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Banater Post

Die Geschichte des heiligen Franziskus ins Heute geholt

Der heilige Franziskus, Linolschnitt von Erich Georg Gagesch

Mit Leidenschaft und ansteckender Freude hauchten die rund 100 Mitwirkenden bei der Uraufführung des Musicals „Franziskus − Bruder Immerfroh“ der Figur des Heiligen Leben ein. Einsender: Erich Georg Gagesch

Die Natur ist nicht nur schützenswert, weil sie lebensnotwendig ist, sondern weil sie uns auch gelingende Lebensmöglichkeiten aufzeigt. Dieser Überzeugung sind in der heutigen Zeit immer mehr Menschen. Doch ein Mann aus Italien hat dies bereits vor 800 Jahren erkannt und den Erhalt der Schöpfung zu seinem Lebensinhalt gemacht: Franz von Assisi (1181/82-1226), auch bekannt als der heilige Franziskus. In eine wohlhabende Familie hineingeboren, gab er all seinen Besitz auf und lebte von da an in Armut, um Gott zu dienen. Schon durch seinen Verzicht und Lebenswandel, durch seine Liebe zu den Mitmenschen und seine Achtung vor der gesamten Schöpfung ist er für viele bis heute ein inspirierendes Vorbild. Sein faszinierendes Leben und seine Glaubensüberzeugung veranlassten den Kirchenmusiker und Komponisten Erich Georg Gagesch aus Singen, eine Messe und ein Musical zu komponieren, in denen die Geschichte von Franziskus musikalisch erzählt wird.

Aus den überlieferten Gebeten und Texten des Heiligen entstand die „Franziskusmesse in G“ für Sopran-Solo, Querflöte, Klarinette, Oboe und Orgel. Die einzelnen Lieder wurden nach klassischem Muster den üblichen Messteilen (Kyrie, Gloria, Halleluja, Sanctus, Friedensgebet und Segen), die Komposition wurde mit Franziskus’ „Sonnengesang“ und der Vogelpredigt, die zu den bekanntesten Legenden über den Heiligen gehört, ergänzt. Anfang März dieses Jahres erfuhr die Messe in der von Franziskanern betreuten Kapelle der Insel Werd – Sterbe- und Bestattungsort des heiligen Otmar, Gründer des Klosters St. Gallen – und in Leibstadt (beides in der Schweiz) ihre Uraufführung und erklang am 6. Oktober, anlässlich des Hochfestes des heiligen Franziskus von Assisi, in der katholischen Kirche von Eschenz (Kanton Thurgau, Schweiz). Dort ist Gagesch als Kirchenmusiker tätig: Er leitet den Kirchenchor St. Otmar Eschenz sowie den Cäcilienchor im benachbarten Stein am Rhein.

Zwei Wochen später, am 19. und 20. Oktober, fand ebenfalls in der Kirche von Eschenz die Uraufführung des Musicals „Franziskus – Bruder Immerfroh“ statt. Die szenische Darstellung beleuchtet in fünf Teilen das Leben und Wirken des heiligen Franziskus von Assisi. Untermalt werden die Dialoge durch 28 Arien, Lieder und Zwischenspiele, wobei natürlich die bekannte „Vogelpredigt“ und der „Sonnengesang“ nicht fehlen dürfen. Neben Szenen aus dem Leben des Heiligen werden auch etliche Legenden dargestellt, so die Legende vom Wolf von Gubbio, jene von der Nachtigall oder von dem Mann mit den zwei Lämmern. Mit seiner Thematik – Franzikus’ bedingungslose Liebe zu Gott und zu all seinen Geschöpfen – ist das Musical hochaktuell, es holt die Geschichte des Franz von Assisi ins Heute.

Das Musical „Franziskus – Bruder Immerfroh“ war ein ökumenisches Projekt, das vom katholischen Seelsorgeverband St. Otmar und der evangelischen Kirchgemeinde Burg Stein am Rhein unter der musikalischen Leitung des Komponisten Erich Georg Gagesch und der Regie von Regula Wuffli gemeinsam zur Aufführung gebracht wurde. Dabei handelt es sich um das zweite Großprojekt der beiden Kirchgemeinden. 2010 war ein Musical über den heiligen Otmar, ebenfalls von Gagesch komponiert, aufgeführt worden.

