„Dar Vă rog, lăsaţi-mă să scriu!“ Dies sind die letzten Worte von Ludwig Schwarz in seiner nicht gehaltenen und unveröffentlichten Rede für den Schriftstellerkongress 1981 in Bukarest. Bekanntlich verstarb er 1981 in Bukarest am Abend, bevor er diese Rede halten konnte. Ludwig Schwarz war nicht nur Journalist, Dramaturg und Mundartautor, er war das Sprachrohr und der Chronist einer Gemeinschaft, die es heute so nicht mehr gibt.
Am 20. März 2026 fand im Haus der Heimat in Nürnberg zum Gedenken an seinen 100. Geburtstag ein Symposium statt. Dieses beendete die Veranstaltungsreihe, die im letzten Spätherbst in seinem Geburtsort Dolatz und seinem letzten Wohnort Neupetsch gestartet war. Veranstalter waren die Temescher Gemeindeverwaltungen in Neupetsch und Tolwadin (Livezile, zu dem Dolatz verwaltungsmäßig gehört) und der Kreisverband Nürnberg der Landsmannschaft Banater Schwaben aus Deutschland. Initiiert und koordiniert wurde es von dem Neupetscher Kulturmanager Dorin Imbrescu, der die Delegation aus Rumänien nach Nürnberg begleitet hat. Mit dabei waren neben den Bürgermeistern der beiden Gemeinden mit ihren Ehefrauen auch die Lehrerinnen Amalia Pataky aus Tolwadin und Bianca Tănase aus Neupetsch, die Schülerin Alexandra Tănase und der griechisch-katholische Priester Vasile Chindriş, beide ebenfalls aus Neupetsch sowie seitens der römisch-katholischen Pfarrei Orawitz Mihai Sperlea.
Die beiden Bürgermeister – Gabriel Răzvan Drăgan aus Neupetsch und Daniel Lungu aus Tolwadin (Livezile) – nutzten die Gelegenheit, für ihre Gemeinden zu werben und hatten neben verschiedenem Informationsmaterial auch Köstlichkeiten aus eigener Produktion wie Kuchen, Schinken, „Zacusca“, Honig, u.a. mitgebracht, die in der Pause den Besuchern angeboten wurden.
Trotz des frühen Beginns – 14 Uhr an einem Freitag – und des Streiks der öffentlichen Verkehrsmittel in Nürnberg waren die Teilnehmer so zahlreich erschienen, dass die Bestuhlung nicht reichte und zusätzliche Stühle für die mehr als 70 Anwesenden aufgestellt werden mussten.
Zur Eröffnung hieß Dorin Imbrescu alle im Saal willkommen und Peter Rieser, ehemaliger Vorsitzender der HOG Neupetsch, übernahm die Moderation. Er bedankte sich bei Dorin Imbrescu für seinen Einsatz in Neupetsch, nicht nur bei Maibaum-Aufstellen und beim Anzünden der Kerzen auf dem Friedhof zu Allerheiligen, sondern auch bei zahlreichen anderen Aktivitäten, wie auch bei dieser Veranstaltungsreihe, die Ludwig Schwarz gewidmet ist. Er begrüßte die rumänischen Gäste und Anwesenden: den Referenten Luzian Geier, den Vorsitzenden des Kreisverbandes Nürnberg der Landsmannschaft der Banater Schwaben Lucian Mot, den Vorsitzenden der HOG Neupetsch Helmut Milles, die Vorsitzende der HOG Dolatz Stefanie Dolvig-Curac, die Vorsitzende des Kreisverbandes Nürnberg der Siebenbürger Sachsen Annette Folkendt, den Vorsitzenden der Ortsgruppe Nürnberg / Fürth der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland Rudi Walter, die Stadträtin von Nürnberg Helmine Buchsbaum sowie den Sohn von Ludwig Schwarz Helmut mit Frau Gerlinde und den beiden Töchtern.
Anschließend verlas Rieser ein Grußwort der Generalkonsulin Rumäniens in München Miheia-Mălina Diculescu-Blebea, die ihre Teilnahme zugesagt hatte, aber leider verhindert war, teilzunehmen.
Lucian Mot begrüßte die Teilnehmer und Gäste im Namen des Kreisverbandes Nürnberg und des Hauses der Heimat Nürnberg.
