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Banater Post

Kulturell und gesellschaftlich wertvolle Arbeit geleistet

Tradition und Brauchtum werden an die nächste Generation weitergegeben. Auf seine 64-köpfige Kinder- und Jugendtrachtengruppe, die beim Jubiläumsfest ihr Können zeigte, ist der Kreisverband besonders stolz.

Auch Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber mit Gattin Hiltrud kam zur Jubiläumsfeier des Kreisverbandes nach Spaichingen.

Viel Applaus ernteten Irmgard Müller und Walter Berberich für das Liebesduett aus der Operette „Grüßt mein Banat“ von Emmerich Bartzer. Fotos: KV

Eine der jüngeren Gliederungen innerhalb der Landsmannschaft der Banater Schwaben feierte vor kurzem ihr 25-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass hatte der Kreisverband Tuttlingen-Rottweil-Schwarzwald-Baar Landsleute, Ehrengäste und Kulturgruppen in die Spaichinger Stadthalle eingeladen.

Die Vorbereitungen für dieses Großereignis begannen viele Monate im Vorfeld, wollte man doch den Gästen neben kulinarischen Köstlichkeiten und einer Tanzveranstaltung auch ein abwechslungsreiches Kulturprogramm anbieten. Darüber hinaus hatte der Vorstand entschieden, mit der Erstellung einer Festschrift über die Aktivitäten der letzten Jahre ein Stück weit Hindernisse auf dem Weg des Vergessens zu pflanzen; denn der Umfang und die Vielfalt der für die Landsleute in ehrenamtlichem Aufwand geleisteten Arbeit kann sich in der Tat sehen lassen. Die Festschrift ist noch bei den Vorstandsmitgliedern des Kreisverbandes zum Preis von 5 Euro zu erwerben.

Der Kreisvorsitzende Richard Wagner begrüßte nach dem Eröffnungslied des Schubertchors viele Ehrengäste, unter anderen den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben Peter-Dietmar Leber mit Gattin Hiltrud, den Landrat des Landkreises Tuttlingen Stefan Bär, den Bürgermeisterstellvertreter von Spaichingen Karsten Frech in Vertretung von Hans Georg Schuhmacher sowie Franz Schuhmacher, den langjährigen Landtagsabgeordneten des Wahlkreises, gleichzeitig auch Gründungspate des Kreisverbandes in der Versammlung vom 27. März 1993, mit seiner Frau Hilde. Die Ehrengäste bedachten die Versammlung mit einem Grußwort und äußerten sich anerkennend über die Verbandsarbeit.

Die Festversammlung freute sich auch über die Anwesenheit des Aldinger Bürgermeisters Ralf Fahrländer, der die Bedeutung der Arbeit im Kreisverband der Banater Schwaben mit einem großzügigen Gastgeschenk unterstrich. Erfreut war man auch über die Anwesenheit der Ehrenmitglieder des Vereins Josef Koch und Franz Aulila. Sie haben zusammen mit anderen ehemaligen Vorstandsmitgliedern wie Wilhelm Schreiber oder Nikolaus Bohateret ihre Verbundenheit mit dem Verband zum Ausdruck gebracht. Darüber hinaus waren viele Vorsitzende von Heimatortsgemeinschaften und Kreisverbänden aus der Umgebung der Einladung gefolgt, so Hans Vastag (HOG Hatzfeld), Franz Winterhalter (HOG Saderlach), Hansi Winze (HOG Darowa), Gabi Nenovici (HOG Bethausen), Herbert Volk (KV Esslingen) oder Horst Redl (KV Singen-Konstanz). Des Weiteren waren auch einige Kommunalpolitiker aus Spaichingen zum Jubiläum gekommen, wie Heinrich Staudenmayer, Isabella Kustermann und Marcel Aulila. Auch sie wollten es sich nicht nehmen lassen, dieser für die Stadt und Region doch wichtigen Bevölkerungsgruppe zum Fest zu gratulieren. Nicht zuletzt freute man sich sehr, den neuen Vorsitzenden der Deutschen Banater Jugend und Trachtengruppen Patrick Polling begrüßen zu dürfen.

Sämtliche Redner hoben in ihren Grußworten die Bedeutung der Banater Schwaben für die Region Tuttlingen-Rottweil-Schwarzwald-Baar hervor. Sie lobten den Fleiß, die Beharrlichkeit und den Gemeinschaftssinn der Menschen aus dem Banat, die einen großen Gewinn für das
gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben hierzulande und darüber hinaus ein Beispiel für gelungene
Integration darstellten.  

