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Laientheater in Bogarosch: Katharina Frank und ihre Jung-Schauspieler

Die Theatergruppe nach einem Auftritt in Grabatz, hinten v.l.: Mathias Crăciun, Josef Prunkl, Erwin Volk, Johann Prunkl, Johann Gittka. Mitte v.l.: Lehrerin Katharina Frank, Katharina Beitz, Maria Noel, Gerda Gräbeldinger. Vorne: Franz Beitz und Johann Popovci Fotos: privat

Szenenbild aus dem Stück: „Es geht um die Heirat“. Mit dem Akkordeon Hans Prunkl, stehend v.l.: Erwin Volk, Helmuth Lind und Katharina Beitz, auf der Bank sitzend: Maria Noel, Franz Beitz und Gerda Gräbeldinger.

Aufführung des Theaterstücks „Der Weiberfeind“ von Gotthold Ephraim Lessing im Jahre 1962, v.l.: Hilaria (Hannelore Thierjung), die Zofe (Hildegard Dalli), der Sohn (Adam Slatina), der Weiberfeind (Erwin Volk), der echte Bruder (Nikolaus Pinsberger), Laura (Elisabeth Kaiser). Foto: privat

Immer wieder führen uns Erinnerungen in eine Welt zurück, die sich drastisch von der heutigen unterscheidet. Die Lebensführung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund des technologischen Fortschritts sehr verändert. Die Freizeitgestaltung der Jugendlichen war vor dem Internet-Zeitalter „analog“ geprägt: Sport, Spiele mit Freunden und Hobbys wie Musizieren oder Basteln waren beliebt. Die Möglichkeiten zur Beschäftigung waren vielfältig, jedoch oft lokal begrenzt. In Bogarosch fanden Jugendliche dank ihrer Lehrerein Katharina Frank beispielsweise Spaß am Theaterspiel.

In der „Neuen Banater Zeitung“ vom 16. März 1976 stößt man auf einen Artikel mit der Überschrift ,,Lehrerin Katharina Frank in Bogarosch führte in 22 Jahren 52 Stücke mit der jugendlichen Theatergruppe auf.“ Diese Theatergruppe erlebte unter der Leitung der engagierten Lehrerin, die diesem Projekt einen großen Teil ihrer Freizeit opferte, einen bemerkenswerten Aufschwung. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz und ihrer Leidenschaft für das Theater hat sie damals das Interesse der Schüler geweckt und deren kreative Talente gefördert. Bei der Arbeit an den Theaterstücken legte Katharina Frank auch großen Wert auf die persönliche Entwicklung ihrer Schützlinge. Sie ermutigte die Jugendlichen, ihre Gedanken und Ideen einzubringen, und förderte so deren Selbstbewusstsein.

Katharina Frank, heute 90 Jahre alt, erinnert sich gerne an die Theaterarbeit mit den Jugendlichen. Die Proben und Vorbereitungen der Vorstellungen bereiteten den Mitwirkenden viel Arbeit. Man opferte seine Freizeit für die unzähligen Leseproben, das Erlernen der Texte, die Sprechproben auf der Bühne und die Beschaffung der Requisiten. Viele der Jugendlichen waren Pendler, sie arbeiteten in Schichten und mussten ihre Dienstzeiten tauschen oder sich frei nehmen, um proben zu können. Trotz der schwierigen Bedingungen waren sie mit Begeisterung dabei. Der älteste Spieler, der 12 Jahre lang in vielen Stücken die Hauptrolle spielte, war der leider bereits verstorbene Erwin Volk. Auch Adam Slatina, Andreas Kovacs, Mathias Kaufmann und Franz Beitz weilen nicht mehr unter uns.

Die Theaterstücke wurden aus der Zeitschrift „Volk und Kultur“ ausgewählt, wo sie für Laientheater abgedruckt und empfohlen worden sind. Das erste Stück, das die Jugendlichen in Bogarosch aufführten, hieß: ,,Mag auch die Liebe weinen“. Die Hauptrolle spielte Josef Noel. In dem Stück liebte er insgeheim zwei Frauen. Helene Blum war seine Ehefrau, Hannelore Thierjung seine Geliebte. Die Rollen seiner Kinder hatten Peter Klos und Inge Meininger. Weitere Mitspieler waren Gertrude Erhardt, Anna Lambert, Elisabeth Gräbeldinger, Josef Kremling und Ewald Gerber. Leider gibt es dazu keine Fotos.

Bei dem Stück ,,Es geht um die Heirat“ wurden Fotos angefertigt. Eines davon zeigt im Hintergrund Erwin Volk, Helmuth Lind und Katharina Beitz. Auf der Bank sitzen Maria Noel, Franz Beitz und Gerda Jung. Am Brunnen steht Hans Prunkl mit seinem Akkordeon. Maria Noel und Franz Beitz singen die Lieder „Heimatlos“ und ,,Man bleibt nicht 20 Jahre“, musikalisch begleitet von Hans Prunkl. Der Bogaroscher Maler Peter Ebinger hatte die schönen Bühnenbilder dazu gemalt. Mit diesem Stück nahm die Bogaroscher Theatergruppe an einem Wettbewerb im Grabatzer Kulturheim teil. Ein Gruppenbild vor dem Kulturheim zeigt weitere Mitwirkende: Hans Popovici, Hans Gittka, Josef Prunkl und Mathias Crăciun mit seiner Gitarre. Auch Katharina Frank ist als Leiterin der Theatergruppe zu erkennen.

