Weshalb das Beispiel Banatia-Lyzealschüler Ludwig Schwarz, dessen Bedeutung für die Banater deutsche Literatur im Vorjahr im Banat und heuer in Nürnberg zum 100. Geburtstag ausführlich gewürdigt wurde? Es hätten ebenso andere bekannte Mundartautoren sein können, wie Hans Kehrer, Absolvent der Banatia-Lehrerbildungsanstalt, und Jakob Vorberger, ehemaliger Banatia-Schüler, der im Oktober d. J. 100 Jahre alt wäre, oder der verdiente ehemalige Lehrer Nikolaus Schmidt (Vater der Referentin zu 100 Jahre Banatia beim Augsburger 6. Kulturtag, Radegunde Täuber), der seine Erinnerungen 1996 in Deutschland niedergeschrieben hat über die Banatia-Anfänge, die er als 15jähriger erlebte, oder der aus Jahrmarkt stammende und in Österreich verstorbene Lehrer Franz Urban, einer der letzten Absolventen der Lehrerbildungsanstalt vor Kriegsende, der seine Erinnerungen an die Schuljahre in einem Buch veröffentlicht hat, wie auch der Schriftsteller und Dichter Hans Wolfram Hockl, der u. a. eine ehrende Rückschau in einem längeren Gedicht unter dem Titel „Banatia“ verfasst hat.
Die Reihe könnte fortgesetzt werden mit dem prominentesten Banatia-Absolventen, dem späteren Bischof Sebastian Kräuter, aus der Wirtschaft mit dem ehemaligen bayerischen Bäderkönig Dr. med. Eduard Zwick, der aus Bakowa stammte, wie mit dessen inzwischen fast 100jährigen Landsmann Ignaz Fischer, der verdienstvolle Streiter für die Rechte der ehemaligen Deportierten in die Sowjetunion.
Wir kennen zu Ludwig Schwarz Kopien von Teilen seines ersten und vorletzten Schülerbüchleins, das verschiedene Einblicke gibt, wie wir sie sonst kaum haben – in der Augsburger Ausstellung zu „Banatia-Päda-Germanistik in Temeswar“ am 14. Juni war das Schulbüchlein des zehn Jahre älteren späteren Priesters Michael Ochsenfeld aus Warjasch zu sehen –, denn der Autor Schwarz hat selbst über die Schulzeit wenig veröffentlicht. In seiner Dankesrede bei der Ehrung zum 50. Geburtstag in Temeswar 1975 beispielsweise erwähnt er nur kurz das katholische Knabenlyzeum und einen anwesenden Banatia-Lehrer (Anm.: Es war Dr. Johann Wolf): „Einer meiner gewesenen Professoren ist hier anwesend. Ich danke herzlich für Ihr Kommen. Es ist aber, ich glaube, auch der Einzige, der angesichts meiner schulischen Fehlleistungen doch nie tätlich geworden war.“ Im letzten bekannten Schulbüchlein sind auf der letzten Seite bei Gebühren nachfolgend „2 Strafen“ angeführt, ohne nähere Angaben. Betragen und Schulbesuch sind über alle Jahre als sehr gut vermerkt. Als Unterschrift der Eltern findet man nur die der Mutter Franziska Schwarcz, geborene Hess.
Die Lehrer der Banatia 1938
Amtliches Verzeichnis der Lehrer aus der Zeit der konfessionellen Trägerschaft, die den Werdegang von Schwarz entscheidend mitgeprägt haben, veröffentlicht im Temeswarer Adressbuch 1938:
LICEUL GERMAN ROM. CAT. DE BÂIEȚI ,,BANATIA.“
RÖM. KATH. DEUTSCHES KNABEN-LYZEUM
Direktor: Dr. Schütz Josef, Subdirektor: Dr. Hans Weresch
Professoren: Dr. Schulter Anton, Nischbach Josef, Fara Dimitrie, Diplich Hans, Dinyer Josef, Kleininger Nikolaus, Valentin Anton, Hagel Hans, Lux Franz, Dr. Valentin Franz, Dr. Schiff Peter, Jäger Oskar, Feichter Heinrich, Tasch Peter, Hügel Kaspar, Lamoth Peter, Pauli Nikolaus, Weber Mathias, Amberg Julius, Dr. Hoffmann Nikolaus, Linster Josef, Stürmer Franz, Hockl Josef, Kunst Christian, Halsdorfer Nikolaus, Schikorsky Oskar, Gutmayer Franz, Eichert Wendelin, Müller Ludwig.
Unveröffentlichtes Manuskript
Das Einmalige, das uns zum Thema Banatia-Schulen von Ludwig Schwarz nachgelassen erhalten ist, werte ich als Hauptargument:
Es handelt sich um ein längeres, titelloses, undatiertes und für mich verständlicher Weise nicht unterzeichnetes Manuskript.
Unter einem Decknamen für Banatia geht der ehemalige Schüler des katholischen Knabenlyzeums in der Handschrift hauptsächlich auf die folgenschweren letzten Jahre der Institution ein. Es begann mit der anfangs unbemerkten schleichenden Unterwanderung des Lehrkörpers durch junge Anhänger des Nationalsozialismus und mündete in die Umwandlung der konfessionellen Bildungsanstalt in eine völkische unter dem Diktat der deutschen Volksgruppe in Rumänien. Die Niederschrift erfolgte sicherlich nicht zufällig nach der Rückkehr von seiner Besuchsreise (mit seiner Ehefrau Eva) in Deutschland. Schwarz hob aber auch die Toleranz der früheren Schulleitung hervor. Aufgenommen wurden nicht nur Banater, sondern auch Knaben aus dem Sathmarer Gebiet und aus Siebenbürgen, nicht nur deutsche Kinder oder solche aus Mischehen, sondern auch „Voll-Rumänen und -Ungarn“ sowie getaufte Juden.
Weiteres Argument: Erstmals kann die Kopie der Taufeintragung im Matrikelbuch der einstigen katholischen Pfarrei Dolatz gezeigt werden, mit Geburts- und Taufdaten, die nicht übereinstimmen mit Ludwigs eigenen Angaben in den Schulakten.
Obwohl Dolatz schon seit sechs Jahren zum Königreich Rumänien gehörte, trug der katholische Ortspfarrer Mátyás Nicolaus 1925 die Taufdaten ungarisch ins Taufbuch ein, Ludwigs Taufnahmen – er wurde auch Steff in der Familie gerufen – waren István, Lajos und János. Möglicherweise hatte das damit zu tun, dass der früh in Temeswar verstorbene Vater Emmerich (Imre) Schwarcz und der taufende Pfarrer aus Ungarn stammten. Auch andere Details lassen sich aus der Eintragung herauslesen, auf die hier nicht näher eingegangen wird.
Leider blieb mein schriftlicher Antrag an das Standesamt der Gemeinde Tolvadin um eine Kopie der staatlichen Geburtseintragung unbeantwortet, somit bleiben einige Fragen weiterhin offen.
Zusätzlich können wir Folge-etappen im Leben von Schwarz nach der unabgeschlossenen Berufsausbildung und der Entlassung 1945 aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft in Ungarn aufgrund von Unterlagen und Kopien illustrieren, die die Ehefrau im Laufe der Jahre zur Verfügung stellte als vor über drei Jahrzehnten am Augsburger Diesel-Gymnasium eine Schüler-Facharbeit (Leistungsfach Geschichte) über die Bărăgan-Verschleppung am Beispiel der Familie Schwarz erarbeitet wurde.