Stolz auf das Erbe
Der Bürgermeister von Neupetsch Gabriel Răzvan Drăgan wandte sich an die Teilnehmer und wies darauf hin, dass er in Neupetsch aufgewachsen sei und dass einige der Anwesenden ihn schon als Kind gekannt haben. Er sei nun schon seit zehn Jahren Bürgermeister und eines seiner Anliegen sei es von Anfang an gewesen, den Bürgern der Gemeinde von heute ihre Geschichte nahe zu bringen, Teil deren auch das deutsche Erbe sei. Deshalb wurde in Neupetsch der Verschleppung der Deutschen in die Sowjetunion sowie der Deportation in den Bărăgan gedacht, die Ansiedlung der ersten Deutschen in Neupetsch vor 300 Jahren gefeiert, die Tradition des Maibaum-Aufstellens wiederbelebt und Kerzen zu Allerheiligen im Friedhof angezündet. Derzeit ist man bestrebt, Informationen, Objekte, Fotos und Dokumente für ein Ortsmuseum sowie biographische Daten von Neupetscher Persönlichkeiten zu sammeln. Zu diesen gehören selbstverständlich Ludwig Schwarz, aber auch weitere Persönlichkeiten, wie der Chemiker Georg Bürk, die Familien Anheuer, Illy u.a.
Um das Andenken von Ludwig Schwarz zu ehren, hat die Gemeinde gemeinsam mit der Gemeinde Tolwadin-Dolatz einen literarischen Wettbewerb ins Leben gerufen, der alle zwei Jahre stattfinden soll. Als Zeichen der Anerkennung für das Leben, das Werk und die Verbundenheit mit der Gemeinde hat der Gemeinderat beschlossen, Ludwig Schwarz posthum zum Ehrenbürger der Gemeinde Neupetsch zu ernennen. Zu erwähnen wäre, dass der heutige Eigentümer des Hauses von Ludwig Schwarz aus eigener Initiative beschlossen hat, eine kleine Erinnerungsstätte einzurichten. Der Bürgermeister bedankte sich bei allen, die dazu beigetragen haben, die Veranstaltungsreihe zu gestalten und nicht zuletzt dem Haus der Heimat Nürnberg, das bereit war, die laufende Veranstaltung zu beherbergen und mitzuorganisieren. Er bat Ludwig Schwarz‘ Sohn die Urkunde zur Ernennung seines Vaters zum Ehrenbürger entgegenzunehmen. Helmut Schwarz bedankte sich für die unerwartete Ehrung, die seinem Vater zuteil wurde.
Des Weiteren kündigte der Bürgermeister an, dass anlässlich der 250-Jahr-Feier seit der Weihe der römisch-katholischen Kirche ein Kirchweihfest geplant sei, zu dem er alle ehemaligen Neupetscher herzlich einlade.
Der Bürgermeister von Tolwadin (Livezile) Daniel Lungu ergriff anschließend das Wort und wies auf die lange Geschichte des friedlichen Zusammenlebens der Bewohner hin: Rumänen, Deutschen, Ungarn und Serben, die Kirchen und Schulen gebaut, Häuser errichtet und ein kulturelles Erbe hinterlassen haben, das die Gemeinden bis heute prägt. Die deutsche Gemeinschaft spielte dabei eine besondere Rolle; Ordnungssinn, Disziplin und Fleiß und die große Wertschätzung der Bildung sind Werte, die man bis heute in der Architektur der Häuser, in der Gestaltung der Dörfer und dem respektvollen Umgang mit der Vergangenheit spürt. Die heutigen Bürger dieser Orte haben die Verantwortung, dieses Erbe zu bewahren und weiterzutragen. Mit Blick auf die Zukunft ist ein wichtiges Projekt geplant: Die Schaffung eines virtuellen Gemeindemuseums, in dem alte Fotos, Dokumente und Erinnerungen gesammelt werden. Dieses digitale Museum soll Menschen verbinden, unabhängig davon, ob sie in Rumänien, Deutschland oder anderswo auf der Welt leben. Es soll ein lebendiges Archiv unseres gemeinsamen Gedächtnisses sein. Ein weiteres Projekt wäre, die Dolatzer Kirche zu einem Begegnungsort für Konzerte, literarische Veranstaltungen und kulturelle Begegnungen zu etablieren, ohne ihren sakralen Charakter zu verändern, da sie seit jeher immer mehr als nur ein Ort des Gebets war, sie war ein Ort der Gemeinschaft. Als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart sei geplant, 2027 die Tradition des Kirchweihfestes wiederzubeleben. Auch an die dunklen Kapitel in der Geschichte der Gemeinde möchte man erinnern, an die Flucht der Dorfbewohner über die Grenze. Man sei bestrebt, diese Ereignisse zu dokumentieren und für die kommenden Generation bewahren. Darum richtete er die Bitte an alle, die bereit sind, ihre Erinnerung zu teilen. Zur Bewahrung der Geschichte des Dorfes, aber auch der deutschen Gemeinschaft des Banats, so der Redner, habe der Schriftsteller Ludwig Schwarz, der in Dolatz geboren wurde, maßgeblich beigetragen. In seinen Werken schilderte er mit großer Sensibilität das Leben der schwäbischen Dörfer, ihrer Menschen, ihrer Bräuche und die tiefgreifenden Veränderungen des 20. Jahrhunderts. Für viele Menschen, die das Banat verlassen haben, wurden seine Texte zu einer symbolischen Rückkehr in die Heimat. Sie bewahren die Atmosphäre der Dörfer von einst und erinnern an eine Welt, die sich im Laufe der Zeit stark verändert hat. So hat Ludwig Schwarz eine kulturelle Brücke geschaffen zwischen der Welt von einst und heute, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen dem Banat und den deutschen Gemeinden in der Diaspora. Deshalb wurde er im Dezember des vergangenen Jahres in Dolatz und Neupetsch mit Veranstaltungen gewürdigt und man habe beschlossen, diese Veranstaltungsreihe in Nürnberg fortzusetzen.
