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„Mit mir hätte ich weniger zu tun gehabt“ - Zum Tod von Franz Hodjak

Franz Hodjak bei einer Lesung des AK BanatJA Anfang der 90er Jahre Foto: Archiv Manfred Engelmann

Der am 27. September 1944  in Hermannstadt geborene Dichter Franz Hodjak ist am 6. Juli 2025 im Alter von 80 Jahren gestorben. Sein erster Gedichtband, „Brachland“, erschien 1970 im Klausenburger Dacia-Verlag, wo er selbst 22 Jahre lang Lektor und damit im Rahmen seiner Möglichkeiten ein wichtiger Entscheider im rumäniendeutschen Literaturbetrieb war.  20 weitere Bücher – Lyrikbände, Prosa, aber auch Kinderbücher -  konnte er in Rumänien veröffentlichen, Einladungen ins Ausland durfte er aber vor dem Sturz des Ceausescu-Regimes nicht folgen. So konnte er 1982 auch nicht die Stelle als Stadtschreiber in Mannheim antreten. 1988 erschien im Aufbau-Verlag Berlin/Weimar in der DDR sein Gedichtband  „Sehnsucht nach Feigenschnaps“. Erst 1992,  nach der Wende, übersiedelte er in die Bundesrepublik und ließ sich im Taunus nieder. Schon davor wurde er  immer wieder mit Preisen geehrt. So bekam er 1990 den Ehrenpreis des Landes Kärnten beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, 1992 die Ehrengabe zum Andreas-Gryphius-Preis, 1996 den Nikolaus-Lenau-Preis der Künstlergilde Esslingen und 2005 die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung. Dazwischen erhielt er immer wieder Förderstipendien, zuletzt 2006 durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und 2007 ein Stipendium im Herrenhaus Edenkoben. 2002 war er Stadtschreiber in Dresden. Seine imposante äußere Erscheinung ging einher mit Wortwitz und Sprachironie, die auch Kennzeichen seiner Lyrik sind. Thematisch setzte er sich mit den Befindlichkeiten und Zwängen des Dichters im zensierten rumäniendeutschen Literaturbetrieb auseinander:  „Mit mir hätte ich weniger zu tun gehabt, / hätte es diese anderen nicht gegeben, die gewaltsam / versuchten, die Sprache zu besetzen, die Erinnerung // zu enteignen, mich aus den Träumen zu werfen“, zitiert Alexandru Bulucz den Dichter Hodjak in seinem Nachruf in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Vielfältige freundschaftliche Verbindungen zu Banater Schriftstellerkollegen hatte Hodjak schon in Rumänien, danach aber auch in Deutschland innerhalb des Exil-PEN. 2013 nahm ihn Horst Samson in die Anthologie des Exil-PEN „Heimat, gerettete Zunge“ auf. Den Einladungen zu  Veranstaltungen des Arbeitskreises „BanatJA“  folgte er in den 90er Jahren gern.  „Daß es/in der Ewigkeit keine//Sonnenblumen gibt, keine/Öffentlichkeit, keine Hotelgeschichten,/keinen Aufschwung, keinen /Niedergang, verdüstert/die Perspektive. Deshalb//bemalen wir akribisch/mit bunten Szenen den Sarg, in dem/wir liegen werden“, schrieb  Hodjak 2008 („21 Uhr 39 Gedicht“). Er ruhe in Frieden.