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Banater Post

Ausdruck der Wertschätzung für kulturelles Schaffen

Die Festveranstaltung wurde von Adrian Nuca-Bartzer, Walter Berberich und Julia Wagner (von rechts) musikalisch umrahmt.

Dem Festakt zur Verleihung des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen wohnten zahlreiche Gäste bei. Fotos: Haus der Heimat Stuttgart

Thomas Strobl (links), stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister des Landes Baden-Württemberg, überreichte den Donauschwäbischen Kulturpreis 2019 an Balthasar Waitz, Dr. Ana-Maria Schlupp und den Temeswarer Schubert-Chor, vertreten durch seinen Dirigenten Adrian Nuca-Bartzer (von rechts)

Donauschwäbischer Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg bei einem Festakt in Sindelfingen verliehen - Unter den Festgästen, die sich am 3. Dezember vergangenen Jahres im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen zur Verleihung des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg eingefunden haben, befanden sich viele Banater Schwaben, zumal sämtliche Preisträger diesmal aus dem Banat kommen: Der in Temeswar lebende Schriftsteller und Journalist Balthasar Waitz erhielt den Hauptpreis, der Förderpreis ging an die junge Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Dr. Ana-Maria Schlupp, die aus dem Banater Bergland stammt, während der Temeswarer Schubert-Chor mit der Ehrengabe ausgezeichnet wurde.

Ausgeschrieben war der Donauschwäbische Kulturpreis 2019 für den Bereich Kulturvermittlung. Bewerben konnten sich Personen, deren Werk die donauschwäbische Kultur oder die kulturellen Wechselwirkungen zwischen den Donauschwaben und ihren Nachbarn in den Herkunftsgebieten zum Inhalt hat, beziehungsweise der Verständigung zwischen den Donauschwaben und ihren Nachbarn dient, oder die durch ihr Engagement donauschwäbische Kultur und Identität sowohl in den Herkunftsländern der Donauschwaben als auch in der Bundesrepublik vermitteln, verbreiten und fördern. Angesprochen waren auch Einrichtungen und Initiativen, die kulturelle Angebote mit Bezug zur Geschichte und Kultur der Donauschwaben präsentieren. In welcher Sparte die zu würdigende Leistung erbracht wurde – ob Literatur, Musik, Bildende Kunst oder Medien –, war in der Ausschreibung offengelassen worden.

Die Jury des Donauschwäbischen Kulturpreises unter dem Vorsitz von Hans Vastag, Mitglied im Vorstand des Landesverbandes Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Banater Schwaben und Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Hatzfeld, begründete ihre am 10. Oktober 2019 bekanntgegebene Entscheidung wie folgt:

„Der Hauptpreis geht in diesem Jahr an den banatdeutschen Publizisten Balthasar Waitz. Er ist aufgrund seiner herausragenden Veröffentlichungen in mehreren Bereichen – Prosa, Lyrik, Literaturkritik, literarische Publizistik – mit mehr als tausend Beiträgen in Zeitungen und Zeitschriften ein anerkannter Vermittler banatdeutscher Literatur. Zugleich ist er auch Förderer der Autoren der jungen Generation, die heute noch im Banat in deutscher Sprache schreiben. Darüber hinaus leistet er einen Beitrag zum Austausch mit anderssprachigen Kulturschaffenden des Banats.

Eine Ehrengabe soll der Schubert-Chor erhalten, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Dieser Chor nimmt innerhalb der donauschwäbischen Chorlandschaft insbesondere aufgrund seiner Geschichte eine Sonderstellung ein. Der Chor wurde 1969 in Temeswar gegründet. Nachdem immer mehr Chormitglieder ausgesiedelt waren, konstituierte sich die Chorgemeinschaft in Deutschland neu. Das Repertoire umfasst überwiegend Kompositionen und Volksliedbearbeitungen Banater, aber auch deutscher Komponisten.

