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Banater Post

Das Gefühl, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein

Hunderte Trachtenträger (hier die Banater Trachtengruppe München) marschierten auf dem Freiheitsplatz auf und präsentierten die von allen Gruppen beherrschten Gemeinschaftstänze. Foto: Karin Bohnenschuh

Am Mittwoch, dem 12. Juni, war es endlich soweit. Die Heimattage der Banater Deutschen standen vor der Tür, die alle zwei Jahre in Temeswar im Wechsel mit dem Heimattag der Banater Schwaben in Ulm ausgetragen werden. Dieses Jahr durften die Tanzgruppen München und Spaichingen sowie die „Original Banater Dorfmusikanten“ aus München zu den Heimattagen nach Temeswar reisen.

An diesem Mittwoch, gegen 17 Uhr, warteten die Teilnehmer schon gespannt auf den Reisebus. Nach kleinen Startkomplikationen kamen die Reisenden am Mittag des nächsten Tages zum Essen in Tschanad an. Das Buffet war reich gedeckt mit typisch rumänischen Speisen. Auf das kräftigende Mittagessen folgte die Weiterfahrt nach Temeswar, wo die Gruppen ihre Unterkünfte bezogen. Am Abend gab es ein gemeinsames Essen mit einigen Tanzgruppen aus dem Banat, wonach die Original Banater Dorfmusikanten zum Tanz aufspielten. Auf Polka- und Walzerklänge schwangen die Jugendlichen das Tanzbein, zum Schluss wurden die gemeinsamen Tänze getanzt. An diesem Abend fielen alle übermüdet in ihre Betten und freuten sich auf den kommenden Tag.

Am Freitagmorgen stand das Frühstücksbuffet in den verschiedenen Unterkünften bereit. Die Gruppen fuhren anschließend mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus, um an der Festveranstaltung zum 25-jährigen Jubiläum des Hauses teilzunehmen. Nach Gottesdienst und Festakt begrüßten unsere Gruppen die Festgemeinde mit dem Lied „Servus, Grüezi und Hallo“. Anschließend waren wir zu einem Festessen mit vier Gängen eingeladen. Die Gäste wurden mit einer leckeren „Ciorba“, Sarmale, Schnitzel und Braten mit Kartoffelbrei und Krautsalat und einem Nachtisch verwöhnt.

Mit vollen Mägen machten wir uns auf zu einer Stadtbesichtigung, wobei die Rolle des Stadtführers von einem Jugendlichen der Tanzgruppe „Warjascher Spatzen“ übernommen worden war. Nach dem Abendessen bestand die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis an einer Stadtrallye teilzunehmen. Der Abend stand den Jugendlichen zur freien Verfügung, und die erkundeten Temeswar von einer Rooftop-Bar aus oder tauchten ins rege Nachtleben ein.

Nach wenigen Stunden Schlaf und einem kräftigen Frühstück begaben wir uns, schick gekleidet, in die Staatsoper, um der Eröffnung der Heimattage beizuwohnen. Wir lauschten den Reden, in denen es um die Geschichte der Banater Schwaben und ihr Wirken in der Gegenwart ging, wobei insbesondere die Rolle der deutschen Minderheit als Bewahrer von Tradition, Brauchtum und Sprache und deren Brückenfunktion in den Beziehungen zwischen Rumänien und Deutschland hervorgehoben wurden. Der Festakt wurde von der Blaskapelle des Banater Forums musikalisch umrahmt.

Anschließend warfen sich die beiden mitwirkenden Gruppen aus Deutschland in Schale und legten zum ersten Mal auf dieser Reise ihre Trachten an, zumal am Nachmittag das Festprogramm im Konzertsaal des Ion-Vidu-Lyzeums anstand, das von einer Vielzahl an Kulturgruppen aus dem ganzen Banat gestaltet wurde. Auch wir präsentierten in diesem Rahmen unsere Tänze. Trotz hoher Temperaturen haben sich alle Gruppen von ihrer besten Seite gezeigt und volle Leistung erbracht. Danach war Zeit, um sich frisch und wieder schick für den Ball zu machen, der um 21 Uhr im Festsaal des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses begann. Dort spielten die Münchner sowie die Banater Blaskapelle bis spät in die Nacht hinein.

