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Banater Post

Hoffnung gibt unserem Leben Sinn und Ziel

Alle, die zur Gestaltung der Wallfahrt aktiv beigetragen haben, versammelten sich zusammen mit der Geistlichkeit und den Ehrengästen zu einem Gruppenfoto vor der Basilika. Fotos: Maria Nyffenegger

Zu den Konzelebranten zählten auch der Temeswarer Bischof Josef Csaba Pál sowie vier aus dem Banat stammende Heimatpriester.

Bei einem offiziellen Empfang im Rathaus trugen sich die Bischöfe ins „Goldene Buch“ der Stadt Altötting ein.

Über 1200 Pilger fanden sich zum Pontifikalamt anlässlich der 60. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben in der Sankt-Anna-Basilika in Altötting ein.

Der 24. März 1946 ist in die donauschwäbische Geschichte eingegangen. Es war der Tag, an dem Pater Wendelin Gruber SJ zusammen mit seinen hoffnungslos im Vernichtungslager Gakowa (Jugoslawien) dahinsiechenden donauschwäbischen Landsleuten in einer Messfeier bei überquellendem Gotteshaus gelobte, jährlich aus Dankbarkeit zu wallfahren, „wenn wir am Leben bleiben“. Zu Pfingsten 1946 wiederholte er dieses Gelöbnis bei einem geheimen Gottesdienst im Vernichtungslager Rudolfsgnad. An dieses Versprechen erinnerte der Jesuitenpater nach seiner Entlassung aus sechsjähriger Kerkerhaft seine Donauschwaben. Bis heute wird es von Überlebenden und Bekennern bei Wallfahrten in Europa, Nord- und Südamerika jedes Jahr aufs Neue eingelöst. Längst ist es zum Klassiker donauschwäbischer Nachkriegsfrömmigkeit geworden. 1959 rief Gruber die Gelöbniswallfahrt nach Altötting ins Leben, die seither alljährlich am zweiten Wochenende im Juli als größte der donauschwäbischen Gelöbniswallfahrten stattfindet, dieses Jahr zum 60. Mal.

Eröffnungsgottesdienst und Vortrag

Den Eröffnungsgottesdienst in der Stiftskirche am Samstagnachmittag zelebrierten Stiftskanoniker Johann Palfi, Paul Kollar und Monsignore Andreas Straub, der mit seinen 83 Lebens- und 58 Priesterjahren seit 36 Jahren in Altötting dabei ist. Straub hielt in seiner Predigt Rückblick auf die Höhepunkte der Wallfahrt, zu denen er diejenigen mit so prominenten Teilnehmern wie den Politikern Otto von Habsburg, Barbara Stamm und Stefan Mayer zählte. Den Pilgern gab er den Gedanken mit auf den Weg, dass unser Glaube etwas sehr Einfaches, aber das Leben Erhebendes sei. Er beziehe sich auf die konkrete Person Jesu Christi. Glauben heiße deshalb, auf Jesus zu schauen, sich ihm mit allen unseren Problemen und Sorgen anzuvertrauen.

Prof. Dr. Michael Prosser-Schell vom Freiburger Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie betrachtete in seinen Vortrag die Heimatvertriebenenwallfahrten in Deutschland als Zeugnisse sowohl der Integration als auch der europäischen Versöhnung. Altötting sei der Ort der allerersten großen Flüchtlings- und Vertriebenenwallfahrt im Juni 1946. Auch in Erfurt, Werl, Vierzehnheiligen, Ellwangen und Walldürn gab es solche Wallfahrten mit Spitzenwerten zwischen 20000 und 80000 Menschen in den ersten Nachkriegsjahrzehnten. Prosser-Schell legte einige Aufgabenfelder und Ergebnisse der neueren, immer mehr in europäischer Vernetzung betriebenen Forschung über die Integration der Heimatvertriebenen und die damit verbundenen enormen Probleme dar. Die Assimilierung war im Ergebnis ein zweiseitiger Vorgang, indem die Kultur der Flüchtlinge und Vertriebenen und ihrer Nachkommen sich geltend machte, sichtbar in ihren Museen, in ihrer Literatur, in ihren demonstrativen Festen und Brauchformen und eben ganz besonders in ihren Wallfahrten. Der Referent wies auf den neuen europaübergreifenden Martinsweg hin, der wie insgesamt 33 offizielle Kulturwege vom Europarat als „open-air“-Labor der europäischen Entwicklung angeregt wurde und an eine der Kardinaltugenden des Christentums, die Barmherzigkeit gemahnt. Als eines der schönsten Beispiele der Revitalisierung und Versöhnungsanstrengungen nannte er die Wallfahrtsbasilika Maria Radna im Banat, die aus europäischen Fonds grundlegend saniert und 2015 als Modell des gemischtnationalen Zusammenlebens neu eröffnet wurde.

