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Banater Post

„Buwe, was han mer heit? – Kerweih in Darowa!“

Zu traditioneller Blasmusik marschieren die Kirchweihpaare auf den Platz vor dem Kulturheim, wo mit Kirchweihspruch, Verlosung von Hut und Tuch und Tänzen der weltliche Teil des Festes vonstatten ging.

Die Vortänzer Käthe und Hans Winze trugen den Kirchweihspruch vor.

Zur Gestaltung des Kirchweihfestes haben neunzehn Paare in Darowaer Tracht, die Reschitzaer Volkstanzgruppe „Enzian“ sowie die Kapelle „Original Banater Echo“ beigetragen. Fotos: Erwin Josef Ţigla

Lange ist es her, als man alljährlich in Darowa noch das traditionelle Kirchweihfest feierte. Seit vielen Jahren hat man dort das bekannte „Buwe, was han mer heit?“ nicht mehr vernommen und auch keine „Kerweihsprüche“ mehr gehört. Und in der römisch-katholischen Ortskirche, die mittlerweile von den griechisch-katholischen Gläubigen genutzt wird, wurde schon lange kein Kirchweihgottesdienst mehr gefeiert. Dieses Jahr war es aber anders, denn es stand ein besonderes Jubiläum an: 230 Jahre, seitdem die ehemalige deutsche Ortschaft gegründet wurde. Das Jubiläum sollte gebührend begangen werden, und so einigten sich die Heimatortsgemeinschaft Darowa und das Bürgermeisteramt der Gemeinde Darowa auf eine Jubiläumsfeier mit Kirchweihfest am letzten Augustwochenende. Der Einladung der beiden Mitveranstalter sind über 250 Landsleute aus Deutschland gefolgt, um in der alten Heimat gemeinsam das 230-jährige Bestehen des Ortes und Kirchweih zu feiern. Und die Darowaer brachten Tanzgruppe, Kirchenchor und Blaskapelle gleich mit.

Da viele ausgewanderte Banater Schwaben aus Darowa in Spaichingen eine neue Heimat gefunden haben, war auch der Bürgermeister der Stadt, Hans Georg Schuhmacher, zur Jubiläumsfeier angereist. „Ich lebe schon seit langer Zeit mit den Banater Schwaben zusammen. Schön ist, dass sie ihre ursprüngliche Heimatkultur mit nach Spaichingen genommen haben. Nun, zum Anlass der Feier ‚230 Jahre Darowa‘, will ich das Ganze auch mit Bildern und Eindrücken fühlen und deswegen bin ich heute hierhergekommen“, sagte Schuhmacher. Gekommen waren auch weitere Ehrengäste, so der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB), Erwin Josef Ţigla, und der Direktor der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung aus Temeswar, Helmut Weinschrott. Ţigla hatte auch die Reschitzaer deutsche Volkstanzgruppe „Enzian“ mitgebracht.

Bereits am Freitag wurde der „Kerweihboom“ auf dem Platz vor dem Kulturheim aufgestellt. Am Abend gab es dann ein Tanzfest in Lugosch, bei dem die Kapelle „Original Banater Echo“ unter der Leitung von Manfred Ehmann, verstärkt  durch Mitglieder der Darowaer Dorfschwaben Musikanten, aufspielte. Es war sozusagen eine Einstimmung auf das bevorstehende Fest.

Am Samstag, dem 27. August, war es dann endlich soweit. In Darowa war wieder, wie einst, der Ruf „Buwe, was han mer heit?“ zu hören. Neunzehn Paare in Original Darowaer Kirchweihtracht – türkiser Seidenrock, weiße Schürze, weiße Bluse und schwarzes Leibchen – und zwölf Mitglieder der Reschitzaer Volkstanzgruppe „Enzian“ machten sich mit Marschmusikbegleitung auf den Weg zur Kirche. Angeführt wurde der stattliche Kirchweihzug vom Vortänzerpaar Hans und Käthe Winze mit dem buntgeschmückten Kirchweihstrauß. So viele Gottesdienst-besucher wie an diesem Tag hatte die altehrwürdige Kirche schon lange nicht mehr verzeichnet. Die heilige Messe wurde von dem Severiner
Dekan und Lugoscher Pfarrer Mihai Titi Dumitresc gemeinsam mit Monsignore László Wonnerth, Domherr und Pfarrer von Temeswar-Freidorf, Daniel Pozsonyi, Kaplan in Lugosch, und Ioan Grad, Ehrendekan und griechisch-katholischer Priester von Darowa, zelebriert. Der Kirchenchor unter der Leitung von Monika Bati begleitete den Gottesdienst musikalisch und sang altbekannte Lieder, wie das Marienlied „Mit frohem Herzen will ich singen“. Die heilige Messe war feierlich und bewegend zugleich. Bei den meisten Landsleuten mischten sich Erinnerungen an Feste in längst vergangenen Zeiten mit der Freude, diesem besonderen Ereignis beiwohnen zu können. Und so verwundert es nicht, dass so manche Träne vergossen wurde. Nach der Messe spielte die Blaskapelle zum Tanz vor der Kirche auf.

