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Banater Post

Banater Dichter dem Vergessen entrissen

Luzian Geier (stehend) referierte in Stuttgart über Leben und Werk des aus dem Banat stammenden Dichters Klaus Günther (1921-1982) im Beisein seiner Witwe (zweite von links) und weiterer Familienangehöriger; rechts im Bild der Kreisvorsitzende Franz Demele. Fotos: KV Stuttgart

Der Kreisverband Stuttgart hatte am Sonntag, dem 26. April, in den Großen Saal des Hauses der Heimat zu einem Vortrag über den 1921 in Altbeba geborenen und 1982 in Schorndorf verstorbenen Dichter Klaus Günther eingeladen. Referent war Luzian Geier (Augsburg), einer der wohl kundigsten Kenner der Banater Kulturgeschichte und langjähriger Redakteur der „Neuen Banater Zeitung“ in Temeswar. Gekommen waren über ein halbes Hundert Gäste, darunter die Ehefrau, die Tochter, ein Enkelkind und die Schwägerin des gewürdigten Dichters.

Die Begrüßung nahm der Kreisverbandsvorsitzende Gymnasiallehrer a.D. Franz Demele vor. Der Banater Chor des Kreisverbandes Stuttgart unter der bewährten Leitung von Hildegard Mojem gestaltete das musikalische Rahmenprogramm. Der Sänger Wilhelm Hack bot zusätzlich ein zum Inhalt des Vortrags passendes Solo mit dem Titel „Vaterhaus“. Auch die anderen Lieder haben die Stimmung des Nachmittags und der vorgetragenen Gedichte hervorragend getroffen. Zu Gehör kamen: „Am Brunnen vor dem Tore“, „Das Elternhaus“, „Wenn ich den Wandrer frage: Wo kommst du her?“ und „Ich kenn ein schmuckes Schwabendorf im herrlichen Banat“.

Das Referat trug den Titel „Die Erinnerung muss bleiben. Oder: Vater ging leise in den Krieg. In diesem Monat wäre der Dichter und Schriftsteller Klaus Günther 94 geworden“. Luzian Geier schickte voraus, dass nicht nur runde oder halbrunde Geburts- oder Sterbetage Anlass zum Gedenken und für eine Würdigung bieten. Gleichzeitig stellte er mit Bedauern fest, dass Klaus Günthers Namen weder bei den Banater Autoren noch bei den donauschwäbischen Persönlichkeiten im Internet vorkomme und auch sonst fast nichts über ihn in den neuen Medien zu finden sei. Deshalb ist es umso lobenswerter, dass Luzian Geier im Sinne des Titels seines Vortrags „Die Erinnerung muss bleiben“ den Autor nicht der Vergessenheit preisgeben lassen will.

Sein Vortrag, der sich eigentlich als Lesenachmittag verstanden wissen wollte, war eine Mischung aus Gedichtvorträgen, biographischen Erläuterungen und Würdigungen des Dichters. Dabei zitierte Luzian Geier auch aus einem in der „Banater Post“ vom 5. Mai 2001 erschienenen Gedenkartikel: „Der Banater Landwirtssohn Klaus Günther aus Altbeba, der spätere Dr. phil., Dichter, Schriftsteller und verdienstvolle Erzieher wäre am 19. April dieses Jahres achtzig geworden. Zu früh hatte den etwas unsteten Künstler (drei Jahre in Siebenbürgen, ein Jahr in Frankreich, 15 Jahre in Österreich, mehrere Jahre in Norddeutschland) eine lange, schwere Krankheit am 9. Juli 1982 in seiner neuen baden-württembergischen Heimat Schorndorf aus dem Leben und seinem literarischen Schaffen gerissen.“

Geier erwähnte, dass Klaus Günther Mitglied der „Künstlergilde Esslingen“ und des „Marburger Kreises“ war. Von ihm sind zu Lebzeiten zehn eigenständige Werke erschienen: Gedichtbände (Debütband „Empfindendes Wort“, Innsbruck 1957; zuletzt „Sonnenharfe“, Esslingen 1981), Geschichten und Erzählungen (unter anderem „Geständnisse einer Drehorgel. Geschichten aus dem Banat“, Heilbronn 1977), Märchen, Aphorismen, ein Roman („Der Regentänzer“, Darmstadt 1973) und ein Kinderbuch. Posthum ist noch die stark autobiografisch gefärbte Erzählung „Spiel der bangen Jahre“ erschienen.

er begnadete Schriftsteller ist mehrfach ausgezeichnet worden: 1955 erhielt er den Literaturpreis des Österreichischen College, 1961 den Lyrikpreis des Landes Hessen, 1968 den Förderpreis des vom Land Baden-Württemberg verliehenen Donauschwäbischen Kulturpreises und 1975 den Felix-Milleker-Preis.
Der einfühlsame Vortrag wurde von den Zuhörern äußerst positiv aufgenommen und mancher musste bei den vorgetragenen Heimatgedichten mit Tränen der Rührung kämpfen.

Heimat

Klaus Günther

Heimat: Süßer Glockenton
derer, die dich lieben,
rufen den verlornen Sohn,
der doch DEIN geblieben!

Rufe diesen Klagenden!
(Leid entströmt seinem Wort.)
Dass dem Entsagenden
Hoffnung nicht verdorrt.

Rufe diesen Wanderer, müde
fallen ihm die Augen zu;
Sehnsucht singt aus seinem Liede:
Heimat, wo bist du?!

Rufe alle die Verstreuten!
Sie sind auch in deinem Bild –
Und wenn Sterne drüber gleiten,
nennen sie dich muttermild.