Auch von der Aufführung des Theaterstücks ,,Mein Elternhaus“ vom 31. Januar l975 gibt es leider keine Fotos. Außer Erwin Volk wirkten dort noch Gerlinde Kovacs, Gerdi Schneider und Andreas Kovacs mit. In dem Stück „Es geht um Viktor“ kämpft Viktor (Nikolaus Walleth) um seine Liebe. Des Weiteren wirkten dort Nikolaus Pinsberger, Hildegard Dali, Elisabeth Hobler, Elisabetha Kaiser und Helmuth Stöckl mit. Unsere „Tante Lissi“ (Elisabetha Kaufmann) hatte dazu die musikalische Umrahmung vorbereitet.

Ein lustiges Theaterstück in Mundart war „Die Mondlandung“. Mariechen Ehmann spielte die Tochter des Hauses, die mit ihrem Freund (Helmuth Winter) eine Fernsehsendung über die Mondlandung verfolgt. Die alte Großmutter, dargestellt von Gerlinde Kovacs, versteht vieles nicht, stellt Fragen und ist so aufgeregt, dass sie alles der Nachbarin (Monika Gavrilescu) erzählen muss. Dabei entstehen natürlich viele Verwechslungen. Weitere Mitspieler waren Heidrun Pilles, Maria Feichtner und Hans Gittka.
Schon 1963 wurde die Komödie ,,Das Durchgangszimmer“ aufgeführt. Da geht es um ein Liebespaar, das im Durchgangszimmer wohnt und ständig gestört wird. Mitwirkende waren: Erwin Volk (der Vater), Walter Pinczes (Gast) sowie Hilde Dali und Franz Erhardt als Liebespaar.

Als Höhepunkt der Theaterarbeit mit den Bogaroscher Jugendlichen bezeichnet Katharina Frank das Theaterstück „Der Weiberfeind“ von Gotthold Ephraim Lessing. Aufgeführt wurde es bereits 1962, danach gastierte die Theatergruppe damit in mehreren Ortschaften und feierte größte Erfolge. Erwin Volk spielte den „Weiberfeind“, der alle Frauen hasst. Nur die Zofe (Hildegard Dali), duldet er im Haus. Als sein Sohn (Adam Slatina) seine Freundin Hilaria (Hannelore Thierjung) heiraten möchte, stimmt der Vater nicht zu. Auch der Freund des Vaters (Walter Pinczes) kann nicht vermitteln. Da verkleidet sich Hilaria als Mann und kommt als ihr eigener Bruder ins Haus. Der „Weiberfeind“ ist begeistert von dem „jungen Mann“. Dummerweise verliebt sich aber seine Tochter Laura (Elisabeth Kaiser) in den „falschen Bruder“. Zum Schluss wendet sich alles zum Guten: Der Weiberfeind stimmt der Heirat zu, der „echte“ Bruder (Nikolaus Pinsberger) verliebt sich in Laura und es gibt zwei glückliche Liebespaare. „Die Kostüme zu dieser Aufführung erhielten wir damals vom deutschen Staatstheater aus Temeswar, es war für alle Spieler etwas Besonderes, in diesen Kostümen zu spielen,“ erinnert sich Katharina Frank. Die Kulissen hatte wie immer Peter Ebinger gestaltet.

Im Rückblick sieht Katharina Frank die Arbeit mit der Theatergruppe als „eine schöne und lehrreiche Zeit“. Die Jugendlichen trafen sich einmal, später zweimal in der Woche und hatten damit einen Grund, abends wegzugehen. Für viele war es auch eine Gelegenheit, die deutsche Sprache zu pflegen, da so manche in den höheren Klassen keine deutsche Schule mehr besuchten.

Bei allen Mitwirkenden, erinnert sich die Lehrerein, wurde durch die Theaterarbeit das Selbstbewusstsein gestärkt: „Allein auf der Bühne zu stehen und seinen Text vorzutragen, war eine Herausforderung und eine Leistung. Da pochte das Herz ganz kräftig.“ Schmunzelnd erinnert sie sich auch daran, dass so manches Beziehungspflänzchen unter den Jugendlichen bei der Theaterarbeit entstanden ist: „Aus einem freundlichen Blick wurde Zuneigung und bis zur Aufführung des Stückes war es dann Liebe.“ Manche der Jugendlichen fanden hier die Liebe fürs Leben.

All diese Gründe trugen dazu bei, dass die Jugendlichen  viel Freude am Spielen hatte. „Es machte einfach Spaß, gemeinsam kreativ zu sein und etwas Großartiges auf die Beine zu stellen“, äußerte sich ein Mitglied der Gruppe in Erinnerung an die Theater-Zeit. Katharina Frank erinnert sich, wie wichtig es war, die Spielfreude zu erhalten: „Oft hatte ich mehr Spieler, als Rollen im Theaterstück waren. Weggeschickt wurde aber niemand, lieber besetzte ich manche Rollen doppelt“, verrät sie. Die jungen Laienschauspieler von damals erinnern sich noch heute an das Gefühl der Gemeinschaft und Unterstützung, das sie während der Proben erfuhren. „Uns wurde die Möglichkeit geboten, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und uns spielerisch auszuprobieren.“

Doch nicht nur den Darstellern von damals bleibt die Theaterarbeit in Bogarosch in guter Erinnerung, sondern auch denen, die damals im Publikum saßen und sich von den Aufführungen unterhalten ließen. Die Theaterabende haben den Bogaroschern viele unvergessliche Stunden beschert und ihr Gemeinschaftsgefühl gestärkt.