Der Schauplatz des Geschehens verlagerte sich sodann in den Friedhof. Mit einer kurzen Andacht und einer Kranzniederlegung wurde aller Verstorbenen, ganz gleich wo sie ihre letzte Ruhe gefunden haben, gedacht. Die Andacht wurde von Pfarrer Dumitresc gestaltet und vom Kirchenchor musikalisch umrahmt. Die Besucher waren vom gepflegten Aussehen des Heimatfriedhofs sehr angetan. Wie bereits berichtet, konnte der Friedhof – dank der Spendenbereitschaft unserer Landsleute und der Unterstützung seitens der Gemeinde – instandgesetzt und neugestaltet werden. Für den Beitrag, den viele dafür geleistet haben, möchte sich der HOG-Vorstand nochmals bedanken.

Bei dem anschließenden festlichen Gemeinschaftsessen im frisch renovierten Kulturheim konnten sich die Festgäste stärken. Die Speisen – Supp un feine Nudle, gfilltes Kraut, Ausgebacknes un Grumbiere – schmeckten allen bestens. Zum Nachtisch gab es verschiedenste Sorten Kleingebäck. Nach der Ansprache des Darowaer Bürgermeisters Sorin Tilihoi, der die Banater Schwaben in ihrer
alten Heimat herzlich willkommen hieß, und der Rede des Spaichinger Bürgermeisters Hans Georg Schuhmacher wurde eine an der Fassade des Kulturheims, unterhalb des bekannten Mosaiks eines schwäbischen Trachtenpaares, eine Gedenktafel aus schwarzem Marmor zu Ehren der ehemaligen deutschen Bewohner in Darowa enthüllt.

Die Inschrift ist zweisprachig gehalten und hat folgenden Wortlaut: „Darowa 1786-2016. Diese Gedenktafel ist den ehemaligen deutschen Bewohnern – Banater Schwaben – anlässlich der 230-Jahr-Feier der Gemeinde Darowa gewidmet. Landsmannschaft der Banater Schwaben • Heimatortsgemeinschaft Darowa • Bürgermeisteramt Darowa / 27. August 2016“. Die Enthüllung der Gedenktafel nahmen die Bürgermeister Tilihoi und Schuhmacher vor, wonach Pfarrer Ioan Grad die Tafel segnete. Anschließend sprachen Hans Winze, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Darowa, und DFBB-Vorsitzender Josef Erwin Ţigla Grußworte.

Nach diesem feierlichen Moment erreichte das Kirchweihfest seinen Höhepunkt. Die Vortänzer Käthe und Hans Winze trugen vom Weinfass herab den traditionellen Kirchweihspruch vor: „Liebe Kerweihgäste von nah und fern,/ nach altem Brauch und alter Sitte/ begrüße ich euch heute in unserer Mitte,/ meine Landsleute und alle Gäste,/ heute zu unserem Kerweihfeste./ Schon lange haben wir erwartet dieses Fest,/ zu dem gekommen sind recht viele Gäst‘./ Die schwäbische Tracht mit geschmücktem Hut/ steht uns Mädchen und Buben recht gut./ Mit Rosmarein, mit Hut, mit Kerweihmusik und Kerweihzug,/ das Kirchweifest für Groß und Klein,/ alle wollen wir recht lustig sein./ So möge es noch viele, viele Jahre bleiben./ Die Darowaer Kerweih, sie lebe hoch, hoch, hoch!“

„Kerweihvatter“ Josef Backo „verlizitierte“ sodann „Hut und Tiechel“. Der Kirchweihstrauß wurde anschließend zu Anita und Sorin Bender „heimgespielt“ als Dank für ihren Einsatz. Das Ehepaar hatte unter anderem den „Kerweihboom“ frisch gestrichen und geschmückt. Auf den Platz vor dem Kulturheim zurückgekehrt, führten die Kinder- und Jugendtanzgruppe aus Spaichingen unter der Leitung von Brigitte Polling und Christine Wollanka sowie die Erwachsenentanzgruppe unter der Leitung von Hans und Käthe Winze den „Kathiländler“ und die Polka „Veilchenblaue Augen“ vor. Die Gastgruppe aus Reschitza zeigte einige traditionelle Volkstänze aus dem Banater Bergland. Bis in die späten Abendstunden hinein wurde zu deutscher und rumänischer Volksmusik gemeinsam gefeiert und getanzt.

Zum Abschuss der Reise besuchten die aus Deutschland mit dem Bus angereisten Landsleute die Wallfahrtskirche Maria Radna. Mit einem Koffer voller unvergesslicher Eindrücke und schöner Erinnerungen kehrten die Festteilnehmer in die neue Heimat zurück. Auch hier, in Spaichingen, wurde zwei Wochen später, anlässlich des Heimatortstreffens, an das Ortsjubiläum erinnert.

Wir bedanken uns bei Franz Aulila, dem Ehrenvorsitzenden der HOG Darowa, für die gute Organisation der Reise und der Festlichkeiten und bei allen Mitwirkenden, die die Festtage in Darowa zu einem unvergesslich schönen Erlebnis werden ließen.