Die Delegation habe aus Rumänien einiges mitgebracht: Neben dem Anschauungsmaterial im Saal gebe es im Nebenraum in der Pause eine Auswahl an Produkten, wie Kuchen, Honig, Schinken, „Zacusca“ und weitere Leckereien, die nach alten Rezepten hergestellt wurden. Diese zu probieren, lade er alle Teilnehmer ein.
Abschließend richtete er die Bitte an alle Anwesenden, dem geplanten virtuellen Museum Fotos, Dokumente und Erinnerungen zur Verfügung zu stellen und lud sie zu einem Besuch ein.
Zerrissene Erinnerungen
Den literaturwissenschaftlichen Teil des Symposiums bestritt Luzian Geier, der Journalistenkollege, Freund und Weggefährte von Ludwig Schwarz. Er sprach über die vielen nicht verwirklichten Projekte von Ludwig Schwarz, u. a. von dem Vorhaben, gemeinsam mit ihm eine Monografie von Neupetsch zu schreiben. Was bis heute an vielen der Ortsmonografien beanstandet wird, ist, dass diese mit dem 2. Weltkrieg enden. Diese Lücke zu füllen, nahmen sich damals viele vor, noch nicht ahnend, wie schnell diese Geschichte in Banat enden werde.
Geier wies darauf hin, dass zwischenzeitlich unsere Erinnerungen „zerrissen“ seien bezüglich der Tabus, die damals nicht ausgesprochen werden konnten. Vieles ist verloren gegangen. Umso erfreulicher sei es, dass einiges über die Zeit hinaus gerettet werden konnte. So hat ein anderer Mitstreiter von Ludwig Schwarz, der Journalist und Literaturwissenschaftler Eduard Schneider, eine Kassette mit Tonaufnahmen mit nach Deutschland gebracht, die 1975 zur Feier des 50. Geburtstags von Ludwig Schwarz aufgezeichnet wurden. Dieses einzigartige Tondokument enthält die Laudatio auf den gefeierten, gehalten von Eduard Schneider, damals Kulturredakteur der Neuen Banater Zeitung. Die Schauspielerin am Deutschen Theater Temeswar Alice Szabo rezitiert Gedichte von Ludwig Schwarz und Nikolaus Berwanger überreicht ihm im Namen der Journalistenkollegen und der NBZ ein Bild des Namensgebers des Literaturkreises Adam Müller-Guttenbrunn. Ludwig Schwarz bedankt sich. Bemerkenswert an dieser Dankesrede ist, dass er nicht nur Rückschau auf sein Leben hält, sondern auch sein literarisches Credo definiert. Er spricht über Ereignisse in seinem Leben, die – der damaligen Zeit geschuldet – nicht beim Namen genannt werden durften, wie: „Ich habe viel in Baracken gelebt, viel in improvisierten Kantinen gegessen und war einige Jahre hindurch an Orten, die ich nicht freiwillig aufgesucht habe. Wenn ich die Schule nicht dazu rechne, verbrachte ich doch mindestens ein Viertel von 50 Jahren an Domizilen, die ich mir nicht gewählt habe.“ Dennoch verstand jeder, was er damit meinte. Über sich selbst sagt er, er sei kein Humorist, da er seine „humorigen Schreibereien noch nie genug ernst genommen“ habe, auch seien sein Gebiet nicht die „starken Emotionen“, also, das „dick Auftragen und schwelgen in Superlativen“, was auch jeder verstand. Außerdem kündigt er sein großes Werk an, welches ihm den Ruhm einbringen wird, Chronist des Schicksals der Banater Schwaben des 20. Jahrhunderts zu werden: „Mein gutes Stück, das muss ich noch schreiben, ein Vorhaben, das ich schon seit einiger Zeit hege, aber schon seit einigen Jahren immer wieder hinausschiebe.“ Geier weist darauf hin, dass er diese Romantrilogie – den vierten Teil konnte er nicht mehr vollenden – bewusst in Mundart schrieb, der Sprache, die „der Seele ihre Form“ verleiht. Die Muttersprache ist „der Chor, der auch heute noch in unseren Ohren klingt“ (Geier). Seine Schriften seien „eine Belletristik in Mundart“, weit mehr als nur Unterhaltungsliteratur.
