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Banater Post

Als Banater Autor wirken. Literaturstunde beim Heimattag

Balthasar Waitz

Katharina Sigrid Eismann

Marius Koity

Der Schatten unserer Banater Geschichte ist lang und wird immer länger, je weiter wir uns von der Vergangenheit entfernen. Geschichte lässt sich jedoch nicht umkehren, und jedes Volk hat Traditionen, Lieder, Legenden, Erzählungen oder schlicht ein Stück Vergangenheit von seinen Vorfahren geerbt, auf die es ein Anrecht hat. Die Geschichte dieser Vergangenheit gilt es lebendig zu halten. Das bewirken heutige Generationen am besten, wenn sie davon erzählen.

Unsere Banater Autoren erzählen über ihre Vergangenheit und Gegenwart, um das Banat authentisch wirken zu lassen, das die Vorfahren erlebt und das die Nachfahren gekannt haben oder kennenlernen möchten. Literatur lässt Geschichte lebendig werden. Die Autoren, die in Ulm auf dem „Grünen Sofa“ der Literatur Platz nehmen, erzählen von ihrer Heimat. Balthasar Waitz hat seinem neuen Roman „Das rote Akkordeon“ das Motto vorangestellt: „Ich erzähle bloß, damit man es weiß“. Marius Koity schildert in Tagebuchnotizen eine Reise im Bus vom Banat nach Deutschland. Katharina Sigrid Eismann verdichtet ihre Erinnerungen an die Stadt und das Land ihrer Kindheit in Poesie und Prosastücken. Alle Geschichten, alles Wissenswerte und viele Erinnerungen fügen sich behutsam zu einem Geflecht zusammen, wie es nur den Dichtern gelingt, die das Schreiben und Erzählen lieben. Sie liefern großartige Gedichte, Romane, Erzählungen, Essays, Reportagen, die unsere Erinnerung wachhalten und in die Bücher der gesamtdeutschen Geschichte eintragen.

„Als Banater Schwaben wirken. Begegnung – Geschichte – Kultur“ ist das Motto des Heimattags 2018 in Ulm. Wie seit einigen Jahren schon, nehmen auch diesmal drei Autoren aus dem Banat auf dem „Grünen Sofa“ Platz: Katharina Sigrid Eismann, Marius Koity und Balthasar Waitz. Die von Katharina Kilzer und Walter Roth moderierte Lesung findet am Sonntag, dem 20. Mai, um 13.30 Uhr im Konferenzraum 2 der Donauhalle statt.

Die Autoren

„Die Seele ist ein Zugvogel, sie lebt aus dem Wolkenkoffer“, dichtet die 1964 in Temeswar geborene Künstlerin und Poetin Katharina Sigrid Eismann, die kurz vor Pfingsten im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm (DZM) die Ausstellung „Nach dem Fest das Fest. Eismann & Bonifer & Eismann Projekt“ eröffnet. Ihre Eindrücke vom Mainbogen in ihrer Heimat Offenbach bis zur Donaumündung beschreibt sie in ihren Werken. Ihr Kunstprojekt schildert die spektakuläre Flucht einer Gruppe Banater Schwaben nach einem Dorffest über die rumänische Grenze in den Siebzigern. Zusammen mit dem bildenden Künstler Hagen Bonifer inszeniert sie poetisch eine künstlerische Tafel mit Zitaten aus ihrem Bordbuch, die der Konzeptkünstler Sven Eismann auf echte Gleisbohlen stellte.

Auf dem „Grünen Sofa“ liest die einstige Lenauschülerin Texte aus ihrem Lyrikband „Reise durch die Heimat. Von Offenbach nach Temeswar“, der 2017 im Größenwahn Verlag, Frankfurt erschienen ist. Ihre Gedichte beschreiben den Josefstädter Markt, die Temeswarer „Elektrisch“, ein Trachtenspektakel, das Freidorfer Treffen in Nürnberg oder poetisieren den Wortwechsel im Donaukilometer – sie leben von der Erinnerung, der subtilen Beobachtung von Menschen und Orten im Rückgriff auf Kindheit und Jugend. Katharina Sigrid Eismann lebt und dichtet in Offenbach am Main.

„Ich habe in Deutschland schon mehr gewonnen, als ich in Rumänien verloren habe“, stellt ein Mitreisender von Marius Koity in seiner Road-Movie-Prosa fest – eine Reisebeschreibung vom Banat nach Deutschland. Diese wird der Autor in Ulm vorlesen. Der Schriftsteller Marius Koity, 1966 in Großsanktnikolaus geboren, war auch Schüler der Lenauschule in Temeswar und verließ erst nach der Wende, 1992, das Land Richtung Westen. In Rumänien arbeitete er während des Wehrdienstes als Bergbausoldat unter Tage in einer Steinkohlengrube und absolvierte im Fernstudium Germanistik und Rumänistik an der Universität Bukarest, um als Redakteur deutscher Zeitungen sein Brot zu verdienen. Im Westen ließ er sich in Thüringen nieder, wo er für die „Ostthüringer Zeitung“ schreibt und seit 2012 als Redaktionsleiter für einige Lokalausgaben arbeitet.