Franz Metz an der Orgel gestaltete mit dem Banater Kirchenchor St. Pius aus München den Gottesdienst musikalisch.

Vorabendgottesdienst und Lichterprozession

Den Vorabendgottesdienst in der Basilika St. Anna zelebrierte Bischof József Csaba Pal aus Temeswar. Die Predigt hielt Abt Markus Eller aus Scheyern, einem Ort im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, der besonders durch seine Benediktinerabtei bekannt ist. Da die Glockenweihe für seine Basilika zu den schönsten und bewegendsten Erlebnissen seines Lebens zählt, waren Klang, Stimme und Aufgabe von Glocken sein Thema. Glocken sollen rufen, mahnen, aufrichten, trösten, erfreuen und begleiten, in früheren Zeiten auch alarmieren und warnen. Alarmglocken könne man aber auch aus der Stimme eines Menschen heraushören oder aus Texten und Bildern herauslesen. Die Stimme Gottes, also seine Gebote und Gesetze, gehören, so Eller, nicht in den Himmel, sondern mitten unter die Menschen, damit sie auch gehört, verstanden und gelebt werden können. Eller nahm die Geschichte vom Barmherzigen Samariter, um den alarmierenden Charakter des biblischen Wortes zu zeigen, das auf vielfältige Weise ganz nah im Mund und Herzen jedes Menschen ist und zu Güte und Liebe aufruft.

Unter der Gesamtleitung von Franz Metz wurde mit Kirchenchören aus München, Ulm und Waldkraiburg die „Missa Brevis“ von Josef Weikert (1837-1907) gesungen, einem Komponisten böhmischer Herkunft, der in Weißkirchen im Banat starb.

Danach nahm eine Lichterprozession bei einbrechender Dunkelheit ihren Ausgang an der Basilika, führte über den Kapellplatz und umrundete mehrfach unter Liedern, Gebeten und Anrufungen, die Wallfahrtsrektor Günther Mandel intonierte, die Gnadenkapelle. Trachtenträger schritten dabei voran und trugen ein Bild der Kirche Maria Radna, eine Kerze des St. Gerhards-Werks mit Jubiläumsdatum sowie das Bildnis des Anregers der donauschwäbischen Gelöbniswallfahrten Pater Wendelin Gruber SJ, bis sich die Pilger unter den Bäumen vor der Kapelle sammelten, wo die Blaskapelle „Lambert Steiner“ aus Sanktanna und aufspielte und Lieder wie „Glorwürdige Königin“, „Seestern, wir grüßen dich“ oder „Segne du Maria“ gesungen wurden. Vorsänger Mandel wies darauf hin, dass in Altötting 1489 durch die Rettung eines in den Bach gefallenen, schon tot geglaubten Jungen das erste Wunder geschehen sei. Die 2000 an der Kapelle angebrachten Votivtafeln zeugen von vielen weiteren Knotenlösungen, jährlich kommen 30 neue dazu.

Prozession zur Basilika und Wort des Laien

Am nächsten Morgen bewegte sich eine Prozession aus Fahnenabordnungen, Marienmädchen, der Jugendblaskapelle „Lambert Steiner“ sowie der Blaskapelle der HOG Sanktanna, dann der Geistlichkeit und schließlich Trachtengruppen und Pilger unter festlichen Klängen von der Gnadenkapelle zur Basilika.

