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Banater Post

Ein unvergessliches musikalisches Erlebnis

Der Schubert-Chor unter der Leitung von Adrian Nuca-Bartzer bereicherte mit seinen Darbietungen den PatenschaftsFestakt in der Kurfürstlichen Reitschule zu Ingolstadt. Fotos: Karin Bohnenschuh

Die Darbietungen der Singgruppe des Schubert-Chors bereicherten das Konzert.

Was wäre ein Chor ohne Solisten? Pianist Thomas Kühn, Irmgard Müller und Walter Berberich.

Der Chroleiter: Adrian Nuca-Bartzer.

Konzert des Schubert-Chors in Ingolstadt - Unter den Banater Chören in Deutschland ist der Schubert-Chor eine Ausnahmeerscheinung. Und das in mehrfacher Hinsicht. Der Chor blickt auf eine über vierzigjährige Tradition zurück und ist tief mit dem Banat verwurzelt. 1969 in Temeswar gegründet, entfaltete er unter der Stabführung von Erich Koch, Herbert Weiß, Matthias Schork, Adrian Nuca-Bartzer, Franz Metz und Damian Vulpe eine rege Tätigkeit mit dem Ziel, die reiche deutsche Chortradition des Banats weiterzuführen und die deutsche, insbesondere die Banater Chorkultur zu pflegen. Seine Konzerte wurden im Laufe der Jahre von Zehntausenden Zuhörern im Banat und in Siebenbürgen begeistert aufgenommen. Der Schubert-Chor war das Aushängeschild des deutschen Musiklebens im Banat der Nachkriegszeit. Noch ehe sich der Chor infolge der Auswanderung seiner Mitglieder und Dirigenten 1988 auflöste, führte Adrian Nuca-Bartzer – unter Matthias Schork zweiter Dirigent und nach dessen Tod von 1979 bis zu seiner Aussiedlung 1983 Leiter des Schubert-Chors – in Deutschland lebende ehemalige Chormitglieder wieder zusammen und gründete den Chor im Herbst 1986 neu. Seit einem Vierteljahrhundert ist er nun schon in Deutschland aktiv. Und das ist umso erfreulicher, als damals, bei seiner Neugründung, sich niemand hätte träumen lassen, dass der Chor so lange Bestand haben wird. Vor allem deshalb, weil er eine weitere Besonderheit aufweist: Der Schubert-Chor ist nämlich nicht in einem bestimmten Ort ansässig und auch nicht in eine landsmannschaftliche Gliederung eingebunden. Seine Mitglieder sind in ganz Deutschland zerstreut und treffen sich jährlich einmal zu einem Probenwochenende, für dessen Kosten sie selbst aufkommen. Trotz begrenzter Probemöglichkeiten und der stetigen Notwendigkeit, entstehende Lücken mit neuen Sängerinnen und Sängern zu schließen, hat es der Schubert-Chor bis heute geschafft, jung im Herzen, vital in seinem Tun und liebenswert in seiner ungetrübten Freude am Chorgesang zu bleiben und darüber hinaus ein künstlerisches Niveau zu halten, das vor jedem Publikum besteht. Dass dem so ist, hat einerseits mit der Person des Chorleiters zu tun, der Herz und Seele dieser Singgemeinschaft ist, andererseits aber auch mit der Begeisterung, der Motivation, dem Idealismus und dem Gemeinschaftssinn seiner Mitglieder. Der Schubert-Chor ist eben, wie Helmine Buchsbaum beim Konzertabend in Ingolstadt betonte, „mehr als ein Chor; er ist Heimat, Erinnerung, Begegnung, Hoffnung und ein Bekenntnis zur Heimat“.

Der bayerische Landesverband und der Ingolstädter Kreisverband unserer Landsmannschaft waren gut beraten, den Schubert-Chor zur Mitgestaltung des Festaktes einzuladen, mit dem das 25-jährige Jubiläum der Patenschaft der
Stadt Ingolstadt über die Banater Schwaben in Bayern am 29. September begangen wurde. Unter der Leitung von Adrian Nuca-Bartzer bestritten der Chor, seine Singgruppe und seine Solisten ein abendfüllendes Konzert. Das von Helmine Buchsbaum moderierte Programm bot einen Querschnitt aus dem umfangreichen Repertoire dieser Singgemeinschaft, das Kunstlieder, Volkslieder und klassische Kompositionen umfasst. Dargeboten wurden neben Werken Banater Komponisten wie Emmerich Bartzer, Josef Linster, Richard Oschanitzky, Franz Stürmer, Walter Michael Klepper auch solche von bekannten und weniger bekannten deutschen Komponisten und Arrangeuren (Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Ursula Barthel, Quirin Rische, Lorenz Maierhofer, Claus Merdingen). Dem Bemühen des Chorleiters, die Musik seines Großvaters, des Komponisten, Musikpädagogen und Dirigenten Emmerich Bartzer, einem breiteren Publikum bekanntzumachen, ist es zu verdanken, dass dessen Werke einen breiten Raum im Repertoire des Schubert-Chors einnehmen.