Für einen Förderpreis hat die Jury die junge rumäniendeutsche Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Ana-Maria Schlupp ausgewählt, die sich bereits vielseitig mit rumäniendeutscher und donauschwäbischer Literatur und Geschichte befasst hat. Ana-Maria Schlupp versteht sich im Kulturbereich und in der Jugendarbeit als Mittlerin zwischen dem Banat und anderen Ländern und möchte mit ihrer Arbeit vor Ort dazu beitragen, dass im Banat das Bewusstsein eines jahrhundertelangen bereichernden Zusammenlebens mit vielen anderen Volksgruppen nicht verloren geht.“

„Heute werden sowohl ein literarisches Werk, geisteswissenschaftliche Forschung als auch musikalische Praxis gewürdigt. Preisträger sind eine Frau, ein Mann und eine Gruppe. Auch das Lebensalter der Preisträger ist breit gestreut – mehr Ausgewogenheit geht fast nicht“, lobte Thomas Strobl, Stellvertretender Ministerpräsident, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration sowie Landesbeauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler des Landes Baden-Württemberg, die Entscheidung der Jury in seiner Festansprache zur Preisverleihung.

Zu den von Minister Strobl namentlich begrüßten Ehrengästen der Festveranstaltung zählten der Leiter des Ungarischen Kulturinstituts Stuttgart Dr. Dezső Szabó, der Erste Bürgermeister der Stadt Sindelfingen Christian Gangl, Stadtrat Hasso Bubolz sowie die Vorsitzenden der donauschwäbischen Verbände: Günther Friedmann, Bundesvorsitzender des Heimatverbandes der Banater Berglanddeutschen, Stefan Ihas, Präsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben, Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Josef Prunkl, Landesehrenvorsitzender der Banater Schwaben in Baden-Württemberg, und sein frisch gewählter Nachfolger als Landesvorsitzender Richard Jäger, Hans Supritz, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben, und Rosi Tom, Landesvorsitzende der Sathmarer Schwaben in Baden-Württemberg. Ein besonderer Gruß des Innenministers galt den Preisträgern des diesjährigen Wettbewerbs Balthasar Waitz, Dr. Ana-Maria Schlupp und, stellvertretend für die Mitglieder des Temeswarer Schubert-Chors, dessen Dirigenten Adrian Nuca-Bartzer, den Laudatoren und Jurymitgliedern.

Zugegen waren auch Dr. Christine Absmeier, Leiterin des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg, in dessen Verantwortung die Organisation des Wettbewerbs und der Preisverleihung fallen, Christian Glass, Direktor des Donauschwäbischen Zentralmuseums Ulm, Dr. Olivia Spiridon und Josef Wolf, wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen, Mitglieder des Landesvorstands Baden-Württemberg und Kreisvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, die Vorsitzende der HOG Nitzkydorf Dr. Hella Gerber, der
Ehrenvorsitzende der HOG Hatzfeld Josef Koch sowie mehrere Mitglieder des ausgezeichneten Temeswarer Schubert-Chors.

Der Festakt wurde mit einer musikalischen Darbietung eröffnet: Walter Berberich (Tenor) und Adrian Nuca-Bartzer (Bass), am Klavier von Julia Wagner begleitet, sangen das Lied „Wie a Roserl am Baum“, eine Komposition von Emmerich Bartzer nach Versen von Hilda Martini-Striegl.

In seiner Begrüßung wartete Jury-vorsitzender Hans Vastag mit aufschlussreichen statistischen Daten auf. Die heutige Preisverleihung sei die vierzigste in der Geschichte dieser Ehrung donauschwäbischer Kulturschaffender. Der Donauschwäbische Kulturpreis ist Ausdruck der Patenschaft des Landes Baden-Württemberg über die Volksgruppe der Donauschwaben und wurde von 1966 bis 1995 jährlich vergeben. Seit 1997 wird er alternierend mit dem Russlanddeutschen Kulturpreis jedes zweite Jahr vergeben. Was die Verteilung der insgesamt 130 Preisträger auf die donauschwäbischen Herkunftsgebiete anbelangt, kamen 65 aus dem ehemaligen Jugoslawien, 39 aus Rumänien (Banater Schwaben und Sathmarer Schwaben) und 23 aus Ungarn. Vier Preisträger kamen aus Deutschland, drei Personen haben den Kulturpreis zweimal in verschiedenen Jahren und unterschiedlichen Kategorien erhalten. Noch unausgewogener ist das Verhältnis von Männern und Frauen: Bisher wurde der Preis nur zehn Frauen zugesprochen, dagegen betrug die Zahl der männlichen Preisträger 120. Vastag stellte scherzhaft fest: „Durch den heutigen Ehrenpreis, der an den Temeswar Schubert-Chor geht, dem 27 Frauen angehören, steigt deren Zahl auf 37 und die der Männer auf 138. Somit wird auch der Gendergerechtigkeit entgegengekommen.“