Nach einer weiteren Nacht mit wenig Schlaf legten wir wieder die Tracht an und versammelten uns vor der Katharinenkirche. Vier Trachtenpaare aus unseren Gruppen wohnten dem vom Temeswarer Diözesanbischof Josef Csaba Pál zelebrierten Festgottesdienst bei. Anschließend marschierten Hunderte Trachtenträgerinnen und -träger in einem beeindruckenden Trachtenumzug durch das Zentrum der Stadt. Nach der Niederlegung eines Kranzes am Denkmal der Revolution auf dem Siegesplatz führten die Trachtengruppen Tänze auf dem Opernplatz vor, auf dem Freiheitsplatz präsentierten sie dann die Gemeinschaftstänze.

Danach ging es zurück in die Unterkünfte und es hieß Koffer packen. Gegen 17 Uhr fuhr der Bus Richtung Ungarn ab, wo wir alle zum Abschluss noch einmal gemeinsam zu Abend aßen. Nach einer langen Nacht im Bus waren am Montag, dem 17. Juni, bis spätestens 13 Uhr alle wieder müde, aber glücklich zu Hause.

Neben dem offiziellen Programm sind es meist kleine Ereignisse, die den Teilnehmern in freudiger Erinnerung bleiben. An dieser Stelle werden ein paar der tollsten, witzigsten und beeindruckendsten Erlebnisse zusammengetragen, die Reihenfolge ist rein zufällig:

- Am ersten Abend tanzen alle Jugendlichen – ob aus dem Banat oder aus Deutschland – zusammen die Gemeinschaftstänze, im Anschluss daran findet noch ein Ball zu Blasmusikklängen statt, bei dem Städte- und Ländergrenzen aufgelöst scheinen und neue Freundschaften entstehen.

- Beim Anlegen der Tracht werden Geschwindigkeitsrekorde verzeichnet. Alle helfen einander beim An- und Ausziehen der Tracht.

- Mit dem Lied „Servus, Grüezi und Hallo“ bringen wir dem Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus ein Ständchen dar.

- Eine Rede in der Oper über die Irren und Wirren der zwei Weltkriege, über die Russlanddeportation – so lebendig erzählt, dass es unter die Haut geht.

- Auf der Busfahrt herrschen Vorfreude und gute Laune, die Gruppendynamik ist spürbar.

- Während des Essens, bei 35 Grad, fangen die Leute an, Polka zu tanzen.

- Beim gemütlichen Cocktail über den Dächern Temeswars kommt es zu einem regen Austausch zwischen den Gruppen.

- Ein junger Banater Schwabe fährt nach Temeswar, zufälligerweise in der Zeit, in der die Heimattage stattfinden. Über Instagram findet er eine Bekannte, die mit der DBJT unterwegs ist und ist überwältigt von dieser Großveranstaltung, der Vielfalt der Trachten und Tänze. Er staunt nicht schlecht, dass so viele junge Menschen das Banater Brauchtum leben und dass es in Deutschland noch viel mehr Tanzgruppen und Veranstaltungen dieser Art gibt.

- Der Ball im AMG-Haus verläuft so, wie es die Eltern und Großeltern immer erzählen: Die Jugend tanzt, die alten „Tratschweiwer“ sitzen um die Tanzfläche und beobachten das Geschehen mit Adleraugen.

- Nachts um 3 Uhr läuft eine Gruppe Jugendlicher zum Hotel und singt dabei „Die Fischer von San Juan“ – fehlerfrei.

- Beim Jubiläum im AMG-Haus hilft ein Jugendlicher einer Bewohnerin des Altenheimes, sich an den Tisch zu setzen.

- Während der Stadtrallye durch Temeswar entstehen tolle Erinnerungsselfies.

- Ein deutscher Doppeldeckerbus ist nicht für rumänische Verhältnisse gedacht.

- Ball im AMG-Haus: „Mein Banaterland“ wird in gefühlt doppelter Geschwindigkeit getanzt – und das zweimal hintereinander!

- Ein nicht enden wollender Zug an Trachtenträgern marschiert durchs Zentrum von Temeswar und präsentiert die unglaubliche Trachtenvielfalt der Banater Schwaben. Bei der anschließenden Vorführung der Gemeinschaftstänze kann man direkt erleben, was „Gemeinschaft“ bedeutet.

Anhand dieser von Jugendlichen zusammengetragenen Punkte ist zu erkennen, dass die Heimattage in Temeswar mit vielen freudigen und positiven Erinnerungen verbunden sind. Trotz mancher Organisationsschwierigkeiten und Programmänderungen war es eine gelungene Reise, auf der das Ziel, Traditionen und Brauchtum der Banater Schwaben zu leben und zu erleben, definitiv erreicht wurde.