1984 erschienen in der „Neuen Banater Zeitung“ und „Neuen Literatur“ erste Gedichte. Koity schrieb weiter zahlreiche Berichte, Erzählungen, Reportagen für die „Neue Zeitung“ in Budapest, die „Südostdeutschen Vierteljahresblätter“ in München, „Palmbaum“ in Jena und „Ostthüringer Zeitung“; er veröffentlichte Beiträge in deutschen, rumänischen und russischen Anthologien und las aus seinem Werk am Literaturtelefon, im Internet, bei Einzel- und Gruppen-lesungen. 2016 veröffentlichte er im Pop Verlag Ludwigsburg den Gedichtband „Eine unvermeidliche Collage“, wofür er den Debütpreis 2017 erhielt. 1986 erhielt er den Adam-Müller-Guttenbrunn-Förderpreis in Temeswar, 1987 den gleichnamigen Literaturpreis und 2016 den Journalistenpreis Thüringen.

„Ich erzähle bloß, vielleicht ist es nicht wichtig. Vielleicht ist es gar nicht mehr wahr“, schreibt der 1950 in Nitzkydorf geborene Balthasar Waitz in seinem Roman „Das rote Akkordeon“, im Cosmopolitan Art Verlag Temeswar 2017 erschienen. Nach Abschluss des deutschen Lyzeums in Reschitza studierte er Germanistik in Temeswar und arbeitete als Lehrer und später als Journalist bei der „Neuen Banater Zeitung“. Er schreibt Prosa, Lyrik, er übersetzt und veröffentlicht in deutschen Publikationen in Rumänien. Als Mitglied des Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturkreises Temeswar unterzeichnete er 1984 gemeinsam mit Herta Müller, Richard Wagner, William Totok, Johann Lippet und Horst Samson einen Protestbrief an die Rumänische Kommunistische Partei.  Seine Prosa – „Krähensommer und andere Geschichten aus dem Hinterland“ (2011), „Menschen und andere Träume“ (2016) – und seine Gedichte sind in seiner Heimat Banat verankert, die Balthasar Waitz nie verlassen hat. 2012 erhielt er den Nikolaus-Berwanger-Preis des Rumänischen Schriftstellerverbandes, Filiale Temeswar, 2015 den Sonderpreis der Jury für den Lyrikband „mit schwalben am hut“ und 2016 einen weiteren Sonderpreis. Balthasar Waitz lebt in Temeswar und arbeitet für die „Banater Zeitung“.

Die Moderatoren

Katharina Kilzer, 1959 in Jahrmarkt geboren, Schülerin der Lenauschule in Temeswar und Lizentiatin in Germanistik, kam 1982 nach Deutschland und lebt heute in Wiesbaden. Seit 28 Jahren ist sie in der
politischen Redaktion der F.A.Z. tätig. 1982 debütierte sie mit Gedichten in der „Neuen Literatur“. Es folgten weitere Veröffentlichungen in  deutschen und rumänischen Zeitschriften und Zeitungen. Sie ist Herausgeberin des Sammelbandes „Geist hinter Gittern“ (2013), Herausgeberin und Übersetzerin von Ana Blandianas Essaysammlung „In einer spanischen Herberge“ (2012) sowie ihres Erzählbandes „Die vier Jahreszeiten“ (2015). In diesem Jahr stellte sie auf der Leipziger Buchmesse zwei neu herausgegebene Bücher Blandianas vor: „Wozu Dichter in dürftiger Zeit“ (Reden und Essays) und „Geschlossene Kirchen“ (Gedichte).

Walter Roth, 1959 in Bruckenau geboren, war ebenfalls Schüler der Lenauschule sowie des Industrie-
lyzeums Nr. 7 in Temeswar. Er wirkte bis zu seiner Flucht aus Rumänien 1987 als Schauspieler am Deutschen Staatstheater Temeswar. Nach einem abgebrochenen Architekturstudium in München arbeitete er als Bauzeichner und CAD-Trainee, bis er dann eine Tätigkeit als Schauspieler am Sandkorn-Theater in Karlsruhe aufnahm, wo er in so denkwürdigen Rollen wie die des Schlomo Herzl in George Taboris Groteske „Mein Kampf“ oder aber auch die des Butlers in „Dinner for one, wie alles begann“ zu sehen war. 2004 gründete er den Wa-Ro-Verlag, in dem mehrere eigene Prosabände und Übersetzungen sowie Bücher anderer Autoren erschienen sind. Roth lebt und wirkt in Heidelberg.