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Banater Post

Anrufung des Literaturgottes

Die Autoren des Pop Verlags (von links) Horst Samson, Benedikt Dyrlich, Barbara Zeizinger und Ulrich Bergmann lesen in „Café Europa“ auf der Buchmesse in Leipzig 2017. Foto: Pop Verlag

Gedränge am Stand des Verlags auf der Buchmesse, wo Leserinnen und Leser Autoren direkt ansprechen können, wo aber auch Kollegengespräche gerne geführt werden. Foto: Edda Samson

Es gibt keinen Grund, nicht nach Glück und Erfolg zu streben. Im Gegenteil, wer ein WARUM zum Leben hat, erträgt fast jedes WIE, so hat es Friedrich Nietzsche in seiner „Götzen-Dämmerung: Sprüche und Pfeile“ ausgedrückt und uns damit einen klassischen Lehrsatz als Erbe hinterlassen. Der Schriftsteller Traian Pop, Gründer des Pop Verlags in Ludwigsburg, ist so ein Exemplar einer seltenen Spezies – mutig und strebsam, zielbewusst, optimistisch und fleißig. Der Erfolg gibt ihm Recht, allen Widrigkeiten zum Trotze.

2019 ist für Traian Pop ein Fest-Jahr: Seit genau 15 Jahren gibt es den Pop-Verlag in Ludwigsburg, geprägt von hoher literarischer Affinität des Verlegers und mit einem auf die internationale Literatur ausgerichteten Verlagskonzept. Obwohl der deutschen Sprache nur in begrenztem Maße mächtig, hat es der rumänische Schriftsteller und Emigrant geschafft, neben seinem bis vor kurzem noch ausgeübten Beruf als Elektrotechnik-Ingenieur seinen größten Traum zu verwirklichen. Er schuf auf schier unfassbare Art einen beachtlichen Verlag, der hierzulande seinesgleichen nicht hat.

Traian Pop ist es gelungen, unterstützt von einer Gruppe von Schriftstellerfreunden, die er um seinen Verlag zu scharen wusste, in Baden-Württemberg buchstäblich ein feines unternehmerisches Wunder zu vollbringen. Sein Verlag veröffentlicht hochkarätige deutsche und auch internationale Literatur, ist offen für gute Debütbände, produziert zudem auch noch die beiden, jeweils viermal pro Jahr in einem Umfang von durchschnittlich 200 bis 300 Seiten erscheinenden Literatur-Zeitschriften „Matrix“ und „Bawülon“. Faszinierend dabei ist auch, dass der Pop Verlag quasi alle literarischen Genres bedient, von der Prosa über die Lyrik bis hin zu Essays, Übersetzungen aus Literaturen anderer Länder, ja selbst Reisebeschreibungen mit literarischem Anspruch finden sich im Verzeichnis des Verlags.

Allein in diesem Jahr präsentierte Traian Pop zur Leipziger Buchmesse 2019 unter anderem folgende Bücher: „Franz, Franzi, Francisc – Romanfragment nebst Arbeitsnotizen und Annotionen“ von Johann Lippet, „Hinter die dunkle Tür“ von Hans Bender (Gründer der Literaturzeitschrift „Akzente“ im Münchener Hanser-Verlag), „Scherben saufen“ von Theo Breuer, „Rumänische Helden. Vom Realsozialismus zum EU-Vorsitz. Reportagen, Porträts, Interviews, Essays und Analysen aus 33 Jahren“ von dem Schweizer Journalisten und Dichter Andreas Saurer, „Auf leisen Sohlen. Annäherungen an Katzendorf“ von Dagmar Dusil, „Über deutsche Dichter, Schriftsteller und Intellektuelle aus Rumänien“ von Anton Sterbling, „Die Professoressa. Ein Erotikon in gebundener und ungebundener Rede“ von Carmen Elisabeth Puchianu sowie die zweite, erweiterte Auflage des literarischen Lesebuches „Heimat als Versuchung – Das nackte Leben. Gedichte, Prosa, Essay, Literaturkritiken, Interviews“ von Horst Samson.

