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Banater Post

23. Banater Volkstanzfestival in Singen (2)

Rund 160 Trachtenträger trafen sich in der Singener Stadthalle zum 23. Volkstanzfestival der Tanzgruppen aus Baden-Württemberg. Fotos: Eventfotografie Bodensee

Blumen als Zeichen des Dankes für langjähriges engagiertes Wirken gab es von Melinda Petla (links), Karsten Loch (Mitte) und Sabine Kirsch (rechts) von der Trachtengruppe Reutlingen für Horst und Hilde Redl, Hildegard Bauer, Heidelinde Redl und Henriette Redl (von links).

Nach dem Grußwort des Oberbürgermeisters Bernd Häussler eröffnete die Landesbeauftragte für Tanz- und Trachtengruppen Ines Szuck das Volkstanzfestival und übergab an die beiden Moderatorinnen Melanie Müller aus Karlsruhe und Stefanie Timmler aus Singen, die charmant durch den Abend führten. Begrüßt wurde zunächst die Kapelle Original Banater Echo unter der Leitung von Manfred Ehmann, die die Auftritte der Tanzgruppen musikalisch begleitete. Die im Januar 2004 gegründete Musikkapelle hat sich der Pflege der traditionellen Banater Blasmusik verschrieben.

Tanzdarbietungen der Trachtengruppen

Den tänzerischen Auftakt machte die Jugendtanzgruppe aus Spaichingen unter der Leitung von Brigitte Polling und Christine Wollanka. Als die Tanzgruppe vor rund elf Jahren als Kindertanzgruppe gegründet wurde, bestand sie aus 20 Kindern im Alter zwischen vier und zwölf Jahren. Zwischenzeitlich hat sich die Mitgliederzahl verdreifacht, die Gruppe besteht aus 35 Jugendlichen im Alter von 14 bis 23 Jahren und 25 Kindern zwischen sechs und 13 Jahren. Die beiden Leiterinnen sind stets bemüht, den Kindern und Jugendlichen banatschwäbische Traditionen und Volkstänze zu vermitteln und dadurch deren Erhaltung sicherzustellen. Für die von Julia Polling choreografierten „Chodouňská-Polka“ erntete die Tanzgruppe Spaichingen viel Applaus.

Im Anschluss zeigte die Erwachsenentanzgruppe aus Spaichingen ihr Können. Die Gruppe wurde 1992 gegründet und bestand damals aus zwölf jugendlichen Paaren Darowaer Abstammung, die mit viel Freude den Volkstanz pflegten. Aus den Jugendlichen von damals sind längst Erwachsene geworden, denen der Spaß am Tanzen geblieben ist. Geleitet wird die Gruppe seit ihrer Gründung von Käthe und Hansi Winze. Damals wie heute präsentiert sie in Darowaer Kirchweihtracht ihre selbst choreografierten Tänze, am liebsten auf Livemusik des Original Banater Echos. An diesem Abend zeigte die Erwachsenentanzgruppe aus Spaichingen die „Darowaer Polka“.

Den nächsten Auftritt absolvierte die Trachtentanzgruppe Leimen. Bei ihrer Gründung im Jahr 1992 bestand sie aus acht Paaren. Unter der Leitung von Karoline Ferch entwickelte sie sich in kurzer Zeit zu einer erfolgreichen Volkstanzgruppe. Heute gehören der Leimener Volkstanzgruppe neun aktive Paare an, die, wenn auch etwas älter geworden, mit der gleichen Begeisterung unter der Leitung von Josef Klein den Volkstanz pflegt. Zu den Klängen der Enztäler Musikanten tanzte sie die Polka „Bei den Donauschwaben“ in einer Choreografie von Caroline Ferch.

Nach diesen Tanzdarbietungen folgte das Grußwort der stellvertretenden Bundesvorsitzenden Christine Neu, die die Grüße und Glückwünsche des Bundesvorstandes der Landsmannschaft der Banater Schwaben und des Weltdachverbandes der Donauschwaben überbrachte.

Grußworte und Glückwünsche

Gerade in unserer schnelllebigen Zeit sei die Wertschätzung der Tracht als Identifikationssymbol besonders wichtig, betonte die Rednerin. Tracht sei nicht irgendein Kleidungsstück, sondern etwas, das Bedeutung hat, das Sicherheit und Heimat gibt. Die Pflege von Brauchtum und Tradition stärke die kulturelle Identität und vermittle Werte, die Orientierung geben, so Christine Neu. Das Volkstanzfestival diene dazu, einerseits Brauchtum und Tradition in Form von Tracht, Volkstanz und Blasmusik zu erhalten und an die nächsten Generationen weiterzugeben, andererseits Freundschaften zu festigen, neue Beziehungen zu knüpfen oder vielleicht auch mal wieder die Banater Mundart zu sprechen.