Mehr als fünfzehn Jahre sind es inzwischen her, seitdem der Temeswarer Schubertchor mit seinem charismatischen Dirigenten Adrian Nuca-Bartzer (Trier) zuletzt in Spaichingen gastiert hatte. Seinerzeit bestritt der Chor zusammen mit dem Liederkranz Spaichingen ein Gemeinschaftskonzert unter dem Motto „Die Welt ist voller Lieder“. Dieses Mal waren in zwei intensiven Probewochenenden neben Stücken von Franz Schubert, Ursula Barthels oder Norbert Schulze mehrere Titel von Emmerich Bartzer einstudiert worden mit dem Ziel, das Publikum mit einem breiten Repertoire an Kunst- und volkstümlichen Liedern zu verwöhnen. Der 1969 in Temeswar gegründete Schubertchor trägt schon seit fast fünf Jahrzehnten zur Pflege des klassischen Kunstliedes wie auch des banatschwäbischen musikalischen Kulturgutes in hohem Maße bei. Unter anderem sang der Chor die vierstimmige Vertonung Emmerich Bartzers von Friedrich Schillers Gedicht „An den Frühling“.

Großen Anklang fanden auch die Darbietungen der Solisten Walter Berberich (Rastatt) mit dem von Nuca-Bartzer speziell für den Schubertchor gesetzten Titel „Ach, ich hab in meinem Herzen da drinnen“ oder dem zusammen mit Irmgard Müller (Nürnberg) vorgetragenen „Liebesduett“ aus der Operette „Grüßt mein Banat“, nach einem Libretto der Lenauheimer Dichterin Annie Schmidt-Endres, begleitet am Klavier von der Musikstudentin Julia Wagner. Sehr gefühlvoll wurden die Zuhörer durch diesen Teil der Veranstaltung von Helmine Buchsbaum geführt. Sie wies in der Anmoderation des Frauenchores („Lied der Mizzi“) mit Irmgard Müller darauf hin, dass der Titel „Grüßt mein Banat“ heute eine ganz andere Bedeutung gewonnen habe, als dies bei der Entstehung der Operette in der Zwischenkriegszeit der Fall war. Damals seien viele mangelernährte Kinder aus Deutschland und Österreich während der Sommerferien in die blühenden Gemeinden der Banater Heide gekommen und großzügig von Gastgeberfamilien über mehrere Wochen aufgenommen und verpflegt worden. Viele Freundschaften und dauerhafte Beziehungen seien dabei entstanden, die von Emmerich Bartzer und der Autorin des
Librettos in idealisierter Form aufgearbeitet und inszeniert wurden. Irmgard Müller brillierte nicht nur mit ihrer sicheren Interpretation, sondern auch mit ihrer starken und einfühlsamen Stimme. Beeindruckend war auch die Darbietung von Berberich und Nuca-Bartzer, die das Liebeslied „Nach deinen Spuren“ von Emmerich Bartzer auf einen Text von Peter Jung mit viel Einfühlungsvermögen und Gitarrenbegleitung sangen.

Abgerundet wurde der erste Teil des Festprogramms mit zwei Einlagen des von Claude Debussy komponierten Klavierduos „Kleine Suite für Klavier zu vier Händen“, künstlerisch auf hohem Niveau dargeboten von den Musikstudenten Julia Wagner und Marian Denis.

Mit vielen Höhepunkten bespickt, gestaltete sich dann der zweite Abschnitt in Festtagstracht, der mit
einem Grußwort unter dem Motto „Tradition im Kopf – Freundschaft im Herzen“ von Patrick Polling eröffnet wurde. Die Kleinsten der inzwischen 64-köpfigen Spaichinger Kinder- und Jugendtanzgruppe unter der Leitung von Brigitte Polling und Christine Wollanka tanzten sich sofort mit zwei Polkas in die Herzen der Zuschauer und ernteten dafür viel Applaus. In den folgenden Beiträgen der Jugendlichen konnte man deutlich die Erfahrung, die Routine und das von den Leiterinnen vermittelte breite Wissen um die Gestaltung und Ausführung einer Tanzvorführung erkennen. Die meisten von
ihnen wirken schon zehn Jahre oder mehr in der Tanzgruppe mit. Ein Teil dieser besonderen Gemeinschaft zu sein, erfüllt die Jugendlichen mit Stolz und großer Genugtuung. Mehrfach betonten sie, dass ihnen das Tanzen viel Spaß und Freude bereite, dass sie sich aus Überzeugung für die Bewahrung des Erbes ihrer Eltern und Großeltern hier in der neuen, für sie bereits angestammten Heimat, einsetzten. Die von Julia und Patrick Polling ideenreich choreografierten Tänze waren eine wahre Augenweide und wurden vom Publikum mit Begeisterung gewürdigt.

