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Die katholische Kirche und die Vertriebenen

Aus dem Begleitprogramm zur Landesausstellung »Ihr und Wir« im Haus der Geschichte des Landes Baden-Württemberg

Begleitend zur Landesausstellung „Ihr und Wir“ über die Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg im Haus der Geschichte zu Stuttgart hat die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Vertriebenenorganisationen am 6. Februar ein festliches und informatives Programm zusammengestellt. Es begann mit einem Pontifikalgottesdienst in der Stuttgarter Konkathedrale St. Eberhard mit dem Hauptzelebranten Weihbischof Dr. Johannes Kreidler, (Diözese Rottenburg - Stuttgart) und dem Konzelebranten Dekan Matthias Koschar (Bischöflicher Beauftragter für Heimatvertriebene und Aussiedler in der Diözese Rottenburg-Stuttgart).

Dieser begrüßte die etwa 350 Besucher. Als weitere Konzelebranten fungierten der Vertriebenenseelsorger für die Erzdiözese Freiburg Dr. Ludwig Weiß, der Visitator der Karpatendeutschen, Pfr. Johann Kotschner, Pfr. i. R. Herbert Weiß und Pfr. i. R. Wolfgang Gottstein. Das Vokalensemble Coro degli angeli unter Leitung von Elisabeth Haumann und Margrit Egge an der Orgel verlieh dem Gottesdienst lockernden Rahmen und erfreuliche Glanzlichter. Die kenntnisreiche und tiefschürfende Predigt zum Festgottesdienst über die Rolle der katholischen Kirche für die Vertriebenen und deren beeindruckende Aufbau- und Integrationsleistung in der Nachkriegszeit hielt Weihbischof Dr. Johannes Kreidler.

Nach dem Gottesdienst versammelten sich alle Interessierten im Haus der Geschichte, wo sie im Otto-Borst-Saal Ordinariatsrat Dr. Joachim Drumm begrüßte. Dr. Otfried Pustejovsky aus Waakirchen hielt einen Vortrag über die „Eichstätter Erklärung“ vom 26./27. November 1949. Es handelt sich dabei um das erste politische Dokument der deutschen Heimatvertriebenen. Kurz nach Kriegsende wollten in der kleinen bayerischen, vom Krieg verschonten Provinzstadt 17 sudetendeutsche Männer unterschiedlicher politischer Herkunft tragfähige Zukunftsvorstellungen für die rund 3,5 Millionen perspektivlosen Deutschen aus den böhmischen Ländern entwickeln – bereits zwei Jahre nach dem Abschluss ihrer Vertreibung aus der Tschechoslowakei. Die Vertriebenen waren eine sozial entwurzelte, politisch gespaltene, ideologisch teils indoktrinierte, seit dem Kriegsende weitgehend orientierungslose Bevölkerungsgruppe, die zum gesellschaftlichen Dynamit im kriegszerstörten Deutschland zu werden drohte. (…).

Trotz Einschränkungen und vielerlei vorzunehmenden Differenzierungen kann man – wie tschechische Wissenschaftler dies schon vor zwei Jahrzehnten taten – die Unterzeichner der Eichstätter Deklaration als „Pioniere der Verständigung“ betrachten, die bereits eine Neuordnung des Donauraumes sowie eine föderalistische Gesamtordnung Europas angedacht haben. Um allerdings die Bedeutung der Deklaration als christlich verstandenes Aufbruchssignal der vertriebenen Sudetendeutschen in der jungen BRD einordnen zu können, resümierte der Referent, müsse die historische Aufarbeitung intensiv fortgesetzt werden.

Zum Abschluss näherten sich die Besucher in geführten Gruppen dem Thema der geglückten Integration von 1,5 Millionen Vertriebenen in Baden-Württemberg in der Ausstellung „Ihr und Wir“ (noch bis zum 22. August zu sehen), die von der Landesregierung mehr als sechzig Jahre nach den großen Vertreibungen im Gefolge des Zweiten Weltkriegs ermöglicht und unter Mithilfe der Vertriebenenorganisationen vom Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen erstellt wurde. Diese verdienstvolle, den Willen zu Aufbau und friedlicher Aussöhnung mit den europäischen Nachbarn dokumentierende Ausstellung würdevoll zu begleiten, ist zweifellos gelungen.