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Das Banat ist eine Reise wert - Wallfahrts- und Kulturreise der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit Neunkirchen

Beim Demokratischen Forum der Deutschen in Großsanktnikolaus lernten die Gäste eine Jugendtanz- und Trachtengruppe kennen und durften deren meisterhafte Tänze miterleben. Fotos: Markus Krastl

Bei einem Besuch beim Demokratischen Forum der Deutschen im AMG Haus in Temeswar gab es ein Erinnerungsfoto vor dem berühmten Stefan Jäger-Tryptichon.

Auf der Fahrt durch die Banater Heide stand auch ein Besuch im Heimatmuseum und der Sozialstation in Lenauheim an.

Mit guter Laune, großem Wissensdurst und vielen Gepäckstücken stiegen wir in der Nacht in Wiebelskirchen in den Bus der Bundesliga Fußballmannschaft Elversberg ein, der uns nach Frankfurt zum Flughafen brachte.

„Wir“ – das waren insgesamt 26 Personen – die sich in Begleitung von Pfarrer Markus Krastl, der Gemeindereferentin Claudia Busch, einem Organisten, einer Pfarrsekretärin, einem Diakon, einer Ärztin und einem Buchhändler auf den Weg machten, das Banat zu erkunden. Dafür, dass wir in besten Händen sind, sorgten auch die Eltern von Pfarrer Krastl, Veronika und Bernhard, die beide aus dem Banat stammen – somit die Region gut kennen – und sogar noch die rumänische Sprache beherrschen.

Mit Ramona Lambing von dem Reisebüro Passage Travel Concepts hatte Markus Krastl die Reise bis ins kleinste Detail vorbereitet. Die Reise, als Wallfahrtsreise von der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Neunkirchen organisiert, sollte uns auch die Kultur, Geschichte und die schönen Landschaften der „alten Heimat“ von Pfarrer Krastls Eltern näherbringen.

Schon am ersten Tag war ein Standrundgang geplant, am zweiten standen Besuche in Temeswar an. Der dritte Tag führte uns nach Guttenbrunn und zu dem Wallfahrtsort Maria Radna. Danach war eine Erkundung des „Banater Deltas“ sowie den Ortschaften Sanktandreas und Hodon vorgesehen, dem sich ein Ausflug in die Banater Heide nach Billed, Lenauheim und Großsanktnikolaus anschloss. Die noch verbliebenen Tage konnten wir in Temeswar verbringen.

Jeder Teilnehmer der Reise erhielt ein sorgfältig ausgearbeitetes Begleitheft, das uns einen Rahmen für die Wallfahrt, u. a. mit Morgenlob und biblischen Impulsen, gab. Ausflüge, Führungen und Besichtigungen waren abgestimmt mit Messfeiern in verschiedenen besuchten Orten und Gotteshäusern. Ziele unserer Exkursionen waren – neben der Stadt Temeswar – auch kleinere Orte in ländlicher Umgebung und Agrarländereien. Wir erfuhren sehr viel über Land und Leute, lernten auch typisch rumänische Speisen, Biere und Weine kennen.

Messfeiern und Begegnungen 

Unser erster Kirchenbesuch führte uns in die Georgskathedrale (Domkirche) von Temeswar, in der wir herzlich von dem überaus freundlichen Altbischof Martin Roos – der amtierende Bischof Josef-Csaba Pal hatte anderweitige Termine – begrüßt. Persönlich bot er uns eine fachkundige Führung durch Kirche und Krypta. Gemeinsam beten wir und Bernhard Schleimer, unser mitreisender Organist aus Trier durfte die von uns gesungenen Lieder auf der Domorgel begleiten.
Die erste Heilige Messe feierten wir in Maria Radna, der imposanten, im Barockstil erbauten Wallfahrtskirche. Pfarrer Markus Krastl zelebrierte diese mit Pfarrer Ioan Cădărean. Danach ging es in das liebevoll restaurierte Refektorium, das uns auch dank des leckeren Mittagessens (Banater Kohlrouladen, genannt „Sarmale“) besonders in Erinnerung bleiben wird.

Die zweite heilige Messe feierten wir in der Kirche in Hodon. Auch diesmal spielte – wie schon im Dom in Temeswar und in Maria Radna – Herr Schleimer die Orgel. Am nächsten Tag fuhren wir in die Banater Heide, wo wir in Großsanktnikolaus an der dritten heiligen Messe teilnahmen, die Pfarrer Krastl diesmal mit dem Ortspfarrer Attila Andó zelebrierte. Musikalisch gestaltet wurde diese an der Orgel erneut von unserem Reisebegleiter. Eine Überraschung bot uns eine elfjährige, überaus talentierte Sopranistin, die zu Beginn und zum Schluss des Gottesdienstes in Begleitung ihres Musiklehrers mit ihrer glasklaren Stimme geistliche Lieder sang.

Die letzte heilige Messe vor Abschluss unserer Reise fand in der römisch-katholischen Georgskathedrale, dem Temeswarer Dom statt, zelebriert von Pfarrer Markus Krastl mit dem Domherrn Nikola Lauš. 

