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Banater Post

Gedenken an die Deportationsopfer in Ingolstadt

Bei der Kranzniederlegung am Denkmal für die Opfer von Krieg und Deportation (von links): Monsignore Andreas Straub, Georg Szafnauer, Heimleiterin Elisabeth Klein und die ehemaligen Russlanddeportierten Michael Butto, Anna Streitmatter und Anna Bermann. Einsender: Franziska Graf

Es ist zur Tradition geworden, dass die Banater Senioren aus Ingolstadt alljährlich der Deportation zur Zwangsarbeit in die damalige Sowjetunion im Seniorenzentrum „Josef Nischbach“ gedenken, die sich 2019 zum 74. Mal jährte. Die Mitte Januar 1945 erfolgte Verschleppung aller arbeitsfähigen Deutschen aus Rumänien in den kalten russischen Winter und die darauf folgende mehrjährige „Wiederaufbauarbeit“ unter unmenschlichen Bedingungen zählt zu den dunkelsten Kapiteln in der
300-jährigen Geschichte unserer Volksgruppe. Diese Deportationsmaßnahme hat tiefe Spuren hinterlassen sowohl im kollektiven Gedächtnis der Gemeinschaft als auch in den betroffenen Familien. Junge Mädchen und Männer wurden aus ihrem behüteten Elternhaus gerissen, Mütter von ihren Kindern getrennt. Die Großeltern oder andere Angehörige nahmen sich der Kinder an. Es war eine leidvolle Zeit, die viele Opfer forderte.

Um daran zu erinnern und der Opfer zu gedenken, trafen sich die Banater Senioren am 14. Januar dieses Jahres. Die Gedenkstunde begann mit einer bewegenden Messe im Hildegardis-Saal, die – wie jedes Jahr – von unserem Heimatpfarrer Monsignore Andreas Straub gefeiert wurde. Einfühlsam und mit großer Anteilnahme wies der Geistliche in seiner Predigt auf das schwere Schicksal der Deportierten und der Daheimgebliebenen hin und versuchte, den wenigen noch lebenden Betroffenen Trost und den Nachkommen Mut zu spenden. Anschließend legten die Heimleiterin Elisabeth Klein und der Heimbewohner Georg Szafnauer, begleitet von den ehemals Verschleppten Anna Bermann, Anna Streitmatter und Michael Butto, einen Kranz am Denkmal für die Opfer von Krieg und Deportation auf dem Gelände des Seniorenzentrums nieder. Monsignore Straub gedachte ihrer im Gebet. Der Seniorenchor umrahmte die Feier mit den Liedern  „Näher mein Gott“ und „Mensch, hast du ein Leid zu tragen“.

Bei Kaffee und Kuchen referiert die Vorsitzende der Seniorengruppe Franziska Graf über die Deportation. Sie zitierte dabei aus Erlebnisberichten von Betroffenen, die der Germanistik-Professor Stefan Binder nach der Wende gesammelt und in der Temeswarer „Neuen Banater Zeitung“ in 18 Fortsetzungen unter dem Titel „Sie litten und starben als Deutsche. Für wen?“ veröffentlicht hatte. Die Schilderung der widrigen Lebensumstände – schwere Arbeit, harte Kälte, der ewige Hunger, katastrophale hygienische Bedingungen, Krankheit, Tod – ziehe sich wie ein roter Faden durch all diese Erlebnisberichte, betonte Franziska Graf. In einigen sei auch die Enttäuschung bei der Heimkehr nach fünf Jahren Leidenszeit spürbar, als sie von ihren Kindern nicht mehr erkannt wurden oder darüber, dass Hab und Gut enteignet worden waren.

Was die Verschleppten an Unmenschlichem erlebt haben, verdeutlichte die Referentin am Beispiel der aus Temeswar-Fratelia stammenden Anna Stricker, geb. Nemeth, deren Erinnerungen seinerzeit von Rudolf Krauser aufgezeichnet wurden. Sie sei in einem Lager interniert gewesen, das wegen der hohen Todesrate „Krepierlager“ genannt wurde. Um sich gegenseitig zu wärmen, habe sich Anna Stricker mit einer Freundin das Nachtlager geteilt. Eines Morgens habe sie gemerkt, dass die Freundin neben ihr tot war.

Franziska Graf erwähnte auch das tragische Schicksal von sieben Russlandheimkehrern aus Bakowa, die im August 1947 zusammen mit zwei Landsleuten, die die Gruppe über die Grenze schleusen wollten, an der ungarisch-rumänischen Grenze erschossen wurden. Die nach Frankfurt/Oder entlassene, sieben Personen umfassende Gruppe Bakowaer hatte sich entschlossen, heimlich ins Banat zurückzukehren. Die ungarisch-rumänische Grenze wurde für fünf von ihnen zur Todesfalle. Sie wurden von rumänischen Grenzern erschossen. Lebend entkommen sind zwei Frauen, die eine wurde angeschossen und hat sich tot gestellt, die andere ist bei den ersten Schüssen ohnmächtig geworden und zu Boden gestürzt. Beide konnten bei Nacht den Ort des Grauens verlassen und nach Tschanad gelangen, wo sie von Pfarrer Josef Petla, einem gebürtigen Bakowaer, die nötige Hilfe, Unterkunft, Verpflegung und Geld für die Heimreise erhielten. Durch die beiden Überlebenden hat man im Dorf von dieser Gräueltat erfahren.

Mit den Liedern „Tief in Russland“ und „Heute in der Nacht“ wurde die Gedenkfeier beendet.