zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

Chormusik, die berührt und mitreißt

Museumsdirektor Christian Glass (rechts) freute sich über die vielen Besucher des von der Donauschwäbischen Singgruppe Landshut bestrittenen Konzertabends. Foto: Cornel Simionescu-Gruber

Die Schwestern Beatrix Erndt und Alexandra Scherer (von links) lockerten die Darbietung mit einem Instrumentalstück auf. Foto: Karin Bohnenschuh

„Fein sein, beinander bleibn“ – den Titel dieses von Lorenz Maierhofer arrangierten Volkslieds aus Tirol wählte die Donauschwäbische Singgruppe Landshut als Motto für ihr anlässlich des Heimattages der Banater Schwaben im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm (DZM) dargebotenes Konzert. Es bildete am 19. Mai den krönenden Abschluss eines ereignisreichen Tages und lockte zahlreiche Besucher an, die sich – angesichts der Bekanntheit und Beliebtheit der Landshuter Sing-
gemeinschaft – diesen musikalischen Genuss nicht entgehen lassen wollten. Wegen des großen Besucherandrangs waren die räumlichen Kapazitäten des Museums voll ausgeschöpft. Direktor Christian Glass zeigte sich über die vielen Besucher erfreut und hob in seiner Begrüßung hervor, dass es für sein Haus eine Ehre sei, nun schon zum dritten Mal den Konzertabend zum Heimattag der Banater Schwaben zu beherbergen.

Den rund dreißig Sängerinnen und Sängern und ihrem Dirigenten Reinhard Scherer ist es auch diesmal gelungen, das Publikum dank eines abwechslungsreichen Programms und der Qualität der Darbietungen zu überzeugen. Noch mehr: Der Chor zog die Zuhörer regelrecht in seinen Bann. Das war Gesangskunst vom Feinsten, angereichert mit solistischen Gesangs- und Instrumentaleinlagen und aufgelockert mit humorvollen Geschichten. Die Lieder, mal lyrisch-melancholisch, mal schwungvoll-rhythmisch, der helle, klare Sopran von Alexandra Scherer, der warme Tenor des Chorleiters, die professionelle Klavierbegleitung von Beatrix Erndt sind zu einer außer-gewöhnlichen musikalischen Einheit verschmolzen, was letztendlich den Erfolg dieser Singgruppe ausmacht. Durch das Programm führte souverän Roland Frick.

„Grüaß enk Gott“ – mit diesem musikalischen Gruß aus der Feder des steirischen Komponisten Lorenz Maierhofer eröffnete die Donauschwäbische Singgruppe Landshut den Konzertabend. Dass eine Welt ohne Musik unvorstellbar wäre, brachte das Lied „Lob der Musik“ zum Ausdruck. Auf das wunderschöne, von Johannes Brahms vertonte Volkslied aus Schwaben „Da unten im Tale“ folgte mit „Fein sein, beinander bleibn“ ein Titel aus dem unerschöpflichen Fundus des alpenländischen Volksgesangs, der zudem zum geflügelten Wort wurde. Mit zwei Mundarttexten von Johann Szimits und Jakob Vorberger brachte Heidi Hillebrandt anschließend etwas Abwechslung in den Ablauf. Obwohl nicht neu im Repertoire des Chors, fand das Lied „Dort driwe in dr Kleenheislergass“ aus der Sammlung von Erich Georg Gagesch auch diesmal großen Anklang beim Publikum, wohl auch wegen den Soli von Alexandra Scherer und ihres Vaters Reinhard, der für diesen Titel den Dirigentenstab an seine Tochter Beatrix Erndt übergeben hatte.

Nach dem beschwingten schwäbischen Tanzlied „Hopsa Schwabenliesl“ wurde es etwas nachdenklich und melancholisch, als die Sängerinnen und Sänger mit den beiden Solistinnen Alexandra und Beatrix den Song „Wilds Wossa“, ein Megahit der österreichischen Band „Die Seer“, darboten. Für Aufheiterung sorgte sodann der von Heiko Scherer vorgetragene Text „Musik im Haus“ von Oskar Stock. Dass sie nicht nur gesanglich glänzen, sondern auch ihr Instrument – die Geige beziehungsweise das Klavier – meisterhaft beherrschen, stellten Alexandra und Beatrix unter Beweis, die ein Instrumentalstück interpretierten. Sozusagen in der Familie blieb es auch beim nächsten Titel „Du bist da“ nach
einem Kanon des Barockkomponisten Johann Pachelbel (Text: David Lugert), der von Vater Scherer und seinen beiden Töchtern dargeboten wurde.

Mit einem wunderschönen Liebeslied, bei dem die wunderbare Stimme von Alexandra Scherer voll zur Geltung kam, ging es im Programm weiter: „The Rose“ (Liebe ist wie wildes Wasser), komponiert von Amanda McBroom für den gleich-namigen Film, wurde mehrfach gecovert und in viele Sprachen übersetzt. Auf den Titel „Frei wie der Wind“, ein Erfolgshit der norddeutschen Gruppe „Santiano“, folgte ein weiterer „literarischer Einschub“. Diesmal war es eine Mundartgeschichte von Stefan Heinz-Kehrer, die Heidi Hillebrandt zum Besten gab. Das gefühlsbetonte Lied „Ich bin kein Bajazzo“ (Warum bist du gekommen) aus Leoncavallos Oper „Der Bajazzo“ ist mittlerweile zum Volkslied geworden und auch im
Repertoire der Donauschwäbischen Singgruppe Landshut.

Nach diesem Ohrwurm sangen sich die Protagonisten des Konzertabends mit zwei Titeln von Robert Payer, dem legendären Leiter der „Original Burgenlandkapelle“, in die Herzen des Publikums: Schon bei dem Walzer „Wenn der Wein blüht“ ging das Publikum begeistert mit, doch bei der Polka „Gruß an Weindorf“ steigerte sich die Stimmung mehr und mehr. Spontan erhoben sich einige Paare von ihren Plätzen und verwandelten den beengten Raum zwischen Chor und Zuschauern in eine Tanzfläche. Erst nach einer Zugabe konnte mit dem Programm fortgefahren werden, das mit dem Lied „Weit, weit weg“ des österreichischen Musikers Hubert von Goisern einen musikalischen Leckerbissen bereithielt. Der letzte Titel – zumindest so sah es die Programmfolge vor – war mit Bedacht gewählt, heißt es doch in der ersten Strophe: „Ein schöner Tag ward uns beschert, / wie es nicht viele gibt, / von reiner Freude ausgefüllt, / von Sorgen ungetrübt.“ „Ein schöner Tag“ ist die deutsche Adaption von „Amazing Grace“, das quer über den ganzen Erdball bekannt ist.  

Das Publikum spendete begeistert Applaus und forderte eine Zugabe. Diesem Verlangen kam der Chor nach und bot noch zwei hoffnungsvoll stimmende Lieder dar: Roger Whittakers Song „Dies Lied ist für dich“ und „Überall auf der Welt“ nach dem Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“. Mit Standing Ova-
tions belohnten die Zuschauer zum Schluss die künstlerisch anspruchsvolle, inhaltlich und stilistisch vielfältige Darbietung der Singgruppe. „Das Singen darf nie harmlos sein, es soll berühren, erzählen und erregen“ – so formuliert es der erfolgreiche Komponist, Texter und Arrangeur Lorenz Maierhofer. Diesem Anspruch wird die Donauschwäbische Singgruppe Landshut mehr als nur gerecht.