Es sei vor allem die gemeinschaftsbildende Kraft gelebten Brauchtums, das nicht unwesentlich zur sozialen Beheimatung beitrage, unterstrich die stellvertretende Bundesvorsitzende. Viele Banater Schwaben hätten hier unter dem Hohentwiel eine neue Heimat gefunden. Neu dankte Oberbürgermeister Bernd Häussler, der durch sein Dabeisein das Engagement der Banater Schwaben in Singen zu würdigen wisse. Der vor 30 Jahren gegründete Kreisverband Konstanz/ Singen und dessen Tanzgruppe hätten die Kulturlandschaft der Region bereichert. Ob beim Stadtfest in Singen oder beim Trachtentag auf der Insel Mainau, ob in Reutlingen, Ulm, Freiburg, Rastatt oder im Banat, ja auch bei Auftritten in den USA und Kanada sei der Kreisverband mit seiner Trachtengruppe stets mit Herzblut dabei. Dieses von Fleiß und Ausdauer geprägte Engagement sei ein Bekenntnis zu Herkunft und Tradition, zeige Verantwortung für das kulturelle Erbe und Respekt gegenüber den Vorfahren.

Christine Neu wies darauf hin, dass nach Erich Georg Gagesch, Ernst Schön und Josef Knab Horst Redl der vierte Vorsitzende des Kreisverbandes seit 1988 sei. Sie dankte Redl für sein zehnjähriges Wirken an der Spitze des Vereins und überreichte ihm die Verdienstmedaille in Silber der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Eine wichtige Stütze der Vereinsarbeit sei die 1988 von Heinz Künstner ins Leben gerufene Tanzgruppe, die seit vielen Jahren von Hilde Redl mit großem Einsatz geleitet wird. Ihr zur Seite stünde ein Familienbetrieb, in dem drei Generationen mit eingebunden seien. Hilde Redl sei eine Power-Frau, die sich unermüdlich für die Pflege von Tracht und Brauchtum einsetze, hob Christine Neu hervor. Und sie habe es geschafft, den Funken der Begeisterung bei vielen Kindern und Jugendlichen, auch bei solchen ohne Banater Wurzeln, zu entfachen. Die Rednerin dankte Hilde Redl mit einem Blumenstrauß und überreichte ihr zusammen mit Patrick Polling die Verdienstmedaille in Silber der Landsmannschaft der Banater Schwaben.

Dass die Jugend bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, zeigt das Beispiel von Stefanie Timmler, die Hilde Redl in der Leitung der Tanzgruppe unterstützt. Sie erhielt eine Ehrenurkunde der Landsmannschaft. Christine Neu dankte namentlich auch Hildegard Bauer, die sich um die Trachten der Tanzgruppe kümmert und immer da ist, wenn man sie braucht, sowie Heidelinde und Henriette Redl für ihr aktives Wirken.

Diese Veranstaltung hier in Singen zeige die Heimatverbundenheit der Banater Schwaben, so die Rednerin zum Schluss, sie sei zudem Ausdruck ihrer kulturellen Identität und des Willens, das zu bewahren, was uns als Banater Schwaben ausmacht.

Im Anschluss an diese Ansprache zeigte die Tanzgruppe Karlsruhe ihr Können. Dem Kreisverband Karlsruhe gehören zwei Tanzgruppen an. Die Jugendtanzgruppe wurde 1993 gegründet, die Gründung der Erwachsenentanzgruppe erfolgte fünf Jahre später. Heute wirken zehn Paare in der von Melanie Müller geleiteten Jugendtanzgruppe und acht Paare in der Erwachsenentanzgruppe mit, deren Leitung Heidi Müller und Werner Gilde innehaben. Die Tänzerinnen und Tänzer tragen die Billeder Kirchweihtracht. Die Karlsruher Gruppen zeigten die Polka „Frühlingsblume“ sowie die „Paulpolka“, beide von Heidi Müller choreografiert.

In seinem Grußwort wies der Bundesvorsitzende der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen Patrick Polling auf Sinn und Zweck des Volkstanzfestivals hin und unterstrich, dass die Jugend zum einen Interesse für das überlieferte Brauchtum zeige, zum anderen ginge es ihr auch um den Zusammenhalt unter Gleichaltrigen mit gleichen Wurzeln. „Die Jugendlichen wollen mehr über ihre Wurzeln wissen, sie bringen sich ein, haben neue Ideen und wollen etwas bewegen“, sagte Polling. Das solle die Kreisverbände ermutigen, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich aktiv einzubringen, und zwar nicht nur in den Tanzgruppen, sondern auch in den Vorständen. Dieser jugendliche Enthusiasmus könne neuen Elan in die Verbandsarbeit bringen und anregen, manch Starres und Überkommenes zu überdenken.

