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Banater Post

Der Volksgruppenführer und die Jüdin

Betrachtungen zu Nelu B. Ebingers Roman „Love Story in Budapest“ Nelu Bradean-Ebingers Buch „Love Story in Budapest“ ist ein historischer Tatsachenroman, dessen Handlung sich um die Liebesgeschichte zwischen dem Volksgruppenführer der Deutschen in Ungarn, Franz Anton Basch, und der Budapester Jüdin Klara Spieler spinnt. Der Roman fußt auf den „Akten des Volksgerichtsprozesses gegen Franz A. Basch“ (herausgegeben von Gerhard Seewann und Norbert Spannenberger, München 1999), der Dissertation von Norbert Spannenberger: „Der Volksbund der Deutschen in Ungarn 1938-1944 unter Horthy und Hitler“ (München 2002) sowie den von Nelu Bradean-Ebinger herausgegebenen Akten der Historikertagung über den Volksbund der Deutschen in Ungarn 1938-1945 (Budapest 2007) beziehungsweise über das Verhältnis von Ungarndeutschen und Juden in Ungarn (Budapest 2008). Franz Anton Basch, 1901 in Zürich geboren, wuchs in Hatzfeld, der Heimatgemeinde seines Vaters, auf und wurde von der multiethnischen Gesellschaft in der damaligen Donaumonarchie geprägt. Als Stipendiat des Eötvös-Kollegs studierte er in Budapest Germanistik und Hungarologie. Der junge Toni Basch, im ländlichen Milieu mit der Familiensprache Deutsch und der ungarischen Staatssprache aufgewachsen, und Klara Spieler, der mondänen Weltstadt Budapest beziehungsweise einer jüdischen Bürgerfamilie entstammend, finden trotz politischer und gesellschaftlicher Turbulenzen, die Ungarn in der Zwischenkriegszeit geprägt haben, zueinander. Dass Basch vom glühenden Ungarn zum bewussten Ungarndeutschen mutierte, ist auch und besonders Jakob Bleyer und dem von ihm geleiteten „Ungarländischen Deutschen Volksbildungsverein“ (UDV) zu verdanken. Basch klagte darüber, „dass das heimische Deutschtum in sehr vielen Gegenden nicht einmal mehr die reine Mundart spricht, sein Gefühl für Kultur völlig versiegt ist“. Als Kultur- und später Generalsekretär des UDV wurde er beim Schwabenvolk bekannt und beliebt, bei den von der Regierung „eingebauten“ Vertrauensleuten machte er sich jedoch „durch seine realistischen Anschauungen und sein Draufgängertum unbeliebt“. Baschs Aufstieg – 1935 wurde er Führer der „Volksdeutschen Kameradschaft“, 1938 Vorsitzender des „Volksbundes der Deutschen in Ungarn“ und 1940 schließlich Volksgruppenführer des Deutschtums in Ungarn – war jedoch nicht zu stoppen, obwohl ihm besonders seitens der Nationalsozialisten anhaltendes Misstrauen entgegengebracht wurde. Dazu Klara Spieler als Zeugin im Prozess gegen Basch: „Er wusste, wie die Deutschen mit Leuten verfuhren, von denen herauskam, dass sie keine Hundertprozentigen waren, und in seinem Fall trat das Verhältnis mit mir noch erschwerend hinzu. Seine Angst verließ ihn auch zu Hause (in Ungarn) nicht, er war ständig in Furcht vor Gestapo-Spionen, die ihn seiner Unzuverlässigkeit wegen beschatteten.“ Nach seiner am 17. Mai 1945  erfolgten Verhaftung durch die amerikanische Armee und dem Gang durch verschiedene bayerische und österreichische Internierungslager und Gefängnisse, wurde Basch am 9. Oktober 1945 nach Ungarn überstellt, wo ihm der Prozess gemacht wurde. Der Budapester Volksgerichtshof verurteilte ihn wegen Kriegsverbrechen und volksfeindlichen Verbrechen zum Tode. Man brauchte ein Opfer und fand es in der Person des Franz Anton Basch. Am 26. April 1946 wurde er im Hof des Gefängnisses in der Budapester Markó-Gasse vor einem johlenden Haufen zugelassener Schaulustiger hingerichtet. Nelu Bradean-Ebinger – in bester Kenntnis der Prozessakte – gestaltet den Stoff packend. Das Buch liest sich wie ein Krimi und zeichnet sich durch akribisch genaue Vorgangsschilderungen sowie argumentativ gut gestaffelte Dialoge aus, die wiederholt auf die Entwicklung der deutschen Volksgruppe in Ungarn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Miteinbeziehung der gesellschaftlich-politischen Ereignisse im Lande Bezug nehmen. Die Schilderungen, wie zum Beispiel jene über Baschs Herkunft, seine Studentenbude, seine Gepflogenheiten und schriftstellerischen Neigungen, seine Einstellungen zu politischen, sozialen und wirtschaftlichen Vorgängen jener Zeit, lassen beim Leser einen Hauch von Sympathie gegenüber dem Haupthelden aufkommen. Denn Basch war es gelungen, sich nicht auf die Seite der Nazis zu schlagen, mehr noch, seine Vorbehalte gegenüber deren Politik offen zu äußern, was für ihn das Todesurteil hätte bedeuten können. Dieses wiederum wurde seitens der ungarischen Behörden eingeleitet und vollstreckt – nicht nur, weil er, der Volksgruppenführer, als Exponent des Dritten Reiches galt, sondern auch weil er es gewagt hatte, sich für die Rechte der deutschen Minderheit vehement einzusetzen.     Nelu B. Ebinger: Love Story in Budapest. Der Volksgruppenführer und die Jüdin. Herausgegeben von der Jakob-Bleyer-Gemeinschaft. Budapest 2014. 101 Seiten. ISBN 978-96387776-4-5. Zu beziehen über kramm@enternet.hu zum Preis von 10 Euro.