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Banater Post

Seine Liebe ist stärker als der Tod

Das Heilige Grab in der Karwoche in den 1960er Jahren in der Kirche in Großsanktnikolaus. Foto: Hans Hehn

Osterbotschaft von Adam Possmayer

Alle Hoffnung aufgeben, in gänzlicher Verzweiflung leben, das ist die reinste Hölle. So beschreibt es auch Dantes „Göttliche Komödie“. „Lasst alle Hoffnung fahren!“ steht über dem Eingang, der zum Inferno führt. Es gibt nichts Lebensnotwendigeres für uns Menschen als die Hoffnung. Sie treibt uns an und hält uns am Leben. Wir lernen sie bereits in der Kindheit kennen, durch die Märchen, die uns erzählt werden. Sie alle leben von der Hoffnung oder sogar von der Gewissheit, dass das Gute über das Böse, der Schwache über den Starken, der Gedemütigte über den Hochmütigen siegen wird. Märchen schenken Hoffnung, so dass man sich bereits als Kind öffnen kann für  Selbsterkenntnis, für gute Lösungen und Lebenswege.

Auch als Erwachsene spüren wir, wie wichtig die Hoffnung ist in unseren Sehnsüchten und Wünschen, in unseren Tagträumen, da wo wir uns mit unserer Welt, so wie sie nun mal ist, nicht abfinden mit all dem Schweren und Dunklen, das uns begegnet,  mit Krieg und Terror, mit Vertreibung und Verschleppung, Armut und Ungerechtigkeit, mit Behinderungen, Krankheiten und Tod.

Wir sehnen uns nach einer gerechten, nach einer friedlichen Welt, nach einer Welt, in der die Liebe stärker ist als der Hass, nach einer menschlichen Welt, in der das Licht stärker ist als die Finsternis, in der das Leben stärker ist als der Tod! Im Grunde ist diese mit Hoffnung gepaarte Sehnsucht der einzig realistische Zustand bei uns Menschen.

Wer aber sagt uns mit letzter Gewissheit, dass unsere auf den Sieg des Guten und der Gerechtigkeit ausgerichtete Hoffnung, dass unsere Sehnsucht nach dem ewigen Leben nicht ins Leere geht?

In diese Fragestellung hinein trifft uns die Botschaft von Ostern, das Evangelium, das bezeugt, dass nur Gott allein auch unsere größten Hoffnungen und unsere gewagtesten Sehnsüchte erfüllt, ja dass er sie sogar überbietet in einer Weise, wie sie unsere kühnsten Phantasien und Träume nicht erahnen lassen.

Ostern schenkt uns die Gewissheit, dass die Liebe stärker ist als Hass und Abneigung, Missgunst und Feindschaft, Eifersucht und Zwietracht. Sie alle sind heute gegenwärtiger denn je, wenn skrupellose Machthaber und ganze Terrornetzwerke unsere Welt mit Tod und Vernichtung überziehen. Wie viel Hass und Verachtung muss in diesen Menschen stecken, die mit Bomben unschuldige Kinder und Erwachsene in den Tod reißen! Sie alle legen die Liebe immer wieder auf’s Kreuz, doch sie haben keine Zukunft.

Lassen wir uns von Hass und Menschenverachtung niemals anstecken! Lassen wir uns senden, der Welt die Hoffnung durch die Erlösung in Christus zu bringen. Wenn wir Gott danken, dass mit dem Fall des Eisernen Vorhangs vor fast 30 Jahren die Einigung Europas beschleunigt wurde, dann stellen wir, die wir einst als Vertriebene oder Aussiedler die Heimat verloren haben, fest, dass auch unsere Hoffnungen, nicht sinnlos waren. Wer auf Gott vertraut, hat auf festen Grund gebaut. Das irdische Schicksal, auch wenn es einem zusetzt, wird durch ihn in etwas Neues und Gutes verwandelt.

Lassen wir uns auch dann nicht verunsichern und entmutigen, wenn unsere Liebe immer wieder auf Ablehnung und Widerstand stößt, wenn wir oft den Eindruck haben, wir seien die Dummen dieser Welt, weil wir auf Lieblosigkeit nicht mit Lieblosigkeit antworten, wenn wir unter der Ohnmacht unserer Liebe leiden. Seit Ostern wissen wir: die Liebe ist stärker, die Liebe hat den längeren Atem. Das Wagnis der Liebe lohnt sich.

Seit dem Ostermorgen wissen wir: die Liebe ist auch stärker als Kreuz und Leid. Das Kreuz ist nicht das Ende. Hinter dem Kreuz, hinter dem Karfreitag, strahlt Ostern auf! Das Kreuz ist durch die Liebe überwunden.

Wir alle machen die Erfahrung, dass das Leben schwer und dunkel werden kann. Enttäuschungen, Sorgen, zerbrochene Beziehungen, physische oder psychische Krankheiten machen uns zu schaffen. Durch Ostern wurde das alles nicht einfach aus der Welt geschafft.

Aber eines kann Ostern aus der Hoffnung heraus, dass Gott auf unserer Seite steht: Es kann uns helfen, nicht aufzugeben, nicht zu verzweifeln, nicht zu resignieren, sondern zu vertrauen, dass Gott auch uns rettet, so wie er seinen eingeborenen Sohn gerettet hat.

Seit der Auferstehung unseres Herrn und Gottes wissen wir: das Wesensmerkmal jeder Liebe ist, dass sie Ewigkeit will, dass sie deshalb zum geliebten Menschen sagt: „Du darfst nicht sterben!“ Und dann machen wir die schmerzliche und bittere Erfahrung, dass auch der geliebte Mensch sterben muss, dass ihn unsere Liebe nicht am Leben halten kann, dass der Tod stärker ist als die Liebe, die uns Ewigkeit versprochen hat. Enttäuscht und verletzt fragen wir uns: Haben wir uns etwas vorgegaukelt, was gar nicht sein kann, was viel zu schön wäre, um wahr zu sein? Haben wir uns getäuscht?

Und auch da sagt uns wieder die österliche Botschaft: „Deine Ahnung stimmt!“ Deine Hoffnung reicht über den Tod hinaus. Weil es einen treuen und liebenden Gott gibt, der jeden Einzelnen von uns liebt, sagt er auch zu jedem von uns: „Du sollst leben! Du darfst nicht sterben!“ Ihm dürfen wir vertrauen, denn seine Liebe ist stärker als der Tod. So ist Ostern ein Fest des Lebens! Jesus selbst lebt weiter und mit ihm unsere begründete Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus!

Was wären wir doch für ein hoffnungsloser Haufen ohne diese Botschaft, die uns ansteckt mit einer Zuversicht, aus der wir leben können nicht nur in guten, sondern auch in dunklen und schweren Tagen.

Lasst uns diese frohe Botschaft in uns aufnehmen und auch andere damit anstecken. Dann wird Ostern nicht nur ein festlicher Tag werden, sondern die treibende Kraft in unserem Leben und die Hoffnung unserer Welt!

In diesem Sinne Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Osterfest!