Liebe Leserinnen und Leser der Banater Post, liebe Landsleute!
Wie jedes Jahr werden wir als Landsleute und Mitchristen auch dieses Jahr an Ostern das Fest der Auferstehung Jesus, unseres Erlösers, feiern. Schon heute darf ich mich freuen und mit Ihnen gemeinsam, auf das Fest einstimmen; vielleicht „O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende ... Osterzeit.“, singen. Stopp! Das ist doch falsch. Muss es nicht „Weihnachtszeit“ heißen? Ja, zugegeben, so steht es in unseren Gesang- und Liederbüchern.
Und doch – ist nicht gerade Ostern die fröhliche, die selige, die gnadenbringende Zeit? Das nicht nur, weil der kalte Winter seine Kraft verliert, die Tage wieder länger werden und mit dem Frühling neues Leben sprießt. Sondern vor allem weil wir Christen in dieser Zeit des neu erwachenden Lebens unser schönstes und wichtigstes Fest, die Auferstehung Jesu von den Toten, feiern dürfen. Kein biblisches Ereignis und kein christliches Fest stehen so im Zentrum unseres Glaubens wie Ostern – wie der Sieg Jesu über den Tod.
Was wäre unser Glaube ohne Ostern? Inhaltslos, lästig, nichtig und eitel wäre er. Eine bloße Täuschung wäre er. Klingt das nicht lästerlich? Darf man das sagen? Man darf es. Der Apostel Paulus selbst schreibt in seinem Ersten Brief an die Korinther, die über die Frage der Auferstehung der Toten in Streit geraten waren: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, ... dann ist auch euer Glaube nichtig.“ Ja, „dann“, betont er, „ist euer Glaube unsinnig.“
„Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist.“, fasste es Papst Benedikt der XVI. einst für unsere Zeit zusammen. Gemeinsam mit ihm und als bekennende Christen wissen wir: würde man die Auferstehung Christi von der christlichen Tradition wegnehmen, dann bliebe zwar immer noch eine Art von religiöser Weltanschauung, ein äußerlich schön gefeiertes Fest übrig, aber der christliche Glaube wäre inhaltlos, überflüssig, er wäre sogar tot.
Ostern ist für uns Christen also nicht nur ein fröhliches, buntes Frühlingsfest, wie es schon von vielen Kulturen vor dem Christentum gefeiert wurde. Ostern ist für uns zuerst und vor allem der Sieg Jesus über den Tod, unser Jubel über die Auferstehung Jesu. Ostern ist für uns Jubel über unsere Auferstehung und das Leben in Gott. Ostern ist eine, ist die fröhliche, die selige, sowie die gnadenbringende Zeit jedes Christen. In diesem Bewusstsein dürfen wir in den Osterjubel mit unseren üblichen, auch aus der Alten Heimat mitgebrachten, Osterliedern einstimmen, und bekennen: „Christ ist erstanden…“, „Alleluja, lasst uns singen, …“, denn, Jesus lebt und er wird auch uns von den Toten auferwecken.
Das Fest und die Liturgie des Osterfestes haben viele Bezugspunkte, die schon auf dem Weg zu diesem Feiern wichtig sind. Das Feiern der Karwoche, der letzten Woche vor Ostern, hat für uns als Christen schon am Palmsonntag begonnen, als wir in Prozessionsordnung, – in der alten Heimat – mit den Weidenzweigen in den Händen in der Zeit der glaubensfernen Diktaturen, den kürzesten Weg in die Kirche gezogen sind und so des Einzugs Jesus in Jerusalem gedachten. Als nächsten Höhe- und Bezugspunkt auf dem Weg zur Osterfeier hin begehen wir den Gründonnerstag. Jesus feierte ein Mahl, wie es die Juden am Paschafest tun. Diese Feier – Sederabend genannt – beginnt bei den Juden mit dem Waschen der Hände. Jesus greift dies auf und macht daraus ein besonderes Zeichen, zu einem, das seine Hingabe an uns Menschen zeigt: Er wäscht seinen Jüngern die Füße. Den Jüngern fällt es nicht leicht, diesen Dienst von ihrem Meister anzunehmen. Aber schon mit dieser Geste der Demut allein, weist Jesus auf sein Testament, das er uns Menschen hinterlässt, hin. Diese Fußwaschung ist daher nur der erste Teil seiner für uns erlösenden Handlung, die wir in der Gründonnerstagliturgie feiern. Zum Hauptteil dieser liturgischen Handlung gehört die Feier des Abendmahles – des letzten Mahles Jesus mit seinen Jüngern. Auch da bleibt unser liturgisches Feiern in der Karwoche - der Hl. Woche - nicht stehen. Jesus wollte die Jünger aller Zeiten ganz in seine Gemeinschaft hineinnehmen. Zu dieser Abendmahlfeier werden wir als Christen das ganze Kirchenjahr über bei jeder Eucharistiefeier eingeladen. Jesus, als der Sohn Gottes, will den Menschen aller Zeiten dienen. Immer wenn wir die sogenannte „Heiligen Messe“ feiern, ist Jesus mitten unter uns und er selber reicht sich uns im gewandelten Brot als das Opfer-Osterlamm zur Speise.
Ein weiterer Höhepunkt in den liturgischen Handlungen auf das Osterfest hin steckt im Karfreitag. Da begeben wir uns, – symbolisch gesprochen – mit Jesus auf seinen Leidensweg. An diesen erinnern uns die 14 Bilder an den Kirchenwänden – der so genannte Kreuzweg. Jede Katholische Kirche im Banat hatte ihre eigene Darstellung des Kreuzwegs, der alle vom Kind bis zum Greis beeindruckte. Die Liebe Jesus, die bis zum Äußersten geht, seine Hingabe, wird durch seinen Weg zur Kreuzigung, zu seinem Sterben am Kreuz dargestellt. Sein Tod ist die höchste Aufbietung dieser Liebe: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13) – lesen wir im Johannesevangelium. Die 14 Bilder an den Kirchenwänden – der so genannte Kreuzweg, – war und ist im Banat nicht anders dargestellt als sonst wo in den Kirchen der christlichen Welt. Die 15. Station – das letzte Bild – wäre das Bild mit Auferstehung Jesus.
Ganz konkret beginnt das Osterfest mit der Auferstehungsfeier. Am späten Karsamstag beginnen wir die Liturgiefeier der Osternacht – Ostern – mit der Segnung des Feuers (des Osterfeuers), der sich ein Wortgottesdienst mit den Lesungen über die Heilsgeschichte anschließt. Von der Erschaffung der Welt als gutem, heilvollem Lebensort für alle, wird da gelesen. Dann wird an die Führung Gottes, an die Befreiung Israels aus Ägypten und das Geschenk der Freiheit von Sklaverei und Leiden, wie an das Führen in eine befreite Zukunft erinnert. Diese Lesungen bereiten uns auf das Verkünden des Evangeliums – der Frohen Botschaft – vom leeren Grab vor. „Jesus ist auferstanden!“ (Mk 16,1-6). Jesus ist auferstanden – und wir Menschen werden zum Leben auferstehen. Das ist Gottes wunderbare Bestätigung des Glaubens so vieler Generationen und die Antwort Gottes auf die Sehnsucht aller Menschen nach Heil.
Durch die Auferstehung Jesus sind wir erlöst. Alles Geschaffene findet seine Erfüllung, aber nicht in der ständig wiederholten Routine und in der Geschäftigkeit, nicht in der ausbeuterischen Arbeit von absoluten politischen und sozialen Systemen. Es erschöpft sich nicht in seinem Nutzwert. Ostern „ist gemacht“, um uns am Leben Gottes teilzuhaben zu lassen. Gott selber sagt durch den Auferstandenen Christus: Ich lebe und ihr sollt leben. Die feste Zusage des Auferstandenen zielt auf Leben im Überfluss für alle, die zu Christus gehören und auf ihn vertrauen, hin.
Mit großen Schritten gehen wir auf das Osterfest zu. Ostern, die Auferstehung Christi, ist ein Hoffnungsfest: Aus dem Tod in das ewige Leben, aus der Starre in die Lebendigkeit, aus dem Moder in die Frische, an die lebenspendende Sonne, in das Licht und an die lebensverheißende „Luft“, will Gott uns führen. Vieles von den in der Natur jetzt sichtbaren österlichen Transformationen übertragen wir bildlich gerne auf diese eine Phase unserer Auferstehung zum Ewigen Leben. Warten wir es ab, sagen noch die Zweifler, und hoffen doch: Wie schön ist es dann für dich, wenn sich in jeder Hinsicht alles ins Positive wendet, wenn es dann auch meine und unsere Auferstehung-Geschichte wäre.
Wir, die glauben, wissen: Das wichtigste Wort für uns Glaubende wird zu Ostern gesagt. Jesus ist auferstanden – und auch wir Menschen sollen auferstehen. Ich lebe und auch Ihr werdet leben, ist die frohe Botschaft, die von Nichts übertroffen werden kann. Der starke Tod ist von Gott besiegt worden. Auferstehen heißt zunächst, eingehen in eine andere Wirklichkeit. Es ist aber auch ein Auferstehen hier und jetzt. Das, was uns am meisten am Leben hindert, ist die Angst. Sie liegt oft wie ein schwerer Stein auf uns. Und genau diese Angst soll uns genommen werden. Durch die Auferstehung haben wir das Leben auf unserer Seite, selbst wenn wir mit dem Tod bedroht werden. Das Leben kann beginnen, hier und jetzt und für immer und ewig.
Liebe Leserinnen und Leser der Banater Post, liebe Landsleute.
Als Pfarrer in Rente lade ich Sie, auch im Namen unserer, aus der alten Heimat stammenden, heute in vielen Gemeinden in Deutschland, in Österreich und in der ganzen Welt wirkenden Mitbrüder, zu den liturgischen Feiern der Ostertage sehr herzlich ein und wünsche Ihnen ein gesegnetes und frohes Fest. Ich wünsche all denen, die Ostern feiern, die Freude einer Begegnung mit dieser neuen Wirklichkeit – der Auferstehung, die uns Jesus gebracht hat und ich wünsche Ihnen die Freude des Mitfeierns der österlichen Auferstehung.
Ihr Heimatpfarrer
Paul Kollar










