zur Druckansicht

private Anzeige schalten



Banner HNO

Media-Center

Banater Post

Donauschwäbischer Kulturpreis 2011: Preisträger Richard Wagner

Richard Wagner (Foto: wikipedia.de)

Mit einer Ehrengabe für sein Gesamtwerk in Höhe von 2500 Euro wurde der in Lovrin im Banat geborene und in Deutschland durch seine zahlreichen Veröffentlichungen bekannte Schriftsteller Richard Wagner ausgezeichnet. Der Schriftsteller Richard Wagner ist namensverwandt und vielleicht auch seelenverwandt mit dem großen Tonkünstler Richard Wagner. Richard Wagner war seiner Zeit voraus. Diese Aussage trifft auf beide zu. Richard Wagner hat polarisiert. Auch hier kommt keiner von beiden zu kurz. Richard Wagner hat uns neue Klangwelten eröffnet, und der Literat Richard Wagner macht auf sich und seine Landsleute mit seinem Schreibstil, seiner Sprachgewalt und seiner Wortwahl aufmerksam – in unzähligen Texten, Büchern, Zeitschriften, Podiumsdiskussionen.

Der Literat Wagner und seine Werke blieben nicht unkommentiert liegen. Einer seiner Buchtitel („Habseligkeiten“) wurde sogar zum Wort des Jahres gekürt. Wenn ein Schriftsteller vor dem 60. Lebensjahr steht, darf man auch schon innehalten und zurückblicken auf das, was war, wie es war, warum es so war und auch den Ausblick nach hinterlassenen Botschaften wagen. Von der Banater Heimat bis in die Großstadt Berlin war es ein langer Weg. Schon der Sprung von seinem Heimatort nach Temeswar war von Erfolg gekrönt, und die Auswanderung und Eingliederung in eine neue Welt, um mit dem großen Komponisten Antonin Dvorak zu reden, hatte ihre Besonderheiten, trotz aller mitgebrachten Habseligkeiten. Von Perjamosch im Banat nach Berlin kommt einem Salto mortale gleich. Wenn auch ohne Zirkusatmosphäre, oder doch? Denn wie sollte man eine Wahlberliner Biographie interpretieren ohne die waghalsigen Seilsprünge, ohne die Höhenflüge und ohne die im Unterbewusstsein fest verankerten Gespenster eines ernstzunehmenden Schattenspiels, das immer noch nachwirkt und bis heute immer wiederkehrende Fragen unbeantwortet lässt.

Wagner war seiner Zeit weit voraus. Er war schon als junger Student der Hoffnungsträger der rumäniendeutschen Lyrik. Welch eine Last ihm, dem Dörfler, da auferlegt wurde, kann heute nur erahnt werden. Er blieb sich seiner Überzeugung treu und ließ sich nicht verbiegen. Lieber ließ er den Temeswarer Literaturkreis Adam Müller-Guttenbrunn verwaist zurück, um frei atmen zu können, ohne politische Vorgaben erfüllen zu müssen und ohne dichterische Kniefälle zu absolvieren. Er ging seinen Weg, ohne daran zu verzweifeln. Er war dort und ist hier ein Literat von Format. Von provinzieller Herkunft, aber doch ein global denkender deutscher Autor. Eine Lichtgestalt der deutschen Literatur der Nachkriegszeit mit Zügen eines Wanderers zwischen zwei Welten. Er hat da und dort seine Leser, die ihn verstehen, die zu ihm stehen oder ihn auch ablehnen. Er polarisiert, und so muss es auch sein. Richard Wagner hat die jüngeren Leser über die Printmedien und via Internet erreicht. Seine Bücher werden auch von Nicht-Donauschwaben gekauft und seine Beiträge, Lesungen und Auftritte spannungsvoll erwartet. Immer öfter greifen heute Leser zu seinen Gedichten der Anfangszeit. Er, der spiritus rector der Aktionsgruppe Banat, legt in den legendären Wortmeldungen des Facla-Verlags 1972 sein Geständnis ab. „Pausenlos sammeln sich Fragen in mir. Fast bleibe ich mit den Antworten auf der Strecke.“ Auch mit seiner Ballade aus den Wortmeldungen traf er den Nerv der Zeit und bekennt leitmotivmäßig: „Es geht mir gut, ich bin glücklich.“ Nach acht Wiederholungen dieses eingeredeten Ist-Zustandes kommt er zum Finale mit den Worten: „Dann an einem grauen Septembermorgen bemängelte man meinen geringen Wortschatz. Seither suche ich in meinem Wörterbuch nach Synonymen für „gut“ und „glücklich“. Persönlich widmete mir der Autor am 24. Januar 1972 einen Nachsatz zu dieser Ballade und schreibt darunter: „Es schweigt sich gut in den Worten.“

Der 1952 in Lovrin geborene, im Perjamosch aufgewachsene, in Großsanktnikolaus und Temeswar studierende, in Hunedoara lehrende, für die Kronstädter „KarpartenRundschau“, die Temewarer „Neue Banater Zeitung“ und die Bukarester „Neue Literatur“ schreibende Richard Wagner verließ 1987 Rumänien und lebt und schreibt seither in Berlin. Wenn wir hier nur einige seiner Werke nennen, die schon allein vom Titel her auch sein Leben und die Erfahrung vieler Aus- und Einwanderer thematisieren, so möchte ich „Ausreiseantrag“ (1988) „Begrüßungsgeld“ (1989) und „Habseligkeiten“ (2004) hervorheben. Unvergesslich bleiben seine Beiträge in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Auf viele Auszeichnungen kann Richard Wagner stolz sein, wie den deutschen Literaturpreis 1998 oder den Georg-Dehio-Buchpreis 2008 und heute die Ehrengabe des donauschwäbischen Kulturpreises.