Noch wichtiger sei es, so Patrick Polling, die mittlere Generation stärker in die Verbandsarbeit einzubinden. Die 30- bis 50-Jährigen müssten Verantwortung in den Heimatortsgemeinschaften und Kreisverbänden übernehmen und eine Brücke zu den in Deutschland geborenen Jugendlichen sein, diese an die Gemeinschaft heranführen. „Diese Gemeinschaft zu spüren und zu erleben ist etwas Besonderes und darauf sollten wir Banater Schwaben mächtig stolz sein“, so der Redner. Polling dankte zum Schluss den Freunden aus Singen, die viel Arbeit in die Organisation dieser Brauchtumsveranstaltung investiert haben.

Als nächstes folgte die Darbietung der Volkstanzgruppe des Kreisverbandes Esslingen/Wendlingen, die in diesem Jahr ebenfalls ihr 30-jähriges Bestehen feierte. Die Tanzgruppe gliedert sich in eine Kinder-, eine Jugend- und eine Erwachsenengruppe mit insgesamt rund 50 Mitgliedern. Die Gesamtleitung hat Renate Krispin seit der Gründung 1988 inne. Die Leitung der Jugendgruppe wurde bereits in jüngere Hände gelegt, sie wird von Elisa Schöffler und Ann-Kathrin Kobsa wahrgenommen. Die Gruppen präsentierten sich in Singen mit einem Walzer, „Schwabentänze“, und der „Kochlöffelpolka“, beide choreografiert von Theresia Teichert.

Nun hieß es Bühne frei für die Trachtengruppe Reutlingen. Die 2009 gegründete Formation besteht aus 14 Paaren und wird von Melinda Petla, Sabine Kirsch und Karsten Loch geleitet. Seit 2015 gibt es auch eine Kindertanzgruppe, deren Leitung Melinda Petla und Sabine Kirsch innehaben. Die Trachtengruppe Reutlingen zeigte die „Wawi-Polka“, choreografiert in Zusammenarbeit mit Hansi Müller, und die „Plauder-Polka“, die von der Gruppe selbst choreografiert wurde.

Auftritt der Gastgebergruppe und Ehrungen

Last but not least folgte der Auftritt der Gastgebergruppe aus Singen, eine bunt gemischte Gruppe aus Jung und Alt. Die meisten kennen sich seit Kindertagen und so ist es nicht verwunderlich, wenn Zusammenkünfte zum großen Familientreffen werden. Geleitet wird die Gruppe von Hilde Redl und Stefanie Timmler. Die Jubilare zeigten den Walzer „Heimatstern“ und die Polka „Traumgold“. Beide Tänze wurden von der Gruppe gemeinsam choreografiert.

Doch nicht nur der Kreisverband und die Tanzgruppe hatten ein Jubiläum zu feiern. Auch einzelne Mitglieder können auf eine lange Zugehörigkeit zur Tanzgruppe stolz sein. Für ihr langjähriges Mitwirken wurden diese von Christine Neu und Patrick Polling geehrt. Über eine Ehrenurkunde der DBJT für zehn Jahre aktive Mitgliedschaft freuten sich Anja Spreitzer, Kornelia Timmler, Piya Sujipinjo und Bettina Schartner. Die DBJT bedankte sich mit einer Ehrenurkunde für 20 Jahre Mitgliedschaft bei Susanne Ray, Mathias Knab, Alexander Knab, Christian Spreitzer, Henriette Redl und Hilde Redl. Letztere bekam auch die Silbermedaille der DBJT überreicht. Eine weitere Silbermedaille und eine Urkunde für 30 Jahre Mitgliedschaft erhielt Heidelinde Redl.

Den krönenden Abschluss des Volkstanzfestivals bildeten die von sämtlichen Gruppen gemeinsam vorgeführten Tänze „Donauschwaben-Walzer“, „Kathi-Ländler“, „Mein Banater Land“ und „Veilchenblaue Augen“. Nach den Aufritten der Tanzgruppen wurde der Abend zur Musik der „Primtaler“ auch für die zahlreichen Gäste zu einem Volkstanzfest.

Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei allen teilnehmenden Tanzgruppen für die Gratulationen zu unserem Jubiläum und die unkomplizierte Zusammenarbeit. Ein weiteres Dankeschön gilt dem „Original Banater Echo“ beziehungsweise den „Primtalern“ für die musikalische Begleitung des Volkstanzfestivals und für die hervorragende Stimmung beim anschließenden Ball. Ferner danken wir den Festrednern für die herzlichen Worte und guten Wünsche sowie allen Mitgliedern der Tanzgruppe und des Vorstandes des Kreisverbandes Konstanz/Singen, ohne deren Einsatz die Organisation eines solchen Festes nicht möglich gewesen wäre. Ein großer Dank gilt jedoch unserem Publikum. Wir hoffen, unseren Gästen einen schönen Abend beschert zu haben.