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Banater Post

Bücher und Kunstwerke von bleibendem Wert

Hans Hausenstein Burger vor dem Saderlacher Denkmal in Görwihl; von ihm stammen auch der Entwurf zu diesem Mahnmal und das Bronze-Falchrelief der Kirche auf der Stirnseite des Steins.

Hans Hausenstein Burger: Der Engel, Öl auf Leinwand, 52,5 x 40 cm, 1977

Hans Hausenstein Burger: Genesis I (Die Schöpfung) - Öl auf Leinwand, 70 x 60 cm, 2001

Wieder ein runder Geburtstag? Ja, und zwar der von Hans Burger, kein Unbekannter in landsmannschaftlichen Kreisen und darüber hinaus. Am 12. Mai wird er 80 Jahre alt. Man sieht ihm das Alter nicht an, denn er sieht aus wie 70, ist mobil und aktiv wie mit 60 und besitzt Verstand und Esprit wie mit 50.

Geboren wurde Hans Burger 1940 in Saderlach, dem einzigen und einzigartigen Alemannendorf im Banat, wie er selbst – nicht ohne Stolz – seinen Heimatort beschreibt. Eigentlich sei er kein Banater Schwabe, aber er wolle ja nicht kleinlich sein im Umgang mit uns „einfachen“ Schwaben…

Egal wie viele Corona-Viren sich um uns tummeln mögen, große Tage müssen gewürdigt werden. Und ein solcher ist wohl dieser runde Geburtstag! Doch vor dieser Ehrung ist mir angst und bange. Wie ehrt man eine Persönlichkeit, die schon zum 70. und zum 75. Geburtstag in unserer Verbandszeitung gebührend gewürdigt wurde? Einen Mann, der während seiner landsmannschaftlich aktiven Zeit bekannt war wie ein bunter Hund, der sich mit Menschen unterhält über Gott und die Welt, ohne deren Namen zu kennen, einen  Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, mit respektvoller Rücksicht, milder Nachsicht, bedachter Weitsicht und weiser Voraussicht.

Sein Lebenslauf wie auch sein unermüdliches, sich über mehr als 30 Jahre erstreckendes Wirken für seine Landsleute und unsere Volksgruppe in der alten Heimat und in Deutschland sind allgemein bekannt, nicht zuletzt dank der Würdigung von Walther Konschitzky im „Banater Kalender 2020“. Deshalb möchte ich sein kreatives, sein geistiges Werk und Schaffen in den Mittelpunkt dieses Beitrags stellen.

Aus dem Banat kommt ein auffallend hohes kreatives Potenzial und der unter dem Künstlernamen Hans Hausenstein Burger zeichnende  – er hatte Kunst in Temeswar und, nach seiner Flucht aus Rumänien 1972, in München studiert und als Kunsterzieher sowohl im Banat als auch an verschiedenen Gymnasien in Bayern gewirkt – besitzt unbestritten ein solches Potential. Seine akribisch genaue Forschungsleistung, die in der Herausgabe der Festschrift „Saderlach 1737-1987“ zur 250-Jahr-Feier im Jahr 1987, des Saderlacher Sippenbuchs (2012) sowie einer Filmdokumentation über seine Heimatgemeinde (2009) gipfelte, wäre ohne Ehrgeiz, Recherchierfreudigkeit, Organisationstalent, Mehrsprachigkeit und Motivation samt dazugehöriger Bereitschaft, immer wieder zielführende Wege und Mittel durch alle Blockaden hindurch zu finden, niemals denkbar gewesen. Sein Œuvre – groß und wichtig, die Zeiten überdauernd!