Rund 100 Mitwirkende – Darsteller, Gesangs- und Instrumentalsolisten, Gastsängerinnen und -sänger, der Kirchenchor St. Otmar, die BurgSinger der evangelischen Kirchgemeinde Burg, die Jugendband Eschenz und über 40 Kinder und Jugendliche – haben die Zuschauer auf eine Reise ins Mittelalter mitgenommen, auf der sie in das Leben und Wirken des Franz von Assisi eintauchen konnten. Zu den Mitwirkenden zählten auch mehrere Franziskanerbrüder, darunter Pater Christoph-Maria Hörtner OFM von der Insel Werd, der die Rolle des Franziskus ausgezeichnet darzustellen wusste.

Bei der Aufführung bot sich den Zuschauern ein lebendiges und beeindruckendes Bild dank der großen Zahl der Mitwirkenden, der Buntheit der Kostüme, der gelungenen Kulissengestaltung und der abwechslungsreichen Szenen. Die Legenden wurden spielerisch überzeugend dargestellt und von begeisterten Kindern besungen. Sie übernahmen auch die Rolle der Vögel in der berühmten „Vogelpredigt“ sowie die Werke der Schöpfung im ebenso berühmten „Sonnengesang“. Franziskanerbruder Christoph-Maria bescherte mit seiner wunderbaren Tenorstimme dem Publikum ein einzigartiges Hörerlebnis. Die Arien und Lieder, von mehreren Solisten gesungen und einem kleinen Orchester sowie dem erweiterten Kirchenchor begleitet, beeindruckten durch Vielfalt und innigsten Ausdruck. Unter anderem erklangen das sich großer Bekanntheit erfreuende Friedensgebet („Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens“), Franziskus’ Gebet vor dem Kreuzbild von San Damiano „Höchster glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens“ oder sein Segensgebet: „Der Herr segne und behüte dich. Er zeige dir sein Angesicht und erbarme sich deiner. Er wende dir sein Antlitz zu und schenke dir den Frieden.“

Die bei jeder Aufführung vollbesetzte Kirche, der begeisterte Applaus und das anschließende Lob bezeugten das besondere Gelingen dieser Uraufführung. Das Musical wurde sowohl für die Besucher als auch für die Aufführenden ein Erlebnis, das Generationen und Konfessionen miteinander verband und so eine beglückende Gemeinschaft schuf.

Auch die Presse war voll des Lobes für die Darbietung und hob bereits in den Überrschriften das Gemeinschaftserlebnis hervor: „Ein Musical zu Franziskus, heilig, immerfroh – Und ganz Eschenz macht mit“ (St. Galler Tagblatt), „Franziskus-Musical mit hundert Mitwirkenden und begeistertem Publikum“ (Homepage der Evangelischen Kirchgemeinde Burg), „Gemeinsam Großes bewirken“ (Schaffhauser Bock). In einem der Berichte heißt es: „Mit Leidenschaft und ansteckender Freude hauchten die rund 100 Mitwirkenden Franziskus Leben ein, tanzten zu mittelalterlicher Musik, sangen von der wahren Freude und spielten die Vogelpredigt. Von den Senioren bis zu den Kindern hatte jeder mit seinen Talenten seinen Platz. Das Publikum, das die Kirche zweimal bis auf den letzten Platz füllte, stimmte am Schluss kräftig mit ein in den Lobgesang und lohnte die großartige Darbietung mit tosendem Applaus und Standing Ovations.“

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Erich Georg Gagesch war in den Jahren 1971-1977 Kantor an der Stadtpfarrkirche in Großsanktnikolaus. Als Schüler von Professor Franz Xaver Dressler gab er hier auch zahlreiche Orgelkonzerte und arbeitete erfolgreich mit Kinder- und Jugendgruppen im kirchenmusikalischen Bereich. 1988 war er Mitbegründer der Heimatortsgemeinschaft Hellburg und des Kreisverbandes Konstanz/Singen, dessen Vorsitz er mehrere Jahre innehatte.