zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

Ulmbacher Kirchweihfest in Rechberghausen mit Gästen aus der alten Heimat gefeiert

Seit dreieinhalb Jahrzehnten ein gewohntes Bild in Rechberghausen, wo die Ulmbacher ihr Kirchweihfest feiern

Das Vortänzerpaar Isabell Gelsinger und Daniel Klumpp lud Pfarrer Karl Wahl zum Kirchweihfest ein. Fotos: HOG Ulmbach

Beim Umzug leuchteten die kornblumenblauen Halstücher der Frauen und die fein herausgeputzten Hüte der Männer um die Wette.

Mit dem Kirchweihruf „Buwe, was han mer heit?“ wurde ein wunderschöner Tag für die große Ulmbacher Gemeinschaft und deren vielen, zum Teil weitgereisten Gäste eingeläutet. Schon zum 35. Mal wurde das Ulmbacher Kirchweihfest in Rechberghausen gefeiert. Die Trachtenpaare prägten an diesem Tag die Ortsmitte. Weiße Schürzen und kornblumenblaue Halstücher leuchteten um die Wette mit den fein herausgeputzten Hüten der Männer. Die Banater Schwabenkapelle unter der Leitung von Horst Stromer gab den Ton an. Mit Frohsinn und Jauchzen zogen die Trachtenpaare in die Kirche ein.

Während des Gottesdienstes bildeten die Trachtenpaare im Altarraum einen würdigen Rahmen für Gebete und Gesang. Der Chor der Ulmbacher berührte mit den altbekannten Liedern, gekonnt und wunderschön dargeboten, die Herzen aller Anwesenden. Die Organisation oblag Winfried Janke und Hans Engelmann. Als Freude und Ehre zugleich bezeichnete Elfriede Beck den Besuch der Delegation aus Neupetsch im Banat. „Gedankenaustausch und Verständigung mit dem Herkunftsort sind notwendig, wenn wir unseren Kindern und Enkelkindern eine Welt des Friedens hinterlassen wollen“, sagte sie. Pfarrer Karl Wahl stellte die Heilige Dreifaltigkeit in den Mittelpunkt seiner Predigt, wurde doch die Ulmbacher Kirche am Dreifaltigkeitssonntag, vor 240 Jahren, geweiht.

Auf dem Kirchplatz, vor der Gedenkplatte der Ulmbacher, spielte dann die Kapelle bei sommerlichen Temperaturen ein Ständchen, wonach das Vortänzerpaar Isabell Gelsinger und Daniel Klumpp Pfarrer Wahl sowie alle Gäste einluden. Ein Freudenfest nahm seinen Lauf.

Marschmusik vom Feinsten führte viele Leute auf den schmucken Rathausplatz. Dort wartete Bürgermeisterin Claudia Dörner auf die Gäste. Ganz besonders erfreut zeigte sie sich über den Besuch aus Rumänien. Den Bürgermeister Gabriel Drăgan mit Gattin kannte sie bereits vom vergangenen Jahr, als sie selbst mit vielen Ulmbachern in Neupetsch zu Besuch war. Es ging heiß her auf dem Rathausplatz. Musik, Tanz und gute Laune waren hier geboten. Frau Dörner dichtete: „Spielt heute und morgen die frohen Lieder, dann kommt Kirchweih nächstes Jahr wieder.“

In der TV Halle angekommen, standen die Trachtenpaare noch einmal Kulisse für die Festansprachen. Respekt den Jüngsten! Sie standen, trotz Hitze, wacker unter dem wunderschönen Maibaum. Elfriede Beck betonte in ihrer Ansprache, wie wichtig Frieden in der eigenen Familie, im Freundeskreis, aber auch in der Welt sei. „Jeder von uns (hat) in seiner Familie Einwanderer und Auswanderer. Wir alle sind oder waren demnach Migranten, Menschen auf der Suche nach Heimat, nach Verständigung und Frieden“, sagte sie. Über menschliche Kontakte, im Gespräch über die gemeinsamen Erfahrungen der gelebten Zeit, lasse sich Vergangenheit verarbeiten, man lerne Menschen verstehen und verzeihen, werde stark und zufrieden.

„Der Stress der Umsiedlungszeit und die Versöhnung mit der Vergangenheit sind in den meisten Ulmbacher Familien abgeschlossen“, führte Elfriede Beck aus. „Das hier Ankommen ließ sich nicht kaufen, wie so manche Ausreise seinerzeit. Nein, dabei musste Verständnis für den anderen kulturellen Hintergrund aufgebracht werden, um so Versöhnung mit sich selbst und seiner Geschichte zu leben. Damit stellte sich nach und nach überall auch Zufriedenheit ein. Und genau unter dem Motto Zufriedenheit und Versöhnung könnte unser heutiges Kirchweihfest stehen. Ja, wir können uns sogar darüber freuen, immer wieder in die alte Heimat zu fahren und heute das Kirchweihfest mit Gästen aus der alten Heimat zu krönen.“