Gut angekommen ist auch die Kuschelpolka, getanzt mit Rosenbogen von der Erwachsenentanzgruppe um Käthe und Hansi Winze, die mittlerweile schon viele Jahre in Spaichingen aktiv sind und den Mitgliedern viele schöne Stunden bescherten. Danach wurden die beliebten gemeinsamen Tänze von allen Gruppen präsentiert. Die Polka „Veilchenblaue Augen“ ist inzwischen schon ein Ritual, aber mit der Polka „Lustige Leut“ konnten die Gruppen wiederum mit einer neuen Darbietung überzeugen.

In zwei weiteren Tanzeinlagen zeigten die Kinder und Jugendlichen noch weitere Seiten ihrer Tanzkunst. In Dirndl tanzten sie im Laufe des Abends auf die Lieder „Böhmischer Traum“, „Auf der Vogelwiese“, „Die Fischerin vom Bodensee“ oder „Wir sind eine große Familie“. Später dann führten sie moderne Tänze vor unter dem Motto „Zeitreise – Evolution of Dance“, wobei viele kleinere Gruppen in einer bunten Folge mehrere zeittypische Standard- und Discotänze des 20. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischen Rhythmen zeigten.

Einen wichtigen Beitrag zum guten Gelingen des Festabends leistete auch das Original Banater Echo unter der Leitung von Manfred Ehmann. Der versierte Orchesterleiter hatte seine Musikauswahl auf zwei Themenkreise beschränkt: Neben Eigenkompositionen wie dem Marsch „Gruß ans Banat“, der Polka „Musikanten-Traum“ oder der „Heimat-stern-Walzer“ brachte die Kapelle mehrere Traditionstitel aus Darowa und aus dem Banat, beispielsweise die „Darowaer Musikanten-Polka“ oder der Walzer „Es rauscht der Bach“, zu Gehör. Einmal mehr bestachen die Musikanten bei ihrem Auftritt mit präziser Intonierung und geschmeidigen Klangfarben beim Abspielen der beliebten Weisen.

Für all diese gehaltvollen Darbietungen auf der Bühne und im Saal – an diesem Abend sind rund 130 Künstler aufgetreten – sind zweifelsohne viele Helferinnen und Helfer im Hintergrund notwendig. Sie, insbesondere die vielen Frauen, die über die letzten Jahre hinweg Trachten genäht, gestärkt oder gebügelt, die viele Torten und Kuchen gebacken, die unzählige Teller und Besteckgarnituren in der Küche ausgegeben und gespült  und vieles andere mehr für die Gemeinschaft geleistet haben, wollten die Verantwortlichen des Kreisverbandes vor einem großen Publikum ehren. Die Dankesurkunde des Kreisverbandes der Banater Schwaben wurde vom Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbandes Johann Polling folgenden Damen überreicht: Katharina Adam, Gerlinde Aicher, Margarete Bohateret, Maria Burger, Renate Domokos, Katharina Fetzer, Renate Franzen, Eva Grimm, Adelinde Hans, Anette Huppauer, Renate Kellner, Renate Koch, Eweline Lidolt, Rita Mahalek, Dorothea Neidenbach, Anna Nierlich, Anna Orner, Brigitte Polling, Anni Rothas, Edeltraud Roth, Gerlinde Schmidt, Elisabeth Schöps, Corinna Schreiber, Gerlinde Wagner, Theresia Wagner, Käthe Winze, Christine Wollanka und Elfriede Wollmann. Ihnen sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt, ebenso allen Eltern und Großeltern, die sich um die Betreuung der Kinder vor und nach den Tanzunterrichtsstunden kümmern, sie zu den Proben bringen und auch wieder sicher nach Hause geleiten.

Herausragende Verdienste hat sich an diesem Festakt mit Tanzveranstaltung auch das Küchen- und Serviceteam erworben. Die Helferinnen und Helfer um Küchenchef Johann „Reini“ Polling, sämtliche Vorstandsmitglieder des Kreisverbands und viele freiwillige Helfer haben unheimlich viel an diesem Tag geleistet, damit die Gäste gut versorgt werden konnten. Viele von ihnen sind erst morgens um fünf zur wohlverdienten Ruhe gekommen. So auch die Musiker von den „Primtalern“ um Manfred Ehmann, die für beste Stimmung und ausgezeichnete Unterhaltung sorgten und so diesem besonderen Fest einen schönen Abschluss bescherten. Herzlicher Dank gebührt auch der Stadt Spaichingen für die kostenfreie Überlassung der Halle und die tadellose Betreuung durch Herberth Frombach.

Das Fazit des Gründungspaten Franz Schuhmacher tat deshalb den Verantwortlichen sehr gut, als er sagte, die Arbeit des Vorstands der Banater Schwaben ist künstlerisch, kulturell und gesellschaftlich sehr wertvoll für unsere Region im Südwesten.