Dort begrüßte Josef Lutz aus Sanktanna/Nürnberg, der Organisator der Wallfahrt, im Namen des St. Gerhards-Werks Stuttgart die Pilger und Gläubigen sowie namentlich eine lange Reihe von Ehrengästen, darunter zuerst die drei Bischöfe und die zahlreiche Geistlichkeit, den Bürgermeister der Stadt Altötting Herbert Hofauer mit Gattin, den Staatssekretär im Bundesministerium des Innern Stephan Mayer aus Altötting sowie alle aktiv Beteiligten, dann die Vertreter des St. Gerhards-Werks, der Landsmannschaften und Landesverbände, der Pilgervereine, die Delegationen aus Rumänien, Serbien und Ungarn, die Gäste aus Argentinien, Brasilien, Kanada und den Vereinigten Staaten.

Paul Nemeth (Jahrgang 1965), der seit 2006 dem Landtag von Baden-Württemberg angehört und in der vergangenen Wahlperiode Beauftragter der CDU-Landtagsfraktion für die Angelegenheiten der Vertriebenen war, richtete an die über 1200 Besucher zunächst das Wort des Laien zum Thema „Versöhnt mit der Vergangenheit und mit Hoffnung in die Zukunft“. Nemeth würdigte die Leistung der Heimatvertriebenen für den Aufbau Baden-Württembergs und Deutschlands. Die Geschichte, besonders die der Heimatvertriebenen, vor allem auch die schlimmen Verbrechen, die an den Donauschwaben begangen wurden, dürfe nicht in Vergessenheit geraten, sondern müsse weitererzählt werden. Solche Verbrechen ermahnen uns, das europäische Haus gemeinsam zu bauen und den Frieden in Europa zu bewahren. Der Abgeordnete, dessen Mutter Sudetendeutsche ist und dessen Vater aus Miletitsch in der Batschka stammt, ist als überzeugter Europäer mit verantwortlich für die Donauraum-Strategie. Es ist ihm ein Herzensanliegen, etwa mit Archiven und Denkmälern die Erinnerung zu bewahren, damit klar ist, dass Europa auf Wahrheit und Ehrlichkeit aufbauen muss. Nemeth schloss mit der Überzeugung, dass donauschwäbische Tugenden wie Fleiß, aufrechter Gang, Pflichtbewusstsein trotz harter Leiderfahrung, Gerechtigkeitssinn, Humor und Demut auch in Zukunft benötigt werden.

Pontifikalgottesdienst mit drei Bischöfen

In der Basilika zelebrierten zusammen mit Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch aus der Erzdiözese Freiburg auch Bischof József Csaba Pál aus der Diözese Temeswar im rumänischen Banat, Weihbischof Dr. Varga Lajos aus der Diözese Waitzen in Ungarn, weiterhin Prälat und Wallfahrtsrektor Günther Mandel als Herr des Hauses, EGR Monsignore Andreas Straub, der emeritierte Visitator der Donauschwaben aus Bayreuth, Pfarrer Paul Kollar, Pfarrer Robert Dürbach, Stiftskanoniker Johann Palfi sowie Diakon Herbert Lang.

In seiner Predigt erkundete Zollitsch die Hoffnung, von der wir alle leben. Große und kleine Hoffnungen tragen und prägen unser Leben, auch und gerade in Not und Bedrängnis, wie es in den Lagern Jugoslawiens und Russlands deutlich wurde. Doch wir brauchen eine Hoffnung, die uns übersteigt, die weit über unseren Alltag und unser irdisches Leben hinausreicht. Die tragende Perspektive unseres Lebens ist die zentrale christliche Botschaft, dass es mehr gibt als nur dieses Leben. Diese von Gott verheißene und verbürgte Perspektive ist es, so Zollitsch, die unserem Leben seinen Sinn und sein Ziel gibt.

Eine Welt ohne Gott sei eine Welt ohne Hoffnung. Auf dem Pilgerweg der Hoffnung seien wir nicht allein, denn Jesus habe uns seine Mutter als Wegbegleiterin und Mutter der Hoffnung hinterlassen. Dies zeigt auch das aus der Not geborene, aber von Vertrauen und Hoffnung auf die erbarmende Hilfe Marias abgegebene Gelöbnis, mit dem Pater Wendelin Gruber am Vorabend des Festes Mariä Verkündigung im Vernichtungslager Gakowa gemeinsam mit leidgeprüften und fast verzweifelten Landsleuten den Blick über diese Welt hinaus richtete. In Treue zu diesem Gelöbnis finde auch diese 60. Wallfahrt in Altötting statt, bei der es nicht nur um Erinnerung und Rückschau geht, sondern ebenso um den Dank aller, die die Todeslager überlebt haben und eine neue Zukunft fanden.

