Freiburger Singkreis unter der Leitung von Anton Bleiziffer leistete auch diesmal einen wesentlichen Beitrag zur Programmgestaltung.

Am 19. Januar 2019 fand das alljährliche Antonitreffen in Freiburg zum 32. Mal statt. Der Nachmittag startete traditionsgemäß mit der Begrüßung der Gäste und Ehrengäste. Zugegen waren die Vorsitzende der HOG Sanktanna Katharina Schmidt, der Freiburger CDU-Kreisvorsitzende Peter Kleefass sowie die Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaften Deutschbentschek Willi Kuhn und Jahrmarkt Helene Eichinger.

Das Bühnenbild war wie immer ein Blickfang und verriet zum Teil das Motto des Jahres: „Offenes Singen“ – ein geöffnetes Fenster, ein Banater Dorf bei Nacht, Mond und Sterne am nächtlichen Himmel. Gestaltet wurde es von Luis Muranyi. Der 14-Jährige hat damit sein großes Talent unter Beweis gestellt und das Publikum mit seinem Werk begeistert.

Zum traditionellen Namenstagslied stimmten alle mit ein. Zu Kaffee und Kuchen begeisterte die Kindergruppe mit einem kleinen Programm, das von Theresia Rentz und Anton Bleiziffer einstudiert wurde. Voller Enthusiasmus und einsatzfreudig zeigten die Kleinsten ihr Können. Nicht nur zu diesem Programmpunkt, sondern den ganzen Tag über waren viele Kinder und Jugendliche anwesend. Bis zu vier Generationen belebten das Fest und die Aktivitäten.

Der gemeinsame Gottesdienst am frühen Abend fand wie üblich in der Kirche St. Petrus Canisius statt. Pfarrer Dr. Joachim Koffler begrüßte sehr herzlich alle Teilnehmer und hob den besonderen Anlass deutlich hervor: „Wir feiern ein Fest“. Mitgestaltet wurde die heilige Messe von der Flötengruppe.

Nach dem gemeinsamen Abendessen sprach Katharina Schmidt ein Grußwort seitens der HOG Sanktanna. Sie hob die einzigartige Sanktannaer Kultur und Tradition hervor, die prägend für das Heimatgefühl und die Identität der Sanktannaer seien, überbrachte die Grüße des Vorstandes und bedankte sich bei allen Organisatoren, Mitwirkenden und Helfern für dieses legendäre Fest. Um die Herausforderungen der Zukunft zu bestehen, bedarf es zum einen der Aufgeschlossenheit für neue Entwicklungen und zum anderen der Verwurzelung in Geschichte, Heimat und Brauchtum, betonte Schmidt.

Der CDU-Kreisverbandsvorsitzende Peter Kleefass brachte in seiner Ansprache viel Verständnis für das Schicksal der Banater Schwaben entgegen. Er sei zwar in Deutschland geboren, entstamme aber einer donauschwäbischen Familie aus der Batschka, verriet Kleefass. Deshalb wisse er, was es bedeutet Flüchtling zu sein, sich eine neue Heimat zu suchen und neu anfangen zu müssen. Als Kind habe er von seinen Eltern und Großeltern viele donauschwäbische Begriffe mitbekommen, wie zum Beispiel „Ausgebackenes“ oder „Faschiertes“. Die Benutzung dieser Begriffe sei bei anderen oft auf Unverständnis gestoßen, obwohl sie für Speisen stehen, die auch hierzulande bekannt sind. Wichtiger Themenpunkt der Rede war auch die Benachteiligung der Aussiedler im Rentenrecht. Peter Kleefass sagte in dieser Frage seine Unterstützung zu. Sie solle demnächst mit Guido Wolf, dem Minister der Justiz und für Europa des Landes Baden-Württemberg, diskutiert, auch bundesweit weiterverfolgt und politisch zum Thema gemacht werden.

Bernhard Brüggen, langjähriges Mitglied des Freiburger Singkreises, hatte diese Probleme mit kulinarischen Begriffen nicht. Im Gegenteil, er stellte als „Einheimischer“ überrascht fest, dass die gleichen Lieder da und dort gesungen werden. Das sei auch mit ein Grund für sein langjähriges Mitwirken. Mit dieser Feststellung eröffnete er das Abendprogramm, das vom Freiburger Singkreis unter der Leitung von Anton Bleiziffer eingeläutet wurde. Schon am Nachmittag war das Bühnenbild aufgefallen, welches das Motto des Abends widerspiegelte. Der Mond stand nämlich im Mittelpunkt und war auch Hauptthema des musikalischen Abends. Aus einem Wunschkonzert, bei dem die Mitglieder des Singkreises ein oder zwei Lieblingslieder vorschlagen durften, haben sich viele Lieder, die den Mond besingen, herauskristallisiert. Fünfzig Jahre nach der ersten Mondlandung ist es 2019 ein durchaus passendes Thema, das darüber hinaus aufzuzeigen vermag, dass wir nicht hinter dem Mond leben oder gar mondsüchtig sind, sondern stets „up to date“. Mit ihrem Sologesang glänzten sowohl Bernhard Brüggen als auch Josef Rentz. Gesangliche Unterstützung boten diesmal Josef Zippel, Michael Reinholz mit seiner Frau Hiltrud sowie Egon Dörner, unter anderem bedingt durch den unerwarteten Ausfall von Elfriede Mayer. Wir hoffen alle, dass mit ihrer baldigen Genesung diese Lücke wieder geschlossen werden kann.