Hans Burgers Ideenreichtum und seine Originalität widerspiegeln sich auch im Gedenkstein in Görwihl, der bald das 25-jährige Jubiläum seiner Einweihung begeht. Unter seiner Ägide und nach seinem Entwurf entstand 1995 das Saderlacher Denkmal im Hotzenwald, aus dem die Vorfahren der Saderlacher stammen und wo sich deren Nachkommen seit Jahren immer wieder begegnen. Zur Bildsprache des Gedenksteines mit drei Quadern für die drei Jahrhunderte ihrer Geschichte erläutert der Künstler: „Der Abschlusswürfel, im oberen Drittel gebrochen, steht für das Jahrhundert der Errichter dieses Denkmals. Er ist Sinnbild für unsere gebrochene Existenz. Der willkürliche Bruch an der Oberkante verhindert die Entwicklung der Plastik zur Säule, er soll das unnatürliche Ende Saderlachs symbolisieren. Auf seiner Stirn steht die Widmungs-Inschrift: Dieses Denkmal wurde zur Erinnerung an Werden und Vergehen des einzigen Alemannendorfes im Banat, auch zum Gedenken an unsere Toten und Gefallenen sowie für unsere Vermissten von der Heimatortsgemeinschaft Saderlach im Jahre 1995 errichtet.

Nicht zu übersehen ist die große Anzahl der von Hans Hausenstein Burger geschaffenen Ölbilder und Graphikblätter. Sein Œuvre würdig in Szene zu setzen, würde hier den Rahmen sprengen. Beispielhaft werden zwei seiner Ölbilder reproduziert, um eine weniger bekannte Facette seines Schaffens aufzuzeigen.

Wie ich Hansi kennen und schätzen lernte? Unsere landsmannschaftliche Tätigkeit erstreckt sich fast
deckungsgleich über dieselbe Zeitspanne. Als junge HOG-Vorsitzende kam ich zur HOG-Tagung nach Frankenthal und sollte seitens meiner Schwiegermutter, die Saderlacher Wurzeln hat, dem Saderlacher HOG-Vorsitzenden ihre Grüße übermitteln. Wir unterhielten uns kurz (er sitzend, ich stehend), bis er sagte: „Maidli, hum sitz di here!“ Und dort, an seiner Rechten, blieb ich ca. 25 Jahre sitzen. Er wurde mir Mentor und großes Vorbild, väterlicher Freund und Gesinnungsgenosse. Aufgrund seiner Mehrsprachigkeit und seines übergreifenden Allgemeinwissens stand er mir bei der Erstellung des Familienbuchs Kreuzstätten zur Seite – mit Übersetzungen aus dem Lateinischen und Ungarischen.

Autorität wird nur dann nicht angezweifelt, wenn sie sich auf fachliche Leistung und untadelige menschliche Haltung gründet – dieses Wort des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann lässt sich gut auf Hans Burger übertragen.

Lieber Hansi, was wünscht man einem Geburtstagskind nach einem so erfüllten Leben?
Lass es mich mit des Dichters Worten versuchen:

Gebet  
von Friedrich Hebbel

Die du, über die Sterne weg,
mit der geleerten Schale
aufschwebst, um sie am ew’gen Born
eilig wieder zu füllen:
einmal schwenke sie noch, o Glück,
einmal, lächelnde Göttin!
Sieh, ein einziger Tropfen hängt
noch verloren am Rande,
und der einzige Tropfen genügt,
eine himmlische Seele,
die hier unten in Schmerz erstarrt,
wieder in Wonne zu lösen.
Ach! Sie weint dir süßeren Dank
als die anderen alle,
die du glücklich und reich gemacht;
lass ihn fallen, den Tropfen!


Der Tropfen, der von der Jugend als unbedeutend und gering abgetan wird, ist der Tropfen, der von der Klugheit und Weitsicht des älteren Menschen in seiner Bedeutung erkannt und geschätzt wird. Deshalb darf ich an diesen Tropfen unsere Wünsche für dein neues Lebensjahrzehnt binden. Wir wünschen Dir die kluge Sicht des erfahrenen und reifen Menschen; Zufriedenheit, Toleranz und Frieden in unserer oft so friedlosen Welt; Gesundheit, ein gutes Immunsystem und Durchhalten in dieser „coronischen“ Zeit; ein angenehmes Rentnerdasein und noch viele frohe Jahre in trauter Zweisamkeit. Ad multos annos!