Ausgehend von Johann Gottfried Herders Vorstellung von Kultur als Nationalkultur, erläuterte Innen-
minister Thomas Strobl in seiner Festansprache, was die donauschwäbische Kultur ausmache, was ihr
eigentümlich sei. Obwohl die Donauschwaben in Jugoslawien, Rumänien und Ungarn seit dem Ende des Ersten Weltkriegs „jeweils auch ganz Eigenes erlebt“ hätten, könne man dennoch „von einem in vielen Grundzügen gemeinsamen Schicksal der Donauschwaben sprechen, von gemeinsamen Erfahrungen, die sich auch in ihrer Kultur widerspiegeln“. Zu diesen gemeinsamen Erfahrungen zählten laut Strobl „die schwierigen Jahre des Anfangs vor gut 300 Jahren in der Pannonischen Tiefebene“, „die vielen Jahrzehnte eines weitgehend harmonischen Zusammen-lebens mit Nachbarn anderer Zunge und teilweise anderer Konfession“ wie auch die katastrophalen Auswirkungen nationalistischer Ideologien auf das Zusammenleben in diesem multiethnischen Raum.

Die Donauschwaben brächten ganz Eigenes in die deutsche Kultur ein, hob der Festredner hervor. Diesem Eigenen fühle sich das Land Baden-Württemberg verpflichtet. Mit den Patenschaften über die Volksgruppe der Donauschwaben und über die Landsmannschaft der Banater Schwaben bekenne sich Baden-Württemberg zu den geflüchteten, vertriebenen oder ausgesiedelten Donauschwaben. Der Donauschwäbische Kulturpreis sei „Ausdruck der Wertschätzung für ihr Erbe, für das kulturelle Schaffen der Donauschwaben“. (Auszüge aus der Festrede von Innenminister Thomas Strobl werden auf der nächsten Seite veröffentlicht.)

Nach einem Liedvortrag von Walter Berberich, der Emmerich Bartzers Vertonung des Gedichts „Blümchen“ von Peter Barth zu Gehör brachte, folgten die Laudationes auf die Preisträger. Die Laudatio auf den Hauptpreisträger Balthasar Waitz hielt der Literatur- und Kulturwissenschaftler Dr. Walter Engel, langjähriger Direktor des Gerhart-Hauptmann-Hauses in Düsseldorf. Rainer Goldhahn, Bundesvorsitzender der Künstlergilde Esslingen, hielt die Lobrede auf die Förderpreisträgerin Dr. Ana-Maria Schlupp. Das Wirken und die Verdienste des mit der Ehrengabe ausgezeichneten Temeswarer Schubert-Chors würdigte der Juryvorsitzende Hans Vastag. (Die Lobreden werden nachfolgend veröffentlicht.)

Anschließend überreichte Innenminister Thomas Strobl den vom Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg Winfried Kretschmann „in Anerkennung und Würdigung der Verdienste um die Erhaltung und Förderung des Kulturgutes der Donauschwaben“ verliehenen Donauschwäbischen Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg: den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis an Balthasar Waitz, den Förderpreis in Höhe von 2500 Euro an Dr. Ana-Maria Schlupp und die mit 2500 Euro dotierte Ehrengabe an den Dirigenten des Temeswarer Schubert-Chors Adrian Nuca-Bartzer. Strobl gratulierte den Preisträgern und bat Nuca-Bartzer, den Sängerinnen und Sängern des Schubert-Chors seine herzlichen Glückwünsche zu überbringen.

Der Festakt endete mit dem von Walter Berberich und Adrian Nuca-Bartzer interpretierten Lied „Nach deinen Spuren“ (Text: Peter Jung, Musik: Emmerich Bartzer). Begleitet wurden sie von der jungen Pianistin Julia Wagner.

Innenminister Strobl dankte den Musikern für die Umrahmung des Festaktes und wies auf die Ausstellung zur Geschichte des Schubert-Chors hin, die auszugsweise im Foyer des Hauses zu sehen war. Der anschließende Stehempfang bot Gelegenheit zu Gesprächen und Austausch.