Das Programm bot abwechslungsreiche Beiträge, aber auch viele Überraschungen. Es wurden Volkslieder und Lieder mit bekannten Melodien vorgetragen, von denen viele auch vom Publikum mitgesungen wurden. Einige Melodien oder Texte stammen von Anton Bleiziffer, dem Initiator des Antonitreffens. Hans Jakobi, Lisbeth Felder und Karl-Heinz Maurer konnten mit lyrischen Texten und Geschichten die Spannung halten und das diesjährige Motto belletristisch untermauern. Im Rahmen des Treffens wurde auch an den verstorbenen Johann Henger mit einer Schweigeminute gedacht und an den Heimatforscher Emil Zimmermann mit dem von ihm geschriebenen Lied „Abendstille“ erinnert. Pfarrer Dr. Joachim Koffler mit seiner Gitarre, seit Jahren ein gern gesehener Stammgast, überraschte wieder mit seinem von Heiterkeit und Leichtigkeit durchdrungenen Gesang und auch mit selbst gedichteten Liedtexten.

Ebenfalls eine feste Größe im Abendprogramm sind Alexander und Clemens Bleiziffer. Mit Spannung wurde ihr Beitrag erwartet, zumal sich ihre musikalischen Darbietungen durch Einfallsreichtum und Witz auszeichnen und jedes Mal Lust auf mehr machen. Zum ersten Mal wurden die beiden musikalisch von Josef Budean unterstützt. Auch er ist bekannt für seine heiteren und humorvollen Beiträge in Sanktannaer Mundart. Mit diesen Darbietungen erreichte das Programm seinen Höhepunkt. Die Begeisterung der Gäste für die drei Interpreten war schnell zu spüren und der Applaus ließ auch nicht lange auf sich warten.

Es wurde wieder ein gelungenes, rundes Programm geboten, dessen Ertrag für all die Mühen vor dem Fest entschädigt. Als Erfolg kann stets gewertet werden, wenn die Rückmeldung aus dem Publikum lautet, dass das Programm noch besser als im Vorjahr gewesen sei. Und das war wieder der Fall. Erinnerungen an dieses Fest werden die allermeisten Gäste noch lange begleiten.

Im zweiten Teil des Abends durfte auch getanzt werden. Josef Zippel und Michael Kohlem sicherten bisweit nach Mitternacht die musikalische Begleitetung.

Ein ganz besonderer Dank geht an alle Aktiven, die an der Programmgestaltung beteiligt waren, sowie an die Helfer und Unterstützer, die meistens im Hintergrund tatkräftig mitgewirkt und dieses Treffen überhaupt ermöglicht haben.

Traditionsgemäß fand am Sonntag nach dem Antonitreffen vor zahlreichem Publikum der Bildvortrag von Josef Budean statt. Der Referent fesselt das Publikum nicht nur mit traumhaften Bildern und fotografischen Impressionen, sondern auch durch seine lockere, mit unterhaltsamen Geschichten gespickte Vortragsart. „Rumänien, ein Land mit vielen Kulturen“ lautete sein diesjähriges Thema. Dabei präsentierte Budean Bilder und Eindrücke aus dem Banat und der Maramuresch, die kirchliche und weltliche Traditionen da und dort anschaulich vermittelten. Gerichtet war der Fokus der Bilderschau einerseits auf die Deutsche Wallfahrt in Maria Radna und das 150. Kirchweihjubiläum in Sanktanna, andererseits auf die Wallfahrt zum orthodoxen Kloster Moisei in der Maramuresch und das Folklorefestival „Hora la Prislop“, das alljährlich am Prislop-Pass in den rumänischen Ostkarpaten, nahe der Grenze zur Ukraine, veranstaltet wird.

Die freiwilligen Spenden wurden, wie jedes Jahr, wohltätigen Zwecken zugeführt. Je zur Hälfte ging das eingenommene Geld an den Verein Mukoviszidose mit Sitz in Bonn und an die Initiative „Acasă“. Das von Rainer Muranyi initiierte Projekt setzt sich für Kinder in Ţichindeal, einem armen, kleinen Dorf im Kreis Hermannstadt, ein. In Zusammenarbeit mit der dortigen Schule soll den bedürftigen Kindern mit dem Nötigsten geholfen werden.