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Banater Post

Lieder, die unter die Haut gehen und berühren

Mara Kayser und ihr Bruder Michael Reinholz im Duett

Die Darbietungen des Freiburger Singkreises unter der Leitung von Anton Bleiziffer weckten Heimatgefühle. Fotos: Karl Hell und Katharina Hell

Ein Konzert der Superlativen für den guten Zweck im Kulturgebäude Leingarten (von rechts): Mara Kayser, Michael Reinholz und Sepp Werner am Keyboard mit dem Freiburger Singkreis im Hintergrund

Lange bevor der letzte Kuchen aufgeschnitten war, trafen sich viele fleißige Helfer am 17. März in den Räumen des Kulturgebäudes in Leingarten, um die Vorbereitungen für den bevorstehenden Begegnungsnachmittag und Konzertabend zu treffen. Kurz vor 15 Uhr trafen auch schon die ersten Gäste ein. Musikalisch wurden sie von Kara und Anton Kappes begrüßt, die mit ihrer Musik nicht nur Heimatgefühle weckten, sondern auch gute Laune verbreiteten. Bei heimatlichen Weisen, Kaffee und leckerem Kuchen tauschten sich die Gäste aus. Christel Muranyi traf ehemalige Nachbarn im hohen Alter von 85 und 90 Jahren und war hingerissen: „Dass ich sie nach so langer Zeit wiedersehen konnte, war für mich die größte Freude. Zu sehen, dass manche Dinge sich dann doch nicht ändern und ihre Freude und Herzlichkeit nach so vielen Jahren noch Bestand haben, hat mich unglaublich begeistert.“

Und es sollte nicht die einzige rührende Begegnung an diesem Nachmittag bleiben. Überall sah man strahlende Gesichter, in denen sich die Wiedersehensfreude widerspiegelte. Mittendrin eines der bekanntesten Gesichter Sanktannas: Unsere Mara Kayser, die sich sichtlich wohlfühlte im Kreise ihrer Landsleute und Fans. Letztere waren eigens aus weiter Entfernung angereist, um ein Konzert der Extraklasse zu erleben und dabei eine gute Sache zu unterstützen. Für Caetan Muranyi, einer der 300 Gäste des Abends, war es ein Muss dabei zu sein: „Es war abzusehen, dass es ein kleines Sanktannaer Treffen werden wird. Doch dann war ich schon etwas überrascht, als ich ein Weilchen brauchte, bis ich den ehemaligen Schulfreund oder Nachbarn wiedererkannte. Nahtlos an alte Zeiten anknüpfen zu können war einfach schön.“

Währenddessen bereiteten im großen Saal die Licht- und Tontechniker Michael Reinholz, Sepp Werner, Karl Hell und Valentin Hell akribisch genau den Abend vor. Eine kleine Probe dazwischen für die Feinabstimmung klappte problemlos. Der kleine Saal und das Foyer füllten sich nach und nach. Hier konnten sich die Gäste über den Förderverein „Mutter-Anna-Kirche Sanktanna“ informieren und Bastelarbeiten erwerben. Ganz nach dem Banater Motto „Nichts wird weggeschmissen, alles ist noch für irgendetwas gut“ hatten Landsleute nette Kleinigkeiten gebastelt und dem Förderverein zur Verfügung gestellt. Der Nachhaltigkeitsgedanke stand dabei Pate.

Zur Saalöffnung waren bereits viele Leingartener Bürger erschienen, zumal die Werbetrommel für das Benefizkonzert kräftig gerührt worden war. Der Veranstaltungsraum bot ein wunderbares Ambiente für das musikalische Programm. Die weißen Birkenstämmchen auf der Bühne, geschmückt mit selbstgebastelten Ostereiern, hoben sich vom schwarzen Hintergrund ab und die Frühlingsblumen setzten wirkungsvoll bunte Farbtupfer. Das Bühnenbild passte harmonisch ins Gesamtbild des Tages.