„Vor 15 Jahren habe ich mir erlaubt, einen Verlag zu gründen. Eine größere Sünde hätte ich nicht begehen können, lieber Gott der Literatur und Kunst! Ich gestehe: Meine Sünde betrifft mehr als 400 angenommene Manuskripte, und ich habe immer noch nicht genug davon, trotz meines Alters, meiner fehlenden Kräfte und Kapazitäten. Ich habe mich in mehr als 400 Autorinnen und Autoren verliebt und mit allen – ohne Ausnahme – mein Leben geteilt: mit Tausenden von Prosastücken und noch mehr Gedichten sowie Texten aller Art über Literatur und Kunst. Mit Luther gesprochen: Hier verlege ich und kann nicht anders! Was für eine Anmaßung, lieber Gott der Literatur und Kunst!“, kommentierte Verleger Pop sein großartiges Lebensprojekt.

Zu Recht ist er stolz auf das Erreichte und nennt in einem Atemzug eine Reihe von Namen „von Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Ländern Europas und den USA, namhafte, vielfach international prämierte Schriftsteller mit allerhöchsten ästhetischen Ansprüchen, so die weltbekannte rumänische Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin Ana Blandiana, Friederike Mayröcker, Eginald Schlattner, Hans Bender, Orhan Kemal, Orhan Pamuk oder Herta Müller, aber auch Klaus Martens, Richard Wagner, Dieter Schlesak, Johann  Lippet, Horst Samson, Thomas Lux, Badri Guguschwili, Dato Barbakadse, Jan Goczol, Dimiter Dublew, Milan Hrabal, Robert Şerban, ferner Ioana Nicolae, Franziska Ricinski, Ngo Nguyen Dung, Julia Schiff, Viorel Marineasa und viele andere, darunter auch bekannte Größen aus der Region, wie Imre Török, Barbara Zeizinger, Reiner Wedler, Uli Rothfuss, Norbert Sternmut, Ulrich Bergmann, Ondine Dietz, Adriana Carcu oder Ursula Teicher-Maier. Dazu Übersetzer von Ruf aus dem Amerikanischen, wie Klaus Martens, oder aus dem Rumänischen, wie Ernest Wichner, Gerhard Csejka, Georg Aescht oder Edith Konradt, außerdem Literaturkritiker, wie Prof. Dr. Wolfgang Schlott, oder Literaturvermittler, wie den Heidelberger Hochschullehrer Prof. Gert Weisskirchen. Mit welch sündhaftem Engagement ich den Verlag betreibe, zeigt nicht zuletzt auch der seit 2014 jährlich vergebene Debüt-Literaturpreis zur Förderung von jungen beziehungsweise neuen Autoren“, bringt es Verleger Pop auf den Nenner.

Als Maxime seiner ambitionierten verlegerischen Arbeit orientiert sich Traian Pop, selbst ein ausgezeichneter Lyriker, Theaterautor und wichtiger Repräsentant der rumänischen Literatur, an einem Ausspruch des geschätzten Verlegers Kurt Wolff, und zwar sich nicht vom Geschmack der Leser leiten zu lassen, sondern solche Bücher zu verlegen, von denen man als Verleger überzeugt ist, dass die Leute sie lesen sollen.

Der Pop Verlag ist unabhängig von Konzernen und Geldgebern und Traian Pop macht davon im Dienste der Förderung der Literatur auch im Sinne der Zusammenführung europäischer Autoren und Literaturen mit Sorgfalt und Verstand Gebrauch, „aus Überzeugung und Vergnügen, mit Augenmaß und Ernsthaftigkeit, auf eigene Kosten und mit einem eigenen, unverkennbaren Verlagsprofil“, stellt er im Gespräch klar.

