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Banater Post

Guter Beobachter und feiner Erzähler

Johann Lippet las in Ulm Erzählungen und Gedichte. Foto: Waltraut Rumesz

Es sind die Kleinigkeiten im Alltag, die, zu einem Puzzle zusammengesetzt, das Ganze ausmachen. Johann Lippet ist ein ganz genauer Beobachter. Die Beobachtungen schreibt er auf und malt damit ein Bild. So wirken die kurzen Geschichten, die in seinem Buch „Wegkreuze“ (Pop Verlag Ludwigsburg, 2017) zusammengefasst sind. Scheinbar emotionslos schildert er Situationen, die beim Leser (und Hörer) doch viel Betroffenheit auslösen. „So fand auf Friedhöfen in Deutschland und Rumänien die letzte Familienzusammenführung statt“, heißt es am Ende der Erzählung „Familienzusammenführung“, die er auch beim Kulturnachmittag im Kultur- und Dokumentationszentrum (KDZ) der Landsmannschaft in Ulm vorlas.

Johann Lippet seziert die Gegenwart, seinen Alltag in der Nähe von Heidelberg, genauso wie die Vergangenheit. In zahlreichen Büchern hat er bereits ein eindrucksvolles Panorama des Alltagslebens auf den banatschwäbischen Dörfern heraufbeschworen – in der ihm eigenen unpathetischen, aber akribisch genauen Art. In seinen Romanen „Die Tür zur hinteren Küche“ und „Das Feld räumen“ (eigentlich zwei Bände desselben Romans) schildert Lippet die langsamen aber stetigen Veränderungen des Banater Dorflebens im Rumänien der Nachkriegszeit. Diese Romane, die erst kürzlich ins Ungarische übersetzt worden sind, waren aber nicht primär das Thema der Lesung im Ulmer Kultur- und Dokumentationszentrum.

Nach den „beobachteten, gehörten, gelesenen“ Geschichten aus dem Band „Wegkreuze“ las Lippet noch aus seinem neuesten, ebenfalls im Ludwigsburger Pop-Verlag erschienenen Gedichtband „Kopfzeile, Fußzeile“. Auch hier, diesmal aus der lyrischen Warte, Beobachtungen, Eindrücke, Momentaufnahmen: „Das Dorf ruht. Festgezurrt im Kopf, tief verankert,/ festgemacht an den Himmelsrichtungen, so daß/ich, ob Tag oder Nacht hin kann, mir vortäuschend,/ daß alles noch so ist wie in Kindertagen, ich sogar/das Läuten der Kirchglocken im Abspann hören kann.“

Der poetische Nachmittag mit Johann Lippet fand eine interessierte und dankbare Zuhörerschaft.