Nach der Begrüßung der Gäste durch Katharina Hell seitens des Fördervereins eröffnete Mara Kayser mit „Ich zeig dir meine Welt“ das Konzert. Und sie hielt Wort: Für die Zuschauer breitete sie einen wahren Liederteppich aus und gewährte Einsicht in eine Welt voller Gefühle und voller Phantasie. So sang sich Mara in die Herzen ihres Publikums und ließ die begeisterten Zuhörer selbst mitsingen. Im Duett bildeten Mara Kayser und Michael Reinholz, ihr Bruder und musikalischer Partner in der Begleitband „Eurosound“, zu der auch Sepp Werner zählt, eine harmonische Einheit. Zusammen sangen beide auch Sanktannaer Ständchenlieder, eine besondere Liedgattung, die auf den Brauch des Ständchensingens zurückgeht. Zu den meistgesungenen Liedern dieser Art zählten „Abends steht beim Fensterlein“ und „Schönster Schatz, verzeih es mir“, letzteres durch die seinerzeit von Anton Bleiziffer gegründete Jugendkulturgruppe bekannt gemacht. Welche Erinnerungen dabei an dem geistigen Auge der Sanktannaer Zuhörer vorbeizogen, kann man sich ausmalen.

Der „Freiburger Singkreis“, der extra mit einem großen Reisebus angereist war, überbrachte „Grüße aus Freiburg“, ein altes Wanderlied in der Bearbeitung von Anton Bleiziffer, dem Leiter des Freiburger Singkreises. Die meisten dargebotenen Lieder stammten aus seiner Feder. Bleiziffer wurde aufgrund seiner kulturvermittelnden Tätigkeit bereits mehrfach ausgezeichnet. Auch die von ihm 1968 komponierte „Kirchweihpolka“ durfte nicht fehlen. Solistisch glänzten Theresia und Josef Rentz sowie Elfriede Mayer. Die Lieder des Singkreises haben sich, wie es Herbert Hellstern, der Vorsitzende des Fördervereins, formulierte, „durch besondere Treue zur Heimat Sanktanna ausgezeichnet und sind den Sanktannaern zu Herzen gegangen“.

Herbert Hellstern schwärmte nach dem Konzert: „Die Reaktionen des Publikums waren überwältigend. Das ist den sehr zu Herzen gehenden Schlagern von Mara Kayser sowie den Beiträgen des Singkreises zu verdanken. Ich werde diesen Abend in unvergesslicher Erinnerung behalten. Ich und bestimmt auch viele im Publikum sind Zeuge eines musikalischen Hochgenusses geworden.“

Aus dem Publikum gab es in der Tat viele positive, zum Teil emotional bewegende Rückmeldungen. Mara Kaysers Fans meinten, der Freiburger Singkreis hätte in ihnen bis dato nicht dagewesene Heimatgefühle geweckt, die Lieder seien ihnen „unter die Haut gegangen“. So ein klares Bekenntnis zur eigenen Identität habe sie beeindruckt. Sie seien eigentlich von einem klassischen Mara Kayser-Konzert ausgegangen und hätten einen solch emotional bewegenden Abend nicht erwartet. Es kam sogar die Frage auf, ob die Lieder von Anton Bleiziffer nicht auch von ihren Chören gesungen werden könnten. Auch Fragen von Leingartener Konzertbesuchern zum Banat und den Banater Schwaben blieben nicht aus. So trug dieser Abend ganz unverhofft zur Aufklärung in Bezug auf unsere Geschichte und kulturellen Traditionen bei.

Voll des Lobes war auch Caetan Muranyi. Er selbst war jahrelang Mitglied des Freiburger Singkreises und ist stolz darüber, dass heute sowohl seine Tochter Christine als auch seine elfjährige Enkelin Lea mitsingen. Der Abend sei ein kulturelles Ereignis gewesen und emotional sehr ans Herz gegangen. „Dass man dabei noch die Gelegenheit hatte, einen bescheidenen Beitrag zur Renovierung der Mutter-Anna-Kirche zu leisten, verleiht dieser Veranstaltung zusätzlich Gewicht“, gibt er zu bedenken. Beeindruckend fand er das gesamte Ambiente, das Katharina Hell mit ihrem Helferteam geschaffen hat. Man habe sich willkommen und gut aufgehoben gefühlt.