Traian Pop ist in seinem Wesen, in seiner Offenheit und Zugeneigtheit zu seinen Autoren ein authentischer, ja außergewöhnlicher Mensch und Büchernarr. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Kritik der desolaten, von Korruption und Misswirtschaft geprägten politischen Lage in dem Balkanstaat Rumänien geht, aber auch die eigenen Schwierigkeiten des „Nebenher-Unternehmers“, der jeden verdienten Euro umgehend in ein neues Buch investiert, kehrt er nicht unter den Teppich. Er, der mit Frau Dorothea, drei Kindern und mit Habseligkeiten in zwei Reisekoffern nach dem Sturz des Diktators Nicolae Ceauşescu 1990 seine Heimat Rumänien westwärts verlassen hat und erst einmal Boden unter die Füße bekommen musste, ist ein Kämpfer per excellence, obwohl er als unabhängiger Kleinverleger so gut wie keine Lobby hat und daher bei Würdigungen außergewöhnlicher verlegerischer Aktivitäten regelmäßig übergangen wird.

Trotz aller Widrigkeiten gibt Traian Pop nicht auf. Und da er auf Erden von Politik oder kulturfördernden Institutionen trotz der noblen Vermittlung von Literatur im europäischen Rang nichts zu erwarten hat, richtet sich sein Blick himmelwärts: „Verzeih mir, lieber Gott, wenn ich ergänze, dass der Aufwand für Lektorate, Druckkosten, Messestände und so weiter nicht nur beträchtlich, sondern auch immer höher war als die Einnahmen und mich an die Grenzen des Machbaren und der Existenz geführt hat. Mit der vorliegenden Beichte der umfassenden literarischen Sünden des Pop-Verlags und dessen Betreiber lege ich mein Herz in deine Hände, auch wenn es schwach ist, verrückt und immer noch bereit zu sündigen, trotz regelmäßiger ärztlicher Behandlungen.“

Selbstverständlich sündigt der Pop-Verlag auch bei den Buchmessen in Frankfurt und in Leipzig, wo er jeweils mit einem eigenen Stand vertreten ist, um die Neuerscheinungen auch in Form von Autorenlesungen dem interessierten Publikum zu präsentieren. Bei diesem umfassenden Programm und vielfältigen Konzept käme kein vernünftiger Mensch auf die Idee, dass es sich beim Pop-Verlag in der Tat um einen Kleinstverlag handelt, hinter dem im Prinzip nur eine einzige Person steht, die – um das anspruchsvolle verlegerische Programm finanzieren zu können – bis vor kurzem auch noch einer geregelten Erwerbstätigkeit als Elektronikingenieur nachgegangen ist. Von der Textauswahl über das Layout, die künstlerische Gestaltung der Buchumschläge und die Druckvorbereitung bis hin zum Vertrieb – alles erledigt er eigenhändig.

Verehrter Gott der Literatur und Kunst, es lässt sich – um den Faden von Traian Pops Fürbitte aufzunehmen – fürwahr aus der Ferne nicht im Leisesten ermessen, aber gewiss erahnen, wie viel Herzblut, Energie, Kraft, Ambitionen, Freude und Ärger, Arbeit und auch finanzielle Verschuldungen für den Verleger Traian Pop immer wieder nötig sind, um den beispiellosen Verlag lebendig in Betrieb und auf Erfolgskurs zu halten. Und er will alles daransetzen, um „diese wunderbare Arbeit, die ein bestimmender Teil meines Lebens bedeutet, fortzusetzen und alle meine Kraft dahingehend investieren“, koste es, was es wolle. Möge ihm der angerufene „Gott der Literatur und Kunst“ beistehen und seine Ambitionen und sein Werk beschützten so gut wie es nur geht.

Wie lautete doch nur ein Vermächtnis des italienischen Philosophen und Dichters Tommaso Campanella (1568-1639) an die Welt: „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“, weil Träume Ziele setzen und Ziele erreichbar sind, vorausgesetzt man glaubt fest daran und tut – wie der Verleger Traian Pop – alles, um den Traum in die Realität zu transponieren.