Bürgermeisterin Dörner überbrachte den rumänischen Gästen die Grüße der Gemeinde. Es gab Präsente mit Rechberghäuser Schmankerln – Erinnerungsstücke an die Tage hier im Ort. Schon am Freitag hatte sie die Delegation durch den Ort geführt. Beim Besuch des Rathauses, des Neubaus des Gemeindekindergartens und der Kulturmühle kam es zu einem regen Gedankenaustausch. Auf dem Rathausvorplatz gab es einen Sektempfang mit Imbiss. Ganz besonders lobte Claudia Dörner den Einsatz von Elfriede Beck, die nun schon seit 35 Jahren viel Zeit und Herzblut ins Ulmbacher Kirchweihfest stecke. Dafür gab es einen Blumenstrauß. In bestem Rumänisch sagte die Bürgermeisterin zum Schluss: „Bine aţi venit în Rechberghausen. Vă doresc / ne doresc o petrecere minunată.“

Bürgermeister Gabriel Drăgan bedankte sich für die Einladung und wies auf die langjährige Beziehung zwischen der Gemeinde und der Gemeinschaft der aus Ulmbach ausgesiedelten Deutschen hin. Über die Jahre sei es, auch dank Altbürgermeister Reiner Ruf, immer wieder auf Gemeindeebene zu Kontakten zwischen Neupetsch und Rechberghausen gekommen und daran wolle man weiterarbeiten.

Peter Rieser, der Vorsitzende der HOG Ulmbach, dankte der Jugend, den Trachtenpaaren und allen Aktiven um Elfriede Beck. Er bedankte sich noch einmal für die freundliche Aufnahme in Neupetsch anlässlich der Fahrt 2017: „Ulmbach bleibt unsere Heimat mit allen Veränderungen.“ Daher wünschte er dem Bürgermeister und der mitgereisten Delegation viel Erfolg bei der Verwaltung und Neugestaltung ihrer Gemeinde. „Wir hoffen, dass wir noch so manche Gelegenheit haben werden, mit teils lachendem, teils weinendem Auge durch unser aller Dorf zu bummeln… Und wir würden uns freuen, wenn wir auch in Zukunft auf unserem Friedhof unserer Vorfahren gedenken und in der Heimatstube in der Geschichte der Gemeinde blättern könnten, an ihr weiterschreiben könnten“, sagte Rieser.

Nach den Ansprachen folgten der ehrwürdige Kirchweihtanz, das „Aushalten“, die „Eckstickle“ und der Ehrentanz für die Gewinner von „Hut un Tichel“. Bürgermeister Drăgan hatte das Glück auf seiner Seite und bekam einen Extratanz mit seiner Frau, dem Vortänzerpaar und den Trachtenträgern. Horst Seeger, der beim Wettkegeln am Samstagvormittag als Sieger hervorgegangen war, wurde mit einem Geschenkkorb bedacht.

Inzwischen hatte die Sunshine-Band mit Hilde und Werner Mauer die Bühne betreten. Sie sorgte für ausgelassene Stimmung auf einer vollen Tanzfläche. Ganz natürlich, zur Freude der Jugend und der Gäste, wurden auch ein paar rumänische Stückchen eingestreut. Zwischendurch wurden Erinnerungsfotos gemacht, mit alten Freunden erzählt, neue Bekanntschaften geschlossen oder alte aufgefrischt. Weit nach Mitternacht und doch viel zu schnell hieß es dann: „Bis bald, auf Wiedersehen“.

Für viele gab es ein Wiedersehen schon am Sonntagvormittag beim Aufräumen und einem zünftigen Frühschoppen. Marianne und Peter Franz, Erich Anheuer sowie Karin und Franz Mittler bewirteten die Gäste. Auch einige unserer rumänischen Besucher nahmen sich dafür Zeit. Ihr Programm war bis zur Abreise ganz schön straff.

Bereits am Freitag waren sie zur Betriebsbesichtigung der Firma Klug Laser in Göppingen eingeladen. Helmuth Klug, der Firmengründer und -inhaber, ist Ulmbacher. Der Besuch führte vor Augen, was man sich in wenigen Jahren erwirtschaften kann mit Fleiß, Wissen, Ausdauer und großem familiärem Rückhalt. Wir danken für die tiefen Einblicke in die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der jungen, großen Firma.

Mit unseren rumänischen Gästen gab es am Montag noch ein Abschiedsessen im kleineren Kreis. So waren dann die fünf gemeinsamen Tage wie im Flug vergangen.

Zum Schluss noch folgende Sätze aus der Ansprache von Elfriede Beck: „Allen ein großes Dankeschön. Jeder Einzelne von euch ist ein Glied in der Kette, welche diese Kirchweihfeste zusammenhält. Es darf keiner schwächeln oder gar fehlen. Unsere Gemeinschaft ist und bleibt nur so stark wie wir sie alle gemeinsam machen. Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Schüren der Flamme, behauptete der französische Historiker Jean Jaurès schon vor hundert Jahren. Also schüren wir die Flamme!“