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Musik in der Habsburger Monarchie und das musikalische Erbe des Banats: Konzert des Lehár-Ensembles im DZM

Dr. Franz Metz (Mitte) mit seinem „Lehár-Ensemble“ im Donauschwäbischen Zentramuseum. Foto: Karin Bohnenschuh

Mitreißende Melodien brachte das „Lehár-Ensemble“ mit Klavierbegleitung von Dr. Franz Metz nach Ulm. Foto: Siegrun Jäger

Am 21. Februar begrüßte die Kulturreferentin für den Donauraum Dr. Swantje Volkmann die im Donauschwäbischen Zentralmuseum zahlreich erschienenen Gäste und lud zu einer musikalischen Reise durch die Habsburgmonarchie, zu ihren Randgebieten und vor allem durch das Banat ein.

Schon zum vierten Mal gastierte das „Lehár-Ensemble“ unter der bewährten Leitung von Dr. Franz Metz im Donauschwäbischen Zentralmuseum: Das erste Konzert – am Eröffnungswochenende des Kulturhauptstadt-Jahres Temeswar 2023 – stand unter dem Motto „Die Klänge einer Stadt“. Ein Jahr später luden die Musiker nach Bad Ischl im Salzkammergut ein, einer Kurstadt, in der der kaiserliche Hof die Sommerfrische genoss und alles anzog, was Rang und Namen hatte, einschließlich der Musiker. Dabei zog Dr. Franz Metz – der sich wie kein anderer in der südosteuropäischen Musikgeschichte auskennt – musikalische Verbindungslinien nach Südosteuropa. Dem Doppeljubiläum – 75 Jahre Landsmannschaft und 25 Jahre Donauschwäbisches Zentralmuseum im Jahr 2025 – setzten Franz Metz und sein Ensemble ein weiteres hinzu: den 200-sten Geburtstag des Wiener Walzerkönigs Johann Strauß. 

Nach diesen drei erfolgreichen Konzerten war es kein Wunder, dass die Ankündigung des diesjährigen Konzerts Publikum von nah und fern anzog. Die Besucher kamen nicht nur aus Ulm und Umgebung, sondern nahmen auch weitere Wege in Kauf. Sie reisten auch von München, Nürnberg oder Stuttgart an, so dass schon lange vor Beginn des Konzerts der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. 
Wie erwartet, eröffneten die Sänger des Lehár-Ensembles (die Sopranistin Nina Laubenthal, der Tenor Wilfried Michl jun. und der Bariton Wilfried Michl sen.) mit Carl Zellers „Grüß euch Gott, alle miteinander“ aus dem „Vogelhändler“, am Klavier begleitet von Dr. Franz Metz, das Konzert. Dr. Franz Metz ließ in seiner Zwischenmoderation die Gäste an seinem Schatz an Wissen teilhaben und fokussierte sich diesmal auf die Musikerfamilie Nováček, über die er im letzten Jahr ein Buch veröffentlicht hat. (Eine Rezension dazu veröffentlichte die Banater Post in der Nr. 1 vom 5. Januar 2026). Virtuos interpretierte Hermina Szabó auf ihrer Geige „Drei böhmische Lieder“ von Martin Joseph Nováček, dass tatsächlich „die Saiten sprangen“.

Martin Joseph Nováček wurde 1834 in Horazdovice (Böhmen) geboren und studierte an der berühmten Prager Orgelschule. Dort lernte er auch Antonín Dvořák kennen, mit dem er viele Werke orchestrierte und – später auch zusammen mit Bedřich Smetana – Kammermusik machte. Zeitlebens wird er mit Dvořák in Verbindung bleiben. Sein beruflicher Werdegang führte ihn nach Weißkirchen (Fehér Templom, Bela Crkva) ins serbische Banat. Dort wirkte er als Kirchenmusiker und Chorleiter der römisch-katholischen Kirche. Mit seinem Chor trat er in verschiedenen Banater Ortschaften auf und gelangte mit ihm sogar bis Dresden (1865). In Weißkirchen eröffnete er 1868 eine private Gesangschule und 1870 eine Musikschule für Kinder. Hier heiratete er Maria Hildebrand, mit der sechs Kinder hatte, vier Söhne und zwei Töchter. Alle vier Söhne: Rudolf, Ottokar, Karl und Victor wurden Musiker.

1871 trat eine Stelle als Kapellmeister in Temeswar an, wurde Gründungsmitglied des Philharmonischen Vereins, erster Dirigent des Vereins und ab 1875 bis zu seinem Tod 1906 Domkapellmeister. Sein jüngster Sohn Victor wurde 1875 in Temeswar geboren. Seine vier Söhne sind auf den größten Bühnen der damaligen Welt: Prag, Wien, Budapest, Weißkirchen, Temeswar, Sofia, Bukarest, Sankt Petersburg, Berlin, Belgien, Holland, Peterwardein, Eger, Leipzig, Boston, New York, Krakau, Helsinki präsent.

Eine „Kostprobe“ ihrer Kompositionen wurde den Zuhörern an diesem Nachmittag geboten. Von Rudolf Nováček (1860 -1929) erklang „Blütenzauber“ (ursprünglich ein Werk für eine große Kapelle, für Streichorchester oder Blasorchester mit einem Violinsolo, ist als Klavierauszug erhalten), von Ottokar Nováček (1866 - 1900) „Du späte Rose“, „Mondeszauber“ und „Serenade“. 

Das Grab der Familie Nováček befindet sich in Temeswar im Innerstädtischen Friedhof (Heldenfriedhof). Dank der Forschung und des von Dr. Franz Metz veröffentlichten Buches wird diese zu Unrecht in Vergessenheit geratene Musikerfamilie wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.

Viel Schwung und reichlich Applaus brachte Giuseppe Verdis „Libiamo“ aus „La Traviata, gesungen von Nina Laubenthal und Wilfried Michl jun, dem das romantische Wienerlied von Heinrich Strecker „Drunt‘ in der Lobau“, meisterhaft interpretiert von Wilfried Michl sen., folgte. Mit Franz Lehárs Lied und Csárdás aus „Zigeunerliebe“: „Hör ich Cymbalklänge“ begeisterte die charmante Sopranistin Nina Laubenthal das Publikum und Hermina Szabó brillierte erneut auf ihrer Geige. Durch Rober Scholz‘ Wien mit seinen „winzige Gasserl“ führte Wilfried Michl jun. und an die Linde vor dem Vaterhaus erinnerte Wilfried Michl sen. Nicht fehlen durfte auch „Wien, du Stadt meiner Träume“ von Rudolf Sieczynski (Wilfried Michl jun.) und – fester Programmpunkt in den Konzerten des Ensembles – Vittorio Montis „Csárdás“, mit dem Hermina Szabó Pusztaklänge in den Saal zauberte. 

Der Operettenreigen drehte sich weiter: Der erfundene Baron Zsupán zeigt sich der Gräfin Mariza, in der gleichnamigen Operette von Emmerich Kálmán leiblich und lädt sie neckisch ein, mit ihm nach Varaždin zu kommen. Bei der Interpretation dieses Duetts zeigten Nina Laubenthal und Wilfried Michl sen. nicht nur ihr musikalisches Können, sondern auch ihr komödiantisches Geschick. Da Emmerich Bartzer, der Komponist aus dem Banat nicht fehlen darf, erklang auch das Liebesduett aus seiner Operette „Grüßt mein Banat“ „Mädel, ach weißt du es nicht“. Wifried Michl jun. sang das wehmütige Lied des Zarewitsch Alexej „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“ mit viel Hingabe und lyrischem Schmelz, wie es das Publikum auch erwartet.
Perlen strömten zwar nicht aus dem Glase, aber aus den Kehlen des Trios Nina Laubenthal, Wilfried Michl jun. und Wilfried Michl sen. bei der Arie „Im Feuerstrom der Reben“ und brachten viel Dynamik und Heiterkeit. 

Diese heitere Stimmung nutzte Franz Metz, um ein Bonmot über den Walzer aus dem Buch von Marcel Prawy „Weltgeschichte im Walzertakt“ zu Besten zu geben. Diesem schloss sich passend „Wiener Blut“ an, der für die gleichnamige „komische Operette“ von Victor Léon und Leo Stein mit einem Text versehene Konzertwalzer von Johann Strauß. Beschwingt endete das Konzert mit dem Kálmánschen Ohrwurm „Nimm Zigeuner deine Geige“ aus der „Csárdásfürstin“. 

„Weißt du, wie lange noch der Globus sich dreht, / Ob es morgen nicht schon zu spät!“, dachten vielleicht auch viele der Zuschauer und belohnten Franz Metz und sein Lehár-Ensemble mit reichlich Applaus. Als Zugabe gab es dann noch „Lippen schweigen“. 

Nach so viel Gesang, Klang und Leichtigkeit wurde wieder einmal bestätigt, dass Veranstaltungen von Dr. Franz Metz mit seinem „Lehár-Ensemble“ volle Säle und stürmischen Applaus garantieren. Die Kulturreferentin dankte für die „wunderbare musikalische Reise“ und überreichte den Musikern ein kleines Präsent.

Ein gut gelauntes Publikum machte sich auf den Weg nach Hause und freut sich schon auf das nächste Konzert.