Unterwegs durch Hecke und Heide

Die Teilnehmer der Reise interessierten sich natürlich auch für die Landschaft und die Dörfer und Städte des Banates. Besonderes Augenmerk richteten sie auf die „Banater Schwaben“, die Menschen, die im Banat lebten und leben, deren Geschichte und gegenwärtige Lebenssituation, ihre Kultur und ihr Glaube.

In Temeswar besuchten wir die „Gedenkstätte der Revolution“ und das „Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus“, der Sitz des „Demokratischen Forums der Deutschen im Banat“ mit angegliedertem Seniorenheim und einem kleinen Museum. Der Leiter des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat Benjamin Neurohr und der Leiter der Sozialeinrichtungen Helmut Weinschrott erläuterten uns – selbstverständlich in deutscher Sprache – die Aufgaben und die Organisation des Hauses. Abschluss des Besuchs war ein Konzert mit Schülern des Kunstlyzeums „Ion Vidu“ im Konzertsaal, was uns alle sehr erfreute.

Ein besonderes Highlight für viele der Reisenden war die Fahrt mit drei Pferdegespannen durch das Banater Delta bei Hodon. Die schönen Pferde hatten sicherlich ihre Mühe mit uns, da wir nach so viel gutem Essen, das uns ständig angeboten wurde, gefühlt etliche Kilo Gewicht zugesetzt hatten. Ein Highlight an diesem Tag war das Picknick mit köstlichen Speisen und Wein aus der Region im Park eines Herrenhauses. Besonders schön war für uns, Einheimische zu treffen, die uns bewirteten und viel Gastfreundschaft entgegenbrachten. Diesen Mittag mit den besonderen Ideen verdanken wir unserer Reiseleiterin Ramona Lambing.

Die Fahrt durch die Banater Heide führte uns ins Heimatmuseum und die Sozialstation in Billed, wo uns Frau Roswitha Csonti erwartete. Beim Museumsbesuch erfuhren wir, aus welchen Regionen Deutschlands Menschen ins Banat ausgewandert waren, Orte, die den meisten von uns sehr wohl bekannt sind. Eine Ausstellung, die uns viel Wissen vermittelte.

In Großsanktnikolaus trafen wir Frau Dietlinde Huhn. Sie ermöglichte es, dass wir im „Deutschen Forum“ eine Jugendtanz- und Trachtengruppe kennenlernten und deren meisterhafte Tänze miterleben durften. Auch der uns angebotene Kaffee und exzellente Kuchen hätten einige von uns gerne länger verweilen lassen.

Am einzigen und zugleich letzten Samstag der Reise stiegen wir auf ein Vaporetto, das uns auf dem Bega-Kanal zum Heumarkt mit all den wunderbaren Früchten und Gemüsesorten brachte.

Einige von uns (leider nur zwölf Menschen aus unserer Gruppe) ließen den Abend mit einem Besuch im „Deutschen Staatstheater“ ausklingen. Sie waren von der Inszenierung des Stückes „Die Liebe Geld“ von Daniel Glattauer in deutscher Sprache begeistert.

Der Sonntag in Temeswar, in dieser wunderbaren Kulturhauptstadt Europas, stand für alle zur freien Verfügung. Wir besuchten den Gottesdienst im Dom um 10 Uhr. Anschließend konnte jeder Teilnehmer der Reise seinen Interessen folgen, bis zum gemeinsamen Abendessen, dem kulinarischen Abschluss der Reise.

Anzumerken sei, dass Markus Krastl, seine Eltern und Ramona Lambing ausgezeichnete Reisebegleiter waren. Sie standen uns unermüdlich zur Seite, führten, erklärten und übersetzten für uns. Frau Busch, die Gemeindereferentin, reiht sich hier als unsere gute Seele ein; stets passte sie auf, dass niemand aus der Gruppe verloren geht, umsichtig sorgte sie für ein harmonisches Miteinander.

Andere Länder, andere Sitten

Auch ohne Studium war es kein Problem mit der rumänischen Währung Lei zu rechnen: 1 € = 5 Lei < - > 100 Lei = 20 €.

Einige Verhaltensweisen machten es uns deutschen Individualisten etwas schwieriger. Beim Bezahlen am Tisch wurde eine Gesamtrechnung vorgelegt, die in einer Summe zu begleichen war, wie das in vielen südlichen Ländern üblich ist. Eine Person bezahlte und die Aufteilung der Summe musste untereinander geklärt werden. Das führte manchmal bei einigen zu Unverständnis, ebenso die Trinkgeldregelung (10 % sind üblich). Sogar am letzten Abend beim sehr guten Abschlussessen war das Aufteilen des Rechnungsbetrages für die Getränke und die Trinkgeldberechnung immer noch nicht verinnerlicht. Das muss noch geübt werden bis zur nächsten Wallfahrt. Nach dem Motto „Wir lernen von den anderen und passen uns deren Gewohnheiten an“.

Abschließend kann man sagen, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Reise zufrieden waren, die Wallfahrt und Kulturerlebnisse in gleichem Maße beinhaltete und verknüpfte. Eine Reise, bei der es viel zu lernen gab, besonders über die Geschichte des Banats, die Banater Schwaben, ihren Glauben und ihre jetzige Lebenssituation.

Besonderer Dank für die Organisation und Begleitung gilt Pfarrer Markus Krastl, seinen Eltern Veronika und Bernhard, Ramona Lambing, Herrn Schleimer, Frau Busch und Frau Bartolovic.