Dass der Abend ein großer Erfolg wurde, ist vor allem unserem musikalischen Aushängeschild Mara Kayser zu verdanken. Mit ihrer zauberhaften Stimme, samtweich und dennoch stark und wirkungsvoll, berührte sie die Seele der Zuhörer, die sich zu Beifallsstürmen hinreißen ließen. „Ich war sehr beeindruckt. Habe mich sehr wohl gefühlt. Es war einfach ein sehr herzlicher, emotionaler Abend, den ich sehr genossen habe“, schrieb eine Zuhörerin aus Leingarten der Künstlerin nach dem Konzert. Mara Kayser lebt ihre Musik und geht mit jedem Takt in der Musik auf. Aber nicht nur das: Sie nimmt jeden Zuhörer mit und lässt ihn teilhaben an ihrer Gefühlswelt. „Die Professionalität von Mara Kayser und ihres Teams hat das Publikum mitgerissen“, resümierte Herbert Hellstern.

An der Seite ihres Produzenten Wolfgang Herrmann hat sich die Sängerin auch zu einer außer-
gewöhnlichen Textdichterin entwickelt, die auch für andere Künstler schreibt. „Unser kleines Lied“ stammt beispielsweise aus ihrer Feder und ist der Erinnerung an ihre Mutter gewidmet: „Mit diesem Lied bist du immer bei mir./ Mein ganzes Leben verdanke ich dir;/ an deiner Hand war auch der schwerste Weg ganz leicht. / Wenn dieses Lied auch verblasst mit der Zeit, / es legt die Spur in die Ewigkeit./ Wenn alles vergeht, / ich weiß, die Liebe, sie bleibt.“ Bei diesem Lied sind verständlicherweise Tränen im Publikum geflossen.

Als Mara Kayser am Ende des Konzerts von der Kirche ihrer Kindheit schwärmte, von deren guten Akustik und den Erinnerungen, die sie damit verbindet, war klar, dass auch sie mit ganzem Herzen hinter diesem Benefizkonzert zugunsten der Renovierung der Mutter-Anna-Kirche in Sanktanna steht. Dass sie sich für eine Sache einsetzen kann, hatte die Künstlerin schon mehrfach durch die Unterstützung verschiedener Projekte bewiesen. Solch mitfühlende und entschlossen handelnde Menschen sollte es mehr geben.

Der Vorstand des Fördervereins „Mutter-Anna-Kirche Sanktanna“ dankt von ganzem Herzen Mara Kayser, Michael Reinholz, Sepp Werner, Anton Bleiziffer und dem Freiburger Singkreis für das ehrenwerte Engagement zugunsten der Renovierung der Mutter-Anna-Kirche in Sanktanna. Ebenso ergeht der verdiente Dank an alle, die durch ihren löblichen Einsatz bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Veranstaltung einen Beitrag geleistet haben. Danke an die Spenderinnen von Kuchen, Hefestrudel und Salzkipfel, an alle, die keine Mühe gescheut und den weiten Weg auf sich genommen haben, um diese Aktion zu unterstützen. Caetan Murany brachte es auf den Punkt: „Trotz Schneesturms traten wir den Heimweg glücklich und zufrieden an. Jede Mühe hat sich gelohnt, fühlte es sich doch an wie in jungen Jahren, als wir mit einem ähnlichen Gefühl das Kulturhaus in Sanktanna nach einem gelungenen Theaterabend mit dem Vetter Matz vun Hopsenitz verlassen haben. Es hat Spaß gemacht dabei zu sein und Freude, dies alles miterleben zu dürfen. Der Erfolg sei allen gegönnt.“

Weitere Bilder vom Konzert sind auf www.mutter-anna-kirche.de eingestellt.