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Banater Post

Archivierung von Vereinsunterlagen

Prof. Dr. Reinhard Johler, Joschi Ament, Peter-Dietmar Leber, Anna Probst, Hans Supritz und Dr. Mathias Beer (von links) tauschten sich im Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde aus. Foto: IdGL

Das Forum Landsmannschaften, die Plattform des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen (IdGL) für den Austausch mit Vertretern der donauschwäbischen Landsmannschaften, tagte am 20. April. Das IdGL war durch Institutsleiter Prof. Dr. Reinhard Johler und Geschäftsführer Dr. Mathias Beer vertreten, seitens der Landsmannschaften nahmen die Bundesvorsitzenden Joschi Ament (Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn), Peter-Dietmar Leber (Landsmannschaft der Banater Schwaben) und Hans Supritz (Landsmannschaft der Donauschwaben) sowie die stellvertretende Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben in Baden-Württemberg Anna Probst teil. Im Vordergrund der Tagung stand die Frage der Archivierung von privaten und Vereinsunterlagen aus dem Bereich der Landsmannschaften.

Die Institutsleitung informierte über die am 9. März stattgefundene Sitzung des international besetzten Wissenschaftlichen Beirats des IdGL, der die Arbeit des Instituts kritisch begleitet. Der Beirat hat den Jahresbericht 2017 des Instituts diskutiert und dessen Arbeit positiv gewertet. Darüber hinaus gab er Hinweise, wie die Forschungs- und Dokumentationstätigkeit sowie die Wissensvermittlung optimiert werden können.

Dem Forschungsbereich Zeitgeschichte des IdGL ist es 2017 gelungen, für das auf drei Jahre angelegte Projekt „Ein Sonderministerium in klassischem Gewand. NS-Geschichte, Netzwerke und Diskurse des Bundesministeriums für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (1949-1969)“ rund 400000 Euro einzuwerben. Mittlerweile hat das unter der Federführung von Dr. Mathias Beer stehende Forschungsvorhaben mit der Besetzung einer Doktoranden- und einer Postdoc-Stelle seine volle personelle Stärke erreicht. Wesentliche Fragen zum Zuschnitt und zur verfügbaren Quellenlage des Vorhabens konnten im Rahmen eines am 19. und 20. Januar 2018 durchgeführten Workshops diskutiert werden.

Die Institutsleitung wies auf den erfolgreichen Festakt zum 30-jährigen Bestehen des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde und zum 60-jährigen Jubiläum der am Institut angesiedelten Kommission für Geschichte und Kultur der Deutschen in Südosteuropa (KGKDS) hin, der am 26. Oktober 2017 stattfand und inhaltlich von der Jahrestagung „Landesgeschichte mit und ohne Land. Historische Kommissionen in West und Ost nach 1945“ eingerahmt wurde. Im Rahmen des Festaktes wurde zum ersten Mal der von IdGL, KGKDS und dem „Zentrum zur Erforschung deutscher Geschichte und Kultur in Südosteuropa“ ausgelobte Forschungspreis vergeben. Preisträger war Dr. Timo Hagen, der für seine Dissertation „Gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen in der siebenbürgischen Architektur um 1900“ ausgezeichnet wurde.

Einen Höhepunkt im Bereich der Wissensvermittlung stellte 2017 die in Kooperation mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg/Generallandesarchiv Karlsruhe vorbereitete Wanderausstellung „Fließende Räume. Karten des Donauraums 1650-1800“ dar, zu der ein auf die Türkenkriege fokussierter Band sowie ein umfangreicher Ausstellungskatalog erschienen sind.

Nicht gelungen ist es hingegen, die von einem Forschungsverbund (IdGL, Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft, Institut für osteuropäische Geschichte und Landeskunde) 2011 eingeworbene und an der Abteilung Geschichtswissenschaft der Universität Tübingen angesiedelte „BKM-Juniorprofessur für Kultur und Geschichte des östlichen Europa im 19. und 20. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt interethnische Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Minderheiten in Südosteuropa“ über 2017 hinaus zu verlängern. Die auf sechs Jahre befristete Juniorprofessur hatte Dr. Carl Bethke inne.

Prof. Dr. Johler und Dr. Beer informierten auch über die Planungen des IdGL für 2018 und darüber hinaus. Die Ausstellung „Fließende Räume. Karten des Donauraums, 1650-1800“ hat eine mehrjährige Europatour begonnen. Sie wird nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Österreich, Belgien, Frankreich und dann wieder zurück nach Deutschland führen. Bis Jahresende wird die Ausstellung in Eger/Erlau, Budapest, Pécs/Fünfkirchen und Győr gezeigt. Nach den Stationen 2016 in Tübingen und 2017 in Budapest findet die International Summer Academy „The Danube Region. Diversity as Challenge – Diversity as Potential“ in diesem Jahr vom 10. bis 16. September an der Babeş-Bolyai- Universität Cluj-Napoca/Klausenburg statt. Die Summer Academy richtet sich an Masterstudierende und Doktoranden. Die Jahrestagung des IdGL wird vom 22. bis 24. November 2018 in Kooperation mit dem Lüneburger Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa durchgeführt. Sie wird sich dem Thema „Migration und Sehnsuchtsräume im Osten (18. und 19. Jahrhundert): Erfahrungswelten ‚gemeiner‘ Leute“ widmen.

Im Sinne des Dokumentationsauftrags des IdGL werden das Archiv und die Sammlungen des Instituts kontinuierlich erweitert. Hingewiesen wurde auf die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit Archivalien der Landsmannschaften und ihrer Gliederungen. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben wurde als positives Beispiel eines Bundesverbandes angeführt, der sein Archiv dem IdGL übergeben hat. Das Institut informierte über die Übernahme des Nachlasses von Richard Weber (Karlsruhe), der sich zeitlebens mit der Geschichte seiner Heimatstadt Temeswar befasst hat, wie auch über die bevorstehende Übernahme des umfangreichen Vorlasses des Lugoscher Heimatforschers Heinrich Lay (Mühldorf am Inn).

Die Vertreter der Landsmannschaften berichteten aus ihrer Tätigkeit und über Planungen für 2018.