Im zweiten Teil des Symposiums, nach der Pause, präsentierte Luzian Geier ein weiteres Tondokument, welches Eduard Schneider gelungen ist, dem Vergessen zu entreißen: das letzte (bislang bekannte) Interview, das Ludwig Schwarz vor seiner Abreise im Juni 1981 nach Bukarest zum Schriftstellerkongress für die deutsche Sendung von Radio Temeswar gab. In diesem spricht er über die vom Schriftstellerverband geforderte „Kompetivität“ der Schriftsteller. Sein Standpunkt ist es, dass die Wettbewerbsfähigkeit durch Qualität „und nichts anderes“ definiert wird. Qualität wird durch Inhalt bestimmt, und die Rolle des Schriftstellers sieht er darin, dass er den Mut aufbringe, mit „sogenannten oder selbst als solche gesehenen Themen, die wir als Tabu bezeichnen“, das Risiko einzugehen, sich auch an die „nicht dankbaren Themen“ zu wagen, damit die Inhalte „kompetitiv“ werden, nicht nur die literarische Form. Denn die Schriftstellerei sei ein sozialer Auftrag.
Dass Ludwig Schwarz diesen Mut hatte, bewies er im „Kaule-Baschtl“. Luzian Geier erinnerte an einige Episoden daraus und zitierte das Vermächtnis des Haupthelden des Romans.
Es gebe noch viele Dinge aus dem Leben von Ludwig Schwarz, so Luzian Geier, die noch nicht bekannt seien. Dazu zähle unter anderem die Bărăgan-Deportation der Familie Schwarz, zu der er selbst ein paar Forschungen angestellt habe. Der Nachlass von Ludwig Schwarz befindet sich im IdGL in Tübingen und es sei zu hoffen, dass er irgendwann Gegenstand ihrer Forschung werde.
Diese Tondokumente in Verbindung mit den Erläuterungen und Informationen, die Luzian Geier aus seinem umfangreichen, wertvollen Schatz an Wissen, Dokumenten und Forschung mit vielen Details preis gab, zeichneten das Bild des Menschen Ludwig Schwarz - Baumeister, Journalist, Chronist, Schriftsteller, Vater und Großvater, aber vor allen ein aufrechter Bürger in einem Land, das es seinen Bewohnern nie leicht gemacht hat, in ihm zu leben, bzw. zu überleben.
Dank und Würdigung
Nach diesem Vortrag über den Schriftsteller sprachen die Vertreter der Heimatortsgemeinschaften von Dolatz und Neupetsch. Stefanie Dolvig-Curac, die Vorsitzende der HOG Dolatz dankte den Organisatoren, die HOG sei stolz, dass sich in Dolatz gerade so viel tue, um an den berühmtesten Sohn des Dorfes zu erinnern. Besonders stolz sei man, dass er die „Dolatzer Mundart“ für die Nachwelt bewahrt hat und dass sie dadurch weiterlebt. Im Namen der HOG und der Dolatzer Landsleute erklärte sie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, um das deutsche Erbe des Dorfes zu bewahren.
Helmut Milles, der Vorstand der HOG Neupetsch, bedankte sich ebenfalls bei den Organisatoren und erinnerte sehr ergreifend an Ludwig Schwarz, wenn er auch zu der Generation gehört, die ihn nicht mehr persönlich kennenlernen durfte. Er wies auf sein feines Gespür für Menschen und sein tiefes Interesse an kulturellen Themen und am Gemeinschaftsleben. Er verstand es, Menschen mitzunehmen und für gemeinsame Ziele zu begeistern in einer kurzen Aufbruchstimmung, einer Zeit des Gestaltens und Miteinanders. In besonderer Erinnerung in seiner eigenen Familie ist die Dokumentation, die Ludwig Schwarz 1973 mit seinen Kollegen vom Fernsehen für die Sendung in deutscher Sprache in der Rubrik „Auf der Sonnenseite“ über das Hobby seiner Mutter, der Malerei, machte. Er berichtete von der Premiere des Theaterstücks „Buwe, was hamr heit“ von Ludwig Schwarz in Neupetsch mit Laienschauspielern aus der Gemeinde, das seinen Heimatort auf die erste Seite der Tageszeitung „Neuer Weg“ brachte.
Nachdem auch in Neupetsch, laut Moderator Peter Rieser, fast keine Deutschen mehr leben und selbst die sogenannten „Altrumänen“, die im Dorf augfgewachsen waren und selbst schwäbisch sprachen, immer weniger werden, ist es umso löblicher, dass Menschen wie der Bürgermeister Gabriel Răzvan Drăgan und Dorin Imbrescu sich darum bemühen, das deutsche Erbe im Ort wachzuhalten und die junge Generation darauf hinzuweisen. Als Beispiel dafür haben sie eine Schülerin des Lyzeums Neupetsch, Alexandra Tănase, mitgebracht, die über das Banat und seine Traditionen mit Begeisterung und Engagement sprach. Sie wies darauf hin, dass ethnische und kulturelle Vielfalt Teil der Banater Identität seien. Die Verschiedenheit hat die Menschen nicht getrennt, sondern im Gegenteil verbunden und das Zusammenleben bereichert. Ein Repräsentant dieser Welt war der Banater Schwabe Ludwig Schwarz, dem es gelungen ist, selbst die härtesten Erfahrungen des Lebens erzählbar zu machen. Vielleicht die wichtigste Botschaft, die uns Ludwig Schwarz hinterlassen hat, ist die, dass unsere Identität keine Mauer ist, sondern ein Fenster, durch das wir einander begegnen und verstehen lernen.
Über das Projekt, in Erinnerung an Ludwig Schwarz alle zwei Jahre einen Wettbewerb zu veranstalten, sprach anschließend die Lehrerin für rumänische Sprache und Literatur des Lyzeums aus Neupetsch Bianca Tănase. Der Wettbewerb wendet sich an Schülerinnen und Schülern der Lyzeen des Banats, die sich literarisch und künstlerisch mit dem Banat als multiethnische Region auseinandersetzen. Sie sollen angeregt werden, über die regionale Identität nachzudenken, sich mit der Geschichte, Literatur und Gemeinschaft dieses Landesteils zu beschäftigen. Die Beiträge können in rumänischer, deutscher und ungarischer Sprache eingereicht werden.
Dorin Imbrescu hatte schon im Vorfeld auf die Unterstützer des Projekts hingewiesen: die beiden Gemeinden Dolatz und Neupetsch, die griechisch-katholische Pfarrei von Neupetsch, die römisch-katholische Pfarrei von Orawitz, die Stadt Anina, die Firma Frubi aus Gorj sowie der Verein „BanatCult“. Informationsmaterial zu diesen gab es im Saal an einem eigens dazu aufgestellten Stand, es konnte von den Teilnehmern angesehen, bzw. mitgenommen werden. Er sprach von dem „Effekt Ludwig Schwarz“ und meinte damit, dass diese Veranstaltungsreihe den Stein ins Rollen gebracht habe, sich auch in Zukunft mit der Geschichte der Banater Orte auseinanderzusetzen, die von der ehemaligen deutschen Bevölkerung geprägt waren, und so die schon erwähnte Brücke zu bauen zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen den ehemaligen und heutigen Bewohnern, damit grenzübergreifend auch die zukünftigen Generationen auf ihre Herkunft, ihr Erbe und ihre Geschichte stolz sein können. Dies sei nicht nur durch große Aktionen, sondern auch dank der kleinen privaten Initiativen jedes Einzelnen möglich.
Helmut Schwarz bedankte sich zum Abschluss für die Ehrungen, die seinem Vater zuteil wurden. Besonders beeindruckt sei er von der Veranstaltung in Neupetsch gewesen, da die Menschen dort, die seinen Vater würdigten, ihn gar nicht persönlich gekannt hätten. Er dankte Luzian Geier für die Überraschung, die ihm mit den Tonaufnahmen gelungen sei. Seine beiden anwesenden Töchter konnten so zum ersten Mal die Stimme ihres Großvaters hören. Sein Dank gelte auch den Gästen aus Rumänien und allen, die gekommen seien, um an seinen Vater zu erinnern.