Für das blaue Banner Europas mit den zwölf goldenen Sternen habe das 12. Kapitel der Offenbarung des hl. Johannes mit der sternumkränzten Maria Pate gestanden. Pater Notker Hiegl, ein aus Miletitsch stammender donauschwäbischer Landsmann, sei dabei, ein kontinentales Netz von zwölf Wallfahrts- und Gebetsorten zu knüpfen unter dem Titel „Maria, Mutter Europas“. Ein Europa, das Maria zum Leitbild hat, sich unter ihren Schutz stellt und sich in ihrer Hoffnung festmacht, überwinde Nationalismus und Hass.

Die Botschaft unseres harten donauschwäbischen Schicksals und unserer jährlichen Wallfahrt sei nicht Aufrechnung und Vergeltung, sondern die große Bitte an Maria, dass sie alle Menschen den Weg der Versöhnung und des Friedens führe. „Denn wo Gott ist, da ist Hoffnung. Und Maria führt uns zu ihm und zu ihr“, schloss der Erzbischof.

Die donauschwäbische Singgruppe aus Landshut unter Leitung von Reinhard Scherer begleitete den Gottesdienst mit glockenreinen Stimmen musikalisch und verlieh ihm die gehobene Festlichkeit. Zum Auszug spielte die Blaskapelle „Lambert Steiner“.

Empfang im Altöttinger Rathaus

Zu einem offiziellen Empfang der Kreisstadt Altötting hatte danach der Erste Bürgermeister Herbert Hofauer geladen. Dabei trugen sich die drei Bischöfe ins „Goldene Buch“ der Stadt ein und erhielten ein Buchgeschenk. Die Gelöbniswallfahrt sei eine Besonderheit, sagte Hofauer, entstanden zur Erinnerung an Zeiten größter Not, in Liedern und Gebet gelebt auch in Altötting. Er dankte den Organisatoren und würdigte die Aufbauleistung der Donauschwaben in Bayern und ihren Mut, Brücken in ihre Herkunftsländer zu bauen. Eine Ausweitung Richtung Osten werde überlegt, noch heuer wolle er den Wallfahrtsort Maria Radna in West-Rumänien besuchen und Gespräche führen.

Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch von Freiburg sagte, Wallfahren sei ein wichtiger Bestandteil der Frömmigkeit bei seinen Landsleuten. In Altötting finde man immer eine freundliche Aufnahme und fühle sich hier wohl. Die Gelöbniswallfahrten der Donauschwaben hätten sich bewährt als Bindeglied, um die Menschen aus den Herkunftsländern zusammenzuführen. Donauschwaben seien geborene Brückenbauer, er selbst komme gerade von einer Friedenswallfahrt auf der Donau. „Ich bin ein überzeugter Europäer“, betonte Zollitsch, dabei liege die Zukunft Europas in der Hand der Gottesmutter.

Bundestagsmitglied Stephan Mayer, als Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat auch für die Belange der Vertriebenen zuständig und im Ehrenamt stellvertretender Landesvorsitzender der Union der Vertriebenen und Aussiedler der CSU sowie Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen, dankte den donauschwäbischen Landsmannschaften für die Treue zu Altötting. Die Eingliederung der Donauschwaben sei gelungen, ihre Versöhnungsarbeit nach wie vor wichtig, die Bedeutung der Vertriebenenwallfahrten immer noch groß, weil die Vertriebenen in Zeiten des Populismus und Nationalismus Brückenbauer seien und Vorbild dafür, zu erkennen, wo die eigenen Wurzeln sind. Er sei überzeugt von der Wichtigkeit der kulturellen Arbeit der Heimatvertriebenen und werde sich mit allen Kräften dafür einsetzen, so Mayer.

Marienliedersingen und Marienandacht

Am Nachmittag wurden traditionsgemäß in der Basilika Marienlieder gesungen. Die Marienandacht wurde von Monsignore Andreas Straub mit der Segnung der von den Pilgern erworbenen Devotionalien zelebriert. Auch eine Broschüre mit dem Lebensbild des Jesuitenpaters Wendelin Gruber, des Anregers der donauschwäbischen Gelöbniswallfahrten, konnten die Pilger erwerben.