zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

Glückliche Geschichten aus dem Banat

Zwei Jahre nach dem Dorfroman Das rote Akkordeon (2017) wartet Balthasar Waitz, der Donauschwäbische Kulturpreisträger 2019, mit „Späten Geschichten aus dem Banat“ auf. Trotz Erinnerungsmodus, in dem sich der in Nitzkydorf geborene und in Temeswar lebende Autor erneut befindet, bleibt er – wie wir ihn aus seinen früheren Werken kennen – ein Minimalist, überzeugt von der Tatsache: „Eine Geschichte, so klein sie auch ist, die kann immer noch allerhand.“ Unprätentiös erzählt Waitz über den Großvater, der „eine Menge über die Welt da draußen nachzudenken“ hat, die Großmutter, die „Herr im Haus“ ist, und die restliche Familie, die „Großvaters Weltkrieg gründlich satt“ hat. Jemand habe – sinniert der Ich-Erzähler – einen „großen Fehler“ begangen, den kleinen Dorfjungen einzuschulen. Nun müsse er sich mit einer Lehrerin, einer dieser „jungen Funzeln aus der Stadt, wie Großvater diese nannte“, herumplagen. Das Schönste an der Schule sei das Raufen im Hof, das Verlockendste zu Hause – die Speisekammer, „die schönste Speisekammer im Dorf“ mit Dutzenden Gläsern Kompott und Marmelade „in Reih und Glied“.

Eines Tages tritt ein rumänischer Arzt, Doktor Negru, seine neue Stelle „im volksdeutschen Hinterland“ an. Das „Schwabendorf“ tauft ihn selbstverständlich um. Doktor Schwarzer wird „ein altes Kriegsfahrrad aus den Beständen der berühmten Wehrmacht“ überlassen. Als Schwarzers Konkurrenz entpuppt sich der Tierarzt Popescu von der Staatsfarm (Gostat). Für die Fahrt zu den „Gostat-Kühen“ erwirbt Letzterer die „Kutsche des Grafen Nitzky“. Für die beiden „Zugezogenen“ haben die Dorfbewohner nur Spott übrig. Nicht anders ergeht es den „Fremden“, die es zufällig ins Dorf verschlägt und die nicht wissen, „wie der Hase bei uns im Dorf läuft“.

Das waren gute Zeiten, als Großvater auf der Hofbank unter den Reben saß. Das Dorfleben brodelte, der Schnaps floss in rauen Mengen und die Verstorbenen waren „glückliche Tote“: Ihnen sangen die „Dorfleute“ die schönsten Lieder „aus voller Kehle“. – Was blieb davon übrig? Verfallene alte Bauernhäuser: „hier und dort steht ein altes marodes Haustor offen. Für die plötzliche Sehnsucht eines Menschen“.

Doch im letzten Satz seines neuen Buches verspricht der Autor: „Wenn ihr euch wieder mal traurig fühlt, werde ich mit einer kleinen Geschichte bei euch sein. Denn, glaubt mir, das ist so eine. Eine glückliche Geschichte.“ Bis zum nächsten Mal!