Zur Eröffnung der Festveranstaltung sang der Chor „Mein Heimatland, Banaterland“ (Text Peter Jung, Musik Josef Linster); ein Lied, das seit den 1920er Jahren als inoffizielle Hymne der Banater Schwaben gilt. Von Franz Schubert, dem Namensgeber des Chors, brachten die Sängerinnen und Sänger die Lieder „Der Lindenbaum“ und „Wohin?“, beide nach Versen von Wilhelm Müller, zu Gehör und von Felix Mendelssohn-Bartholdy das „Hirtenlied“ (Text Ludwig Uhland). Richard Oschanitzky war mit einer Vertonung des „Schilflieds Nr. 1“ von Nikolaus Lenau und mit dem Volkslied „Im Mai“ im Programm vertreten. Zudem waren drei weitere Volkslieder zu hören: die von Franz Stürmer bearbeiteten Banater Volksweisen „Die wahre Lieb“ und „Wenn mei Deanderl“ sowie „Morgen will mein Schatz verreisen“ (Satz Quirin Rische). Aus Emmerich Bartzers Schaffen bot der Chor das „Wanderlied“ (Verse Peter Jung) und das Lied „Der Lenz“ (Verse Nikolaus Lenau) dar, aus der zeitgenössischen deutschen Chorliteratur „Mein Mund, der singet“ (Text Johannes Jeep, Melodie Ursula Barthel) und „Neigen sich die Stunden“ (Text und Melodie Lorenz Maierhofer). Wie vom Schubert-Chor gewohnt, bestachen auch diesmal seine Darbietungen durch hohes sängerisches Niveau. Die Chormitglieder präsentierten sich authentisch und selbstsicher, ihre Begeisterung für den Chorgesang war regelrecht zu spüren und wurde vom Publikum mit reichem Beifall belohnt.

Dass die Singgruppe des Schubert-Chors über ein bemerkenswertes Gesangspotential verfügt, bewiesen ihre anspruchsvollen Darbietungen, die das Konzert zweifellos bereicherten. Beherzt und gekonnt trug sie „An die Entfernte“ (Text Nikolaus Lenau, Melodie Walter Michael Klepper), „Die Nachtigall“ (Text Theodor Storm, Melodie Ernst Irtel) sowie Chorvariationen über das Volkslied „Ein Jäger längs dem Weiher ging“ von Claus Merdingen vor.

Was wäre ein Chor ohne Solisten? Ihre Einsätze verleihen einem Konzert Glanz und markieren oft Höhepunkte im Programm. So geschehen auch bei diesem Konzertabend. Gefühlvoll und akkurat spielte der junge Pianist Thomas Kühn, Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“, das „Ständchen“ von Franz
Schubert in der Bearbeitung von Franz Liszt und „Nocturne“ von Emmerich Bartzer. Er übernahm auch die Klavierbegleitung der beiden Gesangsolisten Irmgard Müller und Walter Berberich. Mit ihrer starken, klaren und natürlich klingenden Sopranstimme bezauberte Irmgard Müller die Zuhörer. Solistische Leckerbissen waren die von ihr interpretierten Lieder „Grüßt mein Banat“ aus der gleichnamigen Operette von Emmerich Bartzer (Text Annie Schmidt-Endres) und „Ich hab in süßen Träumen“ (Text Peter Jung, Melodie Emmerich Bartzer). Zusammen mit Walter Berberich (Tenor) sang sie noch das Lied „Und wenn du von mir gehst“ aus der bereits genannten Operette von Bartzer. Es sei eine Herzenslabung, wenn beide im Duett ihre Stimme erklingen lassen, war vor einigen Jahren in der Banater Post zu lesen. Diese Einschätzung hat auch heute noch Gültigkeit.

Alles in allem war das Konzert des Schubert-Chors ein Kunstgenuss. Seine Darbietungen überzeugten und bescherten dem Publikum ein unvergessliches
musikalisches Erlebnis. Dafür gebührt dem Chorleiter und seinen beherzten Sängerinnen und  Sängern Dank und Anerkennung.