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Banater Post

Marianische Wallfahrtsorte in Osteuropa

 

Die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria nimmt einen zentralen Platz in der Glaubens- und Gebetspraxis der katholischen Bevölkerung, in der Theologie, im Festkalender des Kirchenjahres, in der Sakralkunst, letzten Endes im Herzen des gesamten Christentums ein. Als Urbild der Kirche und Vorbild des Hörens auf die Botschaft Gottes, als Ratgeberin, Fürsprecherin und mitleidende
Trösterin ist Maria tief im Bewusstsein des christlichen Volkes beheimatet. Davon zeugt die tiefe Marienverehrung, deren Ausdrucksformen in der katholischen Kirche zahlreiche Mariengebete und -lieder, die Marienfeste und Maiandachten, ihre Verehrung als Schutzheilige oder die Marienwallfahrten sind. Auf der ganzen Welt gibt es unzählige christliche, besonders katholische Wallfahrtsorte, die jährlich von schätzungsweise vierzig Millionen Pilgern
aufgesucht werden. Die meisten sind Marienheiligtümer. Lourdes, Fátima, Loreto, Mariazell und Altötting zählen zu den bekanntesten. Sie befinden sich sämtlich im westlichen Teil unseres Kontinents. Aber wie ist es um unser Wissen über die marianischen Pilgerorte in jenem Teil Europas bestellt, der bis vor gut zwei Jahrzehnten hinter dem Eisernen Vorhang lag? Es beschränkt sich bestenfalls auf die Wallfahrtsorte, die durch die Pilgerreisen von Papst Johannes Paul II. auch im Westen bekannt wurden, oder – auf die Heimatvertriebenen und Aussiedler bezogen – auf die Marienheiligtümer in den ehemaligen Heimatdiözesen. Eine Arbeit, die sämtliche größeren Wahlfahrtsorte des europäischen Ostens einbezieht, fehlte bisher.

Diese Lücke schließt nun der Kirchenhistoriker Rudolf Grulich mit seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch „Maria – Königin des Ostens. Wallfahrten
zu marianischen Pilgerorten Osteuropas“. Herausgegeben wurde es von dem vor kurzem zu einer Stiftung päpstlichen Rechts erhobenen weltweiten katholischen Hilfswerk Kirche in Not. Der aus dem Sudetenland stammende
Autor ist mit der marianischen Frömmigkeit des deutschen und europäischen Ostens bestens vertraut. Er hat diese Wallfahrtsorte nicht nur selber besucht, sondern auch unzählige Pilgergruppen und Studienreisen in alle heutigen
Länder des östlichen Europa geführt. Grulich schreibt somit aus eigener Erfahrung und kann auf ein fundiertes und breites Wissen zurückgreifen, das er kompakt und anschaulich zu vermitteln weiß. Der Leser wähnt sich auf einer Entdeckungsreise, die ihm viele neue Erkenntnisse eröffnet und ihm zudem eindringlich verdeutlicht, warum Pater Werenfried van Straaten, der Gründer des Hilfswerks Kirche in Not (vormals Ostpriesterhilfe), die Gottesmutter als „Königin Osteuropas“ bezeichnete. „Nirgendwo in Europa ist Maria als Königin, Schutzfrau und Herrin so verehrt worden wie in Osteuropa“, schreibt Grulich.

In 31 Kapiteln stellt der Autor die marianischen Wallfahrtsorte in Osteuropa vor. Seine geistige Pilgerfahrt beginnt in Königstein im Taunus, wo in der dortigen Kollegskirche Maria als „Mutter der Vertriebenen“ verehrt wird, und setzt sich mit den wenig bekannten Wallfahrtsorten in den neuen Bundesländern und den verlorenen Gnadenstätten des ehemals deutschen Ostens fort. Sodann führt Grulich seine Leser zu den bedeutenden Pilgerzielen Polens, des Baltikums, Böhmens und Mährens sowie der Slowakei, um anschließend auf die innige Marienverehrung in der Ukraine, in Weißrussland und Russland einzugehen. Dabei versäumt er es nicht, die Geschichte eines bescheidenen, in der Weihnachtsnacht des Jahres 1942 entstandenen Bildes zu schildern, das als Madonna von Stalingrad weltweit bekanntgeworden ist. In Südosteuropa macht der Autor Station an den größten Wallfahrtsorten Ungarns, Rumäniens, Sloweniens und Kroatiens sowie an den Pilgerstätten Bosniens, Montenegros, Serbiens, des Kosovo und Albaniens, bevor er seine Pilgerreise in Bulgarien und der Türkei beschließt.

Rumänien ist mit den beiden größten katholischen Wallfahrtsorten vertreten: Maria Radna im Banat und Csiksomlyó (rum. Sumuleu Ciuc) in Siebenbürgen. „Maria-Radna als Wallfahrtsort vieler Völker“ wird in Kapitel 17 (Seiten 86–89) vorgestellt. Grulich umreißt die dreihundertjährige Geschichte der Gnadenstätte, die den Katholiken verschiedener Nationalitäten heilig ist, und weist ausdrücklich – unter Zitierung des heutigen Bischofs von Temeswar, Martin Roos, der dem Wallfahrtsort ein zweibändiges Werk gewidmet hat – auf dessen Bedeutung im religiösen Leben der Banater Schwaben hin. „Eine marianische Insel in Siebenbürgen“ lautet die Überschrift des folgenden Kapitels, das den Leser mit dem Gnadenort Csiksomlyó bekanntmacht. Dieser gilt als heilige Stätte der katholischen Szekler.

Grulich lässt Kirchengeschichte lebendig werden. Der Leser erfährt eine Menge über die bedeutendsten marianischen Wallfahrtsorte Ostmitteleuropas, ihre Kirchenbauten und Mariendarstellungen, darüber hinaus über die Verfolgung und Unterdrückung der katholischen Kirche in kommunistischer Zeit und über das Glaubenszeugnis ihrer Märtyrer. Immer wieder zeigt der Autor auf, wie auch in Zeiten schwerster Prüfungen die Marienwallfahrten eine Quelle der Kraft und ein Ausdruck der Treue zur Kirche blieben. Mit diesem Buch machen Rudolf
Grulich und Kirche in Not, wie der Olmützer Erzbischof Jan Graubner in seinem Geleitwort schreibt, „auf das gemeinsame marianische Erbe Europas im Osten unseres lange Zeit geteilten Kontinents aufmerksam“. Es sorgt dafür, dass der Osten nicht weiter ein weißer Fleck auf der Landkarte der marianischen Pilgerorte ist.

Das 164-seitige Buch ist, ganz im Geiste des Hilfswerks Kirche in Not, schlicht gehalten und sparsam illustriert. Es kann für nur fünf Euro bei Kirche in Not bestellt werden.

Rudolf Grulich: Maria – Königin des Ostens. Wallfahrten zu marianischen Wallfahrten Osteuropas. München: Kirche in Not / Ostpriesterhilfe Deutschland, 2011. 164 S. Bestellung telefonisch (089 / 64 24 88 80) oder über